Im Glossar werden zentrale Begriffe der Integration- und Migrationsarbeit kurz und verständlich aufgeführt. Um in einer rassismus- und diskriminierungsfreien Gesellschaft zu agieren bzw. interagieren zu können, sind Begriffe, Bezeichnungen und Positionierungen für Respekt, Wertschätzung und Anerkennung aller Menschen signifikant. Die Sprache ist eine mächtige Fähigkeit, welches Barrieren brechen und Brücken zu unseren Mitmenschen aufbauen kann. Diese Begriffe, Bezeichnungen und Positionierungen sollen als rassismus- und diskriminierungskritische Hilfestellung für Redaktionsarbeiten bzw. im alltäglichen und respektvollen Umgang mit (Mit-)menschen der Stadt Ettlingen dienen. Das Glossar der Stadtverwaltung Ettlingen im Bereich der Integration und Asyl werden u.a. aus den Ressourcen des Glossars der Neuenmedienmacher und der Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V. zusammengeführt, aktualisiert und kontinuierlich erweitert.

„Freunde verständigen sich nicht, sie verstehen einander“ – Ernst Zacharias

https://www.neuemedienmacher.de
https://www.idaev.de/startseite

Ableismus

Der Begriff (engl. ableism) bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit (zugeschriebener) Behinderung bzw. von Menschen, die behindert werden. Es wird eine deutliche Grenze zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung gezogen (Othering), die u. a. in Form von Produktivitäts-, Schönheits- und Gesundheitsnormen tief in der Gesellschaft verankert ist. Von den Diskriminierenden wird Ableismus oft nicht bewusst wahrgenommen oder als „gut gemeint“ angesehen. Dies kann sich z. B. in bevormundender Hilfe niederschlagen. Eine Behinderung, durch die Menschen mit Behinderung an der Entfaltung ihrer persönlichen Möglichkeiten be- bzw. gehindert werden, entsteht aber oft erst durch die Diskriminierung selbst, einerseits indem Eigenschaften und Bedürfnisse der Betroffenen durch Institutionen nicht mitgedacht werden, weil sie nicht unter das fallen, was gesellschaftlich als „normal“ definiert wird; andererseits weil ihnen notwendige Hilfen zur Kompensation ihrer physischen, psychischen oder gesundheitlichen Beeinträchtigung verwehrt oder nur in fremdbestimmter Form gewährt werden. Beispiele sind Barrieren wie Treppen statt Rampen für Rollstuhlfahrer*innen, fehlende akustische Ansagen für seheingeschränkte Menschen oder die mangelnde Inklusion im Bildungssystem. Auf diese Weise werden Menschen, die behindert werden, strukturell ausgeschlossen und „unsichtbar“ gemacht. Dies stabilisiert wiederum die gesellschaftlichen Vorstellungen von „normalen“ körperlichen, seelischen und gesundheitlichen Merkmalen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:45 Uhr)

Abschiebung

bezeichnet die unter Zwang erfolgende Ausreise eines Ausländers aus Deutschland. In vielen Fällen findet sie unter Anwendung von polizeilicher Gewalt sowie in Begleitung von Polizeibeamt*innen statt. Behörden verwenden dafür den Begriff »Rückführung«, der von Flüchtlingshilfsorganisationen als euphemistisch kritisiert wird.
Weiterführende Begriffe: Abschiebungsverbot, Asylbewerber, Ausweisung, Dublin-Verfahren, Flüchtlinge
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 9:57 Uhr)

Abschiebungsverbot

Wird kein Asyl und keine Eigenschaft als Flüchtling zuerkannt, kann für Asylsuchende ein sogenanntes zielstaatsbezogenes Abschiebungsverbot erteilt werden, sofern Gefahr für Leib, Leben und Freiheit nach einer Abschiebung besteht. So geschützte Personen erhalten den nationalen subsidiären Schutz, mit einer Aufenthaltserlaubnis in der Regel für ein Jahr, haben aber weniger Rechte als anerkannte Flüchtlinge sowie subsidiäre Schutzberechtigte nach europäischem Recht. Weiterführende Begriffe: Asyl- und Flüchtlingsschutz, BleiberechtDuldungGeflüchtetePrinzip der Nicht-Zurückweisung
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 9:58Uhr)

Adultismus

Unter Adultismus (engl. adultism) wird die strukturelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage ungleicher Machtverhältnisse zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verstanden. Handlungen und Haltungen, die auf der Hierarchisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie ihrer Handlungen, Bedürfnisse und Interessen beruhen, werden durch Normen (z. B. die Höherbewertung der Lohn- und Reproduktionsarbeit gegenüber dem kindlichen Spiel), institutionelle Arrangements, Gesetze, Traditionen und Gewohnheiten unterstützt. Adultismus äußert sich u. a. in Grenzüberschreitungen (z. B. ungefragtes Berühren), in der Sprache („Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“, „Trotzphase“), Nichtbeachtung (z. B. von Fragen) und körperlicher Gewalt. Aber auch in scheinbar selbstverständlichen Regeln, die zwar zum Schutz sinnvoll sein können, aber nur für Kinder oder Jugendliche gelten, kann sich Adultismus ausdrücken, wenn sie nicht für erklärungswürdig gehalten werden, weil vorausgesetzt wird, dass Kinder und Jugendliche zu gehorchen haben.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Afrodeutsch

Der Begriff „afrodeutsch“ wurde gemeinsam mit der US-amerikanischen Schriftstellerin Audre Lorde 1984 aus der Schwarzen Bewegung in Deutschland heraus entwickelt und diente ihr als politische Selbstbezeichnung. Kolonialrassistischen Fremdbezeichnungen, Vorstellungen einer homogenen weißen deutschen Gemeinschaft und der Verdrängung der deutschen Kolonialgeschichte wurde selbstbewusst die Haltung entgegengesetzt, dass Schwarze Menschen historisch und sozialisatorisch selbstverständlich zur deutschen Gesellschaft gehören. Durch die bewusste Anlehnung an „afroamerikanisch“ und den Bezug zur Black Power-Bewegung sollte der Begriff auch mobilisierend und einend wirken. Er umfasste ursprünglich Schwarze Menschen mit einem afrikanischen oder afroamerikanischen und einem weißen deutschen Elternteil. Da sich die afrikanischen Bezüge Schwarzer Menschen in Deutschland jedoch stark ausdifferenziert haben, ist der Begriff Schwarze Deutsche inzwischen verbreiteter.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Aleviten

sind eine eigenständige Religionsgemeinschaft, die ihren Glauben als Yol (mystischer Weg) bezeichnet. Das Alevitentum hat sich aus vorislamischen, schiitischen und mystischen Elementen in Anatolien entwickelt, so dass unterschiedliche Verständnisse darüber existieren. Zahlreiche türkeistämmige Einwanderer sind bspw. Aleviten, darunter auch viele Kurden. Weiterführende Begriffe: KulturmuslimeMuslimeSchiiten
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:00 Uhr)

Alltagsrassismus

Der Begriff „Alltagsrassismus“ thematisiert das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und gesellschaftlich-kulturellem Rassismus. Alltagsrassismus zeigt sich, wenn sich ein rassistisches Wissen über kulturell verankerte Zugehörigkeitsordnungen, Bilder und Vorstellungen unbewusst und/oder unbeabsichtigt z. B. in vermeintlich neutralen, positiven, oder neugierigen Fragen, Aussagen, Gesten, Handlungen und Blicken niederschlägt. Erstens ist also das Nebeneinander von „süßen und bitteren Worten“ für Alltagsrassismus charakteristisch. Es verschleiert seine Gewaltförmigkeit. Diese liegt zweitens darin begründet, dass Alltagsrassismen rassistisch diskreditierbare Menschen implizit aus dem „Wir“ ausweisen, indem sie anhand rassifizierter Merkmale (Aussehen, Sprache, Namen usw.) unabhängig von ihren individuellen Erfahrungen und Identifikationen als „Andere“ identifiziert und behandelt werden, z. B. durch übergriffige Handlungen wie das Berühren der Haare oder durch Komplimente für Deutschkenntnisse. Drittens ist Alltagsrassismus durch seine Regelmäßigkeit gekennzeichnet. Er erschüttert so permanent das Selbstbild der negativ Betroffenen, eine Erfahrung, deren Schwere häufig noch dadurch verstärkt wird, dass ihnen abgesprochen wird, Rassismus erfahren zu haben.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Altendiskriminierung

Altendiskriminierung ist eine Form von Altersdiskriminierung und kann ebenfalls als Ageismus bezeichnet werden. Sie beschreibt die strukturelle Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen höheren oder hohen Lebensalters sowie die Stigmatisierung des Alterns und des Altseins bspw. durch gesellschaftlich-kulturell vorherrschende Verbindungen mit Krankheit sowie körperlichem und geistigem Verfall..
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Anerkennung

Anerkennung bezeichnet den Prozess der Identifikation von Differenz, der wechselseitigen Achtung dieser Differenz und der Entwicklung von Möglichkeiten, wie Menschen und Kollektive als unterschiedliche Gleichwertige selbstbestimmt an gesellschaftlichen Prozessen und Ressourcen teilhaben können. Voraussetzung für selbstbestimmte Partizipation ist, dass Handlungen, Fähigkeiten, Erfahrungen, Interessen, Subjektpositionen und Eigenschaften von Menschen gesellschaftlich, institutionell und zwischenmenschlich gewürdigt werden. Die gegenseitige Anerkennung ist wesentlich für das gemeinsame Leben in Schule, Beruf, Freizeit usw. Haben Menschen aufgrund von Restriktionen, Stereotypisierungen, Anpassungs- oder Integrationsforderungen und Diskriminierung nicht die Möglichkeit, sich in ihrer Vielfalt zu zeigen und ihre Potenziale zu entfalten, können sie weder als Person oder Kollektive erkannt werden noch sich selbst (an)erkennen. Anerkennung, Identitätsbildung und gelingendes Zusammenleben sind also eng miteinander verschränkt. Wird Anerkennung verweigert, können daher Kämpfe um Anerkennung entstehen.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

AnkER-Zentrum

abgekürzt für Ankunft, Entscheidung und Rückführung. Geflüchtete sollen in diesen Lagern so lange wohnen müssen, bis ihre Asylverfahren endgültig abgeschlossen sind. Danach sollen sie auf zugewiesene Wohnorte verteilt oder direkt abgeschoben werden können. Es wird kritisiert, dass Asylverfahren oft viele Monate lang dauern und die Menschen sich in dieser Zeit nicht frei bewegen können. Auch sei in diesen Einrichtungen keine unabhängige Verfahrungs- und Rechtsberatung gewährleistet. Seit August 2018 gibt es sieben AnkER-Zentren, alle befinden sich in Bayern.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:01 Uhr)

Antidiskriminierung

Mit Antidiskriminierung verbindet sich ein aktives Eintreten gegen Diskriminierung, sei sie direkter oder indirekter Art. Die Spannweite von Aktivitäten reicht hierbei von der gezielten Beratung, dem Empowerment, der Unterstützung von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen und der Dokumentation von Diskriminierungsfällen über öffentlichkeitswirksame Kampagnen für Vielfalt und gleiche Rechte bis hin zu Gesetzen mit einklagbaren Bestimmungen zum Schutz vor Diskriminierung. Ein wichtiges Ziel von Antidiskriminierungsarbeit ist die Sicherung fundamentaler Menschenrechte.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antifeminismus

Als Gegenbewegung zum Feminismus setzt der Antifeminismus seinen Fokus auf die Rechte und Privilegien von Männern* und Jungen. In Anlehnung an rechtspopulistische, konservative Theorien diffamieren Anhänger_innen des Antifeminismus emanzipatorische Forderungen und Errungenschaften von Frauen*. Sie blenden dabei bewusst aus, dass es ein historisch-kulturell geprägtes Machtgefälle zwischen Männern* und Frauen* gibt, das feministische Bewegungen mit ihren Forderungen herausfordern und bekämpfen. Z. B. sehen sie in der Frauenquote eine Benachteiligung von Männern, ohne anzuerkennen, dass diese positive Maßnahme andere, vielleicht weniger sichtbare Mechanismen der Diskriminierung ausgleichen soll. Antifeminismus richtet sich also auch gegen die Gleichstellung von Frauen* und Männern*.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antijudaismus

Im Unterschied zum Antisemitismus, der ein genuin modernes Phänomen darstellt, werden unter Antijudaismus die vormodernen, religiös begründeten Formen von Zuschreibungen, Feindschaft, Ausschluss und Verfolgung von Jüd*innen verstanden, die sich speziell im antiken und mittelalterlichen Europa entwickelten. Als Merkmale des Antijudaismus werden genannt, dass erstens die Differenz zwischen Juden und Nicht-Juden z. B. durch Taufe als überbrückbar angesehen werde; dass zweitens die Auflösung der Differenz zwar durch Bekehrung oder Assimilation erwartet werde; aber drittens Christ*innen das Weiterbestehen der Differenz als Teil der göttlichen Vorsehung hätten ertragen können. Die traditionellen Stereotype des Antijudaismus fanden in modifizierter Form und Funktion Eingang in den Antisemitismus.Auch wenn diese Begriffsbestimmung und Unterscheidung bislang wissenschaftlich akzeptiert sind, stehen sie in der Kritik. Denn eine binäre Unterscheidung (Dichotomisierung) zwischen Juden und Nicht-Juden sowie die Befriedigung von Identitätsbedürfnissen der Ausübenden, wie sie für den Antisemitismus typisch sind, finden sich bereits in frühchristlichen Schriften. Wenn Antijudaismus und Antisemitismus also nicht anhand der religiösen Begründung und zeitlichen Einordnung unterschieden werden können, können unter Antijudaismus Formen des abwertenden Sprechens und Handelns über bzw. gegen „die Juden“ betrachtet werden, bei denen diese nicht zentral für das Selbst- und Weltverständnis der Äußernden sind. Da in diesem Sinne antijudaistische Äußerungen aber in der Gegenwart immer offen dafür wären, antisemitisch rezipiert zu werden, erscheint es zweifelhaft, ob eine solche Unterscheidung für die Analyse des gegenwärtigen Antisemitismus noch zielführend ist.(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antimuslimischer Rassismus

Antimuslimischer Rassismus (AMR) ist ein kulturalistisch argumentierender Rassismus, der sich gegen Muslim*innen und gegen Menschen richtet, die als Muslim*innen markiert sind, und zwar unabhängig davon, ob die Betroffenen tatsächlich den Islam praktizieren und wie religiös sie sind. Dem AMR liegt die Annahme einer grundsätzlichen und unvereinbaren Andersartigkeit von (vermeintlichen) Muslim*innen zugrunde. Die Markierung erfolgt durch äußere Merkmale wie z. B. religiöse Kleidung, Aussehen, Namen oder Staatsangehörigkeit. Aus ihnen werden eine „ethnisch“ gefasste Herkunft (Ethnizität), eine „Abstammung“ und eine religiöse und kulturelle Zugehörigkeit abgeleitet und einem „Wir“ (z. B. „den Deutschen“, „der deutschen Kultur“, „der christlich-abendländischen Kultur“ usw.) als Gegensatz gegenübergestellt (Othering). An die so erzeugten Kategorien werden weitere historisch verankerte Fremdzuschreibungen (Stereotypisierungen) geknüpft (z. B. Sicherheitsrisiko, „Rückständigkeit“, „Unzivilisiertheit“, „Integrationsunfähigkeit“). Sie werden in deterministischer Weise auf Individuen übertragen, um ihr Verhalten zu erklären, soziale Ungleichheiten, Ausschlüsse und Dominanz zu rechtfertigen, die Privilegien der jeweiligen Wir-Gruppe aufrechtzuerhalten und eine auf Homogenität ausgerichtete nationale Gemeinschaftskonstruktion zu stabilisieren. Wie Rassismus findet also auch AMR immer im Kontext ungleicher Machtverhältnisse statt. (IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antiromaismus

Antisemitismus basiert auf einer doppelten Unterscheidung. Die Wir-Gruppe wird zunächst als „Volk“, „Staat“, „Nation“, „Rasse“, „Identität“, „Kultur“ oder Religion von anderen „Völkern“, „Staaten“ usw. unterschieden. Diese Einheiten werden in einer antisemitischen Logik immer als wesenhafte, einheitliche und harmonische Gemeinschaften verstanden. „Die Juden“ werden ihnen dann als Gegenprinzip gegenübergestellt. Durch eine entsprechende Stereotypisierung werden „die Juden“ für alle verunsichernden und als negativ empfundenen Umstände politischer, ökonomischer und kultureller Modernisierungsprozesse verantwortlich gemacht und werden ihnen die Bedrohung und „Zersetzung“ jener als ursprünglich imaginierten Gemeinschaft(en) zugeschrieben. Daraus ergeben sich der Glaube an eine in Gut und Böse eingeteilte Welt, an das Wirken verborgener Mächte und Verschwörungen als weitere Grundelemente des Antisemitismus. Da „die Juden“ in dieser Logik die personifizierte Bedrohung darstellen, sind dem Antisemitismus außerdem die Umkehr von Opfern und Täter*innen und die Diskriminierung – bis zur Vernichtung – von Menschen, die als „Juden“ markiert werden, – auf interaktionaler, institutioneller und gesellschaftlich kultureller Ebene – eingeschrieben. Antisemitische Stereotype rechtfertigen diese Diskriminierungen. Als wichtige Formen von Antisemitismus werden in verschiedenen Typisierungen unterschieden: christlicher, rassistischer, sekundärer, israelbezogener und NS-vergleichender Antisemitismus bzw. antizionistischer und islamistischer/islamisierter Antisemitismus.(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antisemitische Verschwörungstheorien

haben eine lange Tradition und sind heute vor allem in sozialen Netzwerken im Umlauf. Schon aus dem 12. Jh. sind Verschwörungsmythen bekannt, wie Legenden von Ritualmorden oder Brunnenvergiftungen, die immer wieder Judenverfolgungen auslösten. Mindestens seit dem Beginn des 19. Jh.s existiert die Verschwörungstheorie von dem Streben der Juden nach der Weltherrschaft, welche auf den gefälschten »Protokollen der Weisen von Zion« beruht. Noch heute berufen sich Antisemiten auf diese Protokolle, an die bereits Adolf Hitler glaubte – sie gelten als Schlüsseldokument einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:03 Uhr)

Antisemitismus

ist eine weit verbreitete Bezeichnung für Judenfeindschaft. Allgemein werden damit sämtliche Formen von Hass, feindlichen Einstellungen, Äußerungen, Handlungen und Vorurteilen beschrieben, die sich gegen Jüdinnen und Juden und alle richten, die mutmaßlich als jüdisch wahrgenommen werden. Der Begriff wurde erstmalig im 19. Jh. öffentlich verwendet und löste mit rassistischen Motiven den religiös begründeten Antijudaismus ab; diese Rassentheorien waren eine Grundlage der Nazi-Ideologie. Öffentliche antisemitische Hetze ist heute in Deutschland strafbar. Dazu gehört auch die Leugnung des Holocaust. Weiterführende Begriffe: sekundärer Antisemitismus, israelbezogener Antisemitismus, Israelkritik(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:03 Uhr)

Antiziganismus

Die Verwendung des Begriffs „antizyganizm“ ist erstmalig für die späten 1920er und 1930er Jahre in der damaligen Sowjetunion belegt. Der Begriff diente staatlichen Stellen und Romani-Aktivist*innen dazu, die alltägliche Diskriminierung von Rom*nja zu benennen und zu kritisieren. Zwar entstand aufgrund von Kontakten in die Sowjetunion im Englischen die Bezeichnung „anti-Gypsyism“, die für das Jahr 1935 nachgewiesen ist, allerdings hatte dieser Entwicklungsstrang keinen über die 1930er Jahre hinausgehenden Einfluss.In Deutschland wurde „Antitsignanismus“ dem derzeitigen Kenntnisstand zufolge zuerst 1981 in Veröffentlichungen des Projekts „Tsiganologie“ der Universität Gießen verwendet. Die Tsiganologie hatte die Funktion, antiziganistische Zuschreibungen wissenschaftlich zu rechtfertigen. Mit Blick auf den Völkermord an den europäischen Rom*nja und Sinti*zze während des Nationalsozialismus bestritt Bernhard Streck, ein Mitarbeiter des Projekts, dementsprechend mit seiner Begriffsbildung, dass es eine rassistische Ideologie gegeben habe, die dem Völkermord zugrunde gelegen habe. Deshalb setzte er „Antitsiganismus“ in distanzierende Anführungszeichen gesetzt. Gleichzeitig schrieb er den Verfolgten und Ermordeten selbst die Verantwortung für ihre Verfolgung zu, indem er behauptete, der NS-Staat habe mit seinen Verfolgungsmaßnahmen lediglich auf reale „Missstände“ reagiert.In Abgrenzung zu dieser rassistischen Begriffsvariante haben Wissenschaftler*innen und Selbstorganisationen einen rassismuskritischen Antiziganismus-Begriff entwickelt. Antiziganismus wird verstanden als strukturelle Diskriminierung und als spezifische Form von Rassismus gegenüber Menschen, die als „Zi.“ stigmatisiert werden. Wie bei anderen Rassismen liegen die Ursachen für Antiziganismus in der Verfasstheit der modernen Gesellschaft (Weitere Infos zum Inhalt dieses Begriffs bietet der Eintrag zu Gadje-Rassismus). Gegenüber Begriffsalternativen wie Antiromaismus, Romaphobie (siehe auch Xenophobie) oder Rassismus gegenüber Sinti*zze und Rom*nja hat Antiziganismus verschiedene Vorteile (siehe dazu Antiromaismus). So macht er u. a. präziser als jene Begriffe deutlich, dass die Betroffenengruppe nicht natürlich gegeben ist, sondern erst durch Diskriminierung sozial hergestellt wird.Nachdem die Europäische Union den Begriff in den frühen 2000er Jahren in verschiedene Beschlüsse und Dokumente aufgenommen hatte, gilt er inzwischen in Wissenschaft und Öffentlichkeit als weitgehend etabliert und wird auch vom Zentraltrat deutscher Sinti und Roma offiziell verwendet. Seine Etablierung ging einher mit einer erhöhten Aufmerksamkeit für den Völkermord an den europäischen Sinti*zze und Rom*nja in der Bundesrepublik, für die lange ignorierten Ansprüche der Überlebenden und für den nach dem Nationalsozialismus weiter in der Bundesrepublik vorherrschenden Gadje-Rassismus.Trotz seiner Leistungen und weiten Verbreitung bemängeln einige Romani-Wissenschaftler*innen und -Aktivist*innen, dass sich in dem Begriff Antiziganismus die diskriminierende Fremdbezeichnung „Zi.“ wiederhole. Dies könne dazu führen, dass diese Fremdbezeichnung an neuer Legitimität gewinne und sich wieder stärker verbreitn, obwohl sie vom weit überwiegenden Teil der Betroffenen als Selbstbezeichnung abgelehnt werde. Dies könne zur Reproduktion rassistischer Zuschreibungen und zu neuen Verletzungen führen, da die Fremdbezeichnung aufs engste mit abwertenden Stereotypen, Ablehnungen, Verfolgungen und Vernichtung verknüpft ist, die die Betroffenen auch heute noch erleben (Aus diesem Grund wird die Fremdbezeichnung in diesem Glossar nur in abgekürzter Form und in Anführungszeichen verwendet.). Darüber hinaus, so wird kritisiert, ist der Begriff Antiziganismus stark mit der Diskurshoheit weißer Wissenschaftler*innen verbunden.(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Antizionismus

richtet sich gegen die Ideologie des Zionismus und kann daher implizit als Ablehnung des Existenzrechts des Staates Israel verstanden werden. In diesem Fall kann man auch von antizionistischem Antisemitismus sprechen/schreiben. Gleichzeitig sind nicht alle, die die unterschiedlichen Ideen zionistischer Strömungen kritisieren, automatisch gegen die Existenz Israels. So gibt es im innerisraelischen Diskurs jüdischen Antizionismus, der nicht antisemitisch ist. Weiterführende Begriffe: Antisemitismus israelbezogener Antisemitismus, Israelkritik, Zionismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:04 Uhr)

Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge

sind abwertende Bezeichnungen, die aussagen sollen, dass Asylsuchende vor allem aus wirtschaftlicher Not fliehen und damit das Grundrecht auf Asyl ausnutzen würden. Dagegen spricht, dass die Anerkennungsquoten für Schutzsuchende in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Derzeit werden hauptsächlich Menschen aus den Maghreb-Staaten sowie Roma als vermeintliche Armutsflüchtlinge bezeichnet, die jedoch oft fliehen, weil sie starker Diskriminierung ausgesetzt sind. Wenn Menschen tatsächlich aus wirtschaftlichen Gründen einreisen, kann auch von Arbeitseinwanderung gesprochen werden. Weiterführende Begriffe: Armutsflüchtlinge, Armutszuwanderer, AsylantenAsylantenschwemme, Asylbetrug,  AsylmissbrauchRomaSinti(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:04 Uhr)

Armutszuwanderer

wird oft als abfällige Bezeichnung für Menschen aus Südosteuropa verwendet, teils auch als Synonym für Roma, die im Zuge der EU-Freizügigkeit nach Deutschland kommen. Die große Mehrheit der Menschen, die aus den EU-Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien eingewandert sind, geht jedoch einer Arbeit nach oder studiert. Es handelt sich daher überwiegend um eine – für Deutschland profitable – Arbeitseinwanderung bzw. Arbeitszuwanderung. Bei »Armutsmigration« wird vor allem eine vermeintliche Einwanderung in die Sozialsysteme betont, die gesetzlich aber ausgeschlossen ist. Weiterführende Begriffe: Armutsflüchtlinge, AsylmissbrauchFremdarbeiterRomaSintiWirtschaftsflüchtlingZuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:04 Uhr)

Aschkenasim/ Ashkenazim/ Aschkenasen

sind ursprünglich nord-, mittel- und osteuropäische Juden mit gemeinsamer religiöser Tradition und Kultur. Der Begriff wurde im 9. Jh. von eingewanderten Jüdinnen und Juden für das deutschsprachige Gebiet geprägt und breitete sich von dort aus. Heute bilden Aschkenasim die größte Gruppe im Judentum. Weiterführende Begriffe: Sephardim, Misrachim.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:04 Uhr)

Asyl

In Deutschland haben Menschen nach Art. 16a Abs. 1 des Grundgesetzes das Recht, Asyl zu beantragen. Menschen erhalten Asyl in Deutschland mit einer Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, wenn sie wegen ihrer „Rasse“, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (z. B. als Homosexuelle) in ihrem Herkunftsland einer schweren Menschenrechtsverletzung ausgesetzt sind. Internationalen Schutz als Flüchtling nach der Genfer Flüchtlingskonvention mit einer Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre erhalten sie gemäß § 3 Asylgesetz, wenn eine begründete Furcht vor Verfolgung aus den genannten Gründen vorliegt. Subsidiärer Schutz nach § 4 AsylG wird gewährt, wenn Menschen in ihrem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht, z. B. die Androhung oder Vollstreckung der Todesstrafe, Folter oder Bedrohung durch willkürliche Gewalt in einem bewaffneten Konflikt. Ein Abschiebungsverbot nach § 60 Abs. 5 und 7 mit einer Aufenthaltserlaubnis für mindestens ein Jahr gilt, wenn die Abschiebung in den Herkunftsstaat die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten verletzen oder dadurch eine erhebliche Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit bestehen würde. Geflüchtete sind in Deutschland in vielfältiger Weise institutionellem Rassismus ausgesetzt und dadurch in ihren Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe eingeschränkt.(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Asyl und Flüchtlingsschutz

sind keine Synonyme, sondern unterschiedliche rechtliche Schutzformen. Einen Anspruch auf Asyl haben nur politisch verfolgte Geflüchtete in Deutschland, gemäß Art. 16a im Grundgesetz. Der Flüchtlingsschutz dagegen wird nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt. Außerdem gibt es auch Abschiebungsverbote auf Grundlage der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen, der Europäischen Menschenrechtskonvention und anderer internationaler Abkommen. Weiterführende Begriffe: Asylbewerber, Asylsuchende, Bleiberecht, Duldung, FlüchtlingeGeflüchtete, Geschützte Personen(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylantenschwemme, Asylantenflut oder Asylantenstrom

sind Metaphern, die vor allem in den 1980er und 1990er Jahren verbreitet waren. Sie suggerieren, dass es notwendig sei, die Aufnahme von Geflüchteten zu verhindern – diese werden deshalb Naturkatastrophen gleichgesetzt. Wie die Parole »Das Boot ist voll« werden die oben genannten Begriffe als populistische Floskeln und emotional aufgeladene Angstmacherei kritisiert. Inzwischen werden oft die Varianten Flüchtlingsstrom oder »Flüchtlingswelle« gebraucht, die dieselben Assoziationen wecken. Ein neutrales Schlagwort wäre z. B. Fluchtmigration. Weiterführende Begriffe: AsylbewerberAsylantenArmutszuwandererFlüchtlinge, Flüchtlingsstrom(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylbetrüger

Während »Scheinasylant« und »Asylschmarotzer« heutzutage vor allem Begrifflichkeiten der rechtsextremen Szene sind, findet sich die Bezeichnung »Asylbetrüger« teilweise auch in Mainstream-Medien. So wurden bspw. Flüchtlinge bezeichnet, die sich angeblich als Syrer*innen ausgeben würden, um ihre Chance auf Asyl zu erhöhen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière behauptete im Oktober 2015, 30 Prozent aller Schutzsuchenden, die sich als Syrer*innen ausgeben würden, seien gar keine. Für diese Zahl fehlt allerdings jeglicher Beleg. Weiterführende Begriffe: Armutsflüchtlinge, Asylmissbrauch(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylbewerber

sind juristisch gesehen Personen, die einen Antrag auf Anerkennung als politisch Verfolgte gestellt haben, deren Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aber noch nicht abgeschlossen sind. Bis zum Antrag gilt man für die Behörden als »Asylbegehrender« oder Asylsuchender. Allerdings ist der Begriff »Asylbewerber« irreführend, weil ein Grundrecht auf Asyl besteht; Menschen bewerben sich nicht um Grundrechte, sie haben sie einfach. Alternative Begriffe: Geflüchtete oder Schutzsuchende. Weiterführende Begriffe: AsylsuchendeAsyl- und FlüchtlingsschutzFlüchtlingeGeflüchtete(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylkritiker / Asylgegner

wären im eigentlichen Wortsinn eher Kritiker*innen der Asylgesetzgebung, wie z.B. der Residenzpflicht für Geflüchtete. Tatsächlich sind Asylkritiker*innen/-gegner*innen oft Euphemismen für diejenigen, die sich rechtsextrem, rechtsradikal oder rassistisch gegen Geflüchtete äußern. Die Begriffe werden häufig als Selbstbezeichnungen von Rechtsextremen, Rechtsradikalen oder Rechtspopulisten benutzt. Da das Recht auf Asyl im Grundgesetz niedergeschrieben ist, kann dessen vollkommene Ablehnung als verfassungsfeindlich eingestuft werden. In der Berichterstattung können Menschen mit rechtsextremen Positionen als Rechtsextreme bezeichnet werden. Die Nachrichtenagentur dpa verwendet die Begriffe Asylkritiker/Asylgegner seit Juli 2015 nicht mehr, weil sie beschönigend sind.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylmissbrauch

ist ein politisches Schlagwort, das seit den 1980er Jahren vor allem dann verwendet wird, wenn es um eine Einschränkung des Asylrechts geht, ähnlich wie die Begriffe »Asyltourismus« oder »Sozialtourismus«. Gleichzeitig handelt es sich um einen Kampfbegriff von Rechtsradikalen oder Rechtsextremen, die das Recht auf Asyl an sich infrage stellen wollen. Bereits 2001 wird im Zuwanderungsbericht des Bundesinnenministeriums gefordert, den Begriff nur im Zusammenhang mit Einzelfällen zu verwenden. Ein Recht einzufordern bzw. zu beantragen, ist kein Missbrauch, selbst wenn das Begehren erfolglos bleibt. Missbräuchlich ist erst der Betrugsversuch. Weiterführende Begriffe: Asylbetrüger, Asylkritiker/Asylgegner, ArmutszuwandererAsylantenschwemmeAusländerkriminalität, Schlepper und SchleuserWirtschaftsflüchtling(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Asylsuchende

wird in der Öffentlichkeit oft synonym zum Begriff Flüchtlinge gebraucht. Im Sprachgebrauch des UNHCR ist ein Asylsuchender aber eine Person, die einen Antrag auf Anerkennung als politisch Verfolgter gestellt hat, den Status als Flüchtling oder Asylberechtigter aber noch nicht erhalten hat. Weiterführende Begriffe: AsylbewerberAsyl- und FlüchtlingsschutzFlüchtlinge, Geflüchtete(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Aufnahmegesellschaft

wird häufig als Synonym für Deutsche ohne Migrationshintergrund verwendet, wirkt dabei jedoch ausgrenzend, da Eingewanderte und ihre Nachkommen auch zu den Aufnehmenden gehören. Ein klärender Zusatz, wie multikulturelle Aufnahmegesellschaft wäre sinnvoll, damit deutlich wird: Es sind die rund 83 Millionen<link1 Bürger*innen in Deutschland gemeint. Weiterführende Begriffe: Autochthone Deutsche, BiodeutscheEinwanderungsgesellschaftHerkunftsdeutscheIntegrationMehrheitsgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländer

bezeichnet Einwohner*innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Als Synonym für Einwanderer ist er dagegen falsch, da die meisten Migranten und ihre Nachkommen keine Ausländer*innen mehr sind, sondern Deutsche. Grundsätzlich verortet »Ausländer« Menschen im Ausland und klingt nicht nach jemandem, der*die den Lebensmittelpunkt in Deutschland hat. Weiterführende Begriffe: AllochthoneMenschen aus Einwandererfamilien, Einwanderer und ihre NachkommenMenschen mit internationaler GeschichteMenschen mit MigrationshintergrundNeue Deutsche, Zuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländer mit deutschem Pass

taucht erstaunlicherweise immer wieder auf, ist sachlich falsch und als diskriminierender Widerspruch zu sehen. Vermutlich ist damit Deutsche mit internationaler Geschichte, also mit eigener Einwanderungserfahrung oder Migrationshintergrund gemeint. Weiterführende Begriffe: Ausländer, EinwandererEinwanderer und ihre Nachkommen, Menschen aus Einwandererfamilien, Menschen mit internationaler Geschichte, MigrantenNeue Deutsche, PassdeutscheZuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländerhass, Fremdenfeindlichkeit

sind als Synonyme für Rassismus und rassistische Tatmotive ungenau, da es selten um tatsächliche Fremde wie etwa Tourist*innen geht. Von der vermeintlichen »Ausländerfeindlichkeit« sind oft deutsche Staatsangehörige betroffen. Werden Ausländerhass oder Fremdenfeindlichkeit als Motive genannt, gibt das die Perspektive der Täter*innen wieder. Präziser ist es, die Straftaten und Motive als rassistisch, rassistisch motiviert, rechtsextrem, rechtsterroristisch oder neonazistisch zu bezeichnen. Weiterführende Begriffe: Hassverbrechen, Hasskriminalität, Ideologien der Ungleichwertigkeit, Extremismus, Rechtsextremismus, Neonazi Asylkritiker/Asylgegner, Antimuslimischer Rassismus Islamfeindlichkeit, Islamophobie, Rassismus, Rasse, RechtspopulistXenophobie(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländerkriminalität

sollte nicht als eine Bezeichnung für alle Straftaten verwendet werden, die von Ausländern begangen werden, sondern als Oberbegriff für Verstöße, die nur von Ausländer*innen begangen werden können, wie z. B. Visavergehen oder Verstöße gegen Asylgesetze. Alle anderen Straftaten können konkret benannt werden – es ist bei Delikten, die Ausländer*innen seltener begehen (z. B. Steuerflucht) auch nicht von »Deutschen-Kriminalität« die Rede. Weiterführende Begriffe: AbschiebungBlutracheEhrenmordParallelgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländischer Mitbürger

wird seit den 1970er Jahren als meistens wohlmeinende, jedoch widersprüchliche Bezeichnung für Menschen verwendet, die seit vielen Jahren hier leben und voraussichtlich bleiben werden. Soll die nicht-deutsche Staatsbürgerschaft betont werden, ist ausländische*r Bürger*in passender, da bei »Mit-Bürger*in« ein unnötiges »Othering« stattfindet, d.h. ein*e Mitbürger*in ist damit scheinbar anders als ein*e Bürger*in. Weiterführende Begriffe: Allochthone, AusländerBindestrich-Deutsche, Deutsch-Türken, DiverskulturelleMenschen mit MigrationshintergrundMigrantenNeue Deutsche, Russlanddeutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Ausländerpädagogik

