Startseite

Spannender Blick in Ettlingens Untergrund

Zwei Männer im Abwasserkanal Rohre ausleuchtend

Immer mindestens 11 Grad warm: das Abwasser im großen Sammler kann eine Menge Energie abgeben. Foto: An der Wand des Sammlers zeigt Paul Rothe von der Firma Uhrig die Leitungen des Wärmetauschers. Das Werkstattgebäude Erlenwiesen nutzt die Energie für die Fußbodenheizung.  Zusammen mit der PV-Anlage und einer Brauchwasserzisterne ist das Gebäude so gut wie autark.

Auf großes Interesse stieß am Donnerstag vergangener Woche das Abwasser aus Ettlingen-West und darüber hinaus: es heizt nämlich künftig das Werkstatt- und Betriebsgebäude des Regenüberlaufbeckens (RÜB) Erlenwiesen.

Beate Sommer, Leiterin der Abteilung Gewässerbau und Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung im Stadtbauamt, begrüßte zusammen mit Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker und Stadtbauamtsleiter Daniel Schwab eine Reihe von Interessierten, darunter Fachleute des Umweltamts der Stadt Karlsruhe sowie der KEA BW, der Landesenergieagentur. Anlass war die Inbetriebnahme eines Pilotprojekts, das aus Abwasser Energie gewinnt. Basis ist eine Wasser-Wärme-Potenzialstudie, die das Stadtbauamt in Auftrag gegeben hatte. Dabei zeigte sich, dass der Kanal am RÜB durch seine Dimension und die durchfließende Abwassermenge geeignet ist für eine Wärmetauscheranlage.

Bisher wurde das Gebäude mit Nachtspeicheröfen geheizt, wenig effizient“, berichtete Sommer. Im Rahmen der Sanierung und Erweiterung des Gebäudes und der Werkstatt wurde nun eine Fußbodenheizung installiert, die mit der Energie aus dem Abwasser gespeist wird.
Realisiert wurde das Pilotprojekt von der Firma Uhrig, Geisingen, die auf 20 Jahre Erfahrung im Bereich Wärmetauscher für den Bereich Kanal verweisen kann und europaweit 150 teils weit größere Anlagen installiert hat. Produktentwickler Paul Rothe erläuterte die Funktionsweise der Anlage. Um dem Abwasser, das zum Teil aus dem nahe gelegenen Wäschereibetrieb stammt, die Wärme zu entziehen, wurden auf dem Kanalboden Edelstahlmodule installiert, Pillows, englisch für Kissen, genannt, weil die Platten viele knopfgroße Vertiefungen aufweisen zur Oberflächenvergrößerung.

Hinter den mit Vor- und Rücklauf versehenen Platten zirkuliert das Kühlmittel, „reines Wasser in diesem Fall, denn die Wärme im Kanal sorgt dafür, dass kein Frostschutz notwendig ist“, so Uhrig. Das etwa acht Grad warme Abwasser fließt über die Platten und gibt seine Wärme ab und wird um ca. drei Grad kühler. Die Entzugsleistung beträgt 15 Kilowatt. Vorteile der Energiegewinnung aus dem Abwasser: „Effizienter als eine Luftwärmepumpe und mit niedrigeren Betriebskosten, dazu handelt es sich um ein passives System ohne bewegliche Teile“, so der Fachmann. Auf den Platten bildet sich mit der Zeit ein ‚Biofilm‘, der aber nicht stört, die Anlage ist nahezu wartungsfrei zu betreiben. Eine Blechverkleidung an den Versorgungsleitungen und Rampen an den Platten sorgen dafür, dass das Abwasser, zu dem zeitweise auch Regenwasser hinzukommt, frei strömen kann. Für die Installation der Infrastruktur außerhalb des Kanals konnte die Firma Vatavu/Ettlingen gewonnen werden, ergänzte Sommers Mitarbeiter Peter Fortmeier, und Stadtbauamtsleiter Daniel Schwab merkte an: „Wir werden uns jetzt ansehen, wie sich das Projekt entwickelt, wir haben noch weitere gute Ideen, wo in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Anlagen platziert werden könnten.“ Das Werkstattgebäude jedenfalls ist Dank des Abwasserwärmetauschers, der PV Anlage auf dem Dach und einer Zisterne fürs Brauchwasser nahezu komplett autark. Die Kosten für die Pilotanlage belaufen sich auf 55.000 Euro, 11.000 Euro werden durch KfW Fördermittel gedeckt.
 

Wer mochte, konnte sich anschließend, mit Schutzkleidung und Gasmessgerät entsprechend ausstaffiert, die Anlage im Untergrund ansehen, dazu war der Kanal vorübergehend abgesperrt worden.
 

Copyright © 2026 Ettlingen