Nicht nur in Küstenregionen sind sie zu einer Landmarke geworden, die Windräder, auch auf den Anhöhen des Hunsrücks oder rund um das rheinhessische Wörrstadt drehen sich die Rotoren. „Energie ist da, man muss sie nur nutzen“, so das Credo von Fred Jung einer der Chefs des Unternehmens Juwi, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Regenerativen Energiegewinnung. Es sei kein Zufall gewesen, so die OB, diese seit zwölf Jahre bestehende Firma zu besuchen, da sie greifbare Perspektiven für Kommunen bietet, die sich in ihrer Region für Klimaschutz einsetzen möchten.
Wer auf erneuerbare Energien setzt, betreibe aktiv Daseinsvorsorge für kommende Generationen, so ein Leitsatz von Juwi. Doch nicht erst bei der Energie setzen Fred Jung und sein Partner Mathias Willenbacher den Hebel an, „jede nicht gebrauchte Kilowattstunde ist eine gute“, sondern bereits bei dem Bürogebäude. Ihr eigener Firmensitz verbraucht pro Quadratmeter gerade einmal für zwei Euro Energie im Jahr durch respektive wegen der energieeinsparenden Bauweise. Sie beginnt beim Baustoff Holz geht über den Einsatz regenerativer Energieträger bis hin zur Abfallbehandlung. Im ganzen Gebäude begegnet man dem Begriff Nachhaltigkeit auf einer äußerst ansprechenden Weise. Jeder Winkel, jedes natürliche Element wird doppelt genutzt, die rund 115 000 Liter Wasser für die Sprinkleranlage kühlen in einem geschlossenen Kreislauf im Sommer das Haus und im Bedarfsfall kann damit ein Brand gelöscht werden. Das Haus spiegle wider, was möglich ist, was umsetzbar ist, so der Tenor aus dem Rat.
Und was im Bereich Energie möglich ist, lässt sich an den unterschiedlichen Referenzprojekten in der Nähe des Firmensitzes von Juwi studieren. Windenergie ist unter den ´sieben energetischen Sachen´ die effizienteste, billigste und sie hat den größten Flächeneffekt, machte Jung in seinem Vortrag deutlich. Er verhehlte nicht, dass es bis zu sechs Jahren dauern kann von der Beratung bis zu Realisierung. Doch wichtig sei, die Bürger einzubinden, ihnen die Sinnhaftigkeit zu erklären. Über Ästhetik lasse sich streiten, aber die Menschen müssen wissen, dass die Windräder nützlich, dass sie ein finanzieller Gewinn für die jeweilige Region sind und unabhängiger machen von den Importen“. Rund 50 Prozent ihrer Energie muss die Bundesrepublik importieren. Jung unterstrich auch, für eine bestmögliche Ausschöpfung der Windenergie bedarf es der besten Standorte. Auf die Frage, wie er über offshore-Projekte in der Nordsee denke, merkte der Firmenchef an, dass sie noch zu teuer seien.
1 200 Windkraft-Anlagen gibt es in Rheinland-Pfalz, künftig werden es weniger sein, denn da wo früher zehn bis zwölf Räder standen, braucht es heute nur noch fünf ob ihrer besseren Effizienz. In der Verbandsgemeinde Wörrstadt solle schon im Jahr 2017 der komplette Strombedarf aus regenerativen Energiequellen stammen, teilte Jung mit. Durch den Bau von fünf neuen Windrädern beim Firmensitz, mit deren Gesamtleistung von zehn Megawatt man 7 500 Haushalte ein ganzes Jahr mit Strom versorgen könnte, steigere sich der Anteil an erneuerbaren Energien von heute fünf auf über 40 Prozent im Jahr 2009. Nach einer Führung durch das Bürogebäude wurden auch der im Bau befindliche Windpark und der bereits fertig gestellte Solarpark in Augenschein genommen.
Mit dieser Fülle an Informationen ging es von Wörrstadt weiter zu einem Passiv-Grundschulgebäude in Frankfurt-Riedberg, das nach einer Bauzeit von 14 Monaten im Jahr 2004 eröffnet wurde. In Riedberg wurde ein neues Quartier geschaffen. Im Jahr 2017 werden hier 15 000 Einwohner leben, erläuterte die zuständige Dezernentin für Bildung und Frauen Jutta Ebeling. Der Frankfurter Magistrat hat den Beschluss gefasst, dass alle Neubauten der Verwaltung respektive städtischen Einrichtungen dem Passivhausstandard genügen müssen. Diese Handlungsdirektive spiegelt sich auch im Lehrplan wider, wo Umweltschutz und Naturprojekte groß geschrieben werden. Auf über 16 Millionen Euro beliefen sich die Kosten für das Schulgebäude, ein Mehr an Kosten von 5,3 Prozent gegenüber dem gültigen EnEV-Standard. Das A und O eines Passivhauses sei die Lüftung, deren Energieeffizienz sei entscheidend. Aufgrund der verstärkten Dämmung, der Fenster und Grundlüftung sieht man nur schmalste Heizkörper in den Räumen. Die 25 Schüler mit ihrem Lehrer sorgen durch ihre Körpertemperatur selbst für die benötigte Zimmertemperatur. Kein architektonisches Detail ist hier um seiner selbst willen, wie bereits beim Juwi-Bürokomplex, hinter scheinbar rhythmisiert angeordneten Fassadenelementen verbergen sich beispielsweise Lüftungsschlitze.
Den Schlusspunkt hinter die Lehrfahrt in Sachen regenerative Energiegewinnung und energetisches Bauen setzte Dipl.-Ing. Hans Hertle vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (kurz IFEU) mit seiner Information über das integrierte Klimaschutzkonzept 2010 der Stadt Ettlingen. Ein besonderes Augenmerk wird hier auf die Erstellung eines Wärmeverbrauchsatlasses gelegt im Hinblick auf den Einsatz erneuerbarer Energien.

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