Die Ausländerpädagogik entstand zu Beginn der 1970er Jahre. Adressat*innen waren in den Anfangsjahren als „Gastarbeiterkinder“ und ab den 1980er Jahren als „Ausländerkinder“ titulierte Kinder. Kennzeichnend für die ausländerpädagogische Haltung war die Wahrnehmung dieser Kinder als defizitär, als pädagogisches Problem und als Störfaktor für die organisatorischen, didaktischen und methodischen Routinen der Bildungseinrichtungen. Die Maßnahmen in Form von segregativen Beschulungspraxen zielten lediglich auf eine „Integration auf Zeit“ ab. Die mangelnde Effektivität der entsprechenden Fördermaßnahmen wurde auf vermeintliche Defizite der Kinder in der sozialen Integration zurückgeführt – die wiederum durch das familiäre Umfeld und dessen als defizitär und dysfunktional betrachtete „fremde Kultur“ erklärt wurden. Im ausländerpädagogischen Paradigma, das auf Anpassung, Assimilation und Homogenisierung ausgerichtet war, spiegelten sich das nationalstaatliche Selbstverständnis der deutschen Schule und die Negierung der faktisch existierenden sprachlich-kulturell-religiösen Heterogenität (u. a. durch Migration) wider. Trotz zahlreicher Kritikpunkte sind ausländerpädagogische Ansätze auch heute noch in der pädagogischen Praxis wirksam. (IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Aussiedler / Spätaussiedler

sind deutsche »Volkszugehörige« und mit etwa 4,5 Millionen Menschen die größte Einwanderergruppe in der Bundesrepublik. Laut Definition des Innenministeriums handelt es sich bei ihnen um »Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie in der Sowjetunion unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges gelitten haben (und die) noch Jahrzehnte nach Kriegsende aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit massiv verfolgt« wurden. In der Bundesrepublik können sie die »Statusdeutscheneigenschaft« bekommen, werden damit deutschen Staatsangehörigen gleichgestellt und sind keine Ausländer (siehe auch Vertriebene). Weiterführende Begriffe: MigrantenNeubürgerNeue DeutscheZuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:08 Uhr)

Aussiedler*innen

Als Aussiedler*innen werden nach § 1 Abs. 2 Nr. 3 des Bundesvertriebenengesetzes deutsche Staatsangehörige und deutsche „Volkszugehörige“ bezeichnet, die die Aussiedlergebiete (das sind die ehemaligen deutschen Ostgebiete, Danzig, Estland, Lettland, Litauen, die ehemalige Sowjetunion, Polen, die ehemalige Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, das ehemalige Jugoslawien, Albanien oder China) vor dem 1. Juli 1990 bzw. dem 1. Januar 1993 verlassen haben und in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind.(IDA e.V., 20.03.2020, 11:55 Uhr)

Balkan

meint geografisch die Halbinsel Südosteuropas, zu der bspw. auch Griechenland gehört. Oft wird der Begriff in Zusammenhang mit Roma gebracht, die in mehreren  Ländern in Südosteuropa eine große ethnische Minderheit sind. Er ist dann negativ besetzt und wird recht ungenau als Synonym für Bulgarien und Rumänien benutzt. In der Berichterstattung wird der Begriff zudem häufig im Kontext mit Armutsflüchtlingen und Asylmissbrauch verwendet.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Banden

wird in der Kriminalitätsberichterstattung häufig als Schlagwort verwendet, um mit dem Zusatz »aus Südosteuropa« einen Hinweis auf Roma zu implizieren. Der Begriff sollte verwendet werden, wenn er juristisch angebracht ist. So definiert der Bundesgerichtshof eine Bande als
»Zusammenschluss von mindestens drei Personen, die sich mit dem Willen verbunden haben, künftig für eine gewisse Dauer mehrere selbständige, im Einzelnen noch ungewisse Diebes- oder Raubtaten zu begehen«.
Weiterführende Begriffe: Clan
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bekenntnisfreiheit

wird durch das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates garantiert. Sie besagt, dass alle Angehörigen einer nationalen Minderheit selbst wählen dürfen, ob sie sich dieser Minderheit zugehörig fühlen oder nicht. Dieses Bekenntnis ist frei, ein Nachweis der Gruppenzugehörigkeit darf also nicht verlangt werden. Sinti und Roma sind in Deutschland seit 1998 als nationale Minderheit anerkannt. Weiterführende Begriffe: Minderheitenrat(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Besorgte Bürger

ist 2014 im Zuge der ersten Pegida-Demonstrationen in Dresden als Euphemismus für Menschen mit islamfeindlichen Einstellungen aufgekommen. Es entstand eine Debatte, ob »besorgte Bürger*innen« zu selten gehört würden. Deren »Sorgen« prägten allerdings seit Jahren den Diskurs, flankiert von Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« (2010). Die Ängste der Betroffenen davor, dass Rassismus in Deutschland allmählich salonfähig wird und reale Folgen für sie hat, waren in Politik und Medien weniger präsent. Entsprechend kann von den unterschiedlichen Sorgen aller Bürger berichtet oder von den Einstellungen islamfeindlicher Bürger gesprochen werden.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Biodeutsche

wurde vor einigen Jahren von »Migrationshintergründler*innen« als Gegenentwurf mit scherzhaft-provokantem Unterton in die Debatte gebracht und wird inzwischen aus Mangel an Alternativen mitunter ernsthaft verwendet. Viele so Bezeichnete lehnen den Begriff ab, weil in ihm die Vorstellung von Genetik mitschwingt. Die Deutung als Kürzel für Biografisch-Deutsche ist inzwischen verloren gegangen. Weiterführende Begriffe: Autochthone DeutscheCopyright-Deutsche, Deutsche ohne Migrationshintergrund, Einheimische, Standard-Deutsche, Weiße Deutsche (neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bleibeperspektive

Der Begriff soll die Kategorisierung von Asylsuchenden in solche mit guter/günstiger Bleibeperspektive und jene mit schlechter/geringer Bleibeperspektive zulassen. Letztere sind Menschen aus Ländern mit einer relativ hohen Anzahl von Asylsuchenden bei zugleich niedriger Schutzquote. Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive erhalten einen schnelleren Zugang zu Sprach- und Integrationskursen. Diese Einteilung in »gute« und »schlechte« Flüchtlinge läuft einem Grundgedanken des Asylrechts, der individuellen Prüfung der Fluchtgründe, zuwider.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bleiberecht

bezeichnet die Aufenthaltserlaubnis für Ausländer, die sich schon länger ohne Aufenthaltstitel in Deutschland aufhalten, weil sie zum Beispiel als abgelehnte Asylsuchende geduldet wurden. In Deutschland wird der Begriff auch als politische Forderung und synonym zum international gebräuchlicheren Begriff Legalisierung verwendet. Voraussetzungen für die sog. gesetzliche Bleiberechts-  und Altfallregelung sind unter anderem objektive Abschiebehindernisse, ein mehrjähriger Aufenthalt in Deutschland, eine Arbeitsstelle sowie Integrationsnachweise. Weiterführende Begriffe: Asyl- und FlüchtlingsschutzGeschützte PersonenPrinzip der Nicht-Zurückweisung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Blutrache

bezeichnet ausschließlich schwere Gewalttaten oder Morde zur Vergeltung der Tötung von Familienmitgliedern. Mitunter wird Blutrache zur Beschreibung anderer Straftaten verwendet, die von Einwanderern oder deren Nachkommen begangen werden. Dabei handelt es sich aber in vielen Fällen schlicht um Rache oder Racheakte. Weiterführende Begriffe: Antimuslimischer Rassismus, EhrenmordIslamfeindlichkeitIslamkritik, Mord im Namen einer vermeintlichen EhreParallelgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Boko Haram

ist eine radikal-islamistische Terrormiliz, die 2009 im Nordosten Nigerias gegründet wurde. Offiziell trägt die Terrorgruppe seit 2009 den Namen »Jama’atu Ahlis Sunna Lidda’awati wal-Jihad«, der im Deutschen »Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und für den Dschihad« bedeutet. Sie wird im Allgemeinen jedoch weiterhin Boko Haram genannt, was meist übersetzt wird mit »Westliche Bildung ist verboten«. Entstanden ist sie aus der gleichnamigen sektenähnlichen Gruppierung, die seit 2002 im Nordosten Nigerias offen als eine fundamentalistisch-islamistische Gemeinschaft operierte. Ziel von Boko Haram ist, einen islamischen Gottesstaat nach dem »Recht« der Scharia zu errichten; 2014 rief die Miliz in den von ihr beherrschten Gebieten im Norden Nigerias ein islamisches Kalifat aus, ähnlich wie der IS kurz zuvor im Nordirak. Weiterführende Begriffe: Dschihad, Dschihadismus, Dschihadist, radikaler Islam/ radikale Muslime, Salafismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bulgarien

Hier sind die Roma (wie in Rumänien) nach Türk*innen die zweitgrößte Minderheit. Neben Rumänien, der Slowakei, Ungarn und der Tschechischen Republik, gehört Bulgarien zu den fünf Ländern, die von der Europäischen Kommission 2013 länderspezifische Empfehlungen zur Umsetzung nationaler Roma-Integrationsstrategien erhielten. Sie sind Teil des von den EU-Staats- und Regierungschefs 2011 unterzeichneten EU-Rahmens (IP/11/789) zur Integration der Rom*nja in den Mitgliedsstaaten. Selbstorganisierte Rom*njaverbände kritisieren, dass die Verteilung der Gelder nicht ausreichend kontrolliert werde. Weiterführende Begriffe: Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge, Balkan,(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bürgerlich (konservativ)

wird zum Teil als beschönigende Beschreibung illiberaler Haltungen verwendet. Bürgerlicher Konservativismus in Deutschland ist freiheitlich-demokratisch geprägt und nicht radikal – anders als viele politische Positionen rechter Kreise, die sich selbst als bürgerlich bezeichnen. Weiterführende Begriffe: Radikal (neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Burka

verhüllt den ganzen Körper, den Kopf und das Gesicht; die Augen sind von einem Stoffgitter verdeckt; vor allem typisch in Afghanistan und teils in Pakistan. Burka wird oft falsch verwendet, wenn eigentlich ein Gesichtsschleier gemeint ist, der die Augen freilässt, also ein Niqab. Weiterführende Begriffe: Hijab, Kopftuch, Kopftuchträgerin, Scharia, Tschador(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:28 Uhr)

Bodyismus

Der Begriff Bodyismus (auch Lookismus) bezeichnet Diskriminierung und Dominanz, die aufgrund körperlicher Schönheits- und Gesundheitsnormen stattfinden. „Gutes Aussehen“ und ein „gesunder“ Körper sind in unserer Gesellschaft enorm wichtig, um erfolgreich zu sein und ernst genommen zu werden. Vorstellungen davon, was schön und gesund ist, sind kulturell gewachsen, sehr variabel (bspw. galten fülligere Frauen und blasse Haut vor einigen Jahrzehnten noch als attraktiver und wichtiger für den sozialen Status als es heute der Fall ist) und individuell unterschiedlich. Dennoch werden (häufig sexistische) Normen und Ideale bezüglich des Körpers bspw. durch Bilder aus der Werbung geprägt und festgelegt. Menschen, die aus diesen Normen fallen, werden dafür oft psychisch oder physisch angegriffen und strukturell – also auf interaktionaler, institutioneller und gesellschaftlich-kultureller Ebene – diskriminiert. Dahinter stecken häufig Vorstellungen von Leistung und Selbstoptimierung im Sinne einer ökonomischen Nutzbarmachung und Produktivität von Menschen, die sich bspw. auch bei Ableismus und Altendiskriminierung finden. In der Geschichte des Rassismus wurden Schönheitsideale immer wieder eingesetzt, um „Rassen“ zu hierarchisieren. Auch heute wird vielfach Schönheit implizit immer noch mit Weißsein gleichgesetzt. Diese Erbschaft des Rassismus wirkt insbesondere noch in ehemals kolonisierten Gesellschaften nach und wird durch die kulturelle Hegemonie der westlichen Welt aufrechterhalten.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:47 Uhr)

Biologismus

Als Biologismus lassen sich biologisierende Denkweisen bezeichnen. Diese versuchen im Kontext von Rassismus entweder mit explizitem Bezug auf „Rasse“ oder auf biologisch definierte funktionale Äquivalente wie „Völker“ Menschen nach biologischen Kriterien in eindeutig abgrenzbare Populationen zu unterteilen und auf dieser Basis soziale Prozesse zu erklären. Charakteristisch sind biologistische Argumentationen bspw. für den „wissenschaftlichen Rassismus“ des 18. Jahrhunderts. Aber auch für alle anderen Formen der Diskriminierung spielen sie eine tragende Rolle, da sie im Zuge der allgemeinen Verwissenschaftlichung seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit boten und bieten, menschliche Unterschiede und Verhaltensweisen gestützt auf wissenschaftliche Autorität – statt vormals auf religiöse Autorität – mit „der Natur“ des Menschen zu erklären.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:47 Uhr)

Critical Whiteness

Kritisches Weißsein (engl. Critical Whiteness) bezeichnet den kritischen Blick auf Weißsein als soziale Kategorie. Im Gegensatz zu anderen Rassismusanalysen, die Schwarze Menschen und People of Color als „Opfer“ im Blick haben, werden die Auswirkungen von Rassismus auf die Sozialisation weiß positionierter Menschen betrachtet. Auch wenn klar ist, dass es keine „Rassen“ gibt, sind rassifizierte Kategorisierungen eine soziale Realität. Während Schwarze Menschen strukturell ethnisiert und als anders markiert werden, wird der Gegenentwurf, der diese rassistischen Konstruktionen erst möglich macht – das Weißsein – strukturell ausgeblendet und mit ihm alle Privilegien und Ungleichheiten, die damit einhergehen. Bspw. finden sich schon im Kindesalter weiße Menschen selbstverständlich in Büchern, Filmen und Liedern repräsentiert, während Schwarze Menschen kaum als selbstverständlich Anwesende auftauchen. Dadurch bleibt Weißsein Norm und Normalität und es gelingt nicht, die rassistischen Machtstrukturen zu erkennen und zu hinterfragen. Von Schwarzen Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen in den USA und später in Europa erkämpft, hat sich diese Sichtweise auch im wissenschaftlichen Kontext etabliert: Die Critical Whiteness Studies (Kritische Weißseinsforschung) sind inzwischen auch an deutschen Universitäten vertreten und bilden mit ihrer Perspektive bspw. einen integralen Bestandteil der Migrationspädagogik.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Chassidismus

ist eine religiösmystische Bewegung, innerhalb des orthodoxen Judentums, die besonders im 19. Jh. in Osteuropa verbreitet war. Bedeutend dabei sind kabbalistische Konzepte und spirituelle Erlebnisse. Heute gibt es nur noch einige hunderttausend chassidische Juden, vor allem in Israel, Argentinien und den USA.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:36 Uhr)

Christlich-jüdisch

als solche Leitkultur oder solches Abendland wird oft eine in Deutschland vorherrschende kulturelle Ordnung bezeichnet. Die begriffliche Verbindung ist historisch falsch (siehe Antijudaismus) und dient häufig der Abgrenzung gegenüber Muslimen. Alternativ können z. B. verfassungsgemäße Werte genannt werden, zu denen sich Gläubige aller Religionen, wie auch nicht gläubige Menschen in Deutschland bekennen sollten. Weiterführende Begriffe: Heimat, Juden, Kulturkreis, Überfremdung, Volk
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:36 Uhr)

Clan

gehört zu den Begriffen, die ebenso wie die Schlagworte »Großfamilie« oder »Sippe« auch ohne einen Hinweis auf die Herkunft implizieren, dass es in einem Bericht um Einwanderer geht. Weniger kulturalistisch und konkreter ist der Begriff kriminellen Bande.Weiterführende Begriffe: Banden, Blutrache, Ehrenmord, Muslime, Roma, Sinti(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:36 Uhr)

Clan-Kriminalität

ist ein stigmatisierender Begriff, weil damit ganze Familien, auch Kinder, Großeltern und andere Verwandte zu Kriminellen erklärt werden. Häufig knüpft er an kulturrassistische Vorstellungen an, etwa, dass alle Clan-Mitglieder in archaischen Familienstrukturen leben. Alternativ kann man von organisierter Kriminalität sprechen. Weiterführende Begriffe: Bande(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:36 Uhr)

Davidstern

ist ein sechszackiger Stern aus zwei übereinandergelegten, gleichseitigen Dreiecken und benannt nach dem jüdischen König David, der etwa 1.000 v.d.Z. lebte. Ungefähr seit dem 18. Jh. ist der Davidstern ein Symbol für das Judentum und schmückt seit 1948 auch die Flagge des Staates Israel, nachdem er vorher von den Nationalsozialist*innen als gelber »Judenstern« missbraucht wurde, um Jüdinnen und Juden zu kennzeichnen.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

De-facto-Flüchtlinge

haben entweder keinen Antrag auf Asyl gestellt oder ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Die Bezeichnung de-facto-Flüchtling ist kein Rechtsbegriff, taucht aber hin und wieder auf, meistens für Personen, denen aus humanitären Gründen die Rückkehr in ihr Heimatland nicht zumutbar ist (z.B. wegen drohender Todesstrafe oder Folter im Herkunftsland), siehe auch Duldung. Weiterführende Begriffe: Bleiberecht, Geflüchtete, Illegale Migranten
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent

ist in fast allen Fällen eine vage Vermutung. Es ist schwer unterscheidbar, ob ein Mensch einen türkischen, kurdischen, persischen, berberischen oder anderen Akzent hat. Entsprechend kann in Meldungen zur Fahndungshilfe wahrheitsgemäß formuliert werden spricht Deutsch mit Akzent oder sprach Deutsch mit einem Akzent, der vom Zeugen als türkisch eingeschätzt wurde. Weiterführende Begriffe: Der türkischstämmige (besser: türkeistämmige) Tatverdächtige, Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig, Der Kölner Behrouz F. (neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Der Kölner Behrouz F.

bei der Nennung von Namen oder Alias-Namen in Berichten ist eine Verbindung mit dem Wohnort zu empfehlen. Auch eine Nennung des Wohnbezirks kann sinnvoll sein, weil sie oft mehr Aussagekraft hat als die Herkunft. Vor allem in ausführlichen Berichten, ist es meist aufschlussreicher zu erfahren, ob Behrouz F. in einem Arbeiterkiez oder Nobelviertel wohnt. Formulierungen wie »der Iraner Behrouz F. aus Köln« oder »der iranischstämmige Behrouz F.« hingegen machen eher deutlich, dass Behrouz F. weder echter Kölner noch Deutscher ist oder sein kann. Weiterführende Begriffe: Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent, Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig, Der türkischstämmige (besser: türkeistämmige) Tatverdächtige(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Der türkischstämmige Tatverdächtige

(besser: türkeistämmige) Grundsätzlich sollte die Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen nur dann genannt werden, wenn ein Bezug zur Tat besteht und die Information zum Verständnis notwendig ist. Das wäre etwa der Fall, wenn z.B. ein kultureller oder religiöser Hintergrund bei der Entscheidung in einem Gerichtsverfahren berücksichtigt wird. Gibt es keinen sachlichen Bezug zum Tathergang, wird durch die explizite Nennung der ethnischen Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen in der Nachricht ein vermeintlich ursächlicher Zusammenhang hergestellt. Zum Vergleich: Es ist auch nicht üblich, von deutschstämmigen Täter*innen zu sprechen. Weiterführende Begriffe: Ausländerkriminalität, Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent, Der Kölner Behrouz F., Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Deutsch-Türken

usw. ist eine Möglichkeit die Internationalität von Menschen zu beschreiben. Dabei ist es allerdings sinnvoll, ihren Lebensmittelpunkt zu betonen, also Turko-Deutsche oder Türkei-Deutsche statt Deutsch-Türken, Greco-Deutsche statt Deutsch-Griechen, Spanisch-Deutsche, Polnisch-Deutsche usw. Denn bei Wortzusammensetzungen im Deutschen steht die Hauptbedeutung immer am Ende (z.B. Hausschuh). Übrigens empfinden sich auch Einwanderer ohne deutschen Pass oft als Teil der deutschen Gesellschaft, also z.B. als Turko-Deutsche. Weiterführende Begriffe: Bindestrich-Deutsche, Gastarbeiter, Kanaken, Migranten, Muslime, Russlanddeutsche, Südländer, Türkischstämmige (Bürger)(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Deutsche

steht für deutsche Staatsangehörige. Als Adjektiv oder Substantiv sollte der Begriff nicht dazu dienen, eine ethnische Zugehörigkeit und damit nur die standard-deutsche Bevölkerung zu beschreiben. Denn: Jede*r fünfte Deutsche hat einen Migrationshintergrund. Und ihr Anteil wächst: Seit dem jahr 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder von Ausländern (in der Regel) automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit. Weiterführende Begriffe: Autochthone Deutsche, Biodeutsche, Standard-Deutsche, Deutsche ohne Migrationshintergrund, Einheimische(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Deutsche Sinti und Roma

sind eine nationale Minderheit. Sprachforscher verorten die ursprüngliche Herkunft der Sinti und Roma in Indien und dem heutigen Pakistan. Derzeit leben zwischen 70.000 und 150.000 Sinti und Roma in Deutschland<link1. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland generell keine bevölkerungsstatistischen und sozioökonomischen Daten auf ethnischer Basis erhoben werden. Neben Deutsch sprechen sie als zweite Muttersprache häufig die Minderheitensprache Romanes. Oft werden in der aktuellen Diskussion Einwanderer aus Rumänien, Bulgarien oder Serbien irrtümlicherweise als »Sinti und Roma« bezeichnet. Auf sie würde gegebenenfalls nur die Bezeichnung Rom*nja zutreffen. Bei Zuwanderern wird jedoch nur die Staatsangehörigkeit erfasst – es ist also nicht bekannt, welche Eingewanderten Angehörige der Minderheit sind<link2. Weiterführende Begriffe: Deutsche Roma, Einwanderungsgesellschaft, Neue Deutsche, Osteuropäischer Herkunft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Deutsche Staatsangehörigkeit

erwerben Menschen mit der Geburt entweder nach dem Abstammungsprinzip, wenn sie also als Kind deutscher Eltern geboren werden, oder seit 2000 auch nach dem Geburtsortprinzip. Das heißt auch Kinder, deren Eltern keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, erhalten seither in der Regel die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn sie in Deutschland geboren sind (siehe doppelte Staatsangehörigkeit, Optionspflicht). Unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. achtjähriger Aufenthalt) kann man durch Einbürgerung deutsche*r Staatsbürger*in werden. Weiterführende Begriffe: Ausländer mit deutschem Pass, Aussiedler / Spätaussiedler, Autochthone DeutscheBundesrepublikaner, Deutsche,  Einheimische(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Deutschenfeindlichkeit

„Deutschenfeindlichkeit“ ist ein Begriff, den u. a. Rechtspopulist*innen nutzen, um auf sogenannten „umgekehrten Rassismus“ hinzuweisen, wenn also (vermeintliche) Nicht-Deutsche sich gegenüber Deutschen verächtlich äußern, sie angreifen oder Vorurteile haben. Der Begriff impliziert, dass ausschließlich weiße Deutsche gemeint sind, denn sonst könnte von Rassismus gesprochen werden. Dadurch werden etwa Schwarze Deutsche, Jüd*innen, Muslim*innen oder Sinti*zze nicht als Deutsche anerkannt. Indem aber „Deutschenfeindlichkeit“ als „Rassismus gegen weiße Deutsche“ verstanden wird, wird bewusst ausgeblendet, dass weiße Deutsche in Deutschland über die gesellschaftlichen Machtmittel verfügen, erstens „die Anderen“ zu kategorisieren und zu stereotypisieren sowie zweitens die Kategorien und Zuschreibungen institutionell und gesellschaftlich-kulturell zu verankern. Versteht mensch Rassismus in diesem Sinne als Struktur, ist „umgekehrter Rassismus“ in Deutschland nicht möglich, auch wenn einzelne deutsche Menschen sicher Erfahrungen von Ausgrenzung oder Gewalt wegen ihrer (zugeschriebenen) Herkunft gemacht haben können. Der Vorwurf der „Deutschenfeindlichkeit“ zielt häufig – auch unbewusst – darauf ab, Rassismus zu relativieren, „die Anderen“ als Täter*innen und sich selbst als Opfer darzustellen, um auf diese Weise Benachteiligungen und Ausschluss der „Anderen“ als legitime Gegenwehr darstellen zu können.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Displaced Persons (DPs)

engl. für Vertriebene. Die UN bezeichnen Personen als displaced people, die wegen bewaffneter Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen, natürlicher oder menschlich verursachter Katastrophen gezwungen wurden, ihren Heimatort zu verlassen, aber keine international anerkannte Staatsgrenze überschritten haben; im Sinne der UN sind DPs Binnenflüchtlinge. Als historischer Begriff in der deutschen Geschichte bezieht er sich vor allem auf ehemalige KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen nach dem Zweiten Weltkrieg. Weiterführende Begriffe: Heimatlose Flüchtlinge, Flüchtlinge, Vertriebene(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Dichotomisierung

Dichotomisierung bezeichnet in der Rassismuskritik die Zweiteilung einer Gruppe nach bestimmten Merkmalen. Kulturelle, biologische, … Differenzierungen werden mit Begriffsgruppen wie wir/ihr, unsere/eure markiert. Das wir/unsere wird mit positiven, das ihr/euch mit negativen, abweichenden Merkmalen verknüpft. Die negative Darstellung der jeweils anderen führt zu Ausgrenzungsprozessen.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:48 Uhr)

Differenzlinie

Angelehnt an die Theorie der Intersektionalität wird davon ausgegangen, dass Diskriminierungsformen Differenzen erst schaffen. Diese beziehen sich jeweils auf eine bestimmtes Merkmale, das zur Kategorisierung herangezogen wird: Die Hautfarbe wird differenziert in schwarz/weiß, das Geschlecht in Frau/Mann, sexuelle Orientierung in heterosexuell/lesbisch, schwul, bi, asexuell usw. Differenzlinien nehmen also dualistische Unterscheidungen vor, die sich ergänzend und hierarchisch aufgebaut sind. D. h. eine Seite der Unterscheidung verhält sich immer als Norm (weiß, männlich, heterosexuell usw.), während die andere Seite als „abweichend“ problematisiert und in Form von Diskriminierungen sozial sanktioniert wird. Da Menschen nicht nur eine, sondern mehrere solcher Differenzkategorien in sich vereinigen, verhilft der Begriff der Differenzlinie dazu, diese komplexen, nicht-binären Gruppenzuschreibungen und Dominanzverläufe zu beschreiben und kritisierbar zu machen. Daraus entsteht eine Kritik des dualistischen und normierenden Unterscheidens. Diesem zufolge sind Differenzlinien als offene Räume zu verstehen, in denen Menschen je individuelle Positionen einnehmen (z. B. im Hinblick auf das Geschlecht) und es daher keine Norm gibt, von der jemand abweichen kann. Die Eigenschaften jedes Menschen sind dann „normal“, insofern sich in ihnen je eine mögliche Ausprägung menschlicher Diversität zeigt.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:48 Uhr)

Diskriminierung

Diskriminierung ist die ungleiche, benachteiligende und ausgrenzende Behandlung von konstruierten Gruppen und diesen zugeordneten Individuen ohne sachlich gerechtfertigten Grund. Diskriminierung kann sich zeigen als Kontaktvermeidung, Benachteiligung beim Zugang zu Gütern und Positionen, als Boykottierung oder als persönliche Herabsetzung. Der Begriff bezeichnet sowohl den Vorgang als auch das Ergebnis, also die Ausgrenzung und strukturelle Benachteiligung der diskriminierten Personen und Gruppen. Die Durchsetzung von Diskriminierung setzt in der Regel soziale, wirtschaftliche, politische oder diskursive Macht voraus. Diskriminierung ist nicht auf individuelles Handeln beschränkt, sondern auch in gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Strukturen verankert. Um dies deutlich zu machen, wird zwischen Diskriminierung auf subjektiver, interaktionaler, institutioneller, gesellschaftlich-kultureller und struktureller Ebene unterschiede
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:49 Uhr)

Diversität

Jeder Mensch hat Eigenschaften, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die ihn von anderen unterscheiden. Einige Merkmale bringen Privilegien mit sich, andere erschweren den Zugang zu Ressourcen. Der Diversitätsansatz problematisiert gesellschaftliche Machtverhältnisse in ihrer Intersektionalität, die über Normen, Diskriminierung und Privilegierungen in Verbindung mit zugeschriebenen Kategorien wie „Hautfarbe“, Herkunft, Aufenthaltsstatus, Religion, Gender, sexuelle Orientierung, Behinderung, Alter und sozialer Herkunft bzw. sozialem Status verknüpft sind. Normen und Macht spielen eine entscheidende Rolle, wenn Menschen von gesellschaftlichen Ressourcen ausgeschlossen werden oder einen privilegierten Zugang zu ihnen erhalten. Diversität bedeutet also nicht nur Vielfalt oder Vielseitigkeit, sondern auch Diskriminierungskritik, Macht- und Normenkritik, Empowerment und Powersharing sowie eine intersektionale Perspektive.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:49 Uhr)

Diversity Management

Das in den USA für das Management von Unternehmen entwickelte Konzept zielt auf die bewusste Nutzung und Förderung der Vielfalt von Mitarbeiter*innen. Dabei geht es nicht nur um Toleranz gegenüber individueller Verschiedenheit (engl.: diversity), sondern um die positive Wertschätzung von Vielfalt. Ziele von Diversity Management sind eine produktive Gesamtatmosphäre, die Unterbindung der Diskriminierung von Minderheiten und die Gewährleistung gleicher Chancen für alle – unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung. Da das Konzept auf den Unternehmensnutzen ausgerichtet ist, wird es aus diskriminierungskritischer Perspektive kritisiert und ist mit dieser Ausrichtung nicht in pädagogische Kontexte übertragbar.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:49 Uhr)

Dominanz

Als dominant werden Verhaltensweisen bezeichnet, bei denen andere zur Unterordnung gezwungen werden. Eine Person oder Gruppe setzt sich gegenüber einer anderen Person oder Gruppe durch. Dies geschieht jedoch nicht  – wie im Falle von Herrschaft – durch unmittelbaren Zwang in Form von Repression, Ge- oder Verboten. Wenn Machtverhältnisse in die verinnerlichten Normen und sozialen Strukturen einer Gesellschaft eingelagert sind, können vielmehr alle ihre Angehörigen Dominanz ausüben, indem sie die herrschende Normalität bewusst oder unbewusst mittragen. Beispiele dafür sind, wenn rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und daraus folgende Segregation mit „kultureller Fremdheit“ oder mangelnder Leistungsbereitschaft erklärt werden; wenn die Gleichberechtigung von Männern* und Frauen* behauptet wird, obwohl Frauen* immer noch den größten Teil der Reproduktions- und Carearbeit leisten; oder wenn die Mitarbeiter*innen eines Amtes von Besucher*innen ganz selbstverständlich verlangen, Deutsch zu sprechen, weil Deutsch Amtssprache sei, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Gegenübers. Diese Prozesse festigen wiederum die ungleiche Verteilung von Ressourcen, Repräsentanz und Partizipationschancen, auf der die Ausübung von Dominanz beruht.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:49 Uhr)

