Flüchtlingsportraits

Die aktuelle Situation in Deutschland bringt viele Fragen auf: Wie können die Flüchtlinge untergebracht werden? Wie kann die Integration der Flüchtlinge gelingen? Wie schnell lernen die Flüchtlinge deutsch? Wann können die Flüchtlinge arbeiten?

Doch, wer sind eigentlich die Flüchtlinge? Hier werden nun jeweils eine Einzelperson oder eine Familie vorgestellt. Die Inhalte der Kurztexte ergeben sich aus persönlichen Gesprächen mit den Geflüchteten der Ettlinger Gemeinschafts- und Anschlussunterkünfte.

Keda Shaipova (Tschetschenien)

Mein Name ist Keda Schaipova. Ich bin 29 Jahre alt und komme aus Tschetschenien. Seit zweieinhalb Jahren lebe ich nun schon mit meiner Tochter und meinem Sohn in Deutschland und fühle mich hier sehr wohl. Vor allem die Pünktlichkeit der Deutschen und der sehr strukturierte Alltag gefallen mir hier. Anders als in Russland wird man beispielsweise bei einem Arztbesuch pünktlich zum vereinbarten Termin behandelt.
Das Schwerste in Deutschland ist gleichzeitig das Wichtigste: die Sprache und die Kommunikation. Als ich hier ankam, habe ich einen Monat lang fast nichts verstanden und konnte mich nur schlecht verständigen, aber ich lerne jeden Tag! Aus diesem Grund besuche ich den Kurs „Perspektiven für Flüchtlinge“ in Karlsruhe. Hier habe ich vier Wochen Sprachunterricht und dann sechs Wochen Praktikum in einem Krankenhaus, um die Möglichkeit zu erhalten, als Krankenschwester zu arbeiten. Diesen Beruf habe ich auch vier Jahre in Russland ausgeübt und ich wünsche mir, eines Tages in Deutschland wieder als Krankenpflegerin arbeiten zu können.
Meine Kinder gehen beide in Ettlingen zur Schule und können sehr gut deutsch sprechen. So können wir uns gegenseitig bei unseren Hausaufgaben helfen. In meiner Freizeit gehe ich sehr gerne mit der Familie ins Schwimmbad, denn schwimmen macht nicht nur Spaß, sondern ist auch sehr gesund. Ich versuche außerdem meiner Tochter den Wunsch zu erfüllen, Klavierspielen zu lernen. In der Zukunft würde ich sehr gerne einmal nach Berlin reisen, da ich schon oft von der Schönheit der Stadt gehört habe.
Obwohl ich meine Eltern und meine beiden Brüder in Russland vermisse, bin ich sehr froh, dass ich hier in Ettlingen bin und dass ich so viel soziale Unterstützung erhalten, die mir unglaublich hilft und für die ich mich ganz herzlich bedanken möchte.


Sladana Sherifi (Serbien)

Ich bin Sladana Sherifi, 32 Jahre alt und komme aus Serbien. Mit meinem Mann und meinen drei Töchtern Vanesa, Esma und Sabrina, bin ich vor 2 Jahren nach Deutschland gekommen. Nach einer 16-stündigen Busfahrt aus unserem Heimatland, die mit einer zweijährigen, sehr aktiven Tochter wirklich sehr anstrengend war, haben wir Karlsruhe erreicht. Nachdem wir auch in Ittersbach gewohnt haben, leben wir nun seit dem 27. September in Ettlingen. In Ittersbach habe ich wöchentlich einen Deutschkurs besucht, daher komme ich nun sehr gut mit der deutschen Sprache zurecht. In den ersten Wochen und Monaten war die Verständigung jedoch besonders schwierig, da man niemanden kannte und kaum etwas verstanden hat.
Jetzt sind wir aber gut angekommen und fühlen uns sehr wohl, nicht zuletzt weil die Deutschen sehr nett und vor allem hilfsbereit sind. Außerdem wird man hier toleriert - aus diesem Grund sind wir hier! Mein Mann und ich sind Muslime und diese werden in unserer Heimat nicht akzeptiert.
Mit meiner Familie habe ich leider kein sehr gutes Verhältnis, weshalb ich auch kaum Kontakt zu meinen Verwandten in Serbien habe. Gearbeitet habe ich als Verkäuferin in verschiedenen Läden, was ich auch hier machen möchte. Deshalb mache ich zurzeit für einen Monat ein Praktikum bei „Edeka“ in Ittersbach.
Sabrina geht seit dieser Woche in den Kindergarten und Vanesa und Esma gehen beide in die Schillerschule. Vanesa findet die Schule hier viel einfacher als in Serbien und ihr ist schon aufgefallen, dass man in Deutschland erst ab der 5. Klasse Englisch lernt und nicht schon ab dem 6. Lebensjahr, wie in Serbien. In ihrer Freizeit hört sie gerne Musik, vor allem deutsche Musik und Justin Bieber. Esma ist ein leidenschaftlicher Sportfan. Sie spielt Fußball im Verein, fährt gerne Fahrrad und schwimmt im Sommer viel. Beide wünschen sich eines Tages einmal nach Berlin zu reisen. Die ganze Familie freut sich auf eine schöne und ereignisreiche Zukunft hier in Deutschland und hofft hier dauerhaft bleiben zu können.


