Empfang zu Ehren Dr. Erwin Vetters: Er ist und lebt Ettlingen

Das Schlussbild war von großer Symbolkraft: Dr. Erwin Vetter dirigierte „seinen“ Musikverein Bruchhausen und die Geburtstagsgäste sangen das Badener Lied mit. Führen und integrieren vereinten sich dabei zu einem Bild, das den ehemaligen Oberbürgermeister Ettlingens trefflich charakterisierte.

Die beiden Begrifflichkeiten hatte Laudator Günther Oettinger, EU-Energiekommissar als die herausragenden Eigenschaften Vetters genannt. Voll besetzt war die Stadthalle, in der der Empfang anlässlich des 75. Geburtstags des Ehrenbürgers der Stadt stattfand. Viel Prominenz, aber auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hatten sich eingefunden, um an der Feier teilzunehmen.

„Er ist und lebt Ettlingen“, hatte eingangs Oberbürgermeister Johannes Arnold in seiner Begrüßung gesagt. Wenn in Ettlingen von „unserem Erwin“ gesprochen werde, so sei dies nicht respektlos, sondern im Gegenteil Zeichen höchster Akzeptanz. Denn Vetter habe seine Bürgerinnen und Bürger stets mit einbezogen, habe Visionen entwickelt, fern von Kirchturmpolitik. „Es ist mir eine Ehre, einer ihrer Amtsnachfolger zu sein“, so Arnold. Die Feier in der Stadthalle sei ein Dank für sein Wirken.

Günther Oettinger, er trug sich auch ins Goldene Buch der Stadt ein, nannte Vetter „im Kern einen Generalisten mit Spezialkenntnissen“. Er habe Ettlingen mit seiner Handschrift geprägt, die Stadt habe so im Schlagschatten von Karlsruhe ein eigenes Profil erhalten. Oettinger schilderte Vetters Werdegang, seine beruflichen Stationen, unter anderem war er Baden-Württembergs erster Umweltminister. Auch die Europapolitik habe er einige Jahre lang mitgeprägt. Oettinger brach eine Lanze für Europa, zumal Baden-Württemberg ob seiner Lage im Ländergefüge eine besondere Rolle zukomme. Das Land müsse sich zu Europa bekennen und seine Chancen wahrnehmen. In diesem Sinne sei Vetter „ein Europäer mit lokalem und regionalem Verantwortungsbewusstsein“.

Aber nicht nur der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident gehörte zum Reigen der Festredner, die am vergangenen Samstag in der Stadthalle Erwin Vetter gratulierten. Auch Lothar Späth, gleichfalls vormaliger Ministerpräsident des Landes, hob heraus, dass Vetter die Herausforderung suchte, und dass er, wenn er die Lösung für gut befand, die Gesamtverantwortung übernahm. „Auf ihn konnte ich mich verlassen, er ist ein unglaublich guter Mensch“, so Späth, der Vetter seine hohe Sensibilität für Europa attestierte.

MdL Werner Raab plauderte als langjähriger vertrauter Weggefährte und Sprecher der örtlichen Parteien und Wählervereinigungen ein wenig „aus dem Nähkästchen“. Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit bescheinigte er dem „begnadeten Rhetoriker“, der am liebste Theaterintendant geworden wäre. Von sich selbst habe Vetter einmal gesagt: „Das Glück meiner Gene ist, dass ich die Menschen mag.“ So habe er auch die Stadt „regiert, saniert und Stadt und Bürgern menschliche Wärme und Würde gegeben“. „Gelassene Unruhe, Tiefe bewahren“, dieser Zustand möge Vetter auch künftig erhalten bleiben, wünschte Raab.

Und Vetter selbst, er betonte in seiner Replik, dass es ohne seine Team, ob im Rathaus oder in Stuttgart, nicht gegangen wäre. „Denn ich bin nicht der Gescheiteste, aber ich umgebe mich gerne mit den Gescheitesten“, ließ er bescheiden wissen und der begeisterte Tennisspieler merkte an, „auch im Sport hat man nur Erfolg im Team.“ Doch das beste Team, das er je an der seiner Seite hatte, waren die Ettlinger, „Ihr seid bei der Stadtsanierung mitgezogen“. Diese war im Übrigen das Ergebnis eines „Dauergesprächs“ zwischen allen Beteiligten. Er erinnerte auch an den „Rütli-Schwur“ für eine gemeinsame Stadt. Der baulichen folgte die kulturelle Sanierung mit der Musikschule, dem Museum und den Festspielen. Die Gründung der Technologieregion war ebenso eine herausragende Sache, wie das integrierte Rheinprogramm, Tulla habe zwar etwas Wichtiges getan, doch zu Lasten der Natur.

Doch bis heute sei für ihn das schönste, „durch Ettlingens Gäßle zu gehen und zu schwätzen“. Zuvor hatte Staatssekretär MdL Frank Mentrup die Glückwünsche des Landes überbracht und dabei hervorgehoben, „Vetters Wirken ist in Stuttgart heute noch positiv zu spüren.“ Vetter habe das Ehrenamt als Markenzeichen für die Verbindung Politik - Bürger herausgearbeitet.

Begonnen hatte die Feierlichkeit mit laut donnernden Schüssen aus der Kanone „Sibylla“, die eigens die Historische Bürgerwehr Vetter zu Ehren in Position gebracht hatten; „Ehrenleutnant“ Vetter selbst zündete zu seinem großen Vergnügen den vierten Salutschuss.

Musikalisch gestaltet wurde der Empfang durch das Streichquartett der Musikschule und den Musikverein Bruchhausen.