Dominanzgesellschaft



Der Begriff der Dominanzgesellschaft oder -kultur geht auf die Psychologin und Sozialarbeiterin Birgit Rommelspacher zurück. Er versucht das Zusammenleben unter mehrdimensionalen, vielschichtigen Macht- und Herrschaftsbedingungen zu beschreiben. Die Dominanzgesellschaft ist geprägt von einer Geschichte, die Herrschen und Beherrscht werden zu ihren zentralen Ordnungskategorien hat werden lassen. Im Gegensatz zu kolonialen oder faschistischen Gesellschaften ist die Unterteilung in Unterdrückte und Unterdrückende aber nicht eindeutig, sondern verläuft anhand vieler verschiedener Differenzlinien (Frau/Mann, weiß/Schwarz, deutsch/nicht-deutsch, arm/reich usw.), was zu einem Verblassen der kollektiven Identitäten und zu Verunsicherung führt. Zudem sind Über- und Unterordnung in Normen, Normalitätsvorstellungen und Alltagshandeln eingelassen. Diese Uneindeutigkeiten verdecken und rechtfertigen bestehende Ungleichheiten und Diskriminierungen, sodass die Dominanzgesellschaft sich ihrer eigenen Hierarchien nicht bewusst ist (oder sein will), sondern sich (allerdings nur oberflächlich) zu Gleichheit und Gleichwertigkeit bekennt. (IDA e.V., 20.03.2020, 11:52 Uhr)

Doppelte Staatsangehörigkeit

Das Fachwort dafür ist Mehrstaatigkeit und beschreibt den Besitz von zwei oder mehr Staatsangehörigkeiten. Dazu kommt es z.B., wenn ein Kind nach dem Abstammungsprinzip automatisch die unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten beider Elternteile erhält. Bei Einbürgerungen in Deutschland soll Mehrstaatigkeit vermieden werden, es gibt allerdings viele Ausnahmen: z.B. für EU-Bürger*innen, Schweizer*innen, US-Amerikaner*innen, Argentinier*innen etc. Seit 2000 erhalten auch in Deutschland geborene Kinder von Ausländern neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche (siehe Optionspflicht). Um Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft zu benennen, ist es sinnvoll, ihren Lebensmittelpunkt zu betonen, also z.B. Turko-Deutsche, oder Türkei-Deutsche statt Deutsch-Türk*innen, Greco-Deutsche, statt Deutsch-Griech*innen etc. ähnlich wie bei Russlanddeutschen. Weiterführende Begriffe: Aussiedler / Spätaussiedler, Bindestrich-Deutsche, Einbürgerung, Deutsche Staatsangehörigkeit, Deutsch-Türken, Russlanddeutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

doppeltes Bewusstsein

Den Begriff „doppeltes Bewusstsein“ (engl. double consciousness) hat der US-amerikanische Soziologe und Schriftsteller W.E.B. Du Bois in seinem 1903 erschienenen Buch „Die Seelen der Schwarzen“ (engl. The Souls of Black Folk) über die Rassentrennung in den USA geprägt. Du Bois beschreibt mit dem Begriff das Gefühl, „sich selbst immer nur durch die Augen anderer wahrzunehmen, der eigenen Seele den Maßstab einer Welt anzulegen, die nur Spott oder Mitleid für einen übrig hat.”* Doppeltes Bewusstsein bezeichnet also eine Form, in der rassistisch diskreditierbare Menschen die Verweigerung von Zugehörigkeit, rassistische Zuschreibungen und Weißsein als Norm verinnerlicht haben. Das eigene Selbst ist dann nur durch den Spiegel von Stereotypen und weißer Normen zugänglich. Die Folgen von doppeltem Bewusstsein können Passivität, Aggressivität, Minderwertigkeitsgefühle und Überkompensation sein. Letzteres bedeutet, dass eine rassistisch diskreditierbare Person einerseits versucht, möglichst angepasst und unauffällig zu sein, um keine Stereotype zu erfüllen und auf diese Weise Diskriminierungen zu entgehen, und sich andererseits offensiv von anderen rassistisch diskreditierbaren Personen abgrenzt, auf die Stereotype zutreffen.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:52 Uhr)

Dritte Welt

ist ein veralteter Begriff für Länder und Regionen, die aus einer europäischen Sicht als unterentwickelt gelten. Zur Zweiten Welt gehörten demnach sogenannte Schwellenländer, die Erste Welt sind hochentwickelte Industrieländer. Diese Hierarchie wird kritisiert, zudem wird damit eine Verantwortung von Ungleichheiten verschleiert. Geeigneter sind die Begriffe Globaler Süden und Globaler Norden. Sie sind nicht geografisch zu verstehen (auch Australien liegt im Süden), sondern beschreiben eine benachteiligte oder privilegierte Position in einer globalisierten Welt. Weiterführende Begriffe: Neokolonialismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Drittstaatsangehörige

wird in der Fachsprache verwendet, um Menschen zu beschreiben, die keine Staatsangehörigkeit eines EU-Landes haben. Solange es rechtliche Unterscheidungen für diese Gruppen gibt, ist der Begriff unvermeidbar. Beispiel: Deutsche haben allgemeines Wahlrecht, EU- Bürger*innen können in Deutschland bei Kommunalwahlen abstimmen, Drittstaatsangehörige dürfen in beiden Fällen nicht mitwählen. Weiterführende Begriffe: Bundesrepublikaner, Einwanderer, Menschen mit internationaler Geschichte, Migranten, Zuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Dschihad

wird meist mit »Heiliger Krieg« assoziiert, bedeutet zunächst »Anstrengung«, »Mühe« und kann sich auch auf einen inneren Auftrag beziehen, z.B. beim Kampf gegen »das Böse« im Herzen (großer Dschihad). Der kleine oder äußere Dschihad hingegen besteht in jeder Form der zulässigen Verteidigung von Muslimen . Weiterführende Begriffe: Boko Haram, Dschihadismus, Dschihadist, Islamischer Staat (IS), Islamismus, Pop-Dschihadismus, || radikaler Islam, Salafismus, Scharia(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Dschihadismus, Dschihadist

wird in der Regel im Zusammenhang mit militanten, gewaltbereiten Islamisten verwendet, deren Ideologie zufolge der Dschihad den bewaffneten Kampf meint, der jedem Muslim vorgeschrieben sei, solange muslimische Gebiete unter Besetzung sind oder »Ungläubige« gegen Muslime kämpfen. Weiterführende Begriffe: Dschihad, Pop-Dschihadismus, Radikaler Islam(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Dublin-Verfahren

Im Dublin-Verfahren wird der für die Prüfung eines Asylantrags zuständige europäische Staat festgestellt. Grundlage dafür ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz (Dublin-Staaten). Die wichtigste Regel darin besagt, dass ein Schutzsuchender in dem europäischen Staat Asyl beantragen muss, in den er nachweislich zuerst eingereist ist. Nur unbegleitete Minderjährige haben das Recht, zu ihrer Familie zu gehen oder dort aufgenommen zu werden, wo sie sich aufhalten. Kritik an diesem Verfahren gibt es, weil dadurch vor allem die ärmeren süd- und osteuropäischen Staaten für die Asylverfahren verantwortlich gemacht werden. Weiterführender Begriff: Sichere Drittstaaten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Duldung

betrifft Menschen ohne einen Aufenthaltstitel, von deren Abschiebung jedoch vorübergehend abgesehen wird, weil ihnen eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben droht oder eine Abschiebung nicht möglich ist (zum Beispiel, weil in dem Herkunftsland Krieg herrscht oder sie keine Papiere haben). Durch die Duldung wird der Aufenthalt zwar nicht rechtmäßig, aber es entfällt die Strafbarkeit wegen »illegalen Aufenthalts«.Weiterführende Begriffe: Abschiebungsverbot, Asyl- und Flüchtlingsschutz, Bleiberecht, De-facto-Flüchtlinge, Illegale Migranten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:40 Uhr)

Ehrenmord

definieren Expert*innen für das Bundeskriminalamt so: »Tötungsdelikte, die im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände oder Gesellschaften vorrangig von Männern an Frauen verübt werden, um die aus Tätersicht verletzte Ehre der Familie oder des Mannes wiederherzustellen«<link1. Teils wird die Bezeichnung jedoch allgemein verwendet, zum Beispiel wenn ein türkeistämmiger Mann seine Frau umbringt. In vielen Fällen würde die gleiche Tat, begangen in einem standarddeutschen Umfeld, Familientragödie oder Beziehungstat genannt. Die Weltgesundheitsorganiation (WHO) verwendet für solche Taten den Begriff Femizid. Alternative: Frauenmord. Weiterführende Begriffe: Ausländerkriminalität, Blutrache, Clan, Mord im Namen einer vermeintlichen Ehre, Parallelgesellschaft
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Einbürgerung

ist der Prozess zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. Unterschieden wird zwischen Anspruchseinbürgerung und Ermessenseinbürgerung. Anspruch auf eine Einbürgerung hat, wer die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt (z.B. mindestens acht Jahre Aufenthalt, Lebensunterhaltssicherung ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II, seit 2020 auch eine »Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse«). Sind nicht alle Voraussetzungen gegeben, kann eine Einbürgerungsbehörde trotzdem die deutsche Staatsbürgerschaft vergeben, wenn z.B. ein öffentliches Interesse an der Einbürgerung besteht (bspw. bei Profi-Sportler*innen) und einige Mindestanforderungen erfüllt sind. Weiterführende Begriffe: Bundesrepublikaner, doppelte Staatsbürgerschaft, deutsche Staatsangehörigkeit, NeubürgerNeue DeutscheOptionspflichtPassdeutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Einwanderer

sind Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, um dauerhaft zu bleiben. Derzeit ist jedoch in diesem Kontext oft fälschlich die Rede von Zuwanderern, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und ähnlichem. Weiterführende Begriffe: AusländerMenschen aus Einwandererfamilien, Einwanderer und ihre Nachkommen, Menschen mit internationaler Geschichte, DiverskulturelleEinbürgerungEinwanderer und ihre Nachkommen, EinwanderungsgesellschaftMenschen mit Migrationshintergrund, Zuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Einwanderungsgesellschaft

beschreibt Deutschland als Einwanderungsland: Die Menschen kommen, um dauerhaft hier zu leben. Sie werden und sind Teil der Bevölkerung. Im Gegensatz dazu betont die Bezeichnung »Zuwanderungsgesellschaft« die temporäre Dauer des Zuzugs. Die Absicht zu bleiben ist bei Zuwanderern nicht gegeben. Weiterführende Begriffe: Einwanderer und ihre NachkommenMehrheitsgesellschaftMenschen mit Migrationshintergrund(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Ethnopluralismus

ist eine rassistische Theorie der Neuen Rechten, die davon ausgeht, es gäbe unveränderte kulturelle Identitäten verschiedener Völker und Kulturkreise, die vor Fremden zu schützen seien, um eine »Reinhaltung« der Kulturen zu erreichen. Ein solches Apartheids-System ist in einer globalisierten Welt nicht realistisch. Die Weiterentwicklung aller Kulturen der Welt wurde vor allem durch Austausch befördert. Weiterführende Begriffe: Heimat, Rassismus, Überfremdung, Volk, völkisch(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Euro-Muslime

geht auf den Begriff des Euro-Islam zurück, den der Islamwissenschaftler Bassam Tibi 1991 in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht hat. Der Begriff beschreibt eine bestimmte säkularisierte Form des Islam, die sich dadurch herausbilden soll, dass in Europa lebende Muslim*innen Pflichten und Prinzipien des Islam mit Werten der modernen europäischen Kultur kombinieren. Mittlerweile gibt es aber auch konservativere Auslegungen eines Euro-Islam, weshalb der Begriff wissenschaftlich umstritten ist. In der Berichterstattung kommt Euro-Muslim vor allem als Selbstbezeichnung vor. Weiterführende Begriffe: KulturmuslimeMuslimeNeo-MuslimePop-MuslimeSäkulare Muslime(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Exilierte

kann als alternative Bezeichnung für Flüchtlinge oder Schutzsuchende benutzt werden. Der Begriff Exilierte betont, dass geflüchtete Menschen sich dazu gezwungen sehen, ihre Heimat aufgrund von lebensbedrohlichen oder menschenunwürdigen Verhältnissen zu verlassen, auch wenn sie nicht von staatlicher Seite des Landes verwiesen werden.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Extremismus

bezeichnet laut Polizei und Verfassungsschutz extreme politische Haltungen, mit dem Ziel sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung durchzusetzen. Extremisten handeln verfassungsfeindlich, oft auch gewaltsam. Der Begriff ist umstritten, weil er undifferenziert ist und voraussetzt, dass es nur einen extremen linken und rechten Rand gibt. Ideologien der Ungleichwertigkeit und die Ablehnung der Demokratie finden sich jedoch auch in der Mitte der Gesellschaft. Umgangssprachlich wird Extremismus oft irrtümlich mit Radikalismus gleichgesetzt. Siehe auch Rechtsextremismus.Weiterführende Begriffe: Hasskriminalität, Neonazi, Rechtspopulist, Dschihadismus.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:15 Uhr)

Empowerment

Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Bürgerrechts- und Selbsthilfebewegung geprägt und steht für Selbst-Ermächtigung oder Selbst-Befähigung. Gemeint ist damit ein Prozess, in dem benachteiligte Menschen ihre eigenen Kräfte entwickeln und Fähigkeiten nutzen, um an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben und so ihre Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern - unabhängig vom Wohlwollen der Mehrheitsangehörigen. Dazu zählen Konzepte und Strategien, die dazu beitragen, dass Menschen in (relativ) marginalisierten Positionen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Autonomie erhalten und ihre Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt vertreten und durchsetzen können. Empowerment bezeichnet dabei sowohl den Prozess der Selbstermächtigung als auch die professionelle Unterstützung der Menschen, ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:45 Uhr)

Epistemische Gewalt

Epistemik bezeichnet den Vorgang des Erkennens. Epistemische Gewalt liegt dann vor, wenn z. B. westliche Wissenschaftler*innen vermeintliche oder tatsächliche Probleme von Menschen analysieren und bearbeiten, die sie dem Globalen Osten bzw. Süden zuordnen, und sie dabei die Kategorien und Deutungen der Betroffenen nicht berücksichtigen oder ihnen die eigenen Kategorien und Deutungen überstülpen und so vereinnahmen. Ein typisches Beispiel für epistemische Gewalt: In einem Gremium gegen Rassismus sitzen nur weiße, europäische Männer oder Frauen und entwerfen Lösungsansätze, ohne die betroffenen Menschen in den Prozess einzubeziehen. Dadurch können sie als Akteur*innen ihre Deutung der Welt durchsetzen. Diese Haltung hat ihre Wurzeln im Kolonialismus. Sie definiert Angehörige der kolonialisierten Länder als unveränderbar anders und implizit minderwertig. Dadurch trug bzw. trägt sie maßgeblich dazu bei, Kolonialismus und Rassismus zu rechtfertigen.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:00 Uhr)

Essentialisierung

Mit Essentialisierung ist die (Über-)Betonung physiognomischer Merkmale (z. B. Hautfarbe, körperliche Behinderung), Geschlechtszugehörigkeit und religiösen oder sexuellen Orientierungen gemeint. Essentialisierungen gehen mit einer Reduzierung der jeweiligen Person auf dieses eine Merkmal einher, blenden also andere Identitätsmerkmale der Person aus. Essentialisierung beinhaltet außerdem die Annahme, dass Menschen aufgrund bestimmter Merkmalen objektiv und eindeutig bestimmten Gruppen zugeordnet werden können. Diesen Gruppen und ihren (vermeintlichen) Angehörigen wird dadurch ein überzeitliches Wesen unterstellt. Essentialisierungen können von Seiten einer Einzelperson oder Gruppe als Fremdzuschreibungen fungieren. Dann gehen sie häufig mit Ausschließungspraktiken einher. Sie können aber auch als Selbstzuschreibung in Erscheinung treten, d. h. die jeweilige Person definiert sich selbst über dieses Merkmal. Auch in der Essentialisierung eigener Merkmale liegt die Gefahr, die bestehenden Vorurteile und Diskriminierungen zu aktualisieren, da die Betonung des jeweiligen Merkmals die gesellschaftliche Dichotomisierung (Zweiteilung) in „Wir“ und „Ihr“ bestätigt.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:00 Uhr)

Ethnie

Eine Ethnie ist eine ethnisierte Gruppe. D. h. sie ist gekennzeichnet durch Vorstellungen einer kollektiven Identität (Ethnizität). Diese tatsächlichen oder vermeintlichen Gemeinsamkeiten und Verbindungen können sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen: z. B. Sprache (wir gehören zusammen, weil wir die gleiche Sprache sprechen), Geschichte (gemeinsame Vergangenheit), Religion (gemeinsamer Glaube), Kultur (geteilte Normen, Werte, Rituale). Von Bedeutung sind auch Vorstellungen von einer gemeinsamen Herkunft („Abstammung“). Dabei ist es nicht entscheidend, ob eine Abstammungsgemeinschaft real vorliegt oder nicht: Die Bezeichnung „Ethnie“ wird vor allem über die Selbstzuschreibung der jeweiligen Gruppe definiert. Als Fremdzuschreibung können ethnisierte Merkmale allerdings auch der Legitimierung von Ausgrenzung und Diskriminierung dienen. Der Begriff wird meistens synonym zu Volk verwendet, auch um letzteren im Sinne eines Euphemismus zu vermeiden. Teilweise ersetzt Ethnie auch den Begriff „Rasse“, ebenfalls um dessen negative Konnotationen zu vermeiden.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:02 Uhr)

Ethnisierung

Wird die Verschiedenheit zwischen Gruppen von Menschen unter Ausblendung von Gemeinsamkeiten auf „ethnische“ Unterschiede reduziert und damit soziale Prozesse erklärt, wird häufig von Ethnisierung gesprochen. Selbstethnisierung ist die Selbstbeschreibung auf Grundlage „ethnischer“ Kategorien und kann der Durchsetzung eigener Interessen oder einer Identitätspolitik dienen. Fremdethnisierung ist ein sozialer Ausschließungsprozess, der Minderheiten schafft, diese negativ bewertet und die Privilegien der Mehrheit sichert.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:02 Uhr)

Ethnizität

Ethnizität ist die Überzeugung von Menschen, einer bestimmten „Ethnie“ anzugehören oder andere „Ethnien“ als separat zu empfinden. Sie ist eine Form kollektiver Identität. Der britische Soziologe Stuart Hall betont in seiner Definition, dass Ethnizität keine feststehende natürliche Eigenschaft ist, sondern als dynamisch und kontextabhängig zu betrachten ist: „Es ist eher eine Überzeugung, eine Vorstellung, eine Bewusstseinsform, die weder natürlich noch ewig ist, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt durch die Umstände hervorgebracht wird. Es ist ein Halt, der dem Individuum das Gefühl gibt, irgendwo in der Welt einen Platz und eine Position zu haben. (…) Ethnizität erinnert uns daran, dass jede/r ‚irgendwo‘ herkommt – ob real oder eingebildet – und dass jede/r das Bedürfnis hat, sich mit etwas zu identifizieren und bei was auch immer zugehörig zu fühlen.“
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:02 Uhr)

Ethnopluralismus

„Ethnopluralismus“ ist eine Wortschöpfung der Neuen Rechten aus den 1970er Jahren, die hauptsächlich auf Henning Eichberg zurückgeht. In dem Konzept des „Ethnopluralismus“ werden Menschen nicht mehr in „Rassen“ eingeteilt, sondern in „Völker“ oder „Kulturen“. Diese werden als statische, kulturell homogene Gruppen mit einer einheitlichen, quasi-natürlichen „Identität“ und einer angestammten „Heimat“ betrachtet, die prinzipiell alle gleichwertig seien. Erst durch „Vermischung“ und „Multikulturalismus“ komme es zu Konflikten. Daher müssen die behaupteten Einheiten, so die Forderung, voneinander getrennt bleiben. Auf diese Weise werden dann Diskriminierungen, wie z. B. die Einschränkung von Rechten oder von Migration, begründet. Das Konzept dient dazu, rassistische Argumentation vor dem Vorwurf des Rassismus zu schützen, und sich vordergründig vom Nationalsozialismus und dem mit ihm verknüpften biologistischen Rassismus abgrenzen zu können. Offen biologische oder genetische Argumentationen werden vermieden, sind aber implizit in völkischen Kampfbegriffen wie z. B. vom „Großen Austausch“ enthalten.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:04 Uhr)

Ethnozentrismus

Der von dem US-amerikanischen Soziologen W. G. Sumner geprägte Begriff betont allgemein einen auf die Eigengruppe bezogenen Egozentrismus. Im engeren Verständnis bedeutet Ethnozentrismus die Beurteilung anderer Gruppen, „Völker“ und „Kulturen“ aus der Sicht der eigenen Gruppe und der ihr zugeschriebenen Wertmaßstäbe. Dabei kann es durch Auswahl und Hervorhebung bestimmter Informationen sowie Leugnung oder Ausblendung anderer Informationen zu einer Überhöhung der Eigengruppe kommen. Im Extremfall handelt es sich um eine Deutung der Welt, in der die eigene Gruppe das Zentrum aller „guten Dinge“ ist und alle anderen als negativ bewertet werden.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:05 Uhr)

Exotisierung

Exotisierung ist eine Strategie des Othering, die der Stereotypisierung und Hierarchisierung konstruierter sozialer Gruppen dient. Dazu werden meistens vordergründig positive Attribute wie eine besondere Naturverbundenheit, freizügige Sexualität, gesunde Körperlichkeit oder Emotionalität genutzt, die die betroffenen Menschen als grundlegend anders und implizit als „unzivilisiert“ darstellen. Wie negative Zuschreibungen dienen auch exotisierende dem modernen westlichen Individuum dazu, sich seiner Identität und vermeintlicher Tugenden wie, z. B. Arbeitsamkeit und Diszipliniertheit, zu versichern. Bedürfnisse, die aufgrund der gesellschaftlichen Verfasstheit nicht ausgelebt werden können, werden auf „die Anderen“ projiziert. Dieser Vorgang stabilisiert die gesellschaftliche Ordnung, da Aggressionen, die gegen diese gerichtet werden könnten, auf „die Anderen“ abgeleitet werden. Umgekehrt drückt sich Exotisierung in der scheinbar harmlosen Faszination für „das Fremde“ und in dem Verlangen aus, die konstruierte Andersheit „der Anderen“ zu genießen und dadurch die Grenzen und Konventionen der gesellschaftlichen Ordnung zu überschreiten. Beispiele für Exotisierungen sind: die romantisierende Darstellung von „Zi.“ (siehe Gadje-Rassismus); die idealisierende Darstellung des „Orient“ in den „Geschichten von 1001 Nacht“; die Darstellung „exotischer“ Länder als Reiseziel für Abenteurer*innen; die Darstellung Afrikas und Schwarzer Menschen – vor allem Schwarzer Frauen – als mysteriös und geheimnisvoll, aber faszinierend. In der Werbung ist Exotisierung daher häufig mit einer sexualisierenden Darstellung von Frauen verbunden. Der ideologische Gehalt der Exotisierung wird als Exotismus bezeichnet und ist eine Spielart des Rassismus.
(IDA e.V., 20.03.2020, 11:06 Uhr)

Familiennachzug

ist ein feststehender Begriff im Asylverfahren. Er besagt, dass anerkannte Flüchtlinge (Geschützte Personen) ihre Ehepartner*innen und Kinder nach Deutschland holen können und diese dann ebenfalls ein Aufenthaltsrecht bekommen. Voraussetzungen dafür sind z.B. ausreichender Wohnraum und die Möglichkeit, den Lebensunterhalt für die Familie sichern zu können. Nachziehende Ehepartner*innen müssen in der Regel einfache Deutschkenntnisse nachweisen. Mit dem sog. Asylpaket II, das Anfang 2016 in Kraft trat, wurde die Möglichkeit des Familiennachzugs allerdings stark eingeschränkt. Weiterführender Begriff: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Fatwa

(arabisch) ist eine Rechtsauskunft von einer muslimischen Autorität, die auf Anfrage ein religiöses oder rechtliches Problem klärt. Anders als ein Gerichtsurteil beruht die Fatwa auf der persönlichen Interpretation und der jeweiligen islamischen Rechtsschule ihres Verfassers. Somit können Muslim*innen zur gleichen Frage widersprüchliche Fatwas erhalten. Oftmals werden Fatwas als praktische Lebensberatung zu Alltagsfragen erlassen. Weiterführende Begriffe: Hadith/pl. Ahadith, Koran/Qur’an, Scharia(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Feminismus

Der Feminismus strebt nach einer Gesellschaft, in der Menschen, die als Frauen wahrgenommen werden auf allen Ebenen die gleichen Rechte, die gleiche Wertschätzung und die gleichen Chancen erhalten wie Männer. Dabei bezeichnet er sowohl eine politische und soziale Theorie, die gemachte Geschlechterdifferenzen und -ungerechtigkeiten in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt, als auch eine soziale Bewegung, die für die Gleichstellung der Frauen und gegen das Patriarchat kämpft. Denen Begriff Feminismus gibt es seit dem 19. Jahrhundert, als Frauen, die damals noch um das Wahlrecht und ihre Anerkennung als politische Subjekte kämpften, begannen, sich selbst als Feministinnen zu bezeichnen. Den Kampf gibt es allerdings schon länger; seit der Aufklärung und den Bürgerrechtsbewegungen, die Frauen von vornherein ausschlossen. Heute wird der Begriff auch abwertend benutzt, wenn Frauen weiterhin auf männliche Privilegien und Vormachtstellungen hinweisen. Es geht und ging allerdings nie darum, Männer zu beherrschen oder zu unterdrücken, sondern darum, für die Gleichwertigkeit der Geschlechter einzutreten, die vielerorts immer noch nicht erreicht ist.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:46 Uhr)

Flucht

Unfreiwillige, erzwungene Migration wird Flucht genannt. Binnenflucht bezeichnet dabei die Flucht innerhalb eines Landes. Die meisten geflohenen Menschen bleiben im Herkunfts- oder in den Nachbarländern. Nach internationalem Recht ist ein Flüchtling jemand, der aufgrund von staatlicher Verfolgung (etwa aufgrund der Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe) sein oder ihr Land verlassen musste oder von der Regierung des Herkunftslandes keinen Schutz bei Verfolgung erwarten kann. Diese eng gefasste Definition wird oft kritisiert, weil auch Menschen, die bspw. aufgrund von extremer Armut oder Umweltkatastrophen ihr Land verlassen müssen, fliehen. Diese Art der Flucht wird oft nicht anerkannt und etwa als „Wirtschaftsmigration“ verharmlost. Begrifflichkeiten in diesem Themenfeld werden häufig genutzt, um die Migration von Menschen zu (de)legitimieren. Während bspw. bei Migration u.a. aus wirtschaftlichen Gründen innerhalb der EU von „Mobilität“ gesprochen und dieser Umstand positiv konnotiert wird, wird Migration aus wirtschaftlichen Gründen in die EU häufig als „Wirtschaftsflucht“ betitelt und damit implizit als ungerechtfertigt dargestellt.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:46 Uhr)

Flüchtlinge

sind laut Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 Personen, die aus begründeter Furcht vor der Verfolgung ihrer Person wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe Schutz in einem anderen Land suchen. In amtlichen Statistiken gelten die Bezeichnungen Flüchtlinge und Asylberechtigte nur für Menschen, die schon Schutzstatus besitzen: Asylberechtigte werden nach dem Asylrecht im Grundgesetz anerkannt, Flüchtlingen wird Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention gewährt. Sprachlich ist der Begriff »Flüchtling« umstritten. So sind Worte mit dem Ableitungssuffix »-ling« im Deutschen verkleinernd und teils negativ konnotiert (Vgl. Eindringling, Schönling, Schädling etc.). Gleichzeitig werden Menschen durch die Bezeichnung »Flüchtling« auf einen Teil ihrer Biografie  reduziert.  Alternative  Begriffe: Geflüchtete, Schutzsuchende oder ggf. Geschützte Personen Weiterführende Begriffe: AsylsuchendeAsyl- und Flüchtlingsschutz, BleiberechtGeschützte PersonenSubsidiärer Schutz (neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Flüchtlingskrise

ist ein häufig benutztes Schlagwort in der Asyldebatte. Es sagt aus, dass es eine Krise wegen geflüchteter Menschen gebe. Dies kann kritisch hinterfragt werden: Gemessen an 60 Millionen Menschen, die 2015 weltweit auf der Flucht waren und der Zahl von 82 Millionen Einwohner*innen in Deutschland, erscheinen knapp eine Million Menschen, die nach Deutschland kamen, nicht sehr viel. Zudem weist der Begriff »Flüchtlingskrise« die Verantwortung den geflüchteten Menschen zu, anstatt die Ursachen für Probleme z. B. im Versagen deutscher Politik oder Strukturen zu suchen. Entsprechend könnte auch von einer Krise der Asylpolitik oder neutraler von Fluchtmigration oder Fluchtbewegung die Rede sein.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Flüchtlingsstrom, -zustrom, Flüchtlingswelle

sind Metaphern in der aktuellen Berichterstattung, mit denen die Einreise von Geflüchteten beschrieben wird. Sie vermitteln das Bild eines Naturphänomens, das sich seinen Weg nach Deutschland bahnt oder das Land überschwemmt. Dies suggeriert, dass die Politik machtlos einer Naturgewalt ausgesetzt ist und weist damit den Schutzsuchenden selbst die Verantwortung für asylpolitische oder strukturelle Probleme bei ihrer Aufnahme in Deutschland zu. Angemessener wäre es, zum Beispiel eine konkrete Zahl zu nennen, ggf. Vergleiche anzustellen, von Fluchtmigration zu sprechen. Weiterführender Begriff: Asylantenstrom(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Freiwillige Ausreise / Rückkehr

ist ein beschönigender Begriff für die Ausreise bzw. Rückkehr, die Asylsuchenden nahe gelegt wird, deren Asylantrag abgelehnt wurde. Lehnen sie ab, muss nach spätestens 30 Tagen die Abschiebung erfolgen. Weiterführende Begriffe: Ausweisung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Fremdarbeiter

ist eine Bezeichnung für Arbeitsmigranten, die immer noch hin und wieder in Boulevard-Medien auftaucht. Sie ist seit der NS-Zeit historisch belastet und sollte nur mit einer entsprechenden geschichtlichen Einordnung verwendet werden. Als Alternative eignen sich Arbeitseinwanderer, migrantischer Arbeiter oder arbeitsmarktbezogener Einwanderer / Zuwanderer (Fachsprache). Weiterführende Begriffe: AusländerGastarbeiter, Menschen aus EinwandererfamilienMenschen mit MigrationshintergrundMigranten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Fundamentalist

ist eine Bezeichnung für Arbeitsmigranten, die immer noch hin und wieder in Boulevard-Medien auftaucht. Sie ist seit der NS-Zeit historisch belastet und sollte nur mit einer entsprechenden geschichtlichen Einordnung verwendet werden. Als Alternative eignen sich Arbeitseinwanderer, migrantischer Arbeiter oder arbeitsmarktbezogener Einwanderer / Zuwanderer (Fachsprache). Weiterführende Begriffe: AusländerGastarbeiter, Menschen aus EinwandererfamilienMenschen mit MigrationshintergrundMigranten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:31 Uhr)

Fremdenfeindlichkeit

„Fremdenfeindlichkeit” ist ein sozialpsychologisches Konzept und wird als Dimension Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betrachtet. Es bezeichnet eine ablehnende Haltung und Verhaltensweise gegenüber Menschen, denen eine nicht-deutsche Nationalität oder Ethnizität, eine nicht-christliche Religion bzw. Sozialisation oder eine nicht-weiße Hautfarbe zugeschrieben wird oder eine solche haben. Aufgrund dieser Eigenschaften und Merkmale werden sie als fremd und bedrohlich wahrgenommen, benachteiligt, angefeindet oder tätlich angegriffen.Aus rassismuskritischer Perspektive wird der Begriff heftig kritisiert und stattdessen von Rassismus gesprochen, z. B. weil die von „Fremdenfeindlichkeit“ Betroffenen auch deutsche Staatsangehörige sein können. Die Verwendung des Begriffs wäre in diesem Fall selbst rassistisch.(IDA e.V., 19.03.2020, 10:46 Uhr)

