Ein Fest der Geschichten und des Erzählens

Landesliteraturtage 2021 in Ettlingen

Vom 11. bis 28. März 2021 gibt es mächtig was auf den Ohren. Denn zweieinhalb Wochen lang wird im Frühjahr in Ettlingen die Literatur in und mit all ihren Formen im Mittelpunkt stehen. Und was wäre als Motto sinniger als „Hör mal“. Lesen ist ein leises Hören. Doch leise wird es bei den Landesliteraturtagen nicht zu gehen, es gibt Rap und Hip-Hop, Poetry Slam und Poesie, Lesungen mit prominenten Autoren/-innen, aber auch mit regionalen Größen und neuen Gesichtern in der schreibenden Szene.
 
„Trotz oder gerade in Zeiten der Corona-Pandemie planen wir weiter diese Landesliteraturtage“, machte Oberbürgermeister Johannes Arnold auf der Pressekonferenz im Bürgersaal des Rathauses deutlich. Denn nichts ist schlimmer, wenn man keine Perspektive hat. „Auch wenn die Pandemie einen Strich durch die Rechnung machen sollte, dann werden wir neue Wege gehen“.
Zugleich sind diese Literaturtage auch ein Anlass, so der OB, während dieser Zeit Literatur entstehen zu lassen, in deren Mittelpunkt die Veranstaltung, aber auch unsere Stadt stehen wird. Gleich einem Blog soll es täglich „Einträge“ geben, die es dank der Lindemanns Bibliothek auch in gedruckter Version geben wird. Das Kulturamt ruft deshalb junge Menschen auf, ob Studenten der Germanistik oder Journalistik oder Zeitungsvolontäre, sich zu bewerben. Einfach eine Leseprobe des Könnens von maximal zehn Seiten an das Kulturamt kultur@ettlingen.de schicken.
 
Der neue Mann im Kulturamt Christoph Bader dankte seinem Vorgänger Dr. Determann, der die Literaturtage nach Ettlingen geholt hat, und dem Vorbereitungsteam mit Angelika Schroth und Pamela Grether aus seinem Amt, sowie Stadtbibliotheksleiterin Christine Kratschmann, die gemeinsam ein pralles Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschnürt haben. Bader unterstrich, „Geschichten verbinden, sind identitätsstiftend, nichts ist mächtiger als Geschichten“. Literatur nimmt mit auf Reisen und wer weiß, vielleicht gibt es schon von den geladenen Autoren/-innen Reflektionen über den neuen Virus und seine Auswirkungen.
 
Die Eckpfeiler des Programms stellten die Frauen Schroth, Kratschmann und Grether vor. Eröffnet werden die Tage voller Literatur am Donnerstag 11. März, um 18 Uhr in der Schlossgartenhalle. In die Vollen geht es gleich am Samstag, 13. März mit der literarischen SchlossKulturnacht, in der alle Säle mit Geschichten und Kunst bespielt werden. Tags zuvor am 12. März ist Heiner Kondschak im Schloss zu erleben, im Karlsruher Raum bestens bekannt durch seine musikalische Biographie Bob Dylans am Staatstheater Karlsruhe.
 
Die Freitage stehen ganz im Zeichen der Jugend, so gibt es am 12. März eine Hip-Hop-Jam in der Aula des Eichendorff-Gymnasiums oder ein Slam im Epernaysaal mit Workshop am 19. März oder am 26. März eine Rap Album Release Party.
 
Alle Freunde des Live-Hörspiels werden am 14. März auf ihre Kosten kommen, aber auch am 27. März mit Old Shatterhand. Was natürlich nicht fehlen darf bei einem Fest der Literatur ist der Krimi. Für Spannung werden am 27. März Arno Strobel, Romy Hausmann und Oliver Bottini sorgen nebst dem Ettlinger Pianisten Rainer Granzin. Eine komplett neue Erfahrung wird die Dunkellesung am Montag, 15. März in der Kulisse mit Frank Maria Reifenberg sein, der damit auch eine Lanze brechen möchte, dass es mehr Literatur für Blinde geben möge. 
Am nächsten Tag kommt der Thaddäus-Troll-Preisträger Karl-Heinz Ott in Schloss, ihm folgt der Unternehmer Bodo Janssen am 17. März, der Menschen dazu bringen möchte, dass sie zu ihrer Bestimmung finden. Sein Honorar soll eine karitative Einrichtung erhalten. „Wir freuen uns sehr, „dass am 18. März Elke Heidenreich kommt und aus ihrem neuesten Buch „Männer mit Kamelhaarmänteln“ lesen wird.
 
Eine literarisch-musikalische Performance gibt es bei den Schweizern Fitzgerald&Rimini mit Spoken Word, selbstironisch wird es bei Andivalent, alles am 20. März.
Und sonntags heißt es ab ins Schloss zum Geschichtenfest am 21. März oder zu Thommie Bayer und die Nachtigallen. Am 28. März wird es märchenhaft, ob mit Des Kaisers neue Kleider oder mit der Weltreise am Küchentisch, die zu einer interkulturell-kulinarischen Begegnung wird.
 
Der Karlsruher Autor Markus Orths gibt am