Initiative für weniger Lieferverkehr in der Ettlinger Altstadt: Nächster Baustein von "Ettlingen bringt's" - der öffentliche, paketdienstleister-unabhängige Paketschrank

Auf dem Foto von re.n.lks.: Markus Ziegler von pakadoo, OB Johannes Arnold, Natalie Milanovich, bei der Stadt im Bereich Digitalisierung tätig.

Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Stadt Ettlingen das Pilotprojekt „Elektromobile Logistik in Ettlingen“ gestartet. Hintergrund ist unter anderem eine EU-Zielvorgabe, die bis zum Jahr 2030 eine 50-prozentige emissionsfreie Paketzustellung fordert. Davon betroffen ist vor allem die Zustellung auf der so genannten „Letzten Meile“, dem letzten Glied der Lieferkette bis zum Empfänger bzw. Besteller. Gefördert wird das Projekt „Elektromobile Logistik in Ettlingen“ durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau im Rahmen des Förderaufrufs Ideenwettbewerb Elektromobile Logistik in Klein- und Mittelstädten“.

Der erste Baustein des Projekts, das mittlerweile den griffigeren Namen "Ettlingen bringt's" erhalten hat und für das auch ein Logo kreiert wurde, ist bereits realisiert worden: der Micro-Hub, ein zentrumnahes Umschlagsdepot. Der zweite Baustein ist der lieferdienstunabhängige, rund ums Jahr zugängliche "Ettlingen-bringt's"- Paketschrank in der Thiebautstraße, der ab sofort genutzt werden kann. „Anstoß für die Überlegungen war, dass allein in der Innenstadt tagtäglich über 300 Pakete und Päckchen an Private ausgeliefert werden, hinzu kommen die Lieferungen an den Einzelhandel. Der Online-Handel, der während der Pandemie einen ungeheuren Schub bekommen hat, hat das Aufkommen nochmals erheblich verschärft durch Bestellungen und Retouren“, begründete Oberbürgermeister Johannes Arnold das Vorhaben der Stadt bei der Einweihung des "Ettlingen bringt's- Schranks". Kooperationspartner der Stadt sind das Forschungszentrum Logistik der Hochschule Reutlingen, das als Projektmanagement fungiert und das Projekt wissenschaftlich begleitet, die Firma Transport Betz als lokales, mittelständisches Logistikunternehmen, das das zentrumsnahe Mini-Zentrallager (Micro Hub) eingerichtet hat und die elektromobile Auslieferung auf der „Letzten Meile“ bewerkstelligt, und die pakadoo GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Markus Ziegler, die das notwendige IT- System sowie den Paketschrank für die Allgemeinheit bereitstellt.

Drei Bausteine - und wie sie funktionieren

Erster Baustein war in Zusammenarbeit mit der pakadoo GmbH die Einrichtung eines zentrumsnahen Mini-Zentrallagers (Micro-Hub) bei der Firma Transport Betz, das als Sammelstelle und Verteilerzentrum gleichzeitig dient: dort kommen die entsprechend adressierten Lieferungen unter anderem für den Einzelhandel an, werden vom Diesel-Sprinter abgeladen und mittels Elektrofahrzeugen in die Stadt weitertransportiert. "Wir nehmen die Herausforderung an, in Ettlingen Paketdienstleistungen zu übernehmen und sind gespannt, wie die Ettlinger das Angebot nutzen. Außerdem sind wir gespannt auf mögliche Kooperationen mit den etablierten Paketdienstleistern", so Martina Betz-Weber, Geschäftsführerin der Transport Betz GmbH.

Die Stadt verfolgt mit dem Projekt vor allem ein Ziel: weniger Lieferfahrzeuge bedeuten weniger Lärm, Abgase und Unfallgefahren in einer attraktiven Innenstadt, davon profitiert nicht nur der Passant, sondern auch Einzelhandel und Gastronomie haben einen Nutzen.

Der zweite Baustein, der auf dem ersten aufbaut, wurde nun in Betrieb genommen: der paketdienstunabhängige Paketschrank in der Thiebautstraße. Neben der Zustellung von Paketen direkt an den Empfänger wird es ab sofort für jeden auch die Möglichkeit geben, Sendungen und Bestellungen an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden aus dem Paketschrank zu holen. Per Mail oder App erfährt der Besteller, dass sein Paket angekommen ist. ‚Beliefert‘ wird der Schrank ebenso wie die direkten Empfänger von den Fahrern der elektromobilen Lastenfahrzeuge.

Ein dritter Baustein könnte die Einrichtung von Abholstationen bei lokalen Arbeitgebern sein; auch hier gilt: "Ettlingen bringts!". Die so genannten ‚pakadoo-points‘ helfen der Mitarbeiterschaft, Zeit und Nerven zu sparen, indem sie dort ihre Bestellungen bequem am Arbeitsplatz entgegennehmen können: ein Bonbon fürs Personal vom Arbeitgeber, der damit zudem noch einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
„Wir hoffen nun, dass möglichst viele Ettlingerinnen und Ettlinger das Serviceangebot Paketschrank nutzen“, betonte OB Arnold, und Markus Ziegler fügte hinzu: „Außerdem sollte der Einzelhandel die Möglichkeiten, die der Schrank bietet, wahrnehmen, beispielsweise durch Lieferungen außerhalb der Ladenöffnungszeiten als ‚click&collect‘-Anlaufstelle.“

Die Kosten für den Schrank von rund 23.800 Euro werden zu 80 Prozent gefördert; bei der Stadt verbleibt somit noch ein Anteil von etwa 4.800 Euro. Der Schrank wird für die kalkulierte Projektlaufzeit von zunächst 21 Monaten geleast und geht am Ende ins Eigentum der Stadt über.

Informationen rund um den neuen Paketschrank-Service, die pakadoo-points, die Registrierung, Adressierung und die vielfältigen Möglichkeiten gibt es unter www.ettlingen-bringts.de oder www.pakadoo.de/Ettlingen.

Außerdem kann man sich während des verkaufsoffenen Sonntags anlässlich des Herbstmarkts am 17. Oktober von 13 bis 18 Uhr über die Vorteile des Paketschranks für alle(s) an einem Stand am Stadtgarten informieren. 

(Erstellt am 13. Oktober 2021)