Gadje-Rassismus

Gadje-Rassismus ist ein Begriff, den Romani-Aktivist*innen und -Wissenschaftler*innen vorgeschlagen haben, um die Bezeichnung „Antiziganismus“ zu ersetzen. Er hat u. a. den Vorteil, dass er keine homogene Gruppe der von ihm Betroffenen unterstellt, sondern den Blick auf die Mehrheitsgesellschaft und die Funktionen lenkt, die Gadje-Rassismus für sie erfüllt. (Gadje bezeichnet im Romanes Nicht-Rom*nja, bedeutet aber auch Bauer, Mann, Mensch: Sg. männlich: Gadjo, weiblich: Gadji, Pl.: Gadje). Denn unter Gadje-Rassismus ist eine historisch gewachsene Praxis zu verstehen, die von Nicht-Rom*nja ausgeht. Sie klassifiziert Menschen unter Bezugnahme einerseits auf phänotypische und kulturelle Merkmale (ethnisierende Definition) und/oder soziale Merkmale (soziale Definition), die als (so gut wie) unveränderlich verstanden werden, in eine unveränderlich gedachte Fremdgruppe, deren Angehörige dann mittels Fremdbezeichnungen wie „Zi.“, „Landfahrer“, „mobile ethnische Minderheit“, Zuschreibungen von wesenhaften und normabweichenden Eigenschaften und Verhalten homogenisiert und stigmatisiert werden.Zentrale Zuschreibungen des Gadje-Rassismus an die Betroffenen sind: Nicht-Identität (die Betroffenen werden als Dritte dargestellt, die an keinem Ort zu Hause sind. Sie dienen als Anti-These zu Nationalität, Religion und Moral), Parasitentum (den Betroffenen wird unterstellt auf Kosten anderer zu leben) und Vormodernität (die Betroffenen werden als trieb- und naturhaft beschrieben, als unfähig zu Zivilisation, Vernunft und einer planvollen, zukunftsgerichteten Tätigkeit, also zum Überleben in einer modernen industriekapitalistischen Gesellschaft). Diese Zuschreibungen sind im kulturellen Gedächtnis der Gadje verankert und treten häufig in romantisierender Form auf, indem sie das „sorglose“, „freie“ und „ungebundene“ Leben der Betroffenen verklären (siehe Exotisierung). Auf diese Weise verschleiern sie den abwertenden Gehalt romantisierender Zuschreibungen und den für die Situation der Betroffenen tatsächlich verantwortlichen Gadje-Rassismus. Sie führen zu und rechtfertigen diskriminierende Praktiken der Gadje auf interaktionaler, institutioneller und gesellschaftlich-kultureller Ebene, die u. a. Akte der Gewalt bis hin zur Vernichtung umfassen und die Lebenschancen der Betroffenen einschränken.(IDA e.V., 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Gastarbeiter

wurden Arbeitseinwanderer genannt, die seit den 1950er Jahren durch bilaterale Verträge zur Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland kamen. Im Wort »Gast« schwang mit, dass die Einwanderer nicht bleiben sollten. Der Begriff ist inzwischen veraltet, wird manchmal aber noch zur Selbstbezeichnung gebraucht, z.B. als »Gastarbeiterkind«. Die wissenschaftliche Literatur ist dazu übergegangen, ihn mit dem Zusatz »sogenannte Gastarbeiter« zu versehen. Weiterführende Begriffe: AusländerDrittstaatsangehörigeEinwanderer und ihre NachkommenFremdarbeiter, Menschen aus Einwandererfamilien, Menschen mit Migrationshintergrund(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Geflüchtete

wird seit einiger Zeit als Alternativbegriff für Flüchtlinge verwendet, weil damit die als kleinmachend und teils abwertend empfundene Endung »-ling« umgangen wird. Da es sich um keinen juristischen Begriff handelt, ist er bei der Berichterstattung in vielen Fällen einsetzbar: geflüchtete Menschen können auch jene sein, die keinen offiziellen Flüchtlingsstatus haben. Weitere Alternativen: Schutzsuchende, ExilierteAsylsuchende  (ggf. Geschützte Personen). Weiterführende Begriffe: Asylbewerber, Asyl- und FlüchtlingsschutzBleiberechtDe-facto-FlüchtlingeExilierte, Subsidiärer Schutz(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Genfer Flüchtlingskonvention (GFK)

ist die wichtigste völkerrechtliche Vereinbarung darüber, wer als Flüchtling anerkannt wird und damit internationalen Schutz genießt. Das »Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge«, wie die GFK eigentlich heißt, wurde 1951 verabschiedet. Mittlerweile haben über 100 Staaten die GFK unterzeichnet, darunter auch Deutschland. Im deutschen Aufenthaltsrecht ist festgelegt, dass niemand abgeschoben werden darf, der die Flüchtlingsdefinition der GFK erfüllt. Weiterführende Begriffe: Asyl und Flüchtlingsschutz, Flüchtlingsschutz(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Gescheiterte Integration

wird häufig als Ursache für Jugendkriminalität und andere Probleme genannt. Dabei wird oft unterstellt, dass zum Beispiel Verstöße gegen Gesetze und Normen begangen werden, weil die deutsche Gesellschaftsordnung abgelehnt und stattdessen einer vermeintlich archaischen Einwandererkultur mit eigenen Regeln gefolgt wird. Meist sind jedoch andere Ursachen zu finden, wie mangelnde Chancengleichheit oder Bildungsgerechtigkeit, soziale Benachteiligung etc. Weiterführende Begriffe: Abschiebung, Integrationsverweigerer, Mehrheitsgesellschaft, Parallelgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Grenze des Sagbaren

wird in der Berichterstattung oft im Kontext von gezielten sprachlichen Tabubrüchen durch Rechtsradikale und Rechtsextreme erwähnt. Meist geht es um die Frage, ob sich eine Grenze dahin verschoben hat, dass menschenfeindliche und verhetzende Aussagen nun sagbar seien. Eine solche Infragestellung kann jedoch einem Zugeständnis an jene gleichkommen, die versuchen derartige Aussagen in die Mitte des gesellschaftlichen und medialen Diskurses zu holen. Weiterführende Begriffe: Meinungsdiktatur, Political Correctness, Sprachpolizei, Zensur(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Gypsy

ist die englische Übersetzung des Begriffes Zigeuner, jedoch wird die Fremdbezeichnung auch als generelle Beschreibung nomadischer Gruppen verwendet. Ähnlich wie das deutsche Äquivalent ist auch dieser Begriff negativ konnotiert und ein Konstrukt. Er wird in englischsprachigen Ländern noch häufig verwendet. In Deutschland hält der Begriff  in der Popkultur Einzug. Dabei wird ein romantisierendes Bild propagiert und die Kultur der Angehörigen der Roma-Minderheiten missachtet. Weiterführende Begriffe: Antiziganismus, Philoziganismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:37Uhr)

Gender

Der aus dem Englischen stammende Begriff steht für das soziale Geschlecht. Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (engl.: sex) sind mit sozialem Geschlecht die gesellschaftlich, sozial und kulturell konstituierten Geschlechterrollen von Frauen und Männern, die gesellschaftlich dominanten Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit gemeint. Betont wird damit, dass Vorstellungen über „typisch weibliche“ oder „typisch männliche“ Aufgaben und Rollen nicht naturgegeben sind, sondern auf kulturellen Traditionen und gesellschaftlichen Konventionen beruhen.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:51 Uhr)

Geschichtsrevisionismus

Geschichtsrevisionismus bezeichnet ein Vorgehen, bei dem historische Ereignisse, die als allgemein wissenschaftlich erwiesen gelten, verfälscht und umgedeutet werden. Aus ideologisch-politisch motivierten Gründen wird das auf historischen Fakten gegründete Geschichtsbild abgelehnt. Besonders bekannte Beispiele hierfür sind die Leugnung und Verharmlosung des Holocausts sowie das Abstreiten der Verantwortung Deutschlands für den Zweiten Weltkrieg. Diese Verfälschung historischer Fakten ist ein Bestandteil extrem rechter Ideologien und gründet sich auf Nationalismus und Antisemitismus.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:52 Uhr)

Gesellschaftlich-kultureller Rassismus

Um gesellschaftlich-kulturellen Rassismus – auch als symbolischer Rassismus bezeichnet – handelt es sich auch, wenn Menschen unter Bezug auf eine rassistische Differenzordnung (siehe Rassifizierung und Othering) nicht als zugehörig, „normal“ oder „wertvoll“ mitgedacht und anerkannt werden. Die Lebensrealitäten von rassistisch diskreditierbaren Menschen ausgeblendet werden und behauptet wird, jede*r könne durch eigene Leistung alles erreichen (Farbenblindheit). Dazu gehört also auch die Frage, wer implizit als Zielgruppe von Texten usw. – also als implizite Norm – mitgedacht wird. Symbolischer Rassismus hat also die Funktion, „die Anderen“ „symbolisch aus der Familie der Nation, aus der Gemeinschaft auszuweisen."* Solche Denkweisen schlagen sich dann nieder in verandernden und stereotypen Darstellungen z. B. in Medien, Werbung, Literatur, Theater, Schul- und Kinderbüchern. (IDA e.V., 20.03.2020, 10:50 Uhr)

Globale Gerechtigkeit

Der durchschnittlich hohe Lebensstandard der westlichen Welt lässt sich nur durch die Ausbeutung anderer Erdteile, der dort lebenden Menschen und der Umwelt aufrechterhalten. Zudem sind von Entscheidungen, die in Europa getroffen werden nicht nur Europäer*innen betroffen, sondern oft haben sie auch erhebliche Auswirkungen auf Menschen weltweit. Globale Gerechtigkeit würde bedeuten, dem etwas entgegenzusetzen, indem Gerechtigkeit nicht nur auf den Nationalstaat bezogen, sondern auf internationale Beziehungen ausgeweitet wird. Dies kann etwa geschehen, wenn europäische Unternehmen auch im Ausland auf die Einhaltung der Menschenrechte, einen angemessenen Mindestlohn und in der EU gültige Arbeitsrechtsnormen und Umweltstandards verpflichtet würden. Dadurch wäre gewährleistet, dass die Globalisierung nicht nur in Wirtschaft und Wissenschaft für die Eliten im globalen Norden Vorteile bringt, sondern im Sinne einer Globalisierung aller Lebensbereiche (auch der Sozialpolitik) letztendlich tatsächlich zu mehr Wohlstand und einer demokratischen Partizipation für alle Menschen führen könnte. (IDA e.V., 20.03.2020, 10:53 Uhr)

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) lag einem zehnjährigen Forschungsprojekt des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld zugrunde, das von 2002 bis 2012 durchgeführt worden ist. Seit 2014 wird das Konzept in den alle zwei Jahre erscheinende „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung fortgeführt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Menschen mit unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft sowie mit verschiedenen Lebensstilen in der deutschen Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen werden und Projektionsfläche  für feindselige Einstellungen sind. Gemeinsames Merkmal der untersuchten anfänglich sieben, inzwischen 13 Facetten offener oder verdeckter Menschenfeindlichkeit ist die gesellschaftliche Konstruktion von Ungleichwertigkeit. (IDA e.V., 20.03.2020, 10:54 Uhr)

Hate Speech

Hate Speech (dt.: Hasssprache) meint abwertende Äußerungen, die sich gezielt gegen bestimmte Personen oder Personengruppen richten. In menschenfeindlichen (z. B. heterosexistischen, rassistischen, antisemitischen) Äußerungen, werden Menschen beleidigt oder bedroht. Dieser Hass kann sich unter anderem in Rede- und Schriftbeiträgen, besonders in den sozialen Medien, widerspiegeln.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:47 Uhr)

Hadith/pl. Ahadith

sind aus dem Arabischen stammende Begriffe aus dem Koran, wobei Halal »erlaubte« Verhaltensweisen bezeichnet, während Haram »Unerlaubtes« festlegt. Bei Lebensmitteln sind bspw. Schweinefleisch und Alkohol haram, wobei viele Muslim*innen mit den Nahrungsmittelgeboten eher individuell umgehen. Auch für die Herstellung der Lebensmittel gibt es Regeln, weshalb viele Hersteller mittlerweile mit Halal-Zertifikaten werben. Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, Koscher, Scharia
(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Hasskriminalität, Hassverbrechen

deutsch für Hate-Crime, bezeichnet Gewalt- und Straftaten, die z.B. durch Rassismus, religiöse Intoleranz, Trans- oder Homofeindlichkeit und Ähnlichem motiviert sind. Hasskriminalität ist sinnvoll zur Benennung von Straftaten, wenn die Betroffenen von den Täter*innen als »anders« und nicht als gleichwertige Menschen angesehen werden. In der Kriminologie werden die Fachbegriffe Vorurteilskriminalität und Vorurteilsverbrechen benutzt. Wissenschaftlich formuliert wäre das Motiv gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Weiterführende Begriffe: Antimuslimischer Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Extremismus, Ideologien der Ungleichwertigkeit,   IslamfeindlichkeitIslamophobieXenophobie(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Heimatlose Flüchtlinge

auf Englisch Displaced persons (DPs) genannt, sind Menschen und ihre Nachkommen, die während des Zweiten Weltkriegs verschleppt wurden, nach 1945 aber nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, zum Beispiel aufgrund veränderter Landesgrenzen. Die meisten Heimatlosen sind ehemalige Zwangsarbeiter*innen aus Ost- und Südosteuropa, die während des Zweiten Weltkriegs in deutschen Industriebetrieben arbeiten mussten. Weiterführende Begriffe: Asyl- und Flüchtlingsschutz, FlüchtlingeGeflüchteteKontingentflüchtlingeVertriebene(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Heimatschutz

bezieht sich heute teils auf den Denkmalschutz (Schweiz) und ist ebenso ein militärischer Begriff. Er ist belastet, weil Neonazis ihn häufig benutzen (aus der neonazistischen Vereinigung »Thüringer Heimatschutz« ist der NSU entstanden). Zudem wird Heimatschutz von Rechtsradikalen und Rechtsextremen auch als Argument für mehr Umweltschutz und daraus folgend gegen Einwanderung vorgebracht, um die »deutsche Natur« zu erhalten.(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Hijab/Hidschab

bedeutet Verhüllung und wird in Deutschland oft wie Kopftuch verwendet. Gemeint ist ein Tuch, das den Kopf, meist auch den Hals und teils die Schultern bedeckt, das Gesicht aber freilässt. Inspiriert durch Tradition oder Mode gibt es viele verschiedene Trageweisen des Hijab, meist liegt das Tuch relativ eng an. Weiterführende Begriffe: BurkaKopftuchträgerinNiqabTschador(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Holocaust

(griech. vollständig verbrannt) bezeichnet die systematische, massenhafte Ermordung von Jüdinnen und Juden und anderen Minderheiten durch die Nationalsozialist*innen. Eingeführt wurde der Begriff 1979 als Titel der amerikanischen Fernsehserie »Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß«, die auch in Deutschland sehr populär war. Manche Jüdinnen und Juden lehnen das Wort allerdings ab, weil das Brandopfer in der Thora die Obhut Gottes verspricht, und bevorzugen deswegen den hebräischen Begriff Shoa (auch Shoah, Schoa oder Schoah), der für »große Katastrophe« steht. Bis heute gibt es keinen eigenen deutschen Begriff für diesen historischen Massenmord.(neuemedienamacher, 23.3.2020, 11:42 Uhr)

Heimat

Ein Synonym für Heimat ist Zuhause. Wo sich das Zuhause, die Heimat befindet und was sie ausmacht, ist sehr individuell und kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten: Die Freund*innen, die Familie, das Haus oder die Stadt in der mensch lebt. Heimat ist nicht gleichbleibend, sondern ist vieldeutig und kann sich im Laufe des Lebens verändern. In diesem Sinne ist sie etwas sehr Persönliches und hat viel mit Selbstdefinition und individueller Identität zu tun: Niemand kann entscheiden, wo andere Menschen zuhause sind. Hermann Bausinger interpretiert Heimat als Besitz und Recht (bspw. Besitz von Land oder einer Wohnung, das Recht auf Versorgungsansprüche eines Staates). Wenn Heimat aber jemandem gehört, kann dieser Mensch bzw. können diese Menschen auch entscheiden, was mit ihr passiert und wer dazu gehören soll. In diesem Moment bedeutet die Heimat der einen den Ausschluss der anderen.

(IDA e.V., 20.03.2020, 10:47 Uhr)

Heteronormativität

Heteronormativität bezeichnet „die für natürlich gehaltene, ausschließliche binäre Geschlechtereinteilung (in Mann und Frau)“, das gegenseitige heterosexuelle Begehren, die beide als gesellschaftliche Norm angesehen werden, und entsprechende binäre Rollenbilder für Männer und Frauen. Die Heteronorm erscheint als „ausschließlich und essentiell, naturgegeben und unveränderbar.“ Menschen, die nicht der Heteronorm entsprechen, erfahren häufig Diskriminierungen (Heterosexismus). Darüber hinaus ist Heteronormativität aufs engste mit Sexismus verwoben.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:47 Uhr)

Heterosexismus

Heterosexismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen, die nicht in ein heteronormatives Weltbild passen, etwa weil sie homosexuell begehren, inter* oder transgender sind oder nicht den gängigen Geschlechterklischees entsprechen. Dahinter stecken sexistisch geprägte Rollenbilder für Mädchen und Jungen, Männer und Frauen. Sie schreiben Menschen auf „normale“ Verhaltensmuster (z. B. in romantischen Beziehung, beim Sex oder bei der Auswahl von Bekleidung) fest, denken „abweichende“ Bedürfnisse und Praktiken nicht mit und verurteilen sie. Heterosexismus kann sich auf der interaktionalen Ebene durch verbale oder physische Gewalt äußern, aber auch subtilere Formen des Ausschlusses annehmen. Das passiert auf struktureller, gesellschaftlich-kultureller oder institutioneller Ebene, etwa wenn es auf Formularen nur möglich ist, „Mann“ oder „Frau“ anzugeben, im Aufklärungsunterricht ausschließlich von binären Geschlechtsindentitäten und heterosexuellen Beziehungen ausgegangen wird oder die Adoptionsrechte von homosexuellen Paaren eingeschränkt werden.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:47 Uhr)

Homophobie

Der Begriff beschreibt negative Gefühle oder Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, die oft zur Ablehnung oder Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Transgender führen. Die Begriffe Homofeindlichkeit bzw. Heterosexismus sind dem Ausdruck der Homophobie vorzuziehen, da es sich nicht um eine klassische Angststörung handelt, die eine quasi natürliche Reaktion auf Homosexualität darstellt, wie das Wort vermuten lässt. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen beruhen zumeist auf tradierten Vorstellungen heteronormativer Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von homosexuellen Menschen in Frage gestellt werden. Der Begriff beschränkt das Phänomen also auf die individuelle Ebene und lässt den Kontext einer heteronormativen Gesellschaft und Kultur außer Acht.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:49 Uhr)

Hybridität

Hybridität oder hybride Identität bezeichnen Identitäten, deren Elemente aus verschiedenen kulturellen Kontexten stammen. Mit Blick auf migrierte Menschen wird betont, dass es sich nicht um Übergangsphänomene, sondern um eine eigene soziale Wirklichkeit handelt. Dabei werden verschiedene kulturelle Phänomene miteinander vermischt, sodass nicht mehr von einer „deutschen“, „türkischen“ oder „russischen“ Kultur gesprochen werden kann, sondern von einer „migrantischen“ Kultur, die sich in hybriden Arbeitsformen, Freizeitaktivitäten etc. widerspiegelt.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:49 Uhr)

Identität (individuelle)

In der Psychologie beinhaltet das Bewusstsein der eigenen Identität, dass man sich – in Abgrenzung zu Anderen – als Individuum erlebt. Die Entwicklung von Identität ist ein lebenslang anhaltender Prozess der Definition und Neudefinition der eigenen Person und der Anderen. Dabei handelt es sich nicht um etwas Ungebrochenes, Kontinuierliches und in sich Stimmiges, sondern um etwas, das Menschen an den Schnittpunkten verschiedener Differenzlinien immer wieder neu konstruieren. Welche Differenzlinien für die individuelle Identität zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmend sind, hängt z. B. von der konkreten Situation, den aktuellen Lebensbedingungen und der gesellschaftlichen der Differenzlinien ab, die sie als soziale Platzanweiserinnen erlangen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Ideologien der Ungleichwertigkeit

sind Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden. Ideologien der Ungleichwertigkeit sind u.a. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Sozialdarwinismus, Chauvinismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit. Sie können sich in Hasskriminalität äußern. Weiterführende Begriffe: Ausländerhass/Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Rasse, Extremismus, Rechtsextremismus, Rechtspopulist
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Illegale Migranten

wurde bis vor kurzem von der Bundesregierung oder in EU-Rechtsakten für Menschen verwendet, die ohne Genehmigung einreisen oder sich ohne gültige Papiere in einem Land aufhalten. Mittlerweile wird der Begriff nur noch in manchen Medien und in rechtspopulistischen Kreisen benutzt. Gängiger ist es von illegaler oder irregulärer Migration zu sprechen; eine bekannte Parole von Flüchtlingsorganisationen lautet »Kein Mensch ist illegal«, d.h. nur Handlungen können ungesetzlich sein. Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat deshalb bereits 2013 beschlossen, den Terminus nicht mehr zu verwenden. In Frankreich ist die Selbstbezeichnung Sans Papiers üblich, papierlose Migranten. Weitere Alternativen: illegalisierte Migranten, irreguläre Migranten oder undokumentierte Migration. Weiterführende Begriffe: AsylbewerberAsyl- und FlüchtlingsschutzAusländerkriminalitätAusweisung, Geflüchtete(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Imam

ist das arabische Wort für den, der vorne steht/vorsteht. In deutschen Medien ist damit meist die religiöse Führung islamischer Gemeinden oder ein Vorbeter gemeint, obwohl die Vorbeter in türkischen Gemeinden i.d.R. Hoca heißen. Zu den Aufgaben von Imamen in Deutschland, gehören neben dem Vorbeten und Predigen, die religiöse Unterweisung für Kinder und Erwachsene, die Seelsorge und der interreligiöse Dialog. Andere Begriffe für dieses Amt sind Scheikh und Murshid. Frauen können z.B. als weibliche Hoca, Murshida, Weize oder Sheika einer islamischen Gemeinde vorstehen oder Funktionen religiöser Autoritäten ausüben (Koraninterpretation, Erstellung von Rechtsgutachten); Imaminnen beten meistens nur weiblichen Gläubigen vor.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Indigene

sind laut Definition der Vereinten Nationen die Nachfahren der Menschen, die ein Gebiet bereits bewohnten, bevor sie von Gruppen aus anderen Teilen der Welt unterworfen, untergeordnet oder kolonialisiert wurden oder ihr Gebiet Teil eines Staates wurde. Bis heute sind sie nicht maßgeblich an den nationalen Regierungen der Länder beteiligt, in denen sie leben. Weltweit gibt es schätzungsweise etwa 370 Millionen Indigene in mehr als 70 Staaten. Indigene ist als übergeordnetete Selbstbezeichung akzeptiert. Ebenso kann in einem Bericht die bestimmte Gruppe beim Namen genannt werden, z.B. Aborigines, Cherokee, Maya, Tuareg, Massai usw. Unangebracht sind Begriffe wie „Ureinwohner“, „Eingeborene“, „Naturvolk“, „Indianer“ etc.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Integration

ist ein Begriff, der oft im Zusammenhang mit Migranten fällt und als Bringschuld der Einwanderer*innen gemeint ist. Wissenschaftler*innen dagegen verwenden ihn, um Sachverhalte zu beschreiben, wie Teilhabe und Zugang zu Arbeit oder Bildung. In diesem Sinn ist bspw. von Integrationspolitik oder Integrationsprojekten die Rede. In der Berichterstattung ist oft von gescheiterter oder »gelungener Integration« die Rede; ebenso wie bei der Übertragung auf Personen (Integrationsverweigerer) werden gesellschaftliche Probleme dadurch individualisiert und kulturalisiert. Alternativen: Teilhabe, Chancengleichheit. Weiterführende Begriffe: AusländerEinwanderungsgesellschaftMehrheitsgesellschaftParallelgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Integrationsverweigerer

steht für die diffuse Vorstellung, dass Einwanderer die deutsche Gesellschaft, ihre Werte und Gesetze ablehnen würden. War früher noch die Rede von Menschen mit »Integrationsbedarf« und »Integrationsproblemen«, wurden daraus später »Integrationsunfähige« und »Integrationsunwillige«. Heute taucht öfter »Integrationsverweigerer« auf. Daran wird deutlich, dass Menschen aus Einwandererfamilien oft eine willentliche und aktive Abgrenzung unterstellt wird, was jedoch sehr selten der Fall ist. Studien verweisen auf einen Mangel an Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und fehlende oder erschwerte Möglichkeiten zur Partizipation. Weiterführende Begriffe: EinbürgerungGescheiterte IntegrationIntegrationParallelgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:46 Uhr)

Imperiale Lebensweise

Imperiale Lebensweise meint die Art und Weise, mit der der Alltag in westlichen Gesellschaften Menschen und Umwelt in Gesellschaften des globalen Südens unbewusst beeinflusst, mit der der Alltag in westlichen Gesellschaften Menschen und Umwelt in Gesellschaften des globalen Südens beeinflusst, ohne dass wir uns dessen bewusst sein müssen. Bei uns ganz In Deutschland alltäglicher Luxus wie Kaffee, Fleisch, elektronische Haushaltsgeräte oder Tourismus wird nur durch die Ausbeutung der Umwelt und anderer Menschen (etwa der Arbeiter*innen und Bäuer*innen des globalen Südens) möglich gemacht. Dass wir uns darüber sehr wenig Gedanken machen und die Ansprüche an ein gutes Leben als rechtmäßig und unproblematisch betrachten, obwohl wir theoretisch um die Kosten (für andere) wissen, ist ebenfalls Ausdruck der Imperialität unserer Lebensweise. Wenn uns die Konsequenzen erreichen, bspw. durch vermehrte Migrationsbewegungen, wollen wir sie nicht wahrhaben und aus unserem Blickfeld verbannen, um unsere Lebensweise nicht hinterfragen zu müssen.
(IDA e.V., 20.03.2020, 10:06 Uhr)

Individueller Rassismus

Auf der individuellen Ebene umfasst Rassismus persönliche Haltungen, Einstellungen oder Handlungen. Individueller Rassismus reicht von offenen rassistischen Beleidigungen bis hin zu einem Alltagsrassismus, der sich sehr viel subtiler ausdrückt. In der Bundesrepublik Deutschland wird Rassismus häufig auf diese Ebene, ihre offenen und absichtsvollen Erscheinungsweisen verkürzt.Die Unterscheidung einer individuellen Ebene von Rassismus ist allerdings auch unscharf. Denn der Begriff bezieht sich einerseits auf die Ebene des Subjekts – also auf Prozesse der Verinnerlichung von Othering bzw. Rassifizierungen, Stereotypen und Dominanz –, andererseits auf die Ebene der direkten Interaktion (siehe interaktionaler Rassismus).(IDA e.V., 20.03.2020, 10:28 Uhr)

Institutioneller Rassismus

Institutioneller Rassismus resultiert aus der Anwendung formeller und informeller „ungeschriebener“ Gesetze, Regeln, Vorschriften, Normen und Verfahren. In seiner direkten Form erlauben formelle und informelle Regeln eine gezielte Unterscheidung und Ungleichbehandlung von rassistisch diskreditierbaren Menschen gegenüber fraglos Dazugehörigen. In seiner indirekten Variante werden formelle und informelle Handlungsmuster und Regeln der Gleichbehandlung, die in den Mitgliedschaftsbedingungen einer Institution eingeschrieben sind, auf alle gleichermaßen angewandt, haben aber auf rassistisch diskreditierbare Menschen diskriminierende Auswirkungen. Rassismus ist hier also das Ergebnis einer Gleichbehandlung, die die unterschiedlichen Voraussetzungen von Personen nicht berücksichtigt. Das ist z. B. der Fall, wenn Schulen das Vermitteln der Bildungssprache Deutsch nicht als ihre Aufgabe, sondern Deutschkenntnisse als Voraussetzung betrachten, die Kinder schon mitbringen müssen. Formen von institutionellem Rassismus sind Seiteneffekt-Rassismus und past-in-present-Rassismus. Institutioneller Rassismus führt dazu, dass der Zugang zu Ressourcen, Partizipation und Anerkennung sowie ihre Möglichkeiten, ihre Potenziale auszuschöpfen, für einige Menschen trotz des Gleichheitsgrundsatzes eingeschränkt sind, während andere dabei privilegiert sind.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:29 Uhr)

Interaktionaler Rassismus

Diese Ebene des Rassismus bezieht sich darauf, wie in alltäglichen Situationen symbolische Grenzen zwischen „uns und „den Anderen“ gezogen, Zugehörigkeiten verhandelt, Zuschreibungen und Stereotype genutzt und Ausschlüsse vollzogen werden (siehe auch Othering, Rassifizierung und Alltagsrassismus). In Interaktionen dient Rassismus häufig als symbolisches Kapital, auf das rassistisch nicht diskreditierbare Menschen zurückgreifen können, um eigene Interessen durchzusetzen (siehe Privilegien).(IDA e.V., 20.03.2020, 10:29 Uhr)

Interkulturelles Lernen

Interkulturelles Lernen oder interkulturelle Pädagogik meint die Kompetenzerweiterung im „interkulturellen“ Feld, d. h. die Befähigung zum Umgang mit kulturell gedeuteter Heterogenität. Ähnlich wie die „interkulturelle Kompetenz“ wird auch das interkulturelle Lernen als ein Angebot der Fort- und Weiterbildung meistens auf ethnisch-kulturelle Aspekte beschränkt. Interkulturelles Lernen soll also den Umgang mit nationalen und/oder ethnisierten Differenzen erleichtern. Allzu häufig stehen dabei nach wie vor Informationen über „die Kultur“ der (vermeintlichen) Herkunftsländer von in der Bundesrepublik lebenden migrierten Menschen und ihrer Nachkommen im Vordergrund, wodurch ethnisierende Zuschreibungen über die jeweilige „Kultur” forciert werden. Kritik wird auch am technischen Verständnis von Kompetenz als zu erlernendem Rezeptwissen geübt, was der Ambiguität pädagogischer Situation und Handelns widerspricht. Nur ein interkulturelles Lernen, das auch Migrationsursachen, Diskriminierungserfahrungen migrierter Menschen, teilweise durch rassistische Strukturen geprägte Lebensrealitäten von Migrierten etc. fokussiert und auch die eigene gesellschaftliche Position der Lernenden nicht ausblendet, wird der Pluralität in der Migrationsgesellschaft gerecht.
( IDA e.V., 20.03.2020, 10:30 Uhr)

Intersektionalität

Der Begriff Intersektionalität beschreibt die Analyse der Interdependenz (gegenseitigen Bedingtheit) und des Zusammenwirkens verschiedener Kategorien von Differenzen mit Dimensionen sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung. Um ein umfassendes Verständnis von Diskriminierung zu erhalten, dürfen deren einzelne Formen (etwa Rassismus, Sexismus oder Heterosexismus) nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Ein homosexueller Muslim, der migriert ist und Wirtschaftswissenschaften studiert, könnte bspw. aufgrund seiner sexuellen Identität und/oder seiner Religion und/oder seiner „ethnischen“ Herkunft von Diskriminierung betroffen sein. Gleichzeitig stehen ihm aufgrund seiner Genderzugehörigkeit und seines Bildungshintergrundes verschiedene Ressourcen zur Verfügung, die ihn in diesen Aspekten privilegieren. Intersektionalität meint also nicht lediglich Mehrfachdiskriminierung, sondern die Tatsache, dass die Interdependenz von Differenzlinien und ihre gesellschaftlichen Folgen zu ganz spezifischen Formen der Diskriminierung führen.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:31 Uhr)

Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit ist ein sozialpsychologisches Konzept, das als Dimension Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) betrachtet und auch synonym mit dem Begriff „Muslimfeindlichkeit“ verwendet wird. Im Rahmen des GMF-Konzepts diente es bis ins Jahr 2014 dazu, eine ablehnende Haltung und Verhaltensweise gegenüber als Muslim_innen markierten Menschen zu bezeichnen. Dabei werden diese als homogene Gruppe konstruiert, der negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese Negativbilder können sich in Aussagen, Handlungen oder einer medial einseitigen Darstellung widerspiegeln und dazu führen, dass Betroffene diskriminiert, beleidigt oder tätlich angegriffen werden. Wie das Konzept der „Fremdenfeindlichkeit” wird der Begriff der Islamfeindlichkeit aus rassismuskritischer Perspektive stark kritisiert, u. a. weil sich das Konzept ausschließlich auf der Einstellungsebene bewegt, unbewusste Diskriminierung und strukturelle Aspekte ausblendet und von einer grundsätzlichen gegebenen Differenz zwischen Muslm*innen und Nicht-Muslim*innen ausgeht, statt deren Herstellung zu analysieren. Daher wird stattdessen von antimuslimischem Rassismus gesprochen.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:32 Uhr)

Islamisch

bezieht sich als Adjektiv nicht auf Menschen, sondern nur auf Objekte mit Islambezug und auf den Glauben selbst, z.B. islamische Theologie (nicht muslimische), islamischer Feiertag, islamischer Verein oder islamische Länder.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamische Beschneidung

von Jungen (arab. Khitan), wird von vielen Muslim*innen als religiöse Pflicht angesehen und ist weitgehend etablierte Praxis. Sie wird im Laufe der Kindheit vor der Pubertät durchgeführt. Mit der Beschneidung werden Jungen rituell in der islamischen Gemeinschaft sozialisiert. In Deutschland ist die Beschneidung seit 2012 gesetzlich geregelt; laut § 1631d des BGB ist sie erlaubt, wenn sie »nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt« wird. Siehe auch Beschneidung im Kapitel »Jüdinnen und Juden«.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamischer Staat (IS)

ist die derzeit gängige Bezeichnung für eine seit 2003 aktive dschihadistisch-salafistische Terrororganisation. Zuvor nannte sie sich ISI (Islamischer Staat im Irak), änderte ihren Namen 2013 in »al-Dawlah al-Islamiyah fi al-Iraq wa al-Sham« (arabisch: Islamischer Staat im Irak und der Levante<link1), dessen Abkürzung ISIL von der US-amerikanischen und der britischen Regierung verwendet wird. Die im Deutschen auch gebräuchliche Bezeichnung ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien bzw. Großsyrien) vernachlässigt, dass der Machtanspruch der Gruppe über die beiden Länder hinausreicht. 2014 änderte die terroristische Organisation sich namentlich erneut um in IS (Islamischer Staat), um Staatsgrenzen für bedeutungslos zu erklären. Manche Politiker*innen benutzen offiziell die Bezeichnung Daesh (Frankreich) oder DEAS/DAES (Türkei), die sich aus den arabischen Initialen der Gruppe zusammensetzten. Die Terrorist*innen selbst lehnen diese Namen ab, weil sie im Arabischen negative Bedeutungen haben. Weiterführende Begriffe: Boko Haram, Dschihad, Pop-DschihadismusRadikaler Islam / radikale Muslime(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamisierung

ist ursprünglich ein historischer Begriff (analog zur Christianisierung). Re-Islamisierung ist der Fachbegriff für eine wachsende Bedeutung islamischer Religionen in der heutigen Zeit. Als politisches Schlagwort verwendet, wird »Islamisierung« mit Radikalisierung assoziiert. Dabei wird Muslimen unterstellt, den Islam generell radikal auszulegen oder extremistisch zu agieren. Nicht nur in rechtspopulistischen Kreisen ist der Begriff verbreitet, um vor einer vermeintlichen Überfremdung durch den Islam und seinen (mutmaßlichen) Anhänger*innen zu warnen. Der alarmistische Begriff sollte in der Berichterstattung nicht unreflektiert benutzt werden. Auf Deutschland bezogen wäre eine solche Gefahr durch die rund 6% Muslim*innen<link1 <link2, die hier leben, vollkommen unrealistisch. Weiterführende Begriffe: antimuslimischer Rassismus, IslamfeindlichkeitIslamismusRadikaler Islam, radikale MuslimeSalafismus, Salafisten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamismus, Islamist, politischer Islam

