Treffen zwischen 18 Uhr und Herbst

Das Bild zeigt die Autorin Natalie Friedrich mit Kulturamtsleiter Bader und Bibliotheksleiterin Kratschmann auf einer Lesung.

Eine sehr genaue, eine sehr feine Beobachterin ist Natalie Friedrich, nicht sezierend, nicht bloßstellend, nicht den anderen in seinem Sosein klein machend. Doch zielgerichtet schraffiert sie die Charaktere ihrer Personen, schlägt überraschende Pointen, wenn der Leser oder besser der Zuhörer sich auf der sicheren Seite glaubt. Eben Irrtümer und ihre Geschichten.

Keinem Zuhörer mit verschränkten Armen und toternstem Gesichtsausdruck musste die 22-Jährige ins Auge blicken bei der Lesung am vergangenen Mittwochabend in der Stadtbibliothek. Die Poetry Slamerin hatte ihr erstes Buch geschrieben, 17 Geschichten, die in Parks und auf Bänken, in Friedhöfen und in Bäckereien spielen. Wortgewaltig, doch nie überbordend skizziert sie Szenerien, schlägt eine Volte, lässt das Gegenüber lachen, um dann schon den nächsten Abzweig zu nehmen, doch immer schaut sie liebevoll staunend auf ihr „Personal“.
Und ihre Lesung. Poetry Slam ist eine gute Schule für die Darstellung und „Übersetzung“ des Geschriebenen. Sie weiß ihr Publikum durch ihre „Vortragskunst“ mitzunehmen, die Aufmerksamkeit am Köcheln zu halten, der Funke springt über. Vier Geschichten gab es, die die rund 50 Zuhörer sehr goutierten, unter ihnen auch Harald Hurst, der seine Bewunderung für Friedrichs Courage nicht verhehlte.

Nach der Begrüßung durch die Bibliotheksleiterin Christine Kratschmann, die dem Lindemann Verlag und der Stadtbau GmbH dankte für dieses tolle kleine Werk von und in Ettlingen, hob Oberbürgermeister Johannes Arnold heraus, dass „wir mit Natalie Friedrich an die alte Stadtschreiber-Tradition anknüpfen wollten“. Er erinnerte an die Landesliteraturtage in Ettlingen, die nicht in dem Umfang stattfinden konnten wegen der Pandemie und deshalb nochmal in Ettlingen über die Bühne gehen dürfen. „Wir wollten, dass in diesem Rahmen Literatur entsteht“. Es seien Episoden über Menschen und Ereignisse.

Ihr oberstes Ziel, sehr gut zu unterhalten und hatte dafür vier Geschichten ausgewählt, in deren Mittelpunkt immer der Dialog stand, süffisant und zynisch beim Bäckereibesuch, der in der Tat ein bürgerliches Trauerspiel ist, vorsichtig tastend und zurückhaltend bei „Territoriales Verhalten auf Friedhöfen oder Wo die Stille bricht“, ungläubiges Kopfschütteln, Lachen einfordernd, knitz „Verbales Wettrüsten auf dem „Babbelbänkle“, hier lieferte sich Natalie Friedrich den Dialog mit Kulturamtsleiter Christoph Bader, der sein schauspielerisches Können zum Besten gab, für die Regie sorgte Bibliotheksleiterin Kratschmann, fast schon böse „That´ s the game“, wenn Stolz und Sturheit auf einer Judomatte aufeinanderprallen.
Sie jongliert ohne doppelten Boden mit Metaphern, die nicht abstürzen, sie gehen auf in plastische Bilder, die aber nicht aufdringlich sind. Und was es mit „Treffen zwischen 18 Uhr und Herbst“ auf sich hat, einfach die Geschichte auf Seite 131 lesen.

Nur kleine autobiographische Splitter seien es, der große Rest ist Fiktion bei ihren Erzählungen, merkte die Germanistikstudentin   am Ende der Lesung an.

Natalie Friedrich „Wenn Erdbeerjoghurt auf Asphalt trifft“ – Über Irrtümer und ihre Geschichten, Lindemanns-Verlag, 12,80 Euro ISBN 978-3-96308-148-4. Das Buch gibt es bei der Stadtinformation, im Buchhandel oder online bei Lindemanns-Bibliothek, www.lindemanns-web.de