Sofian Alsaleh (Syrien)

Ich heiße Sofian Alsaleh, bin 35 Jahre alt und gebürtiger Syrer. Zusammen mit meiner Frau und meinen Kindern bin ich vor einem Jahr und zwei Monaten nach Deutschland gekommen. Zunächst wohnten wir in Münzheim, doch seit dem 22. März leben wir nun schon in Ettlingen. Wir fühlen uns hier sehr wohl, da jetzt wieder Ruhe in unser Leben gekehrt ist. Ich finde Deutschland wirklich super, nur die Suche nach einer Wohnung ist sehr schwierig.
In Syrien war ich in einer Hotel-Fachschule und habe außerdem vier Jahre lang Kosmetika verkauft. Es hat mich überrascht, dass es hier noch mehr Technik gibt als in Syrien! Hier in Deutschland würde ich gerne einen PKW-Führerschein machen und eine Ausbildung zum LKW-Fahrer absolvieren.
Momentan besuche ich von Montag bis Freitag einen Integrationskurs im AAW Ettlingen und lerne jeden Tag Neues, doch leider vergesse ich auch viele deutsche Wörter wieder. Meine Frau geht in die Ausbildungsschule in Bruchsal. Leider habe ich außerhalb meines Unterrichts kaum Kontakt mit deutschen Menschen, was ich sehr bedauere. Ich lege großen Wert darauf, dass wir auch zu Hause viel Deutsch sprechen, denn nur dann kann man die Sprache richtig lernen.
In meiner Freizeit liebe ich es vor allem zu lesen, wobei mir eigentlich jedes Genre gefällt. In Deutschland würde ich gerne einmal München und Stuttgart besuchen, da mich diese beiden Städte besonders interessieren. Viele meiner Verwandten wohnen noch in Syrien, darunter meine Eltern. Sie vermisse ich am meisten. Doch ich freue mich trotzdem, dass ich jetzt in Ettlingen wohne und hoffentlich viele, schöne Jahre hier verbringen kann.


Houssam Alali (Syrien)

Hallo, mein Name ist Houssam Alali, ich bin 34 Jahre alt und komme aus Syrien. Nach dem Abschluss des höchstmöglichen Schullevels in meinem Heimatland habe ich zwei Jahre lang Englische Literatur an der Universität studiert und spreche diese Sprache aus diesem Grund sehr gut. Da ich englische Gedichte, wie „A Doll’s House“, sowie Novellen, Geschichten und Dramen liebe, war dieser Studiengang genau das Richtige für mich.
Ich lebe nun in Deutschland, weil ich hier im Gegensatz zu Syrien in Sicherheit leben kann, jedoch war der Weg hierher sehr gefährlich und unglaublich hart für mich. Von der Türkei aus bin ich mit 72 anderen Personen in einem Boot nach Griechenland gefahren, was ungefähr zweieinhalb Stunden dauerte. Ab Thessaloniki ging meine Reise nun über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich bis nach München. Diese Strecke habe ich zu 75% zu Fuß zurückgelegt und habe etwa einen Monat dafür gebraucht. So müde und entkräftet war ich noch nie in meinem Leben! Mit dem Zug habe ich dann Karlsruhe erreicht.
Ab dem 1. Dezember werde ich in Karlsruhe einen Deutschsprachkurs besuchen. Danach würde ich gerne eine Ausbildung machen, doch mein größter Wunsch wäre es Englischlehrer zu werden. Auch meine Eltern sind beide Lehrer. Sie leben mit meinen beiden jüngeren Schwestern in Saudi-Arabien. Nur meine ältere Schwester wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Syrien. Um sie mache ich mir große Sorgen, da sie in ständiger Gefahr leben.
In meiner Freizeit mache ich viel Sport. Ich spiele gerne Fußball, gehe Schwimmen und fahre viel Fahrrad. Ich habe viele deutsche und italienische Freunde in Ettlingen gefunden. Außerdem liebe ich es an der Alb spazieren zu gehen.
Die Sozialarbeiter und andere deutsche Familien unterstützen mich hier sehr. Bei ihnen allen möchte ich mich ganz herzlich bedanken! In meiner Zeit hier in Deutschland möchte ich ein Teil der Gesellschaft werden und wie alle Menschen in Sicherheit leben. Doch das Wichtigste im Leben ist: Keep Smiling and Stay Positive!