Islam und Islamismus sind nicht dasselbe. Islamismus meint zunächst die Verknüpfung von Islam und Politik, also den sogenannten politischen Islam. Islamismus ist daher nicht gleichzusetzen mit Terrorismus. Islamist zu sein bedeutet, islamistischer Gesinnung zu sein – das allein ist nicht verboten, sondern nur in Verbindung mit strafbaren Handlungen nicht erlaubt. Weiterführende Begriffe: Dschihadismus, DschihadistFundamentalistIslamisierung, mutmaßlicher IslamistPop-Dschihadismus, Radikaler Islam, radikale MuslimeSalafismus, Salafisten (neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamkritik

beschreibt die theologische, ethische oder politische Kritik am Islam und kann eine Form der Religionskritik sein. In öffentlichen Debatten werden jedoch oft auch antimuslimische oder islamfeindliche Äußerungen als Islamkritik bezeichnet, die weniger auf Fakten als auf Ressentiments beruhen und sich pauschal gegen Muslime richten. Weiterführende Begriffe: Antimuslimischer RassismusIslamfeindlichkeitIslamophobieIslamophobie, Überfremdung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Israelbezogener Antisemitismus

bezeichnet antisemitische Handlungen oder Äußerungen gegenüber oder in Bezug auf Israel, dessen Politik oder Bürger*innen; wenn z.B. dem Staat Israel unterstellt wird, als heimlicher Drahtzieher der Weltpolitik zu agieren oder, wie im sekundären Antisemitismus, die israelische Politik gegenüber Palästina mit der des Nationalsozialismus gleichgesetzt wird. Diese Form antisemitischer Gesinnung findet sich in der gesamten Gesellschaft wieder und ist sowohl bei linken als auch bei rechten Gruppierungen vorhanden. Weiterführende Begriffe: Antisemitismus, Antizionismus, Israelkritik(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Israelkritik

Mitunter werden Äußerungen in öffentlichen Debatten als Israelkritik bezeichnet, die weniger auf Fakten als auf antisemitischen Ressentiments beruhen und die sich pauschal gegen den israelischen Staat und dessen Bürger*innen richten. Generell sollten Aspekte oder Akteur*innen, die im Zusammenhang mit israelischer Politik kritisiert werden, in der Berichterstattung konkret benannt werden. Wenn z.B. wegen der Verfolgung des jüdischen Volks höhere moralische Maßstäbe an die Politik Israels angelegt werden als an andere Länder, handelt es sich um israelbezogenen Antisemitismus, nicht um differenzierte Kritik. Weiterführende Begriffe: Antisemitismus, Antizionismus, Islamkritik(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:49Uhr)

Islamophobie

Der vor einigen Jahren aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche übertragene Begriff wird im Deutschen als Synonym für „Islamfeindlichkeit“ bzw. „Muslim_innenfeindlichkeit“ verwendet oder – in Anlehnung an den Begriff der Xenophobie – als gegen Muslim_innen oder den Islam gerichtete „Fremdenangst“ definiert. Er verweist vor allem auf tief sitzende Ängste, negative Einstellungen und emotional begründete Abwehr und Feindseligkeit. Wie andere Begriffe auch wird er aus rassismuskritischer Perspektive stark kritisiert.(IDA e.V., 20.03.2020, 10:44 Uhr)

Juden

dem rabbinischen Religionsgesetz nach alle, deren Mutter Jüdin ist. Weil es immer mehr gemischtkonfessionelle Ehen gibt, gilt z.B. bei progressiven Strömungen in den USA auch als jüdisch, wer einen jüdischen Vater hat und jüdisch erzogen wird. Ebenso ist es möglich, zum jüdischen Glauben zu konvertieren. Wer von Geburt an jüdisch ist, ist nicht automatisch religiös; viele Jüdinnen und Juden sind nicht gläubig, sehen sich aber als Teil der jüdischen Gemeinschaft – teilweise benennen sie das Judentum als ihre kulturelle Identität statt als ihre Religion. Einige gläubige Jüdinnen und Juden bezeichnen sich als Volk Israel. Es ist aber ein Irrtum, Jüdinnen und Juden, die in vielen Teilen der Welt leben, mit Israelinnen / Israelis, also den Bürger*innen des multiethnischen Staates Israel, gleichzusetzen.
(neuemedienmacher, 19.03.2020, 15:46 Uhr)

Jüdische Beschneidung

von neugeborenen Jungen, ist in der Thora vorgeschrieben und hat eine große Bedeutung im Judentum. Der hebräische Name dafür ist Brit Mila(h) (»Bund der Beschneidung«). Das Ritual dient der Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft. In Deutschland ist die Beschneidung von jüdischen und muslimischen Jungen erst seit 2012 gesetzlich geregelt; laut §1631d des BGB ist sie erlaubt, wenn sie »nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt« wird. Siehe auch: Beschneidung im Kapitel »Musliminnen und Muslime«.
(neuemedienmacher, 19.03.2020, 15:46 Uhr)

Kabbala

ist eine mystische Tradition im Judentum, bei der spirituelle Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Verschiedene kabbalistische Schulen sind weltweit seit dem 13. Jh. entstanden. Heute werden kabbalistische Konzepte vor allem in chassidischen Gemeinden in den USA und Israel, aber auch in nicht-jüdischen Kreisen fortgeführt. So wurde in den 1970ern das Kabbalah Center in den USA gegründet, das durch Prominente wie Madonna bekannt wurde.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kanaken

(polynesisch »Kanaka« = Mensch) ist ein Schimpfwort, wird jedoch manchmal (mit sarkastischem Unterton) als Selbstzuschreibung verwendet. Wenn Protagonist*innen sie für sich selbst verwenden, kann die Selbstbezeichnung in Medienberichten übernommen werden, sollte aber als solche erkennbar sein. Weiterführende Begriffe: AusländerEinwanderer und ihre Nachkommen, Menschen aus Einwandererfamilien, Menschen mit Migrationshintergrund, Migranten
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kaschrut

beschreibt die jüdischen Speisegesetze. In ihnen ist festgelegt, welche Lebensmittel erlaubt (koscher) und welche verboten (»treif«/ »trefe«/ »treife«) sind. Siehe auch: Halal und Haram im Kapitel »Musliminnen und Muslime«.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache

(»ndH«) ist ein abstrakter Fachbegriff, der vor allem im Bildungsbereich für Schüler*innen verwendet wird. Er ist der Versuch, bestimmte Förderbedürfnisse zu benennen, ohne Kinder einer Herkunftsgruppe zuzuordnen. Leider verbirgt sich dahinter ein defizitorientierter Blick: In der Schuleingangsuntersuchung wird allein der Frage nachgegangen, ob das Kind als erste Sprache Deutsch gelernt hat. Genauso geeignet und weniger abstrakt: Mehrsprachige Kinder oder Kinder mit internationaler Geschichte. Weiterführende Begriffe: Einwanderer und ihre NachkommenMenschen aus Einwandererfamilien(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kippa / Kippah

bezeichnet die Kopfbedeckung, die insbesondere während des Gebets und Studiums der Heiligen Schriften von männlichen Juden getragen wird, in liberalen Gemeinden manchmal auch von Frauen. Manche tragen die Kippa auch im Alltag als öffentliches Bekenntnis zum Judentum oder aus Demut und Ehrfurcht vor Gott.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Königsteiner Schlüssel

ist ein Verteilungsschlüssel, der die Aufteilung von Flüchtlingen in die Bundesländer regelt. Mit ihm wird jährlich neu festgelegt, wie viele Schutzsuchende ein Bundesland aufnimmt. Die Verteilung richtet sich nach den Steuereinnahmen (2/3 Anteil bei der Bewertung) und der Bevölkerungszahl (1/3 Anteil bei der Bewertung).(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Konservatives Judentum

ist eine in den USA entstandene Bewegung, deren Ursprünge allerdings in Deutschland liegen. In den Vereinigten Staaten bildet das konservative Judentum, neben dem liberalen Judentum, heute die größte Gruppe. Konservative Jüdinnen und Juden legen mehr Wert auf Traditionen als liberale, sie passen die Religionsgesetze jedoch auch zeitgemäß an. Ähnlich wie im orthodoxen Judentum werden Gesetze wie bspw. die Speisevorschriften eingehalten, sie werden aber weniger streng ausgelegt. Zudem können Frauen im religiösen Ritus des konservativen Judentums – je nach Gemeinde – mehr Rechte haben als in der Orthodoxie. Die Begriffe »konservativ«, »liberal« oder »orthodox« dürfen also keineswegs mit politischen Richtungsbezeichnungen verwechselt werden.).(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kontingentflüchtlinge

sind Geflüchtete aus Krisenregionen, die im Rahmen nationaler oder internationaler Hilfsaktionen staatlich aufgenommen werden. Kontingentflüchtlinge durchlaufen nicht das Asylverfahren und erhalten vorübergehend Schutz in Deutschland. Als Kontingentflüchtlinge wurden zum Beispiel auch jüdische Emigrant*innen aus der ehemaligen UdSSR bezeichnet. Oft wird heutzutage von Flüchtlingen gesprochen, die in festgelegter Anzahl aus humanitären Gründen aufgenommen werden (das galt z.B. für Menschen aus Syrien). Weiterführende Begriffe: AbschiebungsverbotAsyl- und FlüchtlingsschutzFlüchtlingeGeschützte PersonenSubsidiärer Schutz, Prinzip der Nicht-Zurückweisung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kopftuch

kann im Gegensatz zum eher eng anliegenden Hijab auch ein locker um den Kopf geschlungenes Tuch sein. Je nach Auslegung des Korans, politischer Lage und persönlicher Einstellung, ist es Musliminnen freigestellt, sich zu verhüllen, oder es gibt eine Pflicht, die Haare zu verdecken. Laut einer Umfrage unter Musliminnen in Deutschland trägt von den stark Gläubigen unter ihnen jede Zweite nie ein Kopftuch<link1. In Ländern wie Iran, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Frauen gesetztlich verpflichtet, sich zu bedecken, wenn sie von nicht verwandten Männern gesehen werden könnten. Weiterführende Begriffe: BurkaKopftuchträgerin, NiqabSäkulare MuslimeTschador(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kopftuchträgerin

wird oft synonym für praktizierende Musliminnen verwendet. Grundsätzlich ist die Reduzierung einer Person auf ein äußeres Merkmal problematisch, vor allem bei den mitunter abfällig gemeinten Begriffen »Kopftuchfrau« oder »Kopftuchmädchen«. Diese Zuschreibungen sagen wenig über die vielfältigen Gründe, Weltanschauungen, Auslegungen und Glaubenspraktiken von Musliminnen aus. Weiterführende Begriffe: Burka, Hijab/Hidschab, Kopftuch, Niqab, Säkulare MuslimeTschador(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Koran/Qur’an

(arab. Lesung, Rezitation) ist die heilige Schrift des Islams. Er ist in Reimprosa abgefasst und enthält gemäß dem Glauben von Muslimen die wörtliche Offenbarung Gottes, die an den Propheten Mohammed, durch den Engel Gabriel herabgesandt wurde. Der Koran ist die wichtigste Quelle für islamische Theologie und islamisches Recht, sowie Ethik und Glaubenspraxis. Dennoch umfasst er nicht alle Belange und Fragestellungen von Muslim*innen. Eine weitere bedeutende Quelle ist die Sunna (überlieferte Norm) des Propheten, in der mündlich überlieferte Aussprüche und Taten Mohammeds in den Hadith/pl. Ahadith festgehalten wurden.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Koscher

(hebr. rein, geeignet) ist alles, das religiösen jüdischen Gesetzen entsprechend hergestellt oder zubereitet wurde. Welche Speisen koscher sind bzw. trefe, also nicht koscher, wird durch die Kaschrut-Vorschriften bestimmt. Teilweise gelten die Regeln auch für Materialien, wie Stoffe oder Geschirr. Siehe auch Halal und Haram im Kapitel »Musliminnen und Muslime«.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kulturkreis

stammt aus der Völkerkunde (19. Jh.) und war eine rassistische Vorstellung homogener Ethnien, die in sich abgeschlossen in bestimmten Regionen leben (siehe auch Ethnopluralismus). Diese Lehre ist längst widerlegt. In einer globalisierten Welt kann von geschlossenen Kulturkreisen nicht ausgegangen werden. Anstatt bspw. von einem unbestimmten islamischen Kulturkreis zu sprechen, bietet es sich an präziser zu formulieren und stattdessen z. B. Muslime arabischer Länder zu benennen.<link1 Weiterführende Begriffe: Heimat(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Kulturmuslime

beschreibt Muslim*innen, die den Islam zwar nicht praktizieren, sich aber einer islamischen Kultur zugehörig fühlen. Der Begriff taucht in der Berichterstattung meist als Selbstbezeichnung auf. Weiterführende Begriffe: Euro-Muslime, Liberale Muslime, Neo-Muslime, Pop-Muslime, Säkulare Muslime(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:57 Uhr)

Klassismus

Der Begriff Klassismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres (zugeschriebenen) ökonomischen, sozial- oder bildungspolitischen Status bzw. ihrer (zugeschriebenen) ökonomischen, sozial- oder bildungspolitischen Herkunft. Dies kann auf interaktionaler, institutioneller oder auch gesellschaftlich-kultureller Ebene stattfinden.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Kolonialismus

Als Kolonialismus wird die staatlich geförderte oder betriebene Besetzung eines Gebietes und die Fremdherrschaft über die dort ansässige Bevölkerung bezeichnet. Historisch lag die Hochzeit des Kolonialismus zwischen dem 15. und dem 20. Jahrhundert, als europäische (und später US-amerikanische und australische) Menschen begannen, die Afrika, Teile Asiens und Amerika zu besiedeln und auszubeuten. Dabei unterdrückten, versklavten und töteten sie die lokale Bevölkerung und legitimierten dies mit einer rassistischen Ideologie, die ihre angebliche biologische, zivilisatorische und religiöse Überlegenheit behauptete. Auch das Deutsche Kaiserreich hatte mehrere Kolonien in Asien und Afrika. Bis in die 1970er Jahre hinein weigerten sich europäische Regierungen, den kolonisierten Gebieten ihre Unabhängigkeit zuzugestehen. Die Folgen des Kolonialismus sind noch heute spürbar – sowohl in den kolonisierten als auch ehemals kolonisierenden Gesellschaften.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:11 Uhr)

Kultur

Kultur ist ein mehrdeutiger Begriff, der sich um die Gesamtheit der materiellen und immateriellen Ergebnisse menschlicher Wirkens dreht. Der enge Kulturbegriff bezieht sich auf Kunst und Geisteskultur, der weite auf die Lebenswelt des Menschen. Im Gegensatz zu klassischen Definitionen einer weitgehend homogenen, statischen und in sich geschlossenen Kultur (Kulturalismus), die als Kollektiv verstanden wird, wird heute hervorgehoben, dass Kultur einem ständigen Veränderungsprozess unterliegt, in sich heterogen ist, nicht an ein bestimmtes Territorium gebunden und fließend ist. Menschen werden zudem als mehreren „Kulturen“ zugehörig betrachtet (z. B. Nationalität, Organisation, Religion, Generation, Familie), die durch zahlreiche Differenzlinien und mit ihnen verbundene Erfahrungen gebrochen sind. In diesem Sinne wird unter Kultur diejenige Lebenswelt verstanden, die eine Person als „eigene“ definiert, weil sie Normalität und Plausibilität bietet und soziales Routinehandeln ermöglicht.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:12 Uhr)

Kulturalisierung

Unter Kulturalisierung wird die Praxis verstanden, Kultur als wesentliche, zentrale und determinierende Erklärung für (individuelle) Handlungen, Einstellungen, Verhaltensweisen, Konflikte oder Ausdrucksweisen zu verstehen. Häufig wird dabei der Kulturbegriff ethnisiert und Menschen werden beispielsweise auf ihre – angebliche – „türkische Kultur“ festgeschrieben. Dadurch werden sie in ihrer Vielfältigkeit und Komplexität nicht wahrgenommen, sondern ausschließlich auf eine (vermeintliche oder tatsächliche) kulturelle Zugehörigkeit reduziert. Dass es sich hierbei häufig um Fremdzuschreibungen und nicht um die eigene subjektive Identifikation handelt, gerät bei kulturalisierenden Interpretationen der Wirklichkeit häufig aus dem Blick. Durch Kulturalisierungen werden die Dichotomisierung (Zweiteilung) der Gesellschaft in Zugehörige („Wir“) und Nicht-Zugehörige („die Anderen“) verstärkt (Othering) und Stereotype und Zuschreibungen reproduziert.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:13 Uhr)

Latinx

(sprich: La-tí-nex) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen lateinamerikanischer Herkunft. Der Begriff hat sich als inklusive und geschlechtergerechte Alternative für Latino/Latina im englischsprachigen Raum entwickelt.
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Leitkultur

wurde als Begriff vom Göttinger Politologen Bassam Tibi geprägt, dem zufolge sich Migranten in heterogenen Einwanderungsgesellschaften den herrschenden kulturellen Normen anzupassen hätten, ohne die eigene Kultur aufgeben zu müssen. Der Begriff wurde 2000 vom damaligen CDU-Generalsekretär Friedrich Merz übernommen, der bemängelte, es gebe keine deutsche Leitkultur mehr. Dabei ging es nicht um gemeinsame Werte, sondern um einen Katalog dessen, was Einwanderer sich zu eigen machen sollten, wollten sie in Deutschland leben. Der Begriff wird im Zuge der Asyldebatte als Schlagwort in der bürgerlichen Mitte benutzt, kursiert aber auch unter radikalen Rechten.
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Liberale Muslime

wurde 2010 durch die Gründung des Liberal-Islamischen Bunds (LIB<link1) als Begriff etabliert und ist die Selbstbezeichnung einer Gruppe von Muslimen, die zeitgemäße Zugänge zum Koran proklamieren und eine pluralistisch-freiheitliche Auffassung des Islam vertreten. Der LIB grenzt sich bewusst von den Säkularmuslimen und den islamischen Veränden (wie Ditib, Zentralrat der Muslime usw.) ab. Weiterführende Begriffe: Kulturmuslime, Muslime, Neo-Muslime, Euro-Muslime, Pop-Muslime
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Liberales Judentum

bezeichnet eine Strömung, die im 19. Jh. in Deutschland in Abgrenzung zur Orthodoxie entstand. Im Gegensatz zum orthodoxen Judentum sind die Geschlechter im liberalen Judentum meistens in allen religiösen Angelegenheiten gleichberechtigt: Dies umfasst in vielen Gemeinden auch die Ordination von Frauen zu Rabbinerinnen bzw. Rabba. Durch Auswanderung gelangten die Kernideen des liberalen Judentums im 19. Jh. in die USA, wo sie als Reformjudentum eine andere Entwicklung nahmen als in Deutschland. In Israel ist die liberale jüdische Gemeinde recht klein. Auch in Deutschland verstehen sich die meisten Gemeinden als orthodox, in jüngster Zeit entstehen allerdings auch hier wieder mehr liberale Gemeinden. Das liberale Judentum wird in Europa auch progressives Judentum genannt. Weiterführende Begriffe: Konservatives Judentum, Neo-Orthodoxie, Ultraorthodoxie(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Lügenpresse

ist ein politisches Schlagwort zur Diffamierung der Medien. Ab den 2000er Jahren nutzten es vor allem Neonazis und Rechtsextreme, es wurde bei Pegida-Demos häufig skandiert, heute hetzen auch rechts-radikale Politker*innen mit diesem oder ähnlichen Begriffen gegen journalistische Medien. Dahinter steht die Verschwörungstheorie, dass in den Medien, vermeintlich planmäßig und gesteuert, Desinformation betrieben würde. Entsprechend werden verächtlich gemeinte Chiffren, wie Staatsfunk, »System-« oder »Mainstream-Medien«, benutzt. »Lügenpresse« war 2014 das Unwort des Jahres.<link1 Weiterführende Begriffe: Grenze des Sagbaren, Meinungsdiktatur, Political Correctness, Sprachpolizei, Zensur(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Migrant*innenselbstorganisationen

Unter MSO werden Vereine, Organisationen und Zusammenschlüsse von Menschen, die über eigene Migrationserfahrung verfügen oder einen Migrationshintergrund zugeschrieben bekommen und sich dauerhaft und mit unterschiedlichen Zielen zusammenschließen. Das Spektrum der Vereine ist äußerst breit und reicht von religiösen bis zu politischen MSO, umfasst herkunftshomogene und herkunftsheterogene, zielgruppenspezifische (wie z. B. Frauenvereinen) oder zielgruppenübergreifende Organisationen. Für Organisationen, die von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gegründet werden, hat sich der Begriff Verein oder Verband von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM) etabliert.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:45 Uhr)

Maghreb-Staaten

(arabisch: Westen, wörtlich: Ort, wo die Sonne untergeht) ist die zusammenfassende Bezeichnung für die drei nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien und Marokko. Teilweise werden auch Libyen und Mauretanien dazugezählt. Im Mai 2016 wurden Tunesien, Algerien und Marokko per Bundestagsabstimmung zu sicheren Herkunftsländern erklärt, was die Abschiebung von Geflüchteten aus diesen Ländern erleichtert. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass dies für keines der drei Länder zutrifft.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Mehrheitsgesellschaft

ist ein gängiger Begriff, der missverständlich ist. Eigentlich müsste es heißen: Mehrheitsbevölkerung, also die von gut 61 Millionen<link1 Deutschen ohne Migrationshintergrund. In einem faktischen Einwanderungsland funktionieren Bezeichnungen wie »die deutsche Gesellschaft« oder »die Gesellschaft in Deutschland« nicht als Synonym für Deutsche ohne Einwanderungsbezug. Weiterführende Begriffe: AufnahmegesellschaftAutochthone DeutscheEinheimischeEinwanderungsgesellschaftWir
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Meinungsdiktatur

herrscht in Deutschland zwar nicht (Art. 5 GG Meinungsfreiheit), in rechten Kreisen wird trotzdem in zahlreichen Meinungsbekundungen bemängelt, man könne seine Meinung nicht mehr äußern. Das Ziel dieser Strategie ist, sich als angeblich unterdrückte Freiheitskämpfer*innen darzustellen und rassistische Aussagen zu relativieren. Weiterführende Begriffe: Lügenpresse, Political Correctness, Sprachpolizei, Zensur(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Menschen mit internationaler Geschichte

ist eine weitere Alternativformulierung, die im Workshop »Was heißt hier Migrationshintergrund?« beim Diversity-Day 2014 von Heidelberger*innen zusammen mit den NdM entwickelt wurde. Der Begriff berücksichtigt, dass nicht alle Menschen mit ihren Familien eingewandert sind. Er ist umgekehrt auch verwendbar für Standard-Deutsche, also Menschen ohne internationale Geschichte. Weiterführende Begriffe: Einwanderer und ihre Nachkommen, Menschen aus Einwandererfamilien, AusländerDiverskulturelleMenschen mit MigrationshintergrundMigranten, Einwanderer, Zuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Menschen mit Migrationshintergrund

sind nach statistischer Definition
• in Deutschland lebende Ausländer*innen,
• eingebürgerte Deutsche, die nach 1949 in die Bundesrepublik eingewandert sind
• sowie in Deutschland geborene Kinder mit deutschem Pass, bei denen sich der Migrationshintergrund von mindestens einem Elternteil ableitet.
Zunächst wurde »Personen mit Migrationshintergrund« in der Verwaltungs- und Wissenschaftssprache verwendet. Doch als durch Einbürgerungen und das neue Staatsangehörigkeitsrecht von 2000 der Begriff Ausländer nicht mehr zutraf, um Einwanderer und ihre Nachkommen zu beschreiben, ging die Formulierung auch in die Umgangssprache ein (siehe auch Einbürgerung und Doppelte Staatsbürgerschaft). Heute wird der Begriff oft als stigmatisierend empfunden, weil damit mittlerweile vor allem (muslimische) »Problemgruppen« assoziiert werden. Gute Alternativen: Menschen aus Einwandererfamilien oder Menschen mit internationaler Geschichte. Weiterführende Begriffe: Einwanderer und ihre NachkommenMigrationsvordergrund, Neue Deutsche, Neubürger, Ausländische Mitbürger, Deutsche ohne Migrationshintergrund(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Menschenschmuggel

Viele Schutzsuchende sind auf Menschenschmuggler*innen angewiesen, wenn sie nach Europa gelangen wollen (andere Bezeichnungen sind Schlepper oder Schleuser). In der Debatte wird Menschenschmuggel oft fälschlicherweise mit Menschenhandel gleichgesetzt. Menschenhandel ist jedoch eine andere Straftat. Menschenhändler verdienen nicht in erster Linie am Transport der Betroffenen, sondern an der anschließenden Ausbeutung.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Messereinwanderung

ist ein propagandistischer Begriff, den die AfD-Bundestagsfraktion 2018 aufgebracht hat und der von einigen Boulevard-Medien (»Messer-Angst!«) aufgenommen wurde. Für die Behauptung, Gewalttaten von Migranten mit Messern seien bundesweit stark angestiegen seien, gibt es keine seriösen statistischen Belege, u.a. weil Landesbehörden solche Straftaten auf sehr unterschiedliche Weise erfassen. Weiterführende Begriffe: Ausländerkriminalität, Banden, Clan, Überfremdung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Minderheitenrat

setzt sich für die Förderung und den Schutz der vier nationalen Minderheiten in Deutschland ein und vertritt ihre Interessen gegenüber der Bundesregierung. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gehört ihm an. Der Minderheitenrat soll den Informationsfluss zwischen den vier Minderheiten abstimmen und fördern, aber auch gemeinsame Stellungnahmen zu aktuellen Schwerpunkthemen verfassen. Weiterführende Begriffe: Minderheitensekretariat(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Minderheitensekretariat

wurde 2005 für die Verbände der nationalen Minderheiten in Deutschland eingerichtet. Das Minderheitensekretariat unterstützt die Arbeit des Minderheitenrates inhaltlich und organisatorisch, als eine Verbindungsstelle zwischen den Verbänden der anerkannten Minderheiten und Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Mischehe

beruht als Begriff auf der Rassentheorie und wurde vor allem im Zuge der »Rassenhygiene« zur Zeit des Nationalsozialismus verwendet. Gute Alternativen sind binationale, bikulturelle oder ggf. interreligiöse Ehe. Weiterführender Begriff: Diverskulturelle, Mischling.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Misrachim

ist eine Fremdbezeichnung für nicht aschkenasische Jüdinnen und Juden, also auch für Sephardim, die vor allem von aschkenasischen Juden in Israel verwendet wird. Sie folgen dem sephardischen Judentum und bezeichnen sich selbst als Sepharden.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Mohammedaner

ist ein veralteter Begriff und als Synonym für Muslime unpassend, weil Muslim*innen Mohammed nicht als Gott verehren. In der Regel findet der Begriff auf einschlägig islamfeindlichen Blogs Verwendung und ist abfällig gemeint. Weiterführende Begriffe: Antimuslimischer RassismusIslamfeindlichkeitIslamkritik, Islamophobie(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Mord im Namen einer vermeintlichen Ehre / Mord im Namen eines althergebrachten Begriffs von Ehre

sind reflektierte Alternativen für Ehrenmord, wenn man sich in der Berichterstattung vom Motiv des Täters distanzieren will. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet für solche Morde den politischen Begriff Femizide. Handelt es sich eindeutig um einen Mord im Namen einer vermeintlichen Ehre, kann man der Idee der Istanbuler Initiative »Kadın Cinayetlerini Durduracagız« folgen: Die Frauenrechtlerinnen plädieren für den Begriff Frauenmord als Synonym, da er die Betroffenen und die Tat in den Fokus rückt. Allerdings zählen zu den Opfern manchmal auch Männer, die am vermeintlichen »Ehrbruch« beteiligt waren oder homosexuell sind. Weiterführende Begriffe: AusländerkriminalitätBlutrache, Clan, Parallelgesellschaft (neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Moslem, Moslemin

ist eine etwas altmodisch klingende und daher seltener gebräuchliche Bezeichnung für Muslim bzw. Muslimin.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Muslime

bezeichnet Angehörige der islamischen Religionsgemeinschaft. Grundsätzlich gilt es zu hinterfragen, ob die Zuschreibung einer Religion relevant und zutreffend ist. Beispiel: Warum wurde die Religionszugehörigkeit bei der »ersten muslimischen CDU-Bundestagsabgeordneten« Cemile Giousouf 2013 so stark thematisiert? Häufig wird Muslim*innen auch als Synonym für Einwanderer und ihre Nachkommen verwendet, was sachlich falsch ist: Nur ein Viertel aller Menschen aus Einwandererfamilien in Deutschland sind Muslim*innen und es gibt deutsche Muslim*innen ohne Migrationshintergrund. Weiterführende Begriffe: Euro-Muslime, Kulturmuslime, Liberale Muslime, Neo-Muslime, Pop-Muslime, Säkulare Muslime, Kopftuch(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Muslimisch

wird als als Adjektiv in Bezug auf Menschen verwendet z.B. muslimische Frau, muslimischer Schüler oder muslimische Bevölkerung, nicht aber muslimische Religion, sondern islamische. Ebenso richtig ist islamische Länder, nicht muslimische Länder. Weiterführende Begriffe: Islamisch(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Mutmaßlicher Islamist

taucht in Medienberichten häufig auf und ist irreführend: Islamist zu sein, ist nicht verboten, d. h. die Gesinnung ist nicht strafbar. Ungesetzlich sind dagegen islamistisch motivierte Gewalt und Propaganda für verbotene Organisationen wie den IS. Meist sind also nicht Islamist*innen gemeint, sondern Terrorverdächtige. Zutreffend könnte zum Beispiel sein: »Die Polizei nahm einen  mutmaßlichen Terrorverdächtigen fest. Die Behörden vermuten, er habe aus islamistischen / religiös begründeten Motiven gehandelt.« Weiterführende Begriffe: Dschihadismus, DschihadistFundamentalistIslamisierungPop-Dschihadismus, Radikaler Islam, radikale MuslimeSalafismus, Salafisten (neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Migranten

werden vom Statistischen Bundesamt als Menschen definiert, die nicht auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik, sondern im Ausland geboren sind. Rund die Hälfte davon sind Deutsche, die andere Hälfte hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Diskurs wird dieser Begriff häufig irrtümlich als Synonym für Menschen mit Migrationshintergrund verwendet. Weiterführende Begriffe: Menschen aus Einwandererfamilien, Einwanderer und ihre Nachkommen, AusländerDiverskulturelle, Flüchtlinge, Integration, Neue DeutscheEinwanderer, Zuwanderer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:09 Uhr)

Migration

Der Begriff Migration bezeichnet auf Dauer angelegte Wechsel des Wohnortes von Personen. Dabei kann es sich um Wanderungsbewegungen innerhalb eines Staatsgebietes (Binnenmigration) oder um eine Staatsgrenzen überschreitende Wanderungsbewegung handeln (internationale Migration). Es wird zwischen zwei verschiedenen Formen der Migration unterschieden: freiwillige (z. B. Arbeitsmigration, Familienmigration, Altersmigration) und unfreiwillige Migration (z. B. Flucht, Vertreibung, Sklaverei). Migration ist kein ausschließliches Phänomen der Moderne. Dass Menschen ihren Geburtsort oder das Geburtsland verlassen, gehört seit jeher zur Geschichte der Menschheit.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:04 Uhr)

Migrationsgesellschaft

Der Begriff Migrationsgesellschaft ist im Jahr 2004 von Paul Mecheril im Rahmen seines Entwurfs einer Migrationspädagogik geprägt worden. Er geht über die Begriffe der „Einwanderungs- oder Zuwanderungsgesellschaft“ hinaus. Denn im Gegensatz zu ihnen setzt Migrationsgesellschaft Nationalstaaten nicht als selbstverständliche nach außen abgeschlossene Bezugsgrößen von Migrationsphänomenen voraus. Dadurch schließt der Begriff Migrationsgesellschaft erstens ein weiteres Spektrum von historischen und gegenwärtigen Wanderungsphänomenen ein, z. B. Pendelmigration. Zweitens erfasst er Phänomene, die für Migrationsgesellschaften – also potenziell für die Erfahrungen aller ihrer Angehörigen – charakteristisch sind. Dazu zählen u. a. die Entstehung transnationaler sozialer Räume und Zugehörigkeiten, Hybridität, die Herstellung von Fremdheit (Othering), Alltagsrassismus, die Aushandlung von Grenzvorstellungen und Zugehörigkeitsordnungen. Drittens entzieht sich der Begriff Migrationsgesellschaft dem interessengeleiteten Zweck, das Prinzip der Nationalstaaten weltweit zu stabilisieren.
(IDa e.V., 20.3.2020, 10:05 Uhr)

Migrationshintergrund

Nachdem die Unterscheidung zwischen „Ausländer_innen“ und „Deutschen“ als unzureichend für die Beschreibung migrationsbedingter Diversität in der Bundesrepublik wahrgenommen wurde, ist mit dem Mikrozensusgesetz von 2004 der Begriff des „Migrationshintergrundes“ eingeführt worden. Das für die Durchführung des Mikrozensus zuständige Statistische Bundesamt erhebt regelmäßig, wer in Deutschland einen Migrationshintergrund hat, und definiert: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt“. Auch Deutsche können also mit einem Migrationshintergrund betitelt werden, selbst wenn ihre Familie seit vielen Generationen in Deutschland lebt. Der Begriff zieht also unabhängig von der Staatsbürgerschaft der Betroffenen eine Grenze zwischen „normalen“ und „nicht normalen“ Deutschen. Mit anderen Worten bezieht er sich auf eine Norm, nämlich nicht migriert zu sein, und ermöglicht es, diejenigen zu markieren, die von dieser Norm abweichen. Nach der Einführung auf institutioneller Ebene hat sich der Begriff auch im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt, wenn deutlich gemacht werden soll, dass jemand vielleicht kein*e „Ausländer*in“ im staatsbürgerlichen Sinn ist, aber doch  von einer vermeintlichen Norm des „Deutschen“ abweicht. D. h. spielen auch rassistische Vorannahmen aufgrund des Aussehens eine Rolle, die zu einem klassischen Othering Anlass geben. Um Repräsentationsverhältnisse und rassistische Strukturen (bspw. in Führungspositionen oder in staatlichen Behörden) zu beschreiben ist das Konzept ebenfalls nicht hilfreich, da die rassistische Diskreditierbarkeit von Menschen unabhängig vom „Migrationshintergrund“ ist (bspw. gibt es Schwarze oder muslimische Deutsche, die der Definition zufolge keinen „Migrationshintergrund“ haben). Deswegen werden Forderungen laut, statt des Migrationshintergrundes die Rassismus- bzw. Diskriminierungserfahrungen von Menschen zu messen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:05 Uhr)

