Großes Sibyllafest rund um und im Schloss - Barock hautnah: Liebestrank trifft Menuett

Das Bild zeigt die OB und zwei Herren im barocken Gewand

Hautnah jenes Zeitalter erleben, das Ettlingens Stadtbild bis heute prägt, kann man beim großen Sibylla-Fest im und um das Ettlinger Schloss. Denn dort wird am Wochenende 18./19. Oktober die Pomeranze auf höfische Tänze, der Zimt auf die Historische Bürgerwehr, die Schokolade auf das Schauspiel "Augusta Sibylla" treffen, alles zu Ehren der großen badischen Markgräfin, deren 275. Todestag und 333. Geburtstag mit Aplomb und Kanonendonner rund um ihren Witwensitz gefeiert wird, ein Mosaikstein neben der Martinskirche, dem Rathaus und den Modellhäusern, die sich zu einem barocken Ettlinger Gemälde vereinen.

Das Bild zeigt Schulkinder beim Menuett

Wie man sich richtig verhält beim barocken Tanze, wissen die Schüler der 3. Klasse der Albert-Schweitzer-Schule. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie mit Uwe Reich von Bel Etage die Schrittfolgen intus

Der Startschuss für das große Fest wird am Samstag, 18. Oktober um 11.30 Uhr fallen. Stilecht wird Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker per Kutsche zum Schloss geleitet, wo bereits die Historische Bürgerwehr, gegründet zu Zeiten von Markgräfin Sibylla, ein groß angelegtes Feldlager eingerichtet haben und rustikale Speisen und Getränke anbieten wird.

Ihren Respekt über die Markgräfin verhehlte die Rathauschefin nicht und zitierte hierzu aus den Schriften des Kardinals Schönborn, der Beichtvater Sibyllas, der ihr höchstes politisches Geschick attestierte. Sie war eine kluge Diplomatin und eine kunstsinnige Sammlerin. Ihre große Frömmigkeit und das Feiern von opulenten Festen, wie das chinesische zur Einweihung nach dem Wiederaufbau des Schlosses, waren kein Gegensatz.

Das Fest war im Barock ein Gesamtkunstwerk, das „wir mit unserem Fest nacherlebbar machen wollen“, durch historische Szenen, Musik und Tanz, Speis und Trank, altem Handwerk und natürlich mit den entsprechenden Gewändern“, in die im übrigen die OB und Kulturamtsleiter Dr. Robert Determann eigens für die Pressekonferenz geschlüpft sind. Die Besucher werden Einblicke in barocke Essgepflogenheiten durch die kulinarischen Führungen des Museums ebenso erhalten, wie in das heikle Thema der barocken Hygiene und Medizin. Auch die Ettlinger Gastronomen haben ein Kochseminar absolviert, was sich wohl auf den Speisekarten niederschlagen wird.

Für barocke Spezereien auf dem Fest sorgt die Metzgerei Weingärtner, sie kredenzt Affenmündle (Maultäschle), Ahr Kriecher (Arme Ritter) und von der Bürgerwehr kommt der Eintopf. Gerade in den Speisen präsentierte man seinen Reichtum, berichtet Uwe Reich von der Kunstagentur Bel Etage, die das Fest gleichfalls mit unterschiedlichen Schmankerl bereichern wird.. Das Schneiderhandwerk wird sich in den prächtigen Kleidern widerspiegeln und die Kleinen können im Barocksalon sich spielerisch diesem Zeitalter nähern. Eine Kostprobe wie schnell die Kleinen „barocken“ können, gaben Schüler der Albert-Schweitzer-Schule den anwesenden Pressevertretern selbstredend im grünen Salon des Schlosses.

Der Tanz war das zentrale Thema, deshalb laden die Tanzgruppen „Les Danseurs“ und „Caprice“ gemeinsam mit der barocken Musikgruppe „Mille fleurs“ die Besucher ein, das Abenteuer eines barocken Tanzes zu wagen. Kein Wagnis, sondern etwas "Gedrucktes" bietet der Briefmarkensammlerverein, er wird einen Sonderstempel offerieren. Und am Abend, da wird es sowohl im asl auch vor dem Schloss dramatisch, ja theatralisch.

Die kleine bühne Ettlingen wird das Schauspiel um das Asamgemälde von Josef Paul Kuhn aufführen. Ein Wandeltheater, das das Publikum nicht nur zu einer Zeitreise einlädt, sondern auch zu einer Reise durch das Schloss mit seinen prächtigen Sälen. Partner der Inszenierung sind neben der Bürgerwehr, die Musikschule und das Ettlinger Mandolinenorchester. Und während es hier nicht immer nur um das Fresco Asams gehen wird, werden draußen die Spielleut Patapan und das Duo Confusi für historische Gaukeleien und Weisen sorgen.

Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst in der Martinskirche um 9 Uhr , wo Werke des Hofkomponisten Fischer gespielt werden. Ein Augenschmaus wird der Aufmarsch der Bürgerwehren um 13 Uhr sein, zu dieser Zeit öffnen auch die Ettlinger Einzelhändler ihre Läden für einen verkaufsoffenen Sonntag. Bereits heute schon kann man in vielen Schaufenstern Barockes sehen, seien es Kostüme, Bilder oder goldene Rahmen in jeglicher Größe. „Wir haben den Einzelhändlern Hilfestellungen gegeben und sie ziehen mit“, so die OB, bietet doch auch das Barock eine hohe Identität, unterstrich Determann. Weiter geht es am Sonntag mit höfischen Tänzen, den süßen Versuchungen, Orgelmusik in der Schlosskapelle mit Stefan Fritz, der Kompositionen von Fischer und Bach spielen wird, und tres chic, eine Modenschau mit Bel Etage, den Schlusspunkt setzt wieder das Schauspiel „Augusta Sibylla“.

Damit sich die Besucher ein Überblick verschaffen können, wurden 8000 Programme gedruckt. Die Button als Eintrittskarte gibt es im Vorverkauf zu 2,50 Euro, für Familien 4,50 Euro, an der Tageskasse 3 Euro bzw. 5 Euro. „Einzig beim Geld waren wir nicht barock und haben nicht der Verschwendungssucht gefrönt, so Determann. Auf rund 25 000 Euro werden sich die Kosten für das große Barock-Wochenende belaufen, ein Drittel davon wird von Sponsoren gedeckt plus den Einnahmen durch den Buttonverkauf.

Den Button gibt es bei der Stadtinformation, beim Modehaus Streit sowie bei der Metzgerei Weingärtner.