Anas Karim (Syrien)

Mein Name ist Anas Karim, ich bin 19 Jahre alt und bin in Damaskus, Syrien geboren. Nachdem ich zusammen mit meiner Mutter und meinen zwei Schwester für drei Monate in Bretten lebte, wohnen wir nun seit Juni diesen Jahres in Ettlingen. Wir fühlen uns sehr wohl!
Meine Reise nach Deutschland war sehr lange und beschwerlich. Von Syrien aus sind wir mit dem Auto in den Libanon gefahren und von dort mit dem Flugzeug in die Türkei geflogen. Von hier aus hat uns ein Boot nach Griechenland gebracht. Mit dem Zug und dem Bus haben wir dann Deutschland erreicht. Neben Berlin und München waren wir auch in Frankfurt, bevor wie nach Bretten kamen.
In Syrien habe ich zwölf Jahre lang die Schule besucht und dort mein Abitur gemacht. Vor allem die Fächer Mathematik, Physik und Chemie lagen mir besonders gut. Da ich dort auch Französisch und Englisch gelernt habe, fällt es mir nun recht leicht, die deutsche Sprache zu lernen. Nächstes Jahr werde ich an meiner Schule die Prüfung für das Sprachniveau B2 machen.
Wenn man hier lebt, muss man die Sprache können. Ansonsten kann man weder arbeiten noch studieren. Ich will unbedingt den Wunsch meines Vaters erfüllen und hier in Deutschland Medizin studieren. Ich weiß aber auch, wie schwer es ist einen Studienplatz zu erhalten.
Besonders gut an Deutschland gefallen mir die Geduld der deutschen Menschen und die Ordnung. Nach zehn Monaten in Deutschland kann ich sagen, dass mein Herz für beide Länder schlägt – Deutschland und Syrien.
Zu meinen Hobbies zählen vor allem Lesen und Schreiben. Fast täglich gehe ich in die Stadtbibliothek und lese Bücher. Dies mache ich jedoch auch sehr gerne in der Natur und in Parks.
Ich hoffe, dass ich in meiner Zukunft die Städte Berlin, Hamburg und Frankfurt besuchen kann und vielleicht eines Tages wieder in Syrien leben werde.
 


Akram Mameh (Syrien)

Mein Name ist Akram Mameh, ich bin 33 Jahre alt und komme aus Syrien. Seit Anfang 2016 lebe ich nun mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen in Deutschland. Im November letzten Jahres sind wir außerdem Eltern einer Tochter geworden.
In meinem Heimatland habe ich 12 Jahre die Schule besucht und anschließend eine dreijährige Ausbildung zum Optiker gemacht. Für diesen Beruf habe ich mich vor allem entschieden, weil man dabei sehr viel mit dem Kopf arbeiten muss und nicht nur mit den Händen. Auch meine Frau war 9 Jahre in der Schule. Ich habe in Damaskus drei eigene Läden geführt: einen Brillenladen, ein Geschäft für Kontaktlinsen sowie einen Gewürzladen.
Von Syrien aus sind wir zunächst in die Türkei gekommen und sind von dort aus mit einem Boot nach Griechenland gefahren. Über Albanien, Mazedonien, Ungarn und Österreich haben wir dann schließlich Deutschland erreicht.
Die deutschen Menschen nehme ich vor allem als sehr freundlich und hilfsbereit wahr. Hier hilft jeder jedem, egal wo man her kommt. Deshalb fühlen wir uns hier sehr wohl.
In der Zukunft möchte ich wieder als Optiker arbeiten. Ich habe deshalb schon mit mehreren Optikern und Brillenläden in Ettlingen und Karlsruhe Kontakt gehabt. Wenn mein Sprachkurs fertig ist, habe ich die Möglichkeit in einem Geschäft anzufangen. Meine Frau möchte in Deutschland am liebsten als Friseurin arbeiten.
Hier in Ettlingen mache ich regelmäßig zusammen mit meinen Söhnen Judo. Außerdem gehen wir oft in die Kirche. Meine Frau und ich haben uns in Karlsruhe auch taufen lassen.
In Deutschland möchte ich alle neuen Chancen für mich und meine Familie nutzen, die in Syrien verloren gegangen sind. Da wir hier so viel Hilfe und Unterstützung erhalten, möchte ich auch etwas zurückgeben, indem ich Kurse besuche und auch meine Pflichten gewissenhaft erfülle.
Denn wenn man Gutes tut, kommt es immer wieder auf einen zurück!
 


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