Migrationspädagogik

Die Migrationspädagogik wurde zu Beginn der 2000er Jahre erstmals von Paul Mecheril als eine Perspektive auf das Verhältnis von Pädagogik und Migration systematisch dargestellt. Im Unterschied zu den kulturalisierenden Herangehensweisen der Ausländerpädagogik und Interkulturellen Pädagogik setzt die Migrationspädagogik „kulturelle Differenzen“ nicht voraus, sondern stellt die angenommene Naturhaftigkeit und die vermeintliche Unveränderlichkeit, die „Kulturen“ zugesprochen wird, sogar infrage. „Kulturelle Differenz“ wird nicht als selbstverständlich existenter Unterschied, sondern als Praxis des Unterscheidens betrachtet, auf die unter bestimmten Bedingungen Akteur*innen (z. B. Pädagog*innen) zurückgreifen. Migrationspädagogik befasst sich also damit, wie Ordnungen der Zugehörigkeit unter den bestehenden rassistischen Machtverhältnissen politisch, kulturell, juristisch und in Interaktionen hergestellt werden, innerhalb derer Menschen unterschieden und so positioniert werden, dass ihnen unterschiedliche Werte der Anerkennung und Möglichkeiten des Handelns zugewiesen werden. Aus dieser Beschäftigung leitet die Migrationspädagogik keine konkreten pädagogischen Handlungsvorgaben ab, sondern fordert dessen kontinuierliche Reflexion.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:07 Uhr)

Mikroaggressionen

Unter Mikroaggressionen werden die Folgen bewusster und unbewusster Akte verstanden, die durch offene und subtile Botschaften strukturell diskriminierte Menschen wiederholt und nadelstichartig verletzen, indem sie sie stereotypisieren, entwürdigen und symbolisch aus der Normalität ausschließen. Beispiele für Mikroaggressionen sind Alltagsrassismen.
(IDA e.V.,20.3.2020, 10:07 Uhr)

Muslima

Die Begriffe Muslim* und Muslima* bzw. der weniger gebräuchliche Begriff des Moslem bezeichnen Personen, die dem Islam angehören. Dabei sagt die Bezeichnung noch nichts über die Richtung des Islam (u. a. Alevit*innen, Schiit*innen, Sunnit*innen) oder den Grad der Religiosität aus. Einer oft zitierten Schätzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge aus dem Jahr 2016 zufolge leben in Deutschland etwa 4,4 bis 4,7 Mio. Muslim*as. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 5,4 bis 5,7%. Wie viele praktizierende Muslim*as genau in Deutschland leben, ist aufgrund unterschiedlicher Methoden der Befragung und Hochrechnung, fehlender statistischer Daten und Ungenauigkeiten bei der Erfassung der Religionszugehörigkeit aber nicht genau ermittelbar. Die genannte Schätzung des BAMF ist wahrscheinlich zu hoch, da auch nicht-gläubige Muslim*as als „Muslime“ markiert wurden bzw. sich als solche bezeichneten. Dies sagt einerseits etwas über die ethnisierende gesellschaftliche Wahrnehmung der Kategorie „Muslim“ aus. Wenn sich Menschen als Muslim*a bezeichnen, obwohl sie nicht gläubig und praktizierend sind, kann dies andererseits wiederum eine Reaktion auf Fremdzuschreibungen und Diskriminierungen als „Muslim“ sein kann.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:08 Uhr)

Muslimfeindlichkeit

Der Begriff „Muslimfeindlichkeit” wird häufig synonym zu „Islamfeindlichkeit” und „Islamophobie” verwendet. Im Rahmen des Konzepts der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) dient er seit 2016 dazu, um entsprechende Einstellungsmuster zu bezeichnen. Neben den Kritikpunkten, die auch auf die Begriffe „Islamfeindlichkeit” und „Islamophobie” zutreffen, ist er als unpräzise zu kritisieren, da sich feindselige Einstellungen und Handlungen nicht nur gegen praktizierende Muslim*as, sondern auch gegen Menschen richten, die als „Muslime” markiert werden.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:09 Uhr)

n.d.Z. / nach der Zeitrechnung / Zeitwende

ist eine Formulierung, die der Jahreszählung mit Bezug auf die Geburt Jesus Christi dient, ohne den christlichen Bezug auszudrücken. Diese Bezeichnung ist nicht nur im Judentum gebräuchlich, sondern war zum Beispiel auch in der DDR üblich.
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Nationale Minderheit

beschreibt jene Gruppen der Bevölkerung, die in Deutschland durch Bund und Länder einen besonderen Schutz und eine spezifische Förderung erhalten. Neben den deutschen Sinti und Roma sind auch die Lausitzer Sorben, die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe als nationale Minderheit anerkannt. Angehörige der nationalen Minderheiten sind deutsche Staatsangehörige, unterscheiden sich aber von der Mehrheitsbevölkerung durch eine eigene Sprache, Kultur, Geschichte und Identität, die sie bewahren. Im Gegensatz zu den anderen Gruppen leben die deutschen Sinti*ze und Rom*nja nicht in angestammten Siedlungsgebieten. Weiterführende Begriffe: Bekenntnisfreiheit, Minderheitenrat, Minderheitensekretariat
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Nationalsozialistischer Genozid

Sinti und Roma waren während des Nationalsozialismus Verfolgung und Völkermord ausgesetzt<link1. Auf Romanes gibt es dafür die Begriffe Porajmos oder auch Pharrajmos (deutsch: »das große Verschlingen«) und Samudaripen (deutsch »das  große  Töten«).  Der Tag der Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Genozids an den Rom*nja ist der 2. August. Etwa 500.000 europäische Sinti*ze und Rom*nja wurden durch Nationalsozialist*innen oder mit ihnen verbündeten Regierungen und Bewegungen, systematisch ermordet, was erst 1982 von der Bundesrepublik offiziell als Völkermord anerkannt wurde. Dieser wurde in der Geschichtsschreibung nach wie vor noch nicht vollständig aufgearbeitet.Siehe auch Holocaust im Kapitel »Jüdinnen und Juden«.(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neo-Muslime

beschreibt eine in Deutschland sozialisierte und selbstbewusste muslimische Generation, in die auch Konvertit*innen inbegriffen sind. Nach Eren Güvercin beziehen sich »Neo-Moslems« auf die fünf Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Fasten, tägliches Gebet, Pilgerfahrt nach Mekka, Abgabe an Bedürftige und Arme) und sind gesellschaftlich, kulturell oder politisch engagiert. Neo-Muslime ist mehr ein spielerischer Begriff als eine feste Kategorie. Weiterführende Begriffe: Euro-MuslimeKulturmuslimePop-Muslime, MuslimeSäkulare Muslime, Liberale Muslime(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neo-Orthodoxie

Neo-Orthodoxie ist hauptsächlich in Westeuropa, vor allem in England, Frankreich und Deutschland, als eine Strömung der Orthodoxie verbreitet. Sie wurde im 19. Jh. in Frankfurt/ Main gegründet. Wie beim orthodoxen Judentum entspringen ihre Grundideen dem traditionellen Judentum, allerdings findet eine Öffnung zur westlichen Kultur statt, indem z.B. am öffentlichen Leben teilgenommen wird.Weiterführende Begriffe: Chassidismus, Konservatives Judentum, Liberales Judentum, Ultraorthodoxie(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neokolonialismus

bezeichnet fortwirkende, teils neue Formen von Abhängigkeit und Ausbeutung nach dem Ende des formalen Kolonialismus.
Demnach werden ehemals kolonisierte Gebiete heute mit neokolonialistischen Mitteln indirekt von ehemaligen Kolonialmächten beherrscht, u.a. durch finanzielle (z.B. durch Kredite), aber auch politische, technologische, militärische oder kulturelle Abhängigkeiten. Postkolonialismus (Postcolonial Studies) ist eine wissenschaftliche Forschungsrichtung, die davon ausgeht, dass die Geschichte des Kolonialismus mit den historischen Unabhängigkeitserklärungen nicht vorbei war.
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neonazi

Kurzform von Neo-Nationalsozialist. Neonazis beziehen sich geistig, politisch sowie in der Symbolik und den Aktionsformen auf den Nationalsozialismus. Die neonazistische Szene pflegt das NS-Erbe sowie Traditionen von SA- und SS-Verbänden. Neonazismus ist die radikalste und aggressivste Variante des heutigen Rechtsextremismus. Jeder Neonazi ist rechtsextrem, aber nicht jeder Rechtsextreme ist Neonazi. Viele Rechtsextreme beziehen sich nicht mehr auf den Nationalsozialismus und sind auch nicht mehr an den typischen Symbolen der 1990er Jahre zu erkennen (Glatze, Stiefel, Bomberjacke). Rassistische oder rechtsextreme Ideologien können in allen Spektren der Gesellschaft herrschen, z. B. bei selbsternannten Asylgegnern. Weiterführende Begriffe: Ausländerhass, Fremdenfeindlichkeit, Extremismus, Hassverbrechen, Hasskriminalität, Ideologien der Ungleichwertigkeit, Neue Rechte, Rechtspopulist(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neubürger

klingt nach soeben eingewandert, daher ist der Begriff zwar als abwechslungsreiches Synonym für Einwanderer durchaus möglich. Als Synonym für Eingebürgerte ist er eher verwirrend, da er keine Verwurzelung in Deutschland vermuten lässt. Weiterführende Begriffe: Doppelte StaatsangehörigkeitEinbürgerungNeue Deutsche(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neue Deutsche

taucht immer häufiger auf und wird unterschiedlich verwendet: Manche gebrauchen den Begriff synonym für Menschen mit Migrationshintergrund. Als Selbstbezeichnung von Menschen aus Einwandererfamilien soll er den Anspruch auf Zugehörigkeit deutlich machen. Der Begriff kann aber auch für eine Haltung stehen statt für eine herkunftsbezogene Kategorisierung: Zu den Neuen Deutschen zählen dann alle Menschen (mit und ohne Migrationshintergrund), die positiv zur Pluralisierung der Gesellschaft stehen. Weiterführende Begriffe: Deutsche, Einwanderer, Menschen aus Einwandererfamilien, Einwanderer und ihre Nachkommen,DiverskulturelleMenschen mit internationaler GeschichteZuwandere(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Neue Rechte

beschreibt lt. Verfassungsschutz Rechtsextreme, die sich seit den 70er Jahren gegen Ideen der Aufklärung und der Gleichheit der Menschen richten. Sie beabsichtigten eine Intellektualisierung des Rechtsextremismus, mit dem Ziel das politische System in Deutschland grundlegend zu verändern. Wissenschaftlich betrachtet zählt die AfD mangels Intellektualität nicht dazu<link1, obwohl die Partei teils als parlamentarischer Arm der Neuen Rechten gesehen wird. Weiterführende Begriffe: Ethnopluralismus, Extremismus, Neonazis, Rechtsradikale, Rechtspopulismus, Ideologien der Ungleichwertigkeit, Rassismus(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Niqab

ist ein Gesichtsschleier, der nur die Augen freilässt. Ein Niqab wird teils in Verbindung mit einem langen, meist schwarzen mantelähnlichen Umhang getragen (z.B. in Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar). In anderen arabischen Ländern heißt dieser Mantel oder Umhang Abaya, im Iran Tschador. Weiterführende Begriffe: BurkaHijabKopftuchKopftuchträgerin(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Nomaden

oder auch »Fahrendes Volk«, beruhen wie alle Begriffe, die Sinti und Roma als permanent in Bewegung lebende Gruppen darstellen, auf jahrhundertealten Klischees und werden von vielen Gruppenangehörigen als verletzend empfunden. Historisch gesehen diente das Bild der Umherziehenden dazu, einen Außenseiter*innenstatus zu erschaffen und damit Diskriminierung und gesetzliche Restriktionen zu legitimieren. Migrationsbewegungen durch Sinti*ze und Rom*nja beruhten in der Vergangenheit oft weniger auf einem selbstgewählten Lebenswandel als auf ökonomischen Zwängen und politischer Verfolgung. Weiterführende Begriffe: Antiziganismus, Traveller, Zigeuner(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Nation

Es lassen sich drei Arten unterscheiden, eine Nation zu definieren: Subjektivistische Definitionen behaupten, die Nation beruhe einzig auf dem freien Entschluss und der Überzeugung ihrer Mitglieder, dass sie zusammengehören. Objektivistische Definitionen versuchen, Individuen durch scheinbar objektive, außerhalb der Individuen liegende Kriterien wie „Sprache“, „Kultur“ usw. eindeutig Nationen zuzuordnen. Sie verstehen Nationen als natürlich gegebene Gemeinschaften. Da  sich Nation auf diese Weisen aber nicht eindeutig bestimmen lässt, sehen dekonstruktivistische Definitionsansätze Nationen allein durch die wechselseitige Identifikation und Anerkennung sozialer Akteur*innen definiert. Nation setzt somit die Bildung einer Ethnizität voraus, die sich auf eine „vorgestellte Gemeinschaft“ (deren Angehörige sich niemals alle kennenlernen und miteinander interagieren können), auf einen Staat und auf ein Territorium bezieht (ihre Angehörigen stellen sich die Nation als begrenzt und souverän vor) und deren Angehörige unabhängig von realen Ungleichheiten als Gleiche verstanden werden. Nation setzt also die Vorstellung ihrer Existenz voraus. Die Aufgabe, diese Vorstellung zu konstruieren, aktiv durchzusetzen, praktisch wirksam werden zu lassen und aufrechtzuerhalten (z. B. durch die Ausbildung einer staatlich abgesicherten homogenisierten Hochkultur, die Einführung von Staatsbürger*innenschaften, Nationalsymbolen, Ritualen, Sozialsystemen, Straßenschildern, Grenzkontrollen u. v. m.), kommt dem Nationalismus als soziale Bewegung zu und war nur unter historisch spezifischen Bedingungen möglich.
(neue deutsche Medienmacher, 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Nationalismus

Nationalismen sind durch zwei Prinzipien gekennzeichnet: Erstens werden die nationale Zugehörigkeit und das subjektive Zugehörigkeitsgefühl dazu benutzt, um politische, rechtliche und soziale Ansprüche zu formulieren, die Nicht-Zugehörigen abgesprochen werden. Zweitens müssen alle Nationalismen definieren, wer zur Nation gehört und wer nicht. Diese Bestimmung geschieht entlang von Definitionskriterien wie „Kultur“, „Geschichte“, „Abstammung“ oder „Rasse“. Im Ergebnis ist die gesamte Menschheit in Völker bzw. Nationen eingeteilt, die als kollektive Akteur*innen von Politik und Geschichte betrachtet werden. Nationalismus kann also als ein Konglomerat aus politischen Ideen, Symbolen, Gefühlen, alltäglichen Handlungen, staatlichen Identifikationsangeboten und Institutionen verstanden werden. Nationalismen fußen also auf gemeinsamen Glaubenssätzen: auf der Überzeugung, dass die Unterteilung in Nationen auf unhintergehbaren Gemeinsamkeiten der jeweiligen Mitglieder fuße; dass jeder Mensch einer Nation angehören müsse und an ein bestimmtes Territorium gebunden ist; dass die Erkenntnis der Zugehörigkeit einer notwendigen – mensch könnte sagen „gesunden“ – Bewusstwerdung gleichkomme; und schließlich, dass die Loyalität zur Nation ein moralischer Wert an sich sei.
(IDA e.V., 20.3.2020,10:01 Uhr)

Naturalisierung

Naturalisierung meint den Prozess, durch den menschliches Denken und Handeln sowie dessen Ergebnisse wie z. B. Ungleichheitsstrukturen mit einer vermeintlichen menschlichen Natur oder einer vermeintlichen geteilten Natur der „Anderen“ erklärt werden. Da die Wissenschaften in den westlichen Gesellschaften den Platz der Religion als zentrale Instanz der Realitätsproduktion und -deutung eingenommen haben, ist die Naturalisierung das wirksamste Mittel, um Rassismus und andere Diskriminierungsformen sowie deren Folgen zu rechtfertigen. Als Strategien der Naturalisierung kommen Biologisierung, Kulturalisierung und der Bezug auf vermeintlich objektive Leistungskriterien in Betracht.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:02 Uhr)

Neorassismus

Dem französischen Rassismustheoretiker Etienne Balibar zufolge handelt es sich um einen Rassismus, „dessen vorherrschendes Thema nicht mehr die biologische Vererbung, sondern die Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen ist; [also um einen Rassismus], der – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht mehr die Überlegenheit bestimmter Gruppen oder Völker über andere postuliert, sondern sich darauf ‚beschränkt‘, die Schädlichkeit jeder Grenzverwischung und die Unvereinbarkeit der Lebensweisen und Traditionen zu behaupten“ (Balibar 1990, 28). Dem Neorassismus liegt die kulturalistische Auffassung zugrunde, dass die Menschheit in relativ abgeschlossene und klar voneinander unterscheidbare Kollektive – die z. B. als „Kulturen“ bezeichnet werden – geteilt sei.  Deren Mitglieder, so wird im neorassistischen Denken angenommen, teilen eine homogene, kaum veränderbare, statische und an ein bestimmtes Territorium gebundene Kultur. Menschen werden in dieser Vorstellungswelt als Stellvertreter_innen „ihrer Kultur“ und ihr Verhalten als kulturell determiniert betrachtet. „Kultur“ oder andere Euphemismen wie z. B. „Mentalität“ fungieren hier also als funktionale Äquivalente des Begriffs „Rasse“. Denn statt der Biologie naturalisiert nun „Kultur“ das menschliche Verhalten.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:02 Uhr)

Othering

Basierend auf „Wir“-„Ihr“-Konstruktionen wird das „Ihr“ zum*zur vermeintlich gänzlich Anderen, der*die im Gegensatz zum „Wir“ als weniger emanzipiert, aufgeklärt, tolerant, demokratisch, gebildet etc. gedacht wird. Es werden elementare Verschiedenheiten konstruiert, die hierarchisierend – ob offen negativ oder in exotisierender Weise scheinbar positiv – bewertet und betont werden. Wenn das Gegenüber durch die ständige Konfrontation mit den Zuschreibungen nach und nach diese unbewusst übernimmt, ist sie oder er tatsächlich zum vermeintlich Anderen geworden, er oder sie hat sich dem Bild vom Anderen angeglichen (siehe doppeltes Bewusstsein und Verinnerlichung). Migrierte beispielsweise, deren bilinguale Kompetenzen offen gering geschätzt werden, werden nach und nach ihr Augenmerk auch selbst auf ihre Defizite im Deutschen legen und es deswegen womöglich weniger sprechen, wodurch sie schließlich das Vorurteil bekräftigen und so unbewusst den Prozess des Othering (dt. z. B. Veranderung, Fremdmachen) bestätigen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Obergrenze

ist eine politisches Schlagwort. Es suggeriert, das Recht auf Asyl in Deutschland könne auf eine bestimmte Anzahl von Personen beschränkt werden. Anfang 2018 einigte sich die Regierungskoalition auf die Formulierung: künftig könne eine »Spanne von jährlich 180.000 bis 220.000« nicht überstiegen werden. Der Begriff Obergrenze wurde dabei vermieden, weil eine solche Begrenzung rechtlich nicht zulässig ist. Das Recht auf Asyl ist ein Grundrecht und hat Verfassungsrang.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Opfer

ist in der Kriminaliätsberichterstattung gängig als Bezeichnung für Betroffene von Gewalt oder Diskriminierung. Mit dem Begriff werden allerdings Eigenschaften wie Hilflosigkeit oder Versagen assoziiert. Eine sinnvolle Alternative ist: Betroffene.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Opferfest

Das islamische Opferfest zählt zu den wichtigsten islamischen Ereignissen. Es dauert vier Tage, der Zeitpunkt berechnet sich nach dem islamischen Mondkalender und verschiebt sich jedes Jahr. Wer es sich leisten kann, soll laut Brauch ein Tier opfern bzw. schlachten (lassen) und das Fleisch unter den Armen verteilen. Üblich ist es, das Fleisch im eigenen Umfeld zu verteilen und zum Opferfest zu gratulieren. Weiterführende Begriffe: Ramadan
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Optionspflicht

Seit 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder von Ausländern neben der ausländischen Staatsangehörigkeit in der Regel auch die deutsche. Dabei wurde jedoch für die Kinder von Drittstaatsangehörigen die Optionspflicht eingeführt: Zwischen dem 18. und dem 23. Geburtstag mussten sie sich für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden. Mit der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 2014 entfällt dieser Entscheidungszwang für diejenigen jungen Leute mit doppelter Staatsangehörigkeit, die mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben, oder sechs Jahre hier zur Schule gingen oder einen Schul- oder Berufsabschluss in Deutschland gemacht haben. Es bleibt also kompliziert. Weiterführende Begriffe: DeutscheDeutsche StaatsangehörigkeitEinbürgerungPassdeutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Orthodoxes Judentum

ist eine der großen Strömungen, neben dem konservativen und dem liberalen Judentum. Sowohl in Deutschland als auch in Israel ist sie die Einflussreichste. Zentrales Merkmal ist die strikte Einhaltung der Vorschriften (hebr.: Mizwot), also der Gebote und Verbote, die in der Thora festgelegt sind. Wenn eine Gemeinde sich als orthodox bezeichnet, bedeutet es jedoch nicht, dass alle ihre Mitglieder streng orthodox leben. Innerhalb der Orthodoxie existieren verschiedene Richtungen wie Neo-Orthodoxie, Ultraorthodoxie und Chassidismus.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig

etc. sind meist mutmaßliche Beschreibungen und sollten mit Bedacht verwendet werden. Grundsätzlich sind in Fahndungshilfen nur Formulierungen zu empfehlen, die auf Tatsachen beruhen und wirklich hilfreich sind. Die Zuordnung eines Menschen zu großen Regionen, wie Arabien, Osteuropa, Asien etc. sind kaum nützlich für die Fahndung, dafür aber stark verallgemeinernd. Weiterführende Begriffe: Der Kölner Behrouz F., Der türkischstämmige Tatverdächtige (besser: türkeistämmige), der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:31 Uhr)

Parallelgesellschaft

ist ein Schlagwort, das Anfang der 2000er Jahre in der Debatte um Muslime in Deutschland populär wurde. Der Begriff ist inhaltlich diffus und wird verbunden mit vermeintlich gescheiterter Integration. Er zeichnet ein Bild homogener Minderheiten, die sich räumlich, sozial und kulturell von der Mehrheitsbevölkerung abschotten<link1. Ihnen wird »Integrationsunwilligkeit« unterstellt, ohne zu berücksichtigen, dass für Integration die gesamte Gesellschaft verantwortlich ist. Zudem ist für einen hohen Anteil von Einwander*innen in manchen Stadtteilen oft eher der Wohnungsmarkt ursächlich als ein Hang zu innerethnischen Nachbarschaften. Weiterführende Begriffe: AusländerkriminalitätClan, Integrationsverweigerer, IslamisierungÜberfremdung
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

People of Color (PoC)

ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden und sich auch selbst nicht so definieren. PoC sind nicht unbedingt Teil der afrikanischen Diaspora, ursprünglich ist der Begriff u.a. zur Solidarisierung mit Schwarzen Menschen entstanden. Schwarz und weiß sind dabei politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft. Inzwischen wird häufiger von BPoC (Black and People of Color) gesprochen, um Schwarze Menschen ausdrücklich einzuschliessen. Etwas seltener kommt hierzulande die Erweiterung BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) vor, die explizit auch indigene Menschen mit einbezieht. Singular: Person of Color. Weiterführende Begriffe: Afrodeutsche, Kanaken, Latinx, Secondos, Roma, Sinti(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Philosemitismus

bezeichnet die positive Neigung zu Juden und jüdischer Kultur, die teils wie bei Antisemitismus von einem homogenen Kollektiv ausgeht, dem bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. Ein Motiv können zum Beispiel Schuldgefühle aufgrund der NS-Zeit sein. Der Begriff wurde erstmals im 19. Jh. verwendet, um projüdische Linksliberale abzuwerten. Weiterführender Begriff: Xenophilie(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Philoziganismus

beschreibt eine positive Neigung zu Sinti und Roma, die teils wie bei Antiziganismus von einer homogenen Gruppe ausgeht und den Angehörigen der Roma-Minderheiten romantisierende Stereotype zuschreibt. Weiterführende Begriffe: Gypsy, Philosemitismus, Xenophilie, Zigeuner(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Pogrom

(russ.: Verwüstung) benennt gewaltsame Ausschreitungen gegen religiöse, politische, ethnische Gruppen oder andere Minderheiten. Geprägt wurde der Begriff vor allem durch die Novemberpogrome 1938, als die Nazis die organisierte Zerstörung von jüdischen Geschäften, Häusern, Synagogen und die Verfolgung von Juden anordneten. Während die vom NS-Regime gelenkten Medien von der »Judenaktion« oder »Novemberaktion« schrieben, bezeichnete der Volksmund die Novemberpogrome, die den Beginn der staatlich organisierten Judenverfolgung markierten, schnell als »Reichskristallnacht« – eine verharmlosende Anspielung auf die unzähligen Glasscherben zerstörter jüdischer Geschäfte und Synagogen, die nach den Pogromen auf den Straßen lagen.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Political Correctness (engl. politische Korrektheit)

kurz: PC, entstand in den 1970er Jahren in den USA und bezeichnete die Forderung nach diskriminierungsfreier Sprache. Seit den 1990er Jahren wird der Begriff von Rechtsextremisten, Rechtradikalen und Rechtspopulisten strategisch umgedeutet und dient als politischer Kampfbegriff, um öffentlichkeitswirksam eine angebliche Meinungsdiktatur und Zensur zu behaupten. Ziel ist es, das Bestreben um diskriminierungsarme Sprache und Handlungen sowie differenzierte Berichterstattung zu diffamieren. Weiterführende Begriffe: Grenze des Sagbaren, Meinungsdiktatur, Sprachpolizei(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Pop-Dschihadismus

bezeichnet eine radikale Jugendsubkultur des Dschihadismus in Einwanderungsländern wie Deutschland. Charakteristisch sind moderne Elemente der Popkultur, die für eine eher weltliche und politische Propaganda genutzt werden, im Unterschied zu den stärker theologisch fundierten Argumentationsmustern, etwa im politischen Salafismus. Instrumente dieser Propaganda sind neue Medien, Filmclips im Stil von Musikvideos oder T-Shirts mit entsprechenden Insignien. Meist männliche Vorbilder vermitteln orientierungslosen Jugendlichen einen neuen Lebenssinn, in dem Gruppenzugehörigkeit, ähnlich wie bei Neonazi-Kameradschaften, wichtig ist<link1. Religiöse Inhalte dienen im Pop-Dschihadismus nur als Begründungsmuster, vor allem haben das Paradies-Versprechen und ein vermeintlich sündenloses Leben große Bedeutung. Anhänger*innen des Pop-Dschihadismus sind Jugendliche aller Schichten und Nationalitäten. Sie werden teils schnell militant und zu Kämpfern des IS. Weiterführende Begriffe: Pop-Muslimeradikale Muslime(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Pop-Muslime

bezeichnet meist junge Muslim*innen, die konservative Religiosität mit modernem Lebensstil zusammenbringen und ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft betonen. Der Begriff geht zurück auf das Buch »Zwischen Pop und Dschihad« von Julia Gerlach (2006). Mitunter werden Pop-Muslime als Akteur*innen einer jungen Protestkultur gesehen, deren Religiosität zwar zentral ist, aber vor allem als Mittel zur Provokation und Abgrenzung gilt. Daher wird Pop-Muslim*innen teils eine Nähe zur militant-islamistischen Szene nachgesagt. Weiterführende Begriffe: Euro-MuslimeKulturmuslime, Neo-Muslime, Pop-Dschihadismus, Säkulare Muslime(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Postmigrantisch

stammt aus der Kulturszene und wurde in Deutschland von der Kulturschaffenden Shermin Langhoff eingeführt. Postmigrantisch steht für den Prozess, die Gesellschaft nach erfolgter Einwanderung mitzugestalten. Wird Deutschland als Einwanderungsgesellschaft akzeptiert, werden Kategorien wie deutsch / nicht-deutsch bedeutungslos; in einer postmigrantischen Gesellschaft müssen sich Deutsche ohne Migrationshintergrund auch eingliedern. Es gilt, die zuvor herrschenden (Miss-) Verhältnisse gemeinsam neu zu verhandeln. Postmigrantisch ist nur als Adjektiv zu verwenden.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:37 Uhr)

Passing

Passing bedeutet, anders wahrgenommen zu werden als die eigene Selbstpositionierung ist. So können unterschiedliche, von Differenzlinien wie Religion, Sexualität und Gender oder Herkunft absolut unsichtbar bleiben. Auch Schwarze Menschen oder People of Color können als weiß wahrgenommen werden, etwa weil sie blond sind. In einer Gesellschaft, die stark anhand visueller Merkmale kategorisiert (bspw. in Schwarz und weiß einteilt), führt es zu Verunsicherung, wenn Menschen nicht eindeutig einordenbar sind. Menschen, die „passieren“ oder sich entscheiden zu passieren, sind nicht zwangsläufig geschützt vor Diskriminierung und Rassismus, auch wenn bestimmte Situationen individuell vielleicht vermieden werde können. Sie entsprechen nicht dem vorherrschenden Bedürfnis nach einer eindeutigen Einteilung und Hierarchisierung und sind deswegen (zusätzlich) anderen Arten von Zuschreibung und Exklusion ausgesetzt, etwa wenn sie darauf hingewiesen werden, dass sie ja weder „richtig schwarz“ noch „richtig weiß“ seien. So findet letztendlich ein doppeltes Othering statt; das Gegenüber möchte bestimmen, wie sich die Person identifiziert.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:46 Uhr)

past-in-present-Rassismus

Wenn rassistische Diskriminierungen in der Vergangenheit diskriminierende Wirkungen in der Gegenwart entfalten, dann kann von past-in-present-Rassismus gesprochen werden. Dies kann einerseits der Fall sein, wenn Normen der Gleichbehandlung systematisch die Effekte vergangener rassistischer Diskriminierungen aufrechterhalten; andererseits, wenn rassistisch diskreditierbare Menschen zwar über die erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen verfügen, aber nicht die institutionell inkorporierten Merkmale derjenigen erfüllen, die in der Vergangenheit immer routinemäßig die Positionen in der Organisation ausgefüllt haben. Dies träfe z. B. zu, wenn ein Schwarzer Rezeptionist in einem Hotel mit der Begründung entlassen oder versetzt wird, dass sein Anblick für die Gäste zu ungewohnt sei.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:44 Uhr)

Patriarchat

Als Patriarchat werden diejenigen Formen des Zusammenlebens bezeichnet, in denen Männer* über Frauen* strukturell mehr Macht ausüben können als umgekehrt. Matriarchat bezeichnet solche Gesellschaftssysteme, in denen es umgekehrt ist. Dabei geht es nicht unbedingt darum, dass alle Männer* alle Frauen* beherrschen oder dass Frauen nicht auch machtvolle Positionen innerhalb einer Gesellschaft erreichen können, sondern vielmehr um strukturelle Dominanzverhältnisse. Das ist bspw. der Fall, wenn die Reproduktions- und Carearbeit in kapitalistischen Wirtschaftssystemen mehrheitlich unentlohnt von Frauen* gemacht wird, während die Lohnarbeit vor allem von Männern* getragen wird und Frauen* so die einflussreichen Positionen in Staat und Wirtschaft strukturell schwerer erreichen können.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:45 Uhr)

People of Color

People of Color dient als analytischer und politischer Begriff, der sich an all diejenigen Menschen und Communities wendet, die in kolonialer Tradition als „Andere“ rassifiziert und unterdrückt wurden bzw. werden. Der Begriff zielt darauf ab, die dem Rassismus innewohnende Strategie des Teilens und Herrschens zu unterlaufen. Denn mit Hilfe dieser Strategie spielt die weiße Dominanzgesellschaft rassifizierte Gruppen gegeneinander aus, indem sie sie hierarchisiert und ihnen unterschiedliche Privilegien gewährt. Dies schwächt ihre wechselseitige Solidarität und erhält Rassismus weiterhin aufrecht. Dagegen versuchen rassistisch diskreditierbare Menschen mit dem Begriff People of Color, sich einerseits die ihnen verweigerte gesellschaftliche Definitionsmacht wieder anzueignen, andererseits die Vielfältigkeit der Rassismuserfahrungen von People of Color zu verdeutlichen und dadurch schließlich solidarische Bündnisse über die Grenzen marginalisierter Communitys hinweg zu ermöglichen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:46 Uhr)

Postkolonialismus

Der Begriff besagt, dass es bis heute Nachwirkungen und Kontinuitätslinien des Kolonialismus gibt. Das zeigt sich zum einen an den politischen (Kriege aufgrund willkürlicher Grenzziehungen, von westlichen Mächten eingesetzte Machthaber) und wirtschaftlichen (Ausbeutung, ungerechte Handelsverträge) Verhältnissen, die bis heute postkoloniale Herrschaftsansprüche durchsetzen. Zum anderen wird es auch durch die eurozentrischen und westlich orientierten Perspektiven deutlich, die in Wissenschaft, Kunst und Kultur vorherrschen. Menschen des globalen Südens kommen nicht oder nur selten zu Wort, ihre Erfahrungen und Wissensbestände werden marginalisiert. Die Aufgabe der postkolonialen Theorien besteht also darin, Fortschreibungen kolonialer Politik, etwa im Wirtschaftssystem, aufzudecken, sowie einen multiperspektivischen, nicht nur weißen und westlichen Zugang zu Geschichte, Wissenschaft und Kultur aufzuzeigen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:47 Uhr)

