Ehrenbürgerwürde für Kurt Müller-Graf: "Ein Glücksfall für Ettlingen"

der ehemalige Schlossfestspielintendant Kurt M?ller-Graf erhielt von OB B?ssemaker die Ernennungsurkunde zum Ehrenb?rger Ettlingens

Ein Stück Ettlinger Kulturgeschichte geschaffen hat der ehemalige Intendant der Schlossfestspiele Kurt Müller-Graf mit dem Freilufttheater im Schlosshof. Die Ernennungsurkunde zum Ehrenbürger erhielt Kurt Müller-Graf am vergangenen Sonntag von Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker.Ob Florian Buhl oder Wilhelm Lorenz, Hugo Rimmelspacher oder Helmut Gietz, sie alle haben wichtige und entscheidende Beiträge für die Entwicklung und das Ansehen der Stadt geleistet, auf die bis heute die nachfolgenden Generationen aufbauen. Ihre außerordentlichen Leistungen für das Gemeinwohl wurden mit dem Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet.

Vor über 20 Jahren wurde diese Würdigung dem ehemaligen OB Dr. Erwin Vetter zuteil, einer der Gründungsväter der Ettlinger Schlossfestspiele. Der andere spiritus rector des Freilichttheaters im Schlosshof, Kurt Müller-Graf erhielt am vergangenen Sonntag diese höchste Auszeichnung, die bisher nur selten verliehen wurde, „damit hat der Gemeinderat zu allen Zeiten zum Ausdruck gebracht, dass das Ehrenbürgerrecht nur Bürgern zuteil wird, deren Wirken in die Geschichte der Stadt eingehen kann“, machte Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker deutlich, die diese Auszeichnung initiiert hatte. Unter den zahlreichen Ehrengästen konnte Büssemaker auch den Präsidenten des Bundesgerichtshofes Professor Klaus Tolksdorf sowie den früheren Minister für Wissenschaft und Kunst Helmut Engler begrüßen sowie viele Weggefährten von „M-G“.

Durch Müller-Grafs hohen persönlichen Einsatz konnte sich Ettlingen als Festspielstadt etablieren, „Sie waren ein Glücksfall für unsere Stadt“. Dieser Glücksfall für die Ettlinger Kultur hatte bereits vor 25 Jahren das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und knapp zehn Jahre später die Verdienstmedaille in Gold von der Stadt bekommen. Ein Ausrufezeichen hinter die erfolgreiche Stadtsanierung und die aufwändige Schlossrenovierung setzten die Festspiele, die immer auch jene Kurt Müller-Grafs waren. 13 Jahre lang war er Intendant, Schauspieler und Regisseur und machte „die Schlossfestspiele zu einer der führenden Freilichtbühnen in Deutschland“, unterstrich die Rathauschefin. Und die Ettlinger, sie waren stolz auf „ihren Kurt“, der mit seinem sicheren Gespür fürs Theaters den Südflügel als die ideale Kulisse entdeckte.

Gemeinsam mit Dr. Vetter entwickelte er die konzeptuellen Grundlagen, der Spielplan sollte möglichst viele, auch theaterfremde Besucherkreise ansprechen, und die Besucher kamen und genossen die besondere Atmosphäre im Schlosshof. Müller-Graf hat ein „Stück Ettlinger Kulturgeschichte“ geschaffen, so die OB. Dieses „Stück“ wurde dank Leo Romigs Filmaufnahmen wieder sichtbar, der ehemalige Besitzer der Schlossapotheke und ehemalige Vorsitzende der „Freunde der Schlossfestspiele“ hatte ein großes Herz für das Theater und bannte alle Aktivitäten der Festspiele auf Celluloid. Dieses Archiv wurde nun von seinen Kindern Hannelore Jancke und Theodor Romig geöffnet, das 70-stündige Filmmaterial von Professor Gerald Niemetz und Helmut Benz gesichtet und unter der tatkräftigen Mithilfe von Heidrun Müller-Graf zu einem kurzweiligen Kaleidoskop über 13 Jahre „M-G“ zusammengestellt, moderiert von Barbara Nentwig.

Dr. Erwin Vetter brachte eine Eloge auf Müller-Graf aus, „dieser Repräsentant des Theaters erhält zurecht die Würde“. Es war „eine wunderschöne Zeit und eine wunderschöne Gemeinschaft, hob Vetter heraus, dabei nicht vergessend die legendären Nachfeiern beim Sternenwirt Kurt Wagner, wo Vetter als damaliger OB die Sperrstunde einfach aufhob. Er erinnerte aber auch an daran, dass alle an einem Strang zogen, vom Gemeinderat über die Verwaltung bis hin zu den Schauspielern. Es war eine Gemeinschaft.
Der Grundstein für die „unerklärliche Liebe zu Ettlingen“ wurde früh bei „M-G“, gelegt, denn als Siebenjähriger ging es mit den Eltern von Rüppurr zum Sternenwirt nach Ettlingen.
Nicht ohne Rührung erwähnte er, dass die Freunde ihn wohl als „Kurt im Glück“ bezeichnen werden. Da er nun lernen müsse, wie mit einer Ehrenbürgerwürde umzugehen sei, werde er sich Erwin Vetter zum Vorbild nehmen, der habe ja bereits 20 Jahre Erfahrung darin. Und zum Schluss verhehlte er bei „aller Bescheidenheit“ nicht, „ich bin stolz auf die Auszeichnung und auf mein Werk.“

Eine musikalische Hommage sowohl auf den Ehrenbürger, der überdies demnächst seinen 95. Geburtstag feiert als auch auf das 30-Jährige der Festspiele gab es von Pianist Lothar Arnold, er spielte ein Potpourri aus den Musicals der vergangenen drei Dezennien und eine kleinen Kostprobe der diesjährigen Shakespeareproduktion

Die Vita
Der 1913 in Karlsruhe Geborene absolvierte zunächst einen „anständigen Beruf“. Doch bereits als 17-Jähriger stand er bei den Volksschauspielen Ötigheim auf den Brettern. Der Schauspielprüfung folgten zahlreiche Engagements im In- und Ausland, von Nürnberg über München und Köln bis zum Wiener Burgtheater und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe. Daneben war er auch noch beim Hörfunk, beim Fernsehen tätig, ging auf Tourneen oder stand auf den Freilichtbühnen von Schwäbisch Hall oder Wunsiedel.
Mit 65 hatte er zwar die Pensionsgrenze erreicht, aber „die Zitrone hatte noch zu viel Saft“, um Lotti Huber zu zitieren, um sich zur Ruhe zu setzen. Und der Grandseigneur des Deutschen Theaters entdeckte den Ettlinger Schlosshof für sich, für das Theater, für Ettlingen. 13 Jahre lang war er der Prinzipal und konnte so weiter seiner größten Leidenschaft frönen „Am Anfang war das Wort“, denn Sprache war für ihn eine Quelle ständiger Leidenschaft und Herausforderung. Auch nach seinem Abschied als Impresario blieb er Ettlingen verbunden, 2003 feierte er ein Comeback mit seiner Frau Heidrun, sie „spielten“ das Lesestück „Love Letters“. Und die Fans, sie waren begeistert.