18. Internationalen Klavierwettbewerb: Wertungsspiele ab 7. August

Zum 18. Male findet vom 7.  bis 14. August der „Internationale Klavierwettbewerb Ettlingen" statt, bei dem sich 99 junge Pianistinnen und Pianisten aus 21 Nationen in zwei Alterskategorien, bis 15 Jahre respektive bis 22 Jahre, in Wertungsspielen messen. Höhe- und Endpunkt ist das Preisträgerkonzert am Sonntag, 14. August, 11.30 Uhr in der Stadthalle Ettlingen.
„Der Wettbewerb ist einer von drei Bausteinen der städtischen Kulturlandschaft“, merkte Oberbürgermeister Johannes Arnold beim Pressegespräch am Donnerstag an. Mit den alljährlich stattfindenden Schlossfestspielen und dem Pianistenwettbewerb sowie dem Musikfestival für Amateurformationen im Bereich Musik und Gesang, die beide künftig abwechselnd stattfinden sollen, sei Ettlingen gut aufgestellt.
Froh sei er, dass der Klavierwettbewerb heuer wieder in Präsenz stattfinde, auch wenn 2020 für die digitale Version hervorragende Lösungen gefunden worden seien. Das persönliche Erleben der Musik sei eben doch etwas ganz Besonderes.
 
Seine „Herzensangelegenheit“ nannte der künstlerische Leiter, Professor Wolfgang Manz, den Wettbewerb. Er hob die Außenwirkung des Events hervor und das besondere Profil, nämlich zum einen als Plattform für junge Leute bis 22 Jahre, „das ist für junge Musiker eine wichtige Phase der Selbstfindung und der Motivation“, und als Sprungbrett für internationale Karrieren. Zahlreiche Preisträgerinnen und Preisträger haben sich in Ettlingen ihre ersten Sporen verdient und konnten in der Folgezeit bei internationalen Wettbewerben sehr gute Platzierungen erreichen. Manch einer, wie Lang Lang oder Lise de la Salle, fassten in der Weltspitze der Klaviervirtuosen Fuß.

Ungebrochen ist daher die Resonanz bei ehrgeizigen Nachwuchspianisten: 276 Anmeldungen aus 41 Nationen gab es, 99 Musikerinnen und Musiker präsentieren in der Zeit der Wertungsspiele, die vom 7. bis 14. August dauert, der internationalen Jury ihr Können. Die Jüngeren der Kategorie A müssen im Wahlpflichtbereich mit Etüden von Czerny, Chopin oder Liszt überzeugen sowie einem Satz aus einer Sonate von Haydn, Mozart oder Beethoven: Im Wahlbereich dürfen Werke aus der Zeit vom Barock bis zur Gegenwart präsentiert werden. In Kategorie B bis 22 Jahre sind die Anforderungen höher und in zwei Runden aufgeteilt, Haydn und Bach sind unter anderem Pflicht sowie romantische Werke und Stücke aus der Zeit vom Impressionismus bis heute. „Die jungen Leute haben vor nichts Angst“, meinte lächelnd Professor Manz. Die Vorauswahl trafen die die Jurymitglieder Wolfgang Manz, Robert Benz und Anna Gourari anhand von „bestens vorbereiteten Onlinepräsentationen“ nach einem Punktesystem. „Es gab bei den Bewertungen kaum Differenzen“, so Manz, dies spreche auch für die hohe Qualität des Dargebotenen. Leider brachte die aktuelle Lage auch einige Absagen, 20 der jungen Solisten und zwei Juroren, darunter der Juror aus China, Zhe Tang, und Eliane Reyes aus Belgien, mussten gleichfalls absagen. So verbleiben neben Professor Manz mit Robert Benz, Christopher Elton, Anna Gourari, Jura Margulis, Barbara Szczepanska und Catherine Vickers noch sieben internationale Fachleute, um die Träger der Preise und Förderpreise zu küren. „Ich freue mich auf die Wertungsspiele“, unterstrich Manz, denn für Beobachter der Szene und Ausbilder sei es spannend, die Entwicklung im Bereich Klavier auf internationaler Ebene zu verfolgen.
Professor Frank Reich ist wie jedes Jahr der Hauptorganisator des Wettbewerbs, unterstützt vom Kultur und Sportamt in Person von Nadine Schwald, aber auch von Stefan Moehrke und der städtischen Musikschule, denn die Übungsräume nebst Klavieren werden dort zur Verfügung gestellt. Geübt wird nach einem von Reichs rechter Hand, Hans Dieter Mohr, ausgeklügelten Stundenplan, um niemanden zu übervorteilen. „Die Stadt verfügt über sehr gute Instrumente, allen voran der Flügel im Asamsaal“, bemerkte Reich. 

Zudem sind etwa 80 freiwillige Helferinnen und Helfer im Einsatz, organisiert von Angelika Jähn. Sie lotsen die Wettbewerbsteilnehmern, übernehmen den Videodreh oder helfen in der Cafeteria. Während der Wertungsspiele im Asamsaal des Schlosses, die für Zuhörer wieder kostenfrei sind bei freier Platzwahl, gibt es dort wieder Snacks und Getränke zu kaufen.
„Der Klavierwettbewerb hier in Ettlingen ist noch immer der internationalste und größte seiner Art“, unterstrich Reich, der aber auch auf die Schwierigkeiten hinwies: keine Visa für chinesische Musiker, „hier war Kreativität gefordert“, Hygienemaßnahmen, „wir setzen auf Freiwilligkeit“, Materialknappheit und anderes mehr. Ein Lichtblick sei die Konstanz, sowohl beim Sponsoring als auch bei der Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung und hinsichtlich der Begeisterung der Bevölkerung, die auch wieder 20 Privatquartiere inklusive Familienanschluss für die teils noch sehr jungen Klavierkünstler und ihre Entourage bereitstellte, organisiert von Reichs Assistenten Mohr. Um den Gepflogenheiten der jungen Teilnehmer Rechnung zu tragen, wurde jetzt eine App bereitgestellt, die über Übungsstundenpläne und Örtlichkeiten informiert. Interessierte Zuhörer informieren sich am besten über die Homepage www.klavierwettbewerb.org.
 
Zur Konstanz trägt auch die jahrzehntelange Unterstützung durch den bisherigen Hauptsponsor, die Sparkasse Karlsruhe, bei. Der Vorstandsvorsitzende Michael Huber zollte der Kreativität Respekt, mit der das Organisationsteam 2020 den Wettbewerb allen Widrigkeiten zum Trotz online durchzog. Viele Jahre lang war die Sparkasse wichtigster Förderer mit einer Summe von jährlich 100.000 Euro; auch beim nächsten Wettbewerb werde sich die Sparkasse nochmals beteiligen, dann aber nicht mehr als Hauptgeldgeber, denn man wolle sich bei der Förderung von Veranstaltungen gerne breiter aufstellen. Ein neuer Hauptsponsor als Nachfolger sei jedoch bereits in Sicht, ließ OB Arnold wissen, voraussichtlich im Herbst werde dann Konkreteres zu berichten sein.
Karten für das Preisträgerkonzert (17,50 Euro, 20 Euro und 25 Euro, erm. 2,50 Euro) am 14. August um 11.30 Uhr in der Stadthalle gibt es ab sofort bei der Stadtinformation Ettlingen, Tel. 07243 101-333 oder www.reservix.de.