Privilegien

Privilegien werden die Vorteile und (der Zugang zu den) Ressourcen genannt, die Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Positionierung besitzen. Es gibt offensichtliche Privilegien, bspw. ist das Wahlrecht auf Bundes- und Landesebene in Deutschland ein Privileg von Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Auch mit dem sozioökonomischen Status gehen viele Privilegien einher, da es in fast allen Lebensbereichen wichtig ist, genügend Geld zur Verfügung zu haben. Doch Menschen können auch weniger offensichtliche Privilegien haben, die nicht mehr auffallen, da sie selbstverständlich geworden sind. Eines davon ist, im Alltag als „normal“ wahrgenommen zu werden (etwa als weiß, deutsch, eindeutig männlich/weiblich oder gesund) und so bei der Job- oder Wohnungssuche, in der Schule oder in der U-Bahn nicht mit stereotypen Zuschreibungen, verwehrten Zugängen oder diskriminierendem Verhalten rechnen zu müssen. Zu Privilegien gehört also auch sich gar nicht erst mit Diskriminierung und der damit einhergehenden Ungerechtigkeit beschäftigen zu müssen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 10:00 Uhr)

Queer Studies

Queer Studies zielen darauf ab, eindeutige geschlechtliche und sexuelle Identitäten, Kategorien und Lebensmodelle zu dekonstruieren. Der Begriff stammt aus den USA, wo queer zunächst ein Schimpfwort für Menschen war, die nicht den sexuellen und geschlechtlichen Vorstellungen der Gesellschaft entsprachen. Erst später wurde queer zur positiven Selbstbezeichnung und zum politischen und wissenschaftlichen Begriff. Dabei bezieht sich queer nicht ausschließlich auf schwul/lesbische Menschen, sondern wendet sich generell gegen eine Dichotomisierung, also eine Zweiteilung von Körpern nach Geschlecht, und bezieht sich auf ganz unterschiedliche sexuelle Orientierungen, Geschlechtsidentitäten und -ausdrücke.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:47 Uhr)

Racial Profiling

Racial Profiling meint das Vorgehen der Polizei oder anderer Ordnungsbehörden, bei dem vorrangig Schwarze oder People of Color kontrolliert werden, ohne dass es konkrete Beweise oder Verdachtsmomente gäbe, die diese Kontrollen rechtfertigen würden. Diese Praxis ist zwar in Deutschland verboten und wird seitens der Regierung dementiert, findet aber trotzdem immer wieder statt, etwa in Grenznähe, wenn nach illegalisierten Menschen gesucht wird. Dahinter steckt die rassistische, durch das Erfahrungswissen der betreffenden Institution und gesellschaftliche Stereotype scheinbar gerechtfertigte Annahme, dass nicht-weiße Menschen eher zu Kriminalität neigen bzw. nicht dazu berechtigt seien, sich an öffentlichen Orten aufzuhalten und frei zu bewegen. Bei Kontrollen in Grenznähe wird zudem impliziert, Schwarze oder PoC könnten keine deutschen Staatsbürger_innen sein. Bei den Betroffenen entsteht so ein Gefühl des Ausschlusses und der Nicht-Zugehörigkeit. Das Vertrauen in staatliche Institutionen wird geschwächt, da der Eindruck entsteht, die Polizei existiere vorrangig zum Schutz weißer Menschen und zur Kontrolle und Machtausübung über nicht-weiße Menschen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Rabbiner

(hebr.: Meister, Lehrer) ist ein religiöser Titel, der jüdischen Gelehrten verliehen wird, die weibliche Form lautet Rabba. Sie werden von ihrer Gemeinde gewählt und bezahlt. Zu ihren Aufgaben gehören Seelsorge, interkonfessioneller Dialog, Predigen und Lehren. Als Rabbi werden seit dem Altertum jüdische Gelehrte bezeichnet, die die Thora auslegen. Heute werden die Begriffe Rabbiner und Rabbi oft synonym verwendet.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Radikaler Islam / radikale Muslime

sind problematische Zuschreibungen, weil sie pauschalisieren, so wie »radikales Christentum« oder »radikales Judentum«. Gerade im Zusammenhang mit Sicherheits- und Terrorismusdebatten werden die Begriffe oft verwendet. Passender könnte sein: religiös begründeter oder motivierter Extremismus. Weiterführende Begriffe: Extremismus, DschihadDschihadismus, DschihadistFundamentalistPop-DschihadismusSalafismus
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Radikalismus

beschreibt radikale politisch-ideologische Positionen, die die Grundwerte unserer freiheitlichen Demokratie nicht generell in Frage stellen. Man kann Radikalismus als eine Art legale Vorstufe zum Extremismus betrachten. Radikale haben zum Ziel unsere Gesellschaftsordnung grundlegend zu verändern, bewegen sich dabei aber noch innerhalb der Grenzen der Verfassung. »Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaft ihren Platz«, heißt es laut Verfassungsschutz<link1. Weiterführende Begriffe: Dschihadismus, Islamismus, Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rechtsradikal(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Ramadan

ist der muslimische Fastenmonat. Er berechnet sich nach dem islamischen Mondkalender und verschiebt sich jedes Jahr. Dabei verzichten Muslim*innen 29 bis 30 Tage lang, von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang, unter anderem auf Essen und Trinken. Zum Ende des Fastenmonats wird drei Tage lang das Ramadan-Fest gefeiert – auch bekannt als Zuckerfest. Weiterführende Begriffe: Opferfest(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Rasse

Der Begriff ist bezogen auf Menschen wissenschaftlich unhaltbar und obsolet. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für die Existenz unterschiedlicher menschlicher „Rassen“. Studien haben vielmehr belegt, dass die genetischen Unterschiede innerhalb einer sogenannten „Rasse“ größer sind als die, die zwischen zwei sog. „Rassen“ bestehen. Gleichwohl taucht der problematische Begriff auch in Gesetzestexten auf, z. B. wenn im Grundgesetz formuliert wird, dass niemand „wegen seiner Rasse” benachteiligt werden darf. Im Entwurf für ein Antidiskriminierungsgesetz wurde stattdessen die Formulierung „aufgrund der Rasse“ gewählt, um zu verdeutlichen, dass nicht das Gesetz von der Existenz verschiedener menschlicher „Rassen“ ausgeht, sondern „dass derjenige, der sich rassistisch verhält, eben dies annimmt“. Richtigerweise sollte auch in Gesetzestexten von „zugeschriebener Rasse“ oder „Diskriminierung aus rassistischen Gründen“ gesprochen werden. „Rasse“ ist ein Produkt des Rassismus und nicht umgekehrt. Heutzutage werden statt des Begriffs „Rasse“ häufig Euphemismen benutzt, die dieselben Funktionen erfüllen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:40 Uhr)

Rassifizierung

Rassifizierung – auch bezeichnet als Rassialisierung oder Rassisierung – bezieht sich auf die Wissensebene von Rassismus. Rassifizierung beschreibt sowohl einen Prozess, in dem rassistisches Wissen erzeugt wird, als auch die Struktur dieses rassistischen Wissens. Im Einzelnen umfassen Prozess und Struktur die Kategorisierung, Stereotypisierung und implizite Hierarchisierung von Menschen. Dabei werden historisch variablen wahrnehmbaren und nicht wahrnehmbaren körperlichen (z. B. Hautfarbe, Schädelform), soziologischen (z. B. Kleidung), symbolischen und geistigen (z. B. Einstellungen und Lebensauffassungen) sowie imaginären Merkmalen (z. B. okkulte Fähigkeiten) Bedeutungen zugewiesen. Dies geschieht, indem erstens mit Hilfe dieser Merkmale gesellschaftliche Gruppen definiert – also kategorisiert – werden. Aufgrund der ausgewählten Merkmale erscheinen die konstruierten Gruppen als naturgegebene Einheiten, die sich biologisch reproduzieren. In einem zweiten Schritt der Bedeutungszuweisung wird das Wesen der konstruierten Fremdgruppe(n) bestimmt und ihnen stereotype Eigenschaften zugeschrieben (Stereotypisierung) – auch sie können wieder der Kategorisierung dienen. Durch die Stereotypisierung wird spiegelbildlich das Wesen der konstruierten Eigengruppe festgeschrieben.Rassismus und Rassifizierung lassen sich nicht voneinander trennen. Denn im Prozess der Rassifizierung ist die hierarchisierende Bewertung der konstruierten Gruppen implizit enthalten – und zwar sowohl in den Merkmalen, mit deren Hilfe die Gruppen unterschieden werden, als auch in den Eigenschaften, die den Gruppen zugeschrieben werden. Denn in der Wahl der Merkmale und der Maßstäbe, nach denen die Gruppen verglichen werden (z. B. nach Schönheitsidealen oder nach dem erreichten Stand kapitalistischer „Entwicklung“), liegt daher bereits ein Akt der Macht. In ihm verbergen sich Herrschaftsinteressen. Denn das erzeugte Wissen rechtfertigt rassistische Handlungen und verarbeitet sie gleichzeitig gleichsam „theoretisch“.(IDA e. V., 20.3.2020, 9:41 Uhr)

Rassismus

Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, hierarchisierend bewertet und ausgegrenzt werden. Der klassische Rassismus behauptet eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschengruppen auf Grundlage angeblicher biologischer Unterschiede (siehe Biologismus und „Rasse“). Im Neorassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen „Kulturen“ zu begründen versucht. Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die den Prozess der Hierarchisierung und Ausgrenzung unterstützen. Sie beruhen auf ungleichen Machverhältnissen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:41 Uhr)

Rassismuskritik

Rassismuskritik geht von der Annahme aus, dass Rassismus eine gesellschaftliche Normalität darstellt, insofern alle Menschen durch rassistische Kategorisierungen, Zuschreibungen und Diskriminierungen in unserer Gesellschaft positioniert werden (siehe Critical Whiteness). Ein Handeln ist also nur innerhalb dieser Verhältnisse möglich. Daher kann Rassismus nur in ihrem Rahmen bekämpft, Zugehörigkeitsordnungen verschoben und rassistische Diskriminierungen abgebaut werden. Dabei ist die Positionierung der Akteur*innen zu berücksichtigen, um nicht erneut rassistische Strukturen der Über- und Unterordnung zu stützen (siehe auch Solidarität, Empowerment und Powersharing). Insofern ist Rassismuskritik eine (selbst)reflexive, theoriegebundene, widersprüchliche und prinzipiell nicht abschließbare Praxis. Dadurch setzt sich Rassismuskritik ausdrücklich von Haltungen und Handlungsformen ab, die auf der Annahme beruhen, es reiche aus, für Gleichheit und gegen Rassismus einzutreten, um nicht rassistisch zu sein. Denn sie blenden rassistische Strukturen aus und sind daher auch blind für die Folgen der eigenen Praxis (siehe auch Farbenblindheit und sekundärer Rassismus).
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:42 Uhr)

Rechtsextremismus

benennt lt. Verfassungsschutz Bestrebungen, die sich gegen die im Grundgesetz verankerte Gleichheit der Menschen richten und die universelle Geltung der Menschrechte ablehnen. Das verfassungsfeinliche, rechtsextreme Weltbild ist geprägt von einer Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit. Individuelle Rechte treten zugunsten »volksgemeinschaftlicher« Konstrukte zurück. Weitere wesentliche Bestandteile sind Antisemitismus und ein autoritäres Staatsverständnis<link1. Oft wird damit lediglich das veraltete Bild typischer Neonazis der 1990er Jahre (Glatze, Stiefel, Bomberjacke) verbunden. Es gibt aber auch in der Mitte der Gesellschaft Menschen mit rechtsextremer und/oder neonazistischer Gesinnung. So können mit dem verallgemeinernden Begriff Rechtsextreme auch Asylgegner gemeint sein. Selbst manche Aussagen von Politiker*innen können als rechtsextrem eingeschätzt werden. Weiterführende Begriffe: Ausländerhass/FremdenfeindlichkeitExtremismus, Hassverbrechen/Hasskriminalität, Islamfeindlichkeit, Neue Rechte, Rechtspopulismus, Rechtsradikal, Xenophobie(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Rechtspopulismus

dient oft als Beschreibung für die Politik rassistischer Protestparteien. In der Forschung ist umstritten, ob es sich bei Rechtspopulismus um eine Ideologie handelt oder um einen Politikstil von Parteien der radikalen Rechten (vgl. rechtsradikal). Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer kritisiert den Begriff »Rechtspopulismus« als verharmlosend und spricht von einem autoritären Nationalradikalimus.<link1 Fest steht: Rechtspopulist*innen arbeiten mit Gegensätzen, die von einem »reinen Volk« sowie einer »korrupten (politischen) Elite« ausgehen und mit einem Nationalismus, bei dem Migranten, insbesondere Geflüchtete, als Eindringlinge und Bedrohung dargestellt werden. Vertreter*innen des Rechtspopulismus bzw. Rechtsradikale treten oft als vermeintliche Hüter*-innen der demokratischen Ordnung auf. Weiterführende Begriffe: Ausländerhass, Ethnopluralismus, Ideologien der Ungleichwertigkeit, Neue Rechte, Rechtsextremismus, Neonazi(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Rechtsradikal

beschreibt eine zum Extremen neigende politisch-ideologische Einstellung, weit rechts der Mitte des politischen Spektrums. Oft verfolgen radikale Rechte nationalistische und anti-liberale Ziele, um echte oder angebliche Probleme zu beseitigen und gesellschaftliche Verhältnisse grundlegend zu ändern.<link1 Dabei stellen Rechtsradikale die Grundwerte unserer freiheitlichen Demokratie nicht generell in Frage<link2 – im Gegensatz zu Rechtsextremen, die klar verfassungsfeindlich sind (vgl. Radikalismus, Extremismus). Entsprechend kann man beispielsweise von der AfD als einer rechtsradikalen Partei sprechen oder konkreter von einer autoritären nationalradikalen Partei. Weiterführende Begriffe: Rechtspopulismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Remigration

meint als populistische Parole die Ausweisung oder Abschiebung von Migranten oder Geflüchteten aus Deutschland. Die Forderung wird von Rechtsradikalen und Rechtsextremen erhoben, als Mittel gegen die pluralistische Einwanderungsgesellschaft. Dahinter steht oftmals die Verschwörungstheorie, es sei ein geplanter »Bevölkerungsaustausch« oder eine »Umvolkung« im Gange, die umgekehrt werden müssten. Weiterführende Begriffe: Ethnopluralismus , Neue Rechte, Rechtspopulismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Residenzpflicht

bezeichnet die Verpflichtung von Asylsuchenden und Geduldeten, ihren Wohnsitz in der Stadt, dem Landkreis oder dem Bundesland zu nehmen, in dem sich die für sie zuständige Ausländerbehörde befindet. Wollen sie diesen Bereich verlassen, müssen sie zuvor schriftlich um Erlaubnis bitten. Diese Restriktion mit dem positiv konnotierten Verb »residieren« zu umschreiben, ist beschönigend. Zudem steht eine solche Pflicht in Widerspruch zum Grundsatz der Freizügigkeit gemäß Artikel 26 der Genfer Flüchtlingskonvention. Anfang 2015 wurde die Residenzpflicht (§ 56 Asylgesetz) gelockert: Seitdem dürfen sich Schutzsuchende in der Regel, nach Ablauf von drei Monaten, frei im Bundesgebiet bewegen. Asylbewerber und Geduldete, deren Lebensunterhalt nicht gesichert ist, wird der Wohnsitz weiter durch eine Auflage (Wohnsitzauflage) eingeschränkt. Das Integrationsgesetz führte Mitte 2016 zudem den § 12a AufenthG neu ein, der unter bestimmten Bedingungen eine Wohnsitzauflage für anerkannte Flüchtlinge festlegt.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Roma

ist sowohl Selbstbeschreibung, als auch allgemeiner Sammelbegriff für eine heterogene Gruppe von Menschen, die im 13. und 14. Jh. von Indien und dem heutigen Pakistan nach Mittel-, West- und Nordeuropa gekommen sind<link1. Sie bilden die größte ethnische Minderheit in Europa. Expert*innen sprechen häufig von Roma-Gruppen oder Angehörigen der Roma-Minderheiten, da es zahlreiche verschiedene Untergruppen gibt, die sich in Sprachen, Religionen und Gewohnheiten voneinander unterscheiden, bspw. Kalderasch / Kalderaš / Kalderara, Kalé / Kale / Cale oder Lovara / Lowara. Im weiblichen Singular spricht man von Romni (Plural: Romnja), im männlichen von Rom (Plural: Roma). Weiterführende Begriffe: Deutsche Sinti und Roma,Deutsche Roma(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Roma Day

(8. April) ist ein internationaler Aktionstag, der ein Bewusstsein für die Belange der Sinti und Roma schaffen sowie auf deren anhaltende Verfolgung und Diskriminierung aufmerksam machen will. Der Aktionstag erinnert darüber hinaus an die Anfänge der Bürgerrechtsbewegung, die im April 1971 bei einem Treffen internationaler Vertreter*innen der Roma-Minderheiten ihren Lauf nahm. Auf dem Kongress haben sich die Teilnehmer*innen nicht nur für die Eigenbezeichnung Rom*nja entschieden, sondern auch eine gemeinsame Flagge und Hymne als Symbole der Bewegung gewählt.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Romanes

(Alternativbezeichnung: Roman,  Romani)  ist  die  Sprache  der Roma. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich in den jeweiligen Heimatländern unterschiedliche Romanes-Sprachen entwickelt. In Deutschland ist die Minderheitensprache Romanes, neben Deutsch, häufig die zweite Muttersprache der Angehörigen der Minderheit und ein wesentlicher Teil ihrer kulturellen Identität. Das Romanes ist mit der altindischen Hochsprache Sanskrit verwandt. Durch die Verfolgung im Nationalsozialismus und die fortgesetzte Diskriminierung nach 1945, ist das Romanes heute in seinem Fortbestand gefährdet.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Rumänien

In Rumänien bilden die Roma nach den Ungar*innen die zweitgrößte Minderheit. Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, schätzungsweise leben dort aber zwischen zwei und fünf Millionen Rom*nja. Sie erfahren seit vielen Jahren schwere Repressionen. Dazu gehören, neben Übergriffen und körperliche Gewalt, auch die generelle Ausgrenzung aus den Sozialsystemen. Weiterführende Begriffe: Bulgarien(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Russlanddeutsche

sind als Aussiedler / Spätaussiedler von 1950 bis heute nach Deutschland eingewanderte Menschen aus den Nachfolgestaaten der UdSSR. Ihre Vorfahren sind deutsche Siedler*innen, deshalb können sie eine Statusdeutscheneigenschaft bekommen und werden damit deutschen Staatsangehörigen formal gleichgestellt. Mit 2,3 Millionen Menschen<link1 mit eigener Wanderungserfahrung sind sie die zweitgrößte Gruppe von Einwanderern in Deutschland. Bezeichnungen wie Deutsch-Russen, Russisch- bzw. Kasachischstämmige sind für Russlanddeutsche inkorrekt und werden oft als diskriminierend wahrgenommen. Weiterführende Begriffe: Deutsch-Türken, Bindestrich-Deutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:43 Uhr)

Repräsentationsverhältnisse

Repräsentationsverhältnisse spiegeln die Positionierung und Darstellungsweise z. B. von Frauen*, Migrierten oder Menschen mit (zugeschriebener) Behinderung in der Gesellschaft wider. Sie verdeutlichen, wer über wen und in welcher Weise im öffentlichen Diskurs spricht, und sind ein Indiz für gesellschaftliche Machtgefüge. Mehrheitsangehörige meinen, die Bedürfnisse und Interessen der jeweils betroffenen Anderen angemessen formulieren und vertreten zu können, übersehen dabei allerdings oft, dass sie von der Lebenswelt des*der Anderen zu wenig verstehen, und dass eigene Interesse in die Vertretungsweise hinein spielen (können). Noch zu selten kommen die Betroffenen selbst zu Wort, um ihre Standpunkte und Interessen zu vertreten. Insofern können Repräsentationsverhältnisse als ein Indiz für Partizipationschancen von Minderheiten interpretiert werden: Je mehr die jeweils betroffene Gruppe für sich selbst zu sprechen in der Lage ist und auch vernommen wird, desto besser ist es um ihre Partizipation bestellt. Allerdings können auch Selbstrepräsentationen mit konstruierten Zuschreibungen und Reduzierung komplexer Lebenswelten einhergehen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:43 Uhr)

Säkulare Muslime

beschreibt Muslim*innen, die für eine Trennung von Staat und Religion sind, und ist ein differenzierender Zusatz wie z.B. praktizierende Muslimin. Präzise Beschreibungen sind oft mehrdeutig: So kann eine praktizierende Muslimin auch ohne Kopftuch auskommen oder eine Frau, die ein Kopftuch trägt, durchaus säkular sein. Im Diskurs der Deutschen Islamkonferenz (DIK) gelten nicht-organisierte muslimische Teilnehmer*innen als säkulare Muslim*innen, was allerdings suggeriert, dass in Verbänden organisierte Muslim*innen automatisch nicht säkular seien. Weiterführende Begriffe: Euro-MuslimeKulturmuslimeLiberale MuslimeNeo-MuslimePop-Muslime
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Salafismus, Salafisten

wird in Deutschland vor allem vom Verfassungsschutz verwendet. Die so benannten Gläubigen sind eine sehr kleine Minderheit unter den sunnitischen Muslim*innen und bezeichnen sich selbst zum Teil mit dem auch in der Islamwissenschaft verwendeten Terminus Salafiten, mittlerweile ist das arabische Salafis gängiger. Die Strömung bezieht sich auf die »Altvorderen« (Salaf) und eine dogmatische Interpretation des Koran, die sie als den »wahren« Islam propagiert. Salafiten oder Salafis sind jedoch keine homogene Gruppe und nicht grundsätzlich gewaltbereit oder terroristisch, sondern oft unpolitisch. Expert*innen schlagen vor, nur die gewaltbereite Gruppe untern Ihnen als Salafisten zu bezeichnen, in Abgrenzung zu unpolitischen Salafiten<link1 oder Salafis. Militante Salafist*innen sind dementsprechend gewaltbereite Islamisten. Weiterführende Begriffe: DschihadDschihadismus, DschihadistFundamentalistSunniten, radikale Muslime, Sunniten, Pop-Dschihadismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Scharia

ist keine Gesetzessammlung aus dem Koran, sondern ein Regelwerk, das auf Interpretationen des Koran basiert. Neben radikalen Scharia-Forderungen gibt es auch verfassungskonforme, alternative Scharia-Konzepte, die Muslim*innen im Alltag als Richtlinie religiösen Lebens dienen können. Weiterführende Begriffe: DschihadFundamentalist, Halal und HaramIslamkritikradikale Muslime, Boko Haram, IS(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Schiiten

sind eine der Hauptgruppen unter den vielen Strömungen im Islam. Die Spaltung erfolgte historisch aufgrund der Auseinandersetzungen um die Frage der rechtmäßigen Führung der Gemeinschaft der Muslime, nach dem Tod des Propheten Mohammed. Schiiten folgen nur dem vierten der Kalifen, Ali ibn Abi Talib. Dieser ist auch für die Aleviten der einzig rechtmäßige Nachfolger Mohammeds. Weiterführende Begriffe: Aleviten, Sunniten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Schlepper und Schleuser

Fluchthelfer werden in der Berichterstattung oft mit Schlepper*innen oder Schleuser*innen gleichgesetzt, obwohl die Begriffe unterschiedliche Bedeutungen haben: Fluchthelfer*in ist die wertfreie Bezeichnung für jemanden, der anderen zur Flucht verhilft. Geht es allerdings nicht um Hilfe, sondern vor allem um Profit, sind Schlepper*in oder Schleuser*in die angemessenen Bezeichnungen, da sie laut Duden jemanden beschreiben, der andere »gegen Bezahlung illegal von einem Land in ein anderes bringt«. Der juristisch korrekte Begriff dafür lautet Menschenschmuggler.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Schutzquote

bezeichnet den Anteil aller Asylanerkennungen, Gewährungen von Flüchtlingsschutz und Feststellungen eines Abschiebungsverbotes innerhalb eines Zeitraums, bezogen auf die Gesamtzahl dieser Entscheidungen im betreffenden Zeitraum. Zudem bedeutet die auf das Herkunftsland bezogene Gesamtschutzquote, den Anteil solcher Entscheidungen, bezogen auf die Zahl der im betreffenden Zeitraum getroffenen Entscheidungen, zu Personen aus dem entsprechenden Herkunftsland. In den Medien ist oft nur von einer »Schutzquote« die Rede. Dieser Begriff ist aber unscharf, weil er sich sowohl auf die Gesamtschutzquote, als auch auf die Asylanerkennungsquote beziehen kann. Weiterführende Begriffe: Obergrenze(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Schwarze

»Wenn es um Rassismus, unterschiedliche Erfahrungen und Sozialisationen geht, ist der politisch korrekte Begriff Schwarze. In allen anderen Fällen gibt es aber meistens gar keinen Grund, dazu zu sagen, ob eine Person Schwarz oder weiß ist.« (zitiert von www.derbraunemob.info). Farbige / farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative sind die Selbstbezeichnungen People of Color (PoC, Singular: Person of Color), Black and People of Color (BPoC) oder Black and Indigenous People of Color (BIPoC). Weiterführende Begriffe: AfrodeutscheNeue DeutscheRasse, Schwarze Deutsche, Weiße Deutsche, Xenophobie(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Schwarze Deutsche

In Deutschland leben mehrere hunderttausend Schwarze Deutsche. Dabei handelt es sich nicht um die Beschreibung einer Hautfarbe, sondern um eine politische Selbstbezeichnung. Begriffe wie »Farbige« oder »Dunkelhäutige« lehnen viele ab. Die Initiative »der braune mob e.V.« schreibt: »Es geht nicht um »biologische« Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.« Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür Schwarz groß zu schreiben. Weiterführende Begriffe: Afrodeutsche, Deutsche StaatsangehörigkeitNeubürger, Neue DeutschePassdeutscheRasse, Schwarze, Weiße Deutsche(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sekundärer Antisemitismus

äußert sich bspw. in Forderungen nach einem Schlussstrich oder in dem Vorwurf, die Juden hätten eine Mitschuld an der Verfolgung durch die Nazis oder zögen einen Vorteil aus dem Holocaust. Das Phänomen konnte unmittelbar nach 1945 erstmalig beobachtet werden. Oft ergibt sich diese Form des Antisemitismus aus einem Schuld- und Schamgefühl wegen der Shoa. Weiterführende Begriffe: israelbezogener Antisemitismus, Israelkritik(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sekundärmigration

beschreibt die Bewegung von Flüchtlingen von einem Mitgliedsstaat der EU zu einem anderen. Im Europäischen Parlament wird der Terminus »Secondary Migration / Movement« benutzt, im Deutschen ist Binnenmigration verständlicher. Der Gegenbegriff von Sekundärmigration ist Primärmigration, also eine Fluchtmigration in Länder an der europäischen Außengrenze.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Semiten

ist ein sprachwissenschaftlicher Begriff für alle, die eine semitische Sprache sprechen, wie hebräisch, aramäisch oder arabisch und steht nicht für eine ethnische Gruppe. Ende des 19. Jh.s benutzten Rassentheoretiker*innen den Begriff »Semiten« synonym und abwertend für Juden, woraus die Bezeichnung Antisemitismus für deren Ideologie entstand. Ansonsten ist heute nur noch in der Sprachwissenschaft von Semit*innen die Rede. Weiterführender Begriff: Antijudaismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sephardim

sind ursprünglich die Nachkommen von Juden aus West- und Südeuropa bzw. den Mittelmeerländern, die im 15. Jahrhundert von dort vertrieben wurden. Heute bezeichnen sich alle nicht-aschkenasischen Jüdinnen und Juden als Sephardim. Weiterführender Begriff: Misrachim(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sichere Drittstaaten

sind die EU-Staaten sowie Norwegen und die Schweiz, in denen Asylsuchenden »nach den verfassungsrechtlichen Vorgaben« alle Rechte auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention zugestanden werden. Haben Schutzsuchende sichere Drittstaaten erreicht, wird ihnen die Einreise nach Deutschland an der Grenze verweigert; wer aus einem »sicheren Drittstaat« einreise, kann sich lt. § 26a Asylgesetz nicht mehr auf das Grundrecht auf Asyl berufen. Die gleiche Regel gilt auch im Dublin-Verfahren für die oben genannten Länder sowie Island und Lichtenstein. Weiterführende Begriffe: Sichere Herkunftsländer(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sichere Herkunftsländer

sind Länder, bei denen aufgrund der allgemeinen politischen Verhältnisse angenommen wird, »dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet« (GG § 16a). Die Einstufung erfolgt nicht einheitlich durch die EU, sondern nur durch die jeweiligen Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten und fällt unterschiedlich aus. Deshalb wäre durch die Bundesregierung als sicher eingestufte Herkunftsländer eine zwar lange, aber treffendere Bezeichnung. Asylgesuche von Geflüchteten aus Ländern, die als sicher gelten, werden schneller bearbeitet und in der Regel abgelehnt. Asylsuchende haben nur eine Woche Zeit, Widerspruch einzulegen und können innerhalb von vier Wochen ab Antragstellung abgeschoben werden. Weiterführende Begriffe: Abschiebung, Sichere Drittstaaten(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sinti

ist die Bezeichnung für Nachfahren der Roma-Gruppen, die bereits im 14. und 15. Jh. in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind. Sinti*ze sind die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit. Die Bezeichnung wird jedoch nur in Deutschland, Österreich und Teilen Norditaliens verwendet. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit genutzt. Der weibliche Singular ist Sintiza (Plural: Sintize), der männliche Singular ist Sinto (Plural: Sinti). Eine Untergruppe der Sinti*ze sind die Manouche, die vorwiegend in Frankreich leben. Weiterführende Begriffe: Deutsche Sinti und Roma,Nationale Minderheit(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sprachpolizei

ist ein Begriff der in rechten Kreisen oft verwandt wird, wenn Betroffene sich kritisch über herabwürdigende Bezeichnungen äußern, wie z. B. dem N-Wort.<link1 Da in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht (Art. 5 GG), ist es beiden Seiten unbenommen Kritik zu äußern. Weiterführende Begriffe: Lügenpresse, Meinungsdikatur, Political Correctness, Zensur(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Staatsfunk

diffamierende und faktisch falsche Bezeichnung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In Deutschland wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach dem Solidarprinzip durch Rundfunkgebühren finanziert, um seinen Informationsauftrag unabhängig von Staat und Regierung zu erfüllen. Weiterführende Begriffe: Lügenpresse, Meinungsdikatur, Zensur(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Subsidiärer Schutz

kann von  Geflüchteten nach der Europäischen Menschenrechtskonvention in Anspruch genommen werden, wenn ihr Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt wurde. Sie werden als subsidiär Schutzberechtigte anerkannt, wenn sie den Behörden stichhaltige Gründe dafür vorbringen können, dass ihnen im Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Dann wird ein einjähriger Schutz gewährt, mit Möglichkeit zur Verlängerung auf drei Jahre. Weiterführende Begriffe: BleiberechtDuldungGeschützte PersonenPrinzip der Nicht-Zurückweisung(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Südländer

ist ein aus der Mode gekommener Begriff, aber in der Beschreibung »südländisches Aussehen« in manchen Medien noch zu finden. Hier stellt sich die Frage: Was genau ist gemeint? Geografisch ist der Begriff unspezifisch und verortet Menschen außerhalb von Deutschland, obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sein könnten. Der Begriff wird vor allem von rechtsradikalen und rechtsextremen Medien verwendet. Weiterführende Begriffe: Deutsch-Türke, KanakenMischling, Schwarze, Türkischstämmige (Bürger)(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Sunniten

stellen mit rund 85 bis 90 Prozent weltweit die Mehrheit der Muslim*innen. Bei der Frage der rechtmäßigen Führung der Gemeinschaft der Muslime nach dem Tod des Propheten Mohammed, erkennen Sunniten die vier Kalifen in der Nachfolge Mohammeds als rechtgeleitete Führer der Umma, der Gemeinde, an. Salafismus ist eine antimodernistische Auslegung der Religion des sunnitischen Islams. Weiterführende Begriffe: Schiiten, Salafismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 12:52 Uhr)

Seiteneffekt-Rassismus

In Anlehnung an Seiteneffekt-Diskriminierung bezeichnet der Begriff Seiteneffekt-Rassismus das Phänomen, dass institutionelle Diskriminierungen in einem sozialen Bereich zu institutionellem Rassismus durch Gleichbehandlung führen können. So können sich für rassistisch diskreditierbare Menschen aus einer Benachteiligung im Bildungssystem Benachteiligungen bei der Arbeitssuche, der Bezahlung und Beförderung ergeben, die dann zu Nachteilen bei der Wohnungssuche führen, wo Vermieter*innen vermeintlich neutral Wohnungen nach der finanziellen Situation der Wohnungssuchenden vergeben. Über den Topos der „Ghettobildung“ wird dieser Prozess des institutionellen Rassismus auf kulturalistische Weise den Betroffenen angelastet, als freiwillige Selbstsegregation verschleiert und damit die gesellschaftliche Verantwortung der selbstverständlich Dazugehörigen ausgeblendet.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:47 Uhr)

Sekundärer Rassismus

Sekundärer Rassismus ist ein Begriff, den der Sozialarbeiter und Rassismusforscher Claus Melter eingeführt hat. Damit bezeichnet er die Abwehrhaltung rassistisch nicht diskreditierbarer Menschen dagegen, Rassismuserfahrungen zu thematisieren, Rassismus als gesellschaftliche Normalität anzuerkennen, sich mit Rassismusvorwürfen reflektiert auseinanderzusetzen und Verantwortung für ausgeübte Rassismen und die Unterbrechung von Rassismus zu übernehmen. Durch sekundären Rassismus setzen rassistisch nicht diskreditierbare Menschen ihre Wahrnehmung der sozialen Realität als verbindlich durch (Siehe auch Weißsein, Privilegien und Dominanz). Auf diese Weise schaffen sie die Voraussetzung dafür, Ungleichverteilungen in der Gesellschaft rassistisch zu erklären, z. B. ethnisierend oder kulturalisierend. Sekundärer Rassismus äußert sich auf interaktionaler, institutioneller und gesellschaftlich-kultureller Ebene, z. B. wenn berichtete Rassismuserfahrungen geleugnet werden; wenn die Auseinandersetzung mit Rassismus als „zusätzliche“ Aufgabe anstatt als Teil von Professionalität und notwendiger Inhalt der pädagogischen Ausbildung verstanden wird; wenn öffentliche Diskurse vorherrschen, in denen Rassismus auf körperliche Gewalt reduziert, oder als Ausnahme von einer sonst nicht rassistischen Normalität verstanden wird. Dem Begriff geht es nicht darum, Rassismusvorwürfe vor Kritik zu schützen, sondern darum, dass weiße Menschen sich ernsthaft, gründlich und präzise mit Handlungen und eingeschliffenen Handlungsmustern auseinandersetzen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:26 Uhr)

