von rund 1100 BM- oder OB-Stühlen in den Rathäusern des Landes sind nur 28 von Frauen besetzt. Das Ettlinger Rathaus dagegen haben bzw. hatten sie erobert. Seit 2005 gab es die weibliche Doppelspitze, etwas Besonderes im Land, führte die OB aus. Nun werde in Kürze ein weiterer OB-Sessel durch eine Frau besetzt, gratulierte sie nochmals ihrer Kollegin.
Im Rahmen einer Feier im Beisein von Gemeinderäten und Amtsleitern fand am ver-gangenen Montag die offizielle Verabschiedung der Bürgermeisterin statt. Sie tritt am 1. Oktober ihre neue Stelle als Oberbürgermeisterin von Bruchsal an. Viereinhalb Jahre war sie 1. Beigeordnete in Ettlingen gewesen, in ihr Ressort fielen das Amt für Jugend, Familie und Senioren, das Amt für Bildung und Weiterbildung, das Ordnungsamt, das Stadtbauamt, das Justitiariat und das Grundbuchamt. Ferner vertrat die BM die Stadt als Vorsitzende im Zweckverband Wasserversorgung Albgau, war Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Ettlingen und deren Servicegesellschaft.
Im April 2005 war Petzold-Schick vom Gemeinderat mehrheitlich zur Bürgermeisterin gewählt worden, sagte die OB und ließ deren Vita Revue passieren. Letztlich, so ihr Fazit, habe alles fast zwangsläufig zu einem OB-Job führen müssen und befähige sie für ihre neuen Aufgaben im Bruchsaler Rathaus. „Das Rüst- und das Handwerkszeug zur OB bringt sie mit!“
Einige Weichen seien in den vergangenen vier Jahren in Ettlingen durch Cornelia Petzold-Schick gestellt, einige Stempel aufgedrückt worden, resümierte die OB weiter. Beispielhaft nannte sie das Mehrgenerationenhaus, das Versammlungsverbot für die rechte Szene mit nachhaltigem Erfolg, ihr Engagement für Kinder und Familien, zahlreiche Entscheidungen für die Stadtwerke. Daneben habe sie stets die Zeit gefunden, sich sozial zu engagieren. Gabriela Büssemaker dankte Petzold-Schick für die Zusammenarbeit, diese werde nun in einem anderen Rahmen fortgesetzt.
Für die Fraktionen des Gemeinderats ergriff Jürgen Deckers das Wort. Auch er sprach der Bürgermeisterin seinen Dank aus und definierte den Job der Beigeordneten als „Puffer zwischen Gemeinderat und Verwaltung“. Auch er hob die Verdienste Petzold-Schicks hervor und betonte, sie habe sich mit viel Engagement, mitunter auch kämpferisch, verdient gemacht um Ettlingen.
Humorvoll war Hauptamtleiter Dieter Lechners Resümee für Cornelia Petzold-Schick. Denn er hatte ‚Zeitzeugen’ befragt, um das Wirken der Bürgermeisterin zu erfassen: ihre Möbel. Vor über vier Jahren war sie nämlich mit auffallend grasgrünen Büromöbeln von Rheinstetten nach Ettlingen gekommen, diese werden sie nun auch nach Bruchsal begleiten, „Sie bleiben eben Ihren Werten treu“, schloss er daraus. „Geradlinig, klassisch“ seien Mobilar und Besitzerin, dabei nicht unauffällig; „Wir werden Sie vermissen“, sagte Lechner.
Angelika Jähn, Personalratsvorsitzende der Stadt, sprach von einem lachenden und einem weinenden Auge wegen des Weggangs der Bürgermeisterin. Die Familie Stadtverwaltung verliere ein geschätztes und vertrautes Mitglied, sagte sie und würdigte die stets sehr offenen Personalratsgespräche.
Aus dem Blickwinkel des „Stadtwerklers“ beleuchtete Dagmar Cappek, Prokuristin der Stadtwerke GmbH, in Vertretung für Stadtwerkegeschäftsführer Eberhard Oehler das Wirken von BM Petzold-Schick. Sie sprach von Ehrgeiz und Elan einer Vorsitzenden mit „Leib und Seele“, die sich „in stürmischen Zeiten den Respekt und das Vertrauen“ der Stadtwerke-Mitarbeiter erarbeitet habe. Als Frau mit Charakter habe Petzold-Schick immer zu den Stadtwerken gestanden, auch wenn schwierige, umstrittene Entscheidungen anstanden.
Cornelia Petzold-Schick selbst ergriff zuletzt das Wort, sichtlich bewegt. Gleich zu beginn ihrer Replik setzte sie dem im Zusammenhang mit der weiblichen Rathausspitze viel zitierten Begriff „Zickenkrieg“ das männliche Pendant entgegen: „Es lautet Männerfreundschaft!“ Ohne sachliche, konstruktive Auseinandersetzungen, ohne mitunter Kräfte zehrendes Ringen zum Wohle der Stadt gehe es nun mal nicht.
Sie dankte für die anerkennenden Worte, dankte dem ehemaligen wie dem amtierenden Gemeinderat, den Amtsleitern, der Oberbürgermeisterin und den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Presse für die gute Zusammenarbeit, anmerkend, dass sie als weibliche Führungskraft ja nicht verloren gehe, sondern dem Landkreis erhalten bleibe. Sie betonte, Ettlingen nie als Sprungbrett gesehen zu haben, die Entscheidung, sich um den OB-Sessel in Bruchsal zu bewerben, sei ihr nicht leicht gefallen.
Mit einem von Ortsvorsteher Helmut Haas in bewährter Manier vorgetragenen liebenswerten Gedicht für die Bürgermeisterin endete der offizielle Teil der Verabschiedung, die von jungen Musikern der Musikschule mit kleinen Beiträgen aufgelockert worden war.

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