Ettlingen - Kernstadt - Wappengeschichte

Wappen Ettlingen

In gespaltenem Schild vorn in Gold ein roter Schrägbalken, hinten in Blau ein schwebender silberner Zinnenturm. Flagge: Blau-Weiss.

Das Ettlinger Stadtwappen tritt, in Stein gehauen, an mancher markanten Stelle des Stadtbildes in Erscheinung. Die ältesten derartigen Zeugnisse finden sich am Marktbrunnen (spätes 15. Jahrhundert), an der äusseren Ecke des Lauerturms und am Metzen- oder Schildhalterbrunnen (16. Jahrhundert) und am Balkon des Rathauses (1737). Anhand der Stadtsiegel ist es aber möglich, seine Existenz noch weiter zurückzuverfolgen.

Zum besseren Verständnis der Siegel- und Wappenbilder sei zunächst auf wichtige Ereignisse in der mittelalterlichen Geschichte Ettlingens hingewiesen. In dem zum Jahre 788 erstmals als Ediningom erwähnten Ort hatte das Kloster Weißenburg im Elsaß umfassenden Besitz und Rechte, er war der Mittelpunkt der klösterlichen Besitzungen im mittelbadischen Raum. Als Vogtherren über das Kloster brachten die Staufer in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Herrschaft über Ettlingen an sich, und Kaiser Heinrich VI. gründete um 1191/92 die Stadt, mit der die alte Siedlung verwuchs. 1219 übertrug Kaiser Friedrich II im Tausch gegen anderen Besitz Ettlingen als Reichslehen an Markgraf Hermann V. von Baden. Seither gehörte Ettlingen zur badischen Markgrafschaft.

Das älteste Stadtsiegel hat sich fragmentarisch an Urkunden aus den Jahren 1256 und 1257 erhalten und bildet mit dem in der gleichen Zeit ebenfalls erstmals belegten Pforzheimer Siegel somit das älteste Siegelzeugnis einer markgräflichen Stadt. Es hat die Form eines Dreieckschildes und trägt die (teilweise erschlossene) Umschrift SIGILLVM.CIVIVMI (n). CIVITATE.ETHENINGEN. Das Siegelbild selbst, wieder ein Dreieckschild, zeigt einen aufrecht stehenden Schlüssel, der von einem damaszierten Schrägbalken überdeckt wird. Der Schrägbalken weist eindeutig auf die Stadtherren, die Markgrafen von Baden, hin. Somit dürfte das Siegel nicht lange vor 1256 entstanden sein. Der Schlüssel als Symbol des heiligen Petrus ist wohl als Hinweis auf das Kloster Weißenburg als den früheren Ortsherrn zu deuten, das die Heiligen Petrus und Paulus zu Patronen hatte. Da die Rechte des Klosters damals hinter den der Markgrafen zurückstanden, wird der Schlüssel vom badischen
Schrägbalken überdeckt.

90 Jahre später, 1346, begegnet ein neues Siegel, und zwar mit dem im wesentlichen später gültigen Wappenbild, wobei der Turm im hinteren Feld des gespaltenen Wappens allerdings einen waagerecht abgeschlossenen Sockel besitzt. Ein weiteres Siegel, das zwischen 1358 und 1465 belegt ist, zeigt den Turm dann in seiner bis heute gebräuchlichen, in charakteristischer Weise unten zugespitzten Form. In stilistischen Abwandlungen erscheint dieses Wappen in den zahlreichen Stadtsiegeln bis in unsere Zeit.
So klar die Bedeutung des Schrägbalkens im vorderen Wappenfeld ist, so wenig zwingende Erklärungen ließen sich bisher für den schwebenden Turm finden. Sabel, Hupp und mit Einschränkung auch Stadler deuten ihn als Anspielung auf das Wappen des Klosters Weißenburg, das eine doppeltürmige silberne Burg in Rot zeigt. Dies kann angesichts der Tatsache, dass das Kloster in Ettlingen im 14. Jahrhundert keine bedeutenden Rechte mehr innehatte, nicht überzeugen. Wahrscheinlicher ist, dass das typische städtische Siegelbild einer Stadtmauer oder Burg hier in abgewandelter Gestalt verwendet wurde.

Ohne historische Grundlage ist die Sage über die merkwürdige Form des Turmes im Wappen. Danach sollen die Ettlinger Bürger in einem Streit mit dem Kloster Frauenalb, in dessen Verlauf die Klosterleute eine Schweinsteige in den Ettlinger Waldungen angezündet hatten, aus Rache das Kloster in Brand gesteckt haben. Der Landesherr, bei dem sich die Äbtissin beklagt hatte, verurteilte zur Strafe alle Ettlinger Ratsherren zum Tode, schenkte einen Teil des Ettlinger Waldes dem Kloster und ließ den Turm im Stadtwappen umdrehen, so dass er seitdem auf der Spitze steht.

Die silbern-blaue Tingierung des hinteren Feldes ist erst seit dem 19. Jahrhundert belegt. Siebmacher zeichnet 1605 und in seinen späteren Ausgaben den Turm rot in einem goldenen Feld. Es darf bezweifelt werden, ob Siebmacher die authentische Tingierung wiedergibt, stellen doch die beiden aneinandergrenzenden goldenen Felder einen heraldischen Farbverstoß dar. Vermutungen über Zeitpunkt und Gründe eventueller Änderungen der Tingierung des linken Wappenfeldes (z.B. Sabel) bleiben mangels eindeutiger Quellen Spekulation.

Mit der Neubildung der Stadt im Oktober 1974 hatte das traditionsreiche Stadtwappen formell seine Gültigkeit verloren; freilich nur vorübergehend, denn der Gemeinderat beschloss einstimmig, das alte Wappen unverändert weiterzuführen.