Sexismus

Unter Sexismus wird jede Art der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres (zugeschriebenen) Geschlechts sowie die diesen Erscheinungen zugrunde liegende Ideologie verstanden. Sexismus findet sich in Vorurteilen und Weltanschauungen, in sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen, in Form faktischer Gewalttätigkeit (Vergewaltigung, Frauenhandel, sexuelle Belästigung, herabwürdigende Behandlung und Sprache) und in der Rechtfertigung solcher Gewaltstrukturen durch den Verweis auf eine „naturgegebene“ Geschlechterdifferenz. Der Problematisierung und wissenschaftlichen Aufarbeitung hat sich insbesondere die Frauenbewegung und -forschung mit Blick auf Stereotype und Strukturen gewidmet, die Frauen benachteiligen. Die Kritik von Sexismus bezieht sich heute auch auf sozial definierte Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse (siehe Gender).
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:27 Uhr)

Sinti*zze und Roma*nja

Sinti*zze und Roma*nja ist die Selbstbezeichnung einer wenige Hundertausend Mitglieder umfassenden und stark ausdifferenzierten Minderheit in Deutschland. Sie ist seit dem Ende des 14. Jahrhunderts in Europa beheimatet und neben Dän*innen, Sorb*innen und Fries*innen in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. „Sinti“ ist als Selbstbezeichnung der deutschsprachigen Minderheit erstmals Ende des 18. Jahrhunderts belegt (Einzahl, männlich: Sinto; Einzahl, weiblich: Sintez(z)a oder Sintiz(z)a; Mehrzahl, weiblich: Sintez(z)e oder Sinti(z)ze). Seit dem ersten Internationalen Romani Kongress ist „Roma“ (Einzahl, männlich: Rom; Einzahl, weiblich: Romni; Mehrzahl, weiblich: Romnja) die offizielle Selbstbezeichnung. Sie umfasst zahlreiche Romani-Gruppen und wird daher – wie auch die Bezeichnung Sinti*zze und Rom*nja – auch von einigen abgelehnt, die stattdessen den eigenen Gruppennamen bevorzugen, wie z. B. Lowara, Lalleri oder Kalderasch. In Deutschland verweist sie außerdem auf Rom*nja südosteuropäischer Herkunft. Die stigmatisierende Fremdbezeichnung als „Zi.“ wird vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt. Doch selbst die Selbstbezeichnung kann stigmatisierenden Charakter annehmen. Sinti*zze und Roma*nja sind vielfacher Diskriminierung ausgesetzt, die mit unterschiedlichen Begriffen benannt wird
(IDA e.V:, 20.3.2020, 9:28 Uhr)

Social Justice

Social Justice bezeichnet das politische Projekt einer gerechten Gesellschaft. Dafür ist laut den Anhänger*innen der Social Justice-Theorien das Analysieren und Hinterfragen von grundsätzlichen Macht- und Herrschaftsstrukturen genauso notwendig, wie die Anerkennung der eigenen Privilegien und der Diskriminierung anderer in diesem Bereich. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass Diskriminierung entlang vieler verschiedener (zugeschriebener) Kategorien (Differenzlinien) oft intersektional verläuft und deswegen alle Menschen in unterschiedlichen Situationen sowohl diskriminierend als auch diskriminiert sein können. Solidarität soll im Social Justice nicht anhand von Identifikationslinien funktionieren (etwa weil Personen ähneln oder ähnliche Interessen haben), sondern aus dem grundlegenden Verständnis der Gleichwertigkeit aller Menschen in ihrer Verschiedenheit resultieren.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:29 Uhr)

Solidarität

Solidarität bedeutet, mit jemandem zusammenzuhalten und ihr*ihm beizustehen. Aus der Arbeiter*innenbewegung kommend, verweist der Begriff auf den gemeinsamen Kampf aufgrund gleicher Interessen und eines darauf beruhenden Zusammengehörigkeitsgefühls. Doch Menschen können sich auch für andere einsetzen, wenn sie sich nicht mit ihnen identifizieren können, etwa da sie keine Zugehörigkeiten teilen oder ganz andere Interessen oder Probleme haben. Das Konzept des Verbündet-Seins versucht einen Solidaritätsbegriff zu etablieren, der unabhängig von gemeinsamen Gruppeninteressen oder paternalistischem Mitleid ist. Jeder Mensch hat andere Privilegien, die in unterschiedlichen Kontexten eine Rolle spielen. Sich dieser Privilegien bewusst zu sein, sich darum zu bemühen, sie zu teilen, und sie bewusst einzusetzen, um die Machtverhältnisse zu durchbrechen, auch wenn es mit Risiken wie dem Verlust eigener Privilegien einhergehen kann, bedeutet Solidarität im Sinne des Verbündet-Seins.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:30 Uhr)

Spätaussiedler

Seit dem 1. Januar 1993 bezeichnet man deutsche „Volkszugehörige” (nach § 4 Abs. 1 Bundesvertriebenengesetzes), die die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Estland, Lettland oder Litauen nach dem 31. Dezember 1992 verlassen haben, als Spätaussiedler*innen. Diese müssen ein Aufnahmeverfahren durchlaufen und innerhalb von sechs Monaten einen ständigen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben. Um den Status Spätaussiedler*innen zu bekommen, müssen folgende Punkte erfüllt sein: Die Person muss: 1. seit dem 8. Mai 1945 oder 2. nach seiner Vertreibung oder der Vertreibung eines Elternteils seit dem 31. März 1952 oder 3. seit seiner Geburt, wenn er vor dem 1. Januar 1993 geboren ist und von einer Person abstammt , die die Stichtagsvoraussetzung des 8. Mai 1945 nach Nummer 1 oder des 31. März 1952 nach Nummer 2 erfüllt, es sei denn, dass Eltern oder Großeltern ihren Wohnsitz erst nach dem 31. März 1952 in die Aussiedlergebiete verlegt haben, seinen Wohnsitz in den Aussiedlungsgebieten hatte. Spätaussiedler*in ist gemäß Absatz 2 aaO auch ein*e deutsche*r Staatsangehörige*r aus den Aussiedlungsgebieten des § 1 Abs. 2 Nr. 3 außer den in Absatz 1 genannten Staaten, der die übrigen Voraussetzungen des Absatz 1 erfüllt und glaubhaft machen kann, dass er am 31. Dezember 1992 oder danach Benachteilungen oder Nachwirkung früherer Benachteilungen aufgrund deutscher Volkszugehörigkeit unterlag. Grundsätzlich muss jede Person, die den Status Aussiedler oder Spätaussiedler bekommen möchte, seit Juli 1990 mit einem Aufnahmeverfahren nach Deutschland einreisen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:30 Uhr)

Sprache

Für eine ernstgemeinte Rassismuskritik sind die Auseinandersetzung und ein sensibler Umgang mit Sprache außerordentlich wichtig. Denn Menschen zu kategorisieren und zu benennen ist ein Privileg, mit dem die Deutungshoheit über die „Realität“ einhergeht: Die Macht, seine Begriffe und Worte durchzusetzen, „die Anderen“ zu repräsentieren und zu „Anderen“ zu machen, bedeutet auch die Macht, bestimmen zu können, was wahr und was falsch ist (Definitionsmacht, siehe auch epistemische Gewalt und symbolische Macht). Zudem kann Sprache auf einer individuellen Ebene sehr verletzen, insbesondere da sie folgenden Aspekt der Macht verdeutlicht: „Ich darf dich nennen wie ich will, denn ich weiß genau wer du bist und du kannst nichts dagegen tun“. Eine rassismus- und darüber hinaus diskriminierungssensible Sprache hat also nichts mit Zensur zu tun, sondern bedeutet Rücksichtnahme und den bewussten Umgang mit dem Privileg der Deutungshoheit. Dies kann bedeuten, bei der Beschreibung von Menschen stets ihre Selbstbezeichnung anstatt von Fremdzuschreibungen zu nutzen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:31 Uhr)

Stereotyp

Der Begriff wurde 1922 von Walter Lippmann für „vorgefasste Meinungen über soziale Gruppen” in die Sozialwissenschaft eingeführt. In der Psychologie bezeichnen Stereotype den kognitiven Aspekt von Vorurteilen. Stereotype sind Kategorisierungen oder Eigenschaftszuschreibungen, mit denen alltägliche Informationen über Menschen oder Sachverhalte wahrgenommen und im Gedächtnis gespeichert werden. Sie reduzieren Komplexität und vereinfachen die Realität, bieten aber auch Orientierung in einer von unüberschaubar vielen Informationen gekennzeichneten Welt. In der Gesellschaft weitgehend bekannte Stereotype zu kennen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass ihnen auch zugestimmt wird.Im kulturwissenschaftlichen Sinn sind Stereotype verallgemeinernde Zuschreibungen von Eigenschaften an sozial konstruierte Gruppen und diesen Gruppen zugeordnete Personen, durch die Personen auf wenige markante Merkmale reduziert und diese festgeschrieben werden. Die zugeschriebenen Eigenschaften können positiv und/oder negativ sein.(IDA e.V., 20.3.2020, 9:32 Uhr)

Stereotypisierung

Unter Stereotypisierung wird der Prozess verstanden, durch den konstruierten sozialen Gruppen (siehe Rassifizierung) wenige, stark vereinfachte Eigenschaften (siehe Stereotyp) zugeschrieben werden. Ihnen zugeordnete Personen werden infolgedessen auf ihre zugeschriebene Gruppenzugehörigkeit und diese Eigenschaften reduziert werden. Dadurch werden sowohl Gemeinsamkeiten zwischen als auch Unterschiede innerhalb der konstruierten Gruppen verwischt. Durch Stereotypisierung wird das „Wesen“ der konstruierten Gruppen und der ihr zugeordneten Personen bestimmt und umgekehrt die zugeschriebenen Eigenschaften mit dem „Wesen“ der konstruierten Gruppen erklärt (siehe Biologisierung und Kulturalisierung). Zugeschriebene Eigenschaften und Verhalten werden also essentialisiert und naturalisiert.Die „den Anderen“ zugeschriebenen Eigenschaften sind weder willkürlich noch zufällig. Sie leiten sich von den gesellschaftlich vorherrschenden Werten ab. Mittels Stereotypisierung können rassistisch nicht diskreditierbare Menschen also alles Abweichende und „Unnormale“ auf „die Anderen“ projizieren und auf diese Weise von sich abgespalten. Dadurch werden gesellschaftliche Normen durchgesetzt, die eigene Identität stabilisiert und symbolische Grenzen gezogen. Denn durch Stereotypisierung werden „die Anderen“ vollends zu absolut und wesenhaften „Anderen“ (siehe Othering). Dieser Prozess funktioniert unabhängig davon, ob die Stereotype positiver (Exotisierung, Idealisierung, Romantisierung) oder negativer (Dämonisierung) Natur sind.(IDA e.V., 20.3.2020, 9:32 Uhr)

Stigmatisierung

Der aus dem Griechischen stammende Begriff steht für „Mal, entehrendes Kennzeichen“. Stigmatisieren bedeutet, eine Person oder eine Gruppe in diskriminierender Weise zu kennzeichnen, indem ihr bestimmte, von der Gesellschaft als negativ bewertete Merkmale zugeschrieben werden und/oder sie mit Fremdbezeichnungen belegt wird. Dabei kann sich die diskriminierende Kennzeichnung auf sichtbare Merkmale (z. B. Hautfarbe, Geschlecht) oder unsichtbare Merkmale (z. B. Religion, Sexualität) beziehen.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:34 Uhr)

Symbolische Macht

Unter symbolischer Macht versteht der britische Soziologe Stuart Hall die Macht „die Anderen“ zu repräsentieren, „zu kennzeichnen, zuzuweisen und zu klassifizieren.“* Rassifizierung und die ihr immanenten Prozesse der Kategorisierung und Stereotypisierung sind also Praktiken, mit denen nicht rassistisch diskreditierbare Menschen symbolische Macht ausüben. Hall bezeichnet diese Form der Macht auch als symbolische Gewalt.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:35 Uhr)

Toleranz

Der Begriff Toleranz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet das Dulden oder Aushalten einer Last. Heute wird er oft genutzt, um deutlich zu machen, dass Menschen, die als „anders“ wahrgenommen werden und deswegen Diskriminierung ausgesetzt sind, akzeptiert werden. Auch wenn Toleranz ein positiv konnotiertes Wort ist, das häufig von Antirassist*innen genutzt wird um deutlich zu machen, dass in der Gesellschaft für alle Lebensformen Raum sein muss, kann es auch kritisch betrachtet werden: Es setzt eine „Mehrheit“ voraus, die die „Minderheiten“ akzeptiert. Zum einen bedeutet Akzeptanz nicht dasselbe wie Anerkennung oder Wertschätzung. Doch auch ein auf Gegenseitigkeit, Interesse und Rücksichtnahme beruhendes Toleranzverständnis geht davon aus, dass es an der „Mehrheit“ ist zu entscheiden, wer und was toleriert wird. Deswegen bringt Toleranz die Tolerierten in Abhängigkeit von den Tolerierenden und kann an Bedingungen geknüpft (bspw. Integration und Anpassung) und bei Fehlverhalten wieder entzogen werden. Der Begriff lässt also bestehende Macht- und Dominanzverhältnisse unangetastet, stattdessen ist es möglich, von Solidarität, Wertschätzung oder Anerkennung zu sprechen.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:46 Uhr)

Talmud

st ein Gesetzeskodex und nach dem Tanach das bedeutendste Schriftwerk des Judentums. Im Talmud steht, wie die Thora von den ersten Rabbis verstanden und ausgelegt wurde. Er liegt in zwei Ausgaben vor, dem Jerusalemer Talmud und dem babylonischen Talmud. Wenn einfach vom Talmud gesprochen wird, ist in der Regel der babylonische gemeint.
(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Tanach / Tenach

ist die Heilige Schrift des Judentums. Er entstand in einem 1.200 Jahre andauernden, komplexen Prozess als Sammlung unterschiedlicher religiöser und profaner jüdischer Schriften. Der Tanach wurde etwa 100 n. d. Z. in 24 Bücher eingeteilt und kanonisiert. Er erzählt die Geschichte der Schöpfung und des Volkes Israel über einen Zeitraum von 1.300 Jahren. Das Christentum hat alle Bücher des Tanach, in etwas anderer Anordnung, als Altes Testament übernommen.
(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Thora / Tora / Torah

ist der erste Teil der Heiligen Schrift des Judentums (Tanach) und besteht aus fünf Büchern. Sie ist der Grundstein jüdischen Glaubens und eine Quelle für jüdisches Recht, Ethik und Lebensweise. Daneben wurde die mündlich überlieferte Lehre später im Talmud festgehalten.
(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Traveller

Die derart bezeichneten Gruppen in Irland,  Großbritannien und den USA wählen als Selbstbezeichnung meist den Begriff Pavee. Sie haben eine andere Herkunft, Siedlungsgeschichte und Sprache als die europäischen Rom*nja und sprechen nicht Romanes, sondern Shelta. Dies weist zwar Merkmale des Romanes auf, beruht aber auf der irischen (gälischen) Sprache und dem Englischen. Ihre Diskriminierungsgeschichte ist der der europäischen Rom*nja sehr ähnlich.
(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Tschador

bedeutet auf Persisch »Zelt« und ist ein den ganzen Körper bedeckender Umhang. Er wird vor allem von Frauen im Iran getragen. Weiterführende Begriffe: Burka, Hijab, Kopftuch, Kopftuchträgerin, Niqab
(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Türkischstämmige

(Bürger*innen) ersetzt oftmals die früher gängige Bezeichnung »Türken« und berücksichtigt, dass fast die Hälfte davon inzwischen deutsche Staatsbürger*innen sind. Korrekter ist allerdings die Bezeichnung Türkeistämmige, da viele Einwanderer aus der Türkei Kurd*innen oder Angehörige anderer Minderheiten sind und sich nicht als »türkisch« verstehen. Weiterführende Begriffe: Bindestrich-Deutsche, Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent, Der türkischstämmige Tatverdächtige (besser: türkeistämmige) , Deutsch-TürkeGastarbeiterKanaken, Wurzeln, griechische etc.(neuemedienamcher, 23.3.2020, 11:11 Uhr)

Transfeindlichkeit

Der Begriff der Transfeindlichkeit stammt aus der sozialpsychologischen Einstellungsforschung (Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) und bezeichnet negative Gefühle oder Feindseligkeiten gegenüber transsexuellen Menschen, die oft zu Ablehnung und Diskriminierung von oder sogar Gewalt an Trans* führen. Oftmals beruhen diese Emotionen, Einstellungen und Handlungen auf einem heterosexistischen Weltbild. Die Verwendung des Wortes Heterosexismus ist dem Begriff auch vorzuziehen, da es keine als einheitliches Objekte existierende diskriminierte Gruppe der „Transsexuellen“ konstruiert, sondern den Blick auf den gesellschaftlich-kulturellen Hintergrund einer heteronormativen Dominanzgesellschaft und die Privilegien und Vorurteile der Mehrheitsangehörigen lenkt.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9.23 Uhr)

Überfremdung

ist ein politisches Schlagwort, das von Rechtsextremen und teils auch in der Politik verwendet wird. Es dient meist als Argument gegen die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland, z. B. in Debatten um den Bau von Moscheen. Dahinter steckt häufig eine – völkisch-nationalistische – Vorstellung, in der als nicht deutsch empfundene Menschen und ihre Kultur eine Gefahr für die »deutsche Identität«, das »Volk« oder die innere Sicherheit Deutschlands sind. Dass die Bundesrepublik bspw. wirtschaftlich von Einwanderung profitiert und sie sich demografisch positiv auswirkt, wird dabei ausgeblendet. »Überfremdung« wurde bereits 1993 zum Unwort des Jahres gewählt.<link1 Weiterführende Begriffe: christlich-jüdisch, Ethnopluralismus, Gescheiterte IntegrationIntegrationIntegrationsverweigerer, Islamisierung, Kulturbereicherer, Kulturkreis, NeonaziParallelgesellschaft, Rechtsradikal
(neuemedienmacher, 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Ultraorthodoxe Juden

ist eine Fremdbezeichnung für all jene orthodoxen Juden, die in geschlossenen Gemeinschaften, geschlechtergetrennt und nach strengen Regeln leben. Sie sind nicht berufstätig. Die Männer studieren lebenslang die Thora und werden meistens von Spenden oder in Israel durch den Staat finanziert. Die meisten leben in den USA und in Israel. Weiterführende Begriffe: konservatives Judentum, liberales Judentum, Neo-Orthodoxie, Orthodoxie(neuemedienmacher, 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF)

Bezeichnung für Schutzsuchende, die noch nicht volljährig sind und ohne sorgeberechtigte Begleitung aus ihrem Heimatland fliehen. Von den weltweit knapp 60 Millionen Geflüchteten, die es 2015 weltweit gab, sind laut UN-Flüchtlingshilfe etwa 50 Prozent unter 18 Jahre alt. Europäisches Recht schreibt vor, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge besonders geschützt werden, wozu etwa der gesetzlich garantierte sofortige Zugang zu Schule und Ausbildung gehört. In der Praxis wird allerdings Kindern in Erstaufnahmeeinrichtungen der Schulbesuch teils monatelang verwehrt. Seit Ende 2015 werden allein geflüchtete Kinder und Jugendliche – wie Erwachsene – über eine Quotenregelung bundesweit verteilt. Grundlage dafür ist das »Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher«, in dem bspw. die umstrittenen medizinischen Verfahren zur Alterseinschätzung weiterhin als Möglichkeit zur Schätzung des Alters vorgesehen sind.
(neuemedienmacher, 19.03.2020, 15:48 Uhr)

v.d.Z. / vor der Zeitrechnung / Zeitwende

ist eine Formulierung, die der Jahreszählung mit Bezug auf die Geburt Jesus Christi dient, ohne den christlichen Bezug auszudrücken. Diese Bezeichnung ist nicht nur im Judentum gebräuchlich, sondern war zum Beispiel auch in der DDR üblich.
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:06 Uhr)

Vertriebene

sind deutsche Staatsangehörige oder sog. deutsche »Volkszugehörige« (jur. Bezeichnung, Bundesvertriebenengesetz) und ihre Nachkommen, die ihren Wohnsitz im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verloren haben. Auch Aussiedler gelten gesetzlich als Vertriebene. Beide Gruppen haben, ebenso wie Spätaussiedler einen rechtlichen Anspruch darauf, aus Ländern des ehemaligen Ostblocks in Deutschland aufgenommen zu werden. In der Bundesrepublik bekommen sie in der Regel automatisch die sog. Statusdeutscheneigenschaft und sind somit keine Ausländer. Weiterführende Begriffe: AsylsuchendeDisplaced Persons (DPs)GeflüchteteHeimatlose Flüchtlinge
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:06 Uhr)

Volk

meint im politischen Sinn die gesamte Bevölkerung eines Landes. Heute wird der Begriff von Rechtsradikalen und Rechtsextremen meistens darüber definiert, wer nicht dazu gehört – i.d.R. sind es Muslime (auch die deutschen) und Ausländer. Bundeskanzlerin Merkel drückte es 2016 dagegen sehr simpel aus, sie befand: »Alle sind das Volk.«<link1 Weiterführende Begriffe: völkisch(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:06 Uhr)

Völkisch

ist ein belasteter historischer Begriff und begründet die Zugehörigkeit zum deutschen Volk durch Rassentheorien (NS-Sprache: »Volksgemeinschaft«). Er wurde während der Nazi-Zeit oft als Synonym für nationalsozialistisch verwendet. Versuche von radikalen Rechten die Begriffe »völkisch« und »Volksgemeinschaft« positiv zu besetzen, sind bislang gescheitert. Weiterführende Begriffe: Volk(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:06 Uhr)

Vorurteil

Vorurteile sind negative oder ablehnende Einstellungen einem Menschen oder einer Menschengruppe gegenüber. Anderen werden dabei infolge stereotyper Vorstellungen bestimmte und zumeist negative Eigenschaften zugeschrieben, die sich aufgrund von Starrheit und gefühlsmäßiger Aufladung selbst bei widersprechender Erfahrung nur schwer korrigieren lassen. Viele Vorurteile gegenüber Minderheiten (z. B. Juden, Schwarze, Sinti*zze und Rom*nja) sind historisch tradiert und werden in den Medien, in Schulbüchern und in der Alltagssprache reproduziert. Der Begriff wird aus rassismuskritischer Perspektive inzwischen kritisiert. Denn er und die entsprechende Vorurteilsforschung tendieren erstens dazu, rassistische Einstellungen als individuelles Problem oder Falschinformation erscheinen zu lassen. Sie können dadurch zweitens die Frage nicht befriedigend beantworten, warum rassistisches Wissen sozial geteilt und gesellschaftlich so weit verbreitet ist. Drittens impliziert der Begriff, dass ein prinzipiell richtiges Urteil über die Gruppen, auf die sich Vorurteile beziehen, möglich sei. Dadurch erscheinen diese Gruppen als naturgegebene Einheiten und die Äußernden von Vorurteilen als defizitär und unwissend. Drittens blendet der Begriff die Machtverhältnisse, in denen Vorurteile entstehen und geäußert werden, und die Funktionen, die Vorurteile darin übernehmen aus. Dadurch leistet er der Gefahr Vorschub, Rassismus zu relativieren.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:49 Uhr)

Völkischer Nationalismus

Im völkischen Nationalismus wird ein ethnisierender bzw. rassifizierender Volksbegriff mit nationalistischen Denkkategorien verbunden: Nicht die Staatsbürgerschaft entscheidet, wer zum „Volk“ und zur „Nation“ gehört, sondern „Abstammung“ und „Rasse“. Daher können Schwarze, jüdische oder muslimische Deutsche in dieser Denkweise nicht existieren und wird Zuwanderung als Gefahr betrachtet, da sie die Homogenität und das Wesen der völkisch definierten Gemeinschaft bedroht. Diese völkisch nationalistische Erzählung drückt sich auch in den extrem rechten Kampfbegriffen der „Umvolkung“ und des „großen Austauschs“ aus, die in der Regel mit strukturell oder offen antisemitischen Verschwörungserzählungen verknüpft werden. Zudem ist der völkische Nationalismus inhärent totalitär, da die rassistische Vorstellung des Volkes mit der Forderung nach einem starken Staat einhergeht, der die Homogenität des Volkes (auch mit Gewalt) durchsetzt. Das „völkisch-nationale“ Kollektiv erscheint wichtiger als individuelle Interessen und Rechte. Bei völkischem Nationalismus handelt es sich um eine rassistische Blut-und-Boden-Ideologie, die klassischerweise von extrem Rechten bedient wird, aber auch im Mainstream anschlussfähig ist. Bspw. findet sie sich partiell auch im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht wieder.
(IDA e.V., 20.3.2020, 9:22 Uhr)

Weiß / Weißsein

Mit weiß ist nicht unbedingt die Schattierung der Haut eines Menschen gemeint, sondern die Positionierung und soziale Zuschreibung als weiß in einer rassistisch strukturierten Gesellschaft. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass durch Rassifizierung und Rassismus nicht nur rassistisch diskreditierbare Menschen, sondern auch rassistisch nicht diskreditierbare Menschen positioniert werden. D. h. Rassismus weist auch weißen Menschen strukturell einen bestimmten sozialen Ort zu. Dieser Ort ist verbunden mit Privilegien, Dominanzerfahrungen und der Erfahrung als Maßstab zur Beurteilung nicht-weißer Menschen zu fungieren, ohne selbst als weiß markiert zu werden. Wer als weiß gilt und wer nicht variiert historisch, sozial und geografisch. Dennoch ist Weißsein historisch und gesellschaftsstrukturell verankert, so dass es keine Frage der freien Entscheidung ist, ob weiße Menschen Vorteile aus dieser Positionierung ziehen und ob sie Dominanz ausüben können. Die Bezeichnung weiß dient also dazu, diese in der Regel unmarkiert bleibende Positionierung weißer Menschen – mit ihren in der Regel für sie unsichtbaren Folgen – sichtbar zu machen. Erst dadurch lassen sich bestehende Machtverhältnisse und Normalitätsvorstellungen beschreiben, analysieren, reflektieren und verändern, ohne dass Positionierungen als natürliche Eigenschaften von Menschen erscheinen. Um diese Zusammenhänge deutlich zu machen, wird in diesem Glossar weiß stets kursiv gesetzt. Andere Autor*innen schreiben das Adjektiv in Analogie zu Schwarz groß.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:50 Uhr)

Weiße Deutsche

wird oft in Rassismus-Debatten benutzt. Oft herrscht das Missverständnis, es ginge dabei
um eine Hautfarbe. Tatsächlich ist mit weiß eine gesellschaftspolitische Norm und Machtposition gemeint. Der Begriff wird als Gegensatz zu People of Color (PoC) verwendet. Dabei müssen sich weiße Menschen nicht selbst als weiß oder privilegiert fühlen.
Weiterführende Begriffe: Autochthone Deutsche, BiodeutscheCopyright-DeutscheHerkunftsdeutscheStandard-Deutsche, Rasse, Schwarze, Schwarze Deutsche
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:02 Uhr)

Willkommenskultur

ist zur Standardvokabel in der Asyldebatte geworden. Gemeint ist meistens das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich für Geflüchtete einsetzen und damit eine Willkommenskultur schaffen. Vorher war Willkommenskultur eher ein politisches Leitbild für die multikulturelle Aufnahmegesellschaft in der Integrationspolitik. So wurden z. B. in Hamburg oder Stuttgart städtische
»Welcome-Center« für Einwanderer*innen eröffnet. Kritisiert wird der Begriff z. B. vom Medienwissenschaftler Alexander Kissler, der darauf verweist, dass sich das Wort »Willkommen« nur auf den kurzen Vorgang des Kommens beziehe, also keinen sich verstetigenden Zustand bezeichnen könne.
Weiterführende Begriffe: Aufnahmegesellschaft, Einwanderungsgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:02 Uhr)

Wurzeln, mit griechischen etc.

wird oft verwendet um die Herkunft von Menschen mit internationaler Geschichte zu beschreiben. Weil damit keine Verortung in Deutschland, sondern vielmehr eine Entwurzelung von Menschen aus Einwandererfamilien mitschwingt, wird die Beschreibung teilweise kritisch gesehen. Alternativ kann z.B. die (ehemalige) Nationalität der Eltern genannt werden, sofern es wirklich nötig ist. Weiterführende Begriffe: Ausländer, Copyright-Deutsche, Einheimiche, Heimat, Einwanderer und ihre Nachkommen(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:02 Uhr)

Xenophobie

Der aus dem Griechischen stammende Begriff (xenos = fremd, phobos = Furcht) bedeutet wörtlich übersetzt Furcht vor „Fremden” oder „Fremdenangst”. Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch wird er auch als „Fremdenfeindlichkeit“ wiedergegeben. Problematisch wird es, wenn in Anlehnung an den Begriff suggeriert wird, Furcht oder eine feindliche Haltung gegenüber „Fremden“ sei eine quasi-natürliche, angeborene menschliche Abwehrreaktion. Eine derartige Naturalisierung des Sozialen, die das Verhaltensrepertoire auf menschliche Triebe und politische Prozesse auf das Ausagieren biologischer Gesetzmäßigkeiten reduziert, ist abzulehnen. Denn sie kommt einer Täter*innen-Opfer-Umkehr gleich, indem sie die Schuld für Diskriminierung den Betroffenen bzw. ihrer konstruierten „Fremdheit” (Othering) anlastet. Denn der Begriff blendet die Ebenen des institutionellen, gesellschaftlich-kulturellen und strukturellen Rassismus aus.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:47 Uhr)

Xenophilie

ist das Gegenteil von Xenophobie und beschreibt eine Neigung für fremde Dinge oder Menschen. Beides setzt eine Kategorisierung in »fremd« und »nicht fremd« voraus. Weiterführende Begriffe: Philosemitismus Philoziganismus
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:01 Uhr)

Xoraxaia / Horahane

ist ein Religionym, also eine auf der Religion beruhende Benennung eines Volkes, und bezeichnet Roma muslimischen Glaubens.(neuemedienmacher, 23.3.2020, 11:01 Uhr)

Zivilcourage

Unter Zivilcourage werden Formen des Handelns von Individuen oder Gruppen verstanden, die sich in einer Situation, die durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist, für die benachteiligte Seite einsetzen. Dieses Eingreifen geschieht zunächst ohne Berücksichtigung der eigenen Gefährdung. Der Begriff stammt etymologisch von den Worten „civis” (lat. Bürger) und „courage” (frz. Mut) ab und wird deshalb häufig als „Mut der Bürger*Innen” übersetzt. Um Zivilcourage einzuüben, existieren spezielle Trainings, wobei umstritten ist, inwieweit Zivilcourage tatsächlich trainierbar ist.
(IDA e.V., 19.03.2020, 15:48 Uhr)

Zensur

wäre im Sinne des Grundgesetzes eine staatliche Kontrolle von Medien, vor ihrer Veröffentlichung (Vorzensur) und ist in Deutschland verboten (Art. 5 GG). Die Meinungsfreiheit hat dort ihre Grenzen, wo andere Rechte verletzt werden, z. B. durch Volksverhetzung. Werden strafbare Inhalte im Internet nachträglich gelöscht, geschieht das im Rahmen der Strafverfolgung und / oder des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes, NetzDG. Teilweise wird eine »Zensur« beklagt, wenn online gegen rassistische Äußerungen und für zivile Umgangsformen appelliert wird. Tatsächlich ist das lediglich ein Ausdruck guter Manieren und einer Meinungsvielfalt im demokratischen Diskurs. Weiterführende Begriffe: Lügenpresse, Meinungsdiktatur, Political Correctness (PC), Sprachpolizei, Staatsfunk
(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:58 Uhr)

Zionismus

(von Zion, dem Namen des Tempelbergs in Jerusalem) bezeichnet zum einen die historische jüdisch nationalistische Bewegung, die einen jüdischen Staat gründen wollte, und zum anderen gegenwärtige politische Strömungen. Entstanden ist der Zionismus als Teil des europäischen Nationalismus des 19. Jh.s. Er war gleichzeitig die Gegenbewegung zum Antisemitismus, der sich damals immer weiter verbreitete. Mit der Gründung Israels 1948 wurde das zionistische Ziel erreicht. Heute wird Zionismus als Ideologie in Israel sehr unterschiedlich ausgelegt, so gibt es z.B. liberal-sozialdemokratischen, rechtsnationalen oder nationalreligiösen Zionismus. Zionismus wird teils undifferenziert als Kampfbegriff gegen Israels Haltung im Nahost-Konflikt benutzt. Weiterführende Begriffe: Antizionismus, Israelkritik, israelbezogener Antisemitismus(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:58 Uhr)

Zuwanderer

sind zunächst einmal alle Menschen, die nach Deutschland ziehen. Statistisch zählen dazu auch diejenigen, die nach kurzer Zeit wieder fortziehen (Abwanderer*innen). Die Absicht zu bleiben ist bei Zuwanderer*innen nicht unbedingt gegeben. Sprachlich unterstreicht die Vorsilbe »zu« eher die Nicht-Zugehörigkeit, ähnlich wie beim abgewandelten »Neuzuwanderer«. Menschen, die eine längere Zeit hier leben, sind schlicht Einwanderer. Weiterführende Begriffe: Einwanderungsgesellschaft, Menschen aus Einwandererfamilien, Einwander und ihre Nachkommen, AusländerMigranten, Menschen mit Migrationshintergrund, Zuwanderungsgesellschaft(neuemedienmacher, 23.3.2020, 10:58 Uhr)