Es ist ihnen wieder aufs beste geglückt: die Lesefreude nicht nur zu vermitteln, sondern auch zu nähren. Denn das Frauenteam um die Chefin der Ettlinger Stadtbibliothek Siglinde Taller kann eine erfolgreiche Bilanz für das vergangene Jahr ziehen. Bürgermeister Thomas Fedrow bezeichnete die Vorstellung der Jahresbilanz als ein großes Highlight für die Mitarbeiterinnen, denn darin spiegelt sich die Jahresarbeit, spiegelt sich ihre Dienstleistung wider.
In nüchternen Zahlen ausgedrückt, bedeutet dies, 321 619 Ausleihen und damit ein Gesamtumsatz von 5,6. Jedes Medium des Büchertempels wurde mehr als fünfmal ausgeliehen. Der Löwenanteil beim Entleihung sind die Printmedien mit 69 Prozent, gefolgt von den Nonbook-Medien (wie Hörbücher, Spiele oder DVDs) mit 31 Prozent. Gerade die Nachfrage in diesem Bereich ist steigend, wohingegen das Sachbuch weniger gefragt ist. Dies führte Taller auf die Internetrecherche zurück.
Traditionell den höchsten Umsatz erzielen die Kinder- und Jugendbücher mit 6,1. In diesen Bereich fließen 30 Prozent des Medienetats, der bei 52 000 Euro liegt. Der Gemeinderat hat hier keine Kürzungen vorgenommen, „er steht hinter dieser Einrichtung“, ließ Fedrow wissen. Er appellierte jedoch an die Bevölkerung und Unternehmen, durch Sponsoring die Qualität des Hauses zu unterstützen, das mit zu den beliebtesten Treffpunkten in der Stadt gehört.
Täglich besuchten 418 große und kleine Menschen die ehemalige Exerzierhalle zum Stöbern oder zum Lesen von Zeitungen, summa summarum 104 000 Besucher. Überraschend ist, dass die 6 107 aktiven Leser (aktiv bedeutet, mindest einmal ein Medium pro Jahr zu entleihen), die zwar etwas rückläufig sind, das beste Ausleihergebnis erzielt haben. Fast 46 Prozent von dieser aktiven Leserschaft sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, deren Ausweis ist kostenlos. Für die Erwachsenen kostet er zwölf Monate lang 15 Euro. Die daraus resultierenden Einnahmen decken die Ausgaben für die Medien nicht.
Dass sich die Bücherei als Spiegelbild der Gesellschaft betrachtet, zeigt sich beispielsweise in der Elternbibliothek, wo Familien mit Kleinkindern Unterstützung für ihren Erziehungsalltag beziehungsweise Anregungen finden. Eine neue Abteilung, die man ebenso weiter ausbauen möchte, wie man auch die Generation 50+ als Leser gewinnen möchte mit einem eigenen Angebot. Dies ist mit ein Ziel für dieses Jahr neben dem Ausbau der Leseförderung an den weiterführenden Schulen. Gerade die Entwicklung der Medienkompetenz bei Kindern ist ein wichtiges Bibliothekziel, ohne dabei die Senioren aus dem Blickfeld zu verlieren, unterstrichen Siglinde Talle und ihre Stellvertreterin Christine Kratschmann.
Der „Lebenslauf des Lesens“ benötige immer wieder neue Impulse, die nicht nur vom Buch ausgehen, sondern auch und gerade von den Führungen, von den Autorenbegegnungen oder von dem Vorlesesommer. 40 Veranstaltungen, davon 27 für Kinder, waren es im vergangenen Jahr. Die Besucherzahlen sind ein Dankeschön an das Team für diese zusätzliche Arbeit, die zur Attraktivität, aber auch zum Bekanntheitsgrad des Hauses beiträgt. Den schlummernden Leser wecken, ihn aktivieren, möchten Taller und Kratschmann. Starte doch die Medienkompetenz mit dem Buch in der Hand, merkte der BM an. Die Bibliothek sei hier die ideale Wissensquelle, die dazu keinerlei kommerzielles Interesse verfolge.
Und trotz oder gerade wegen der digitalen und virtuellen Welten steigt das Bedürfnis der Menschen nach realen Räumen, nach Orten der Kommunikation. Die Stadtbibliothek als lebender Kultur- und Kommunikationsort leistet hier einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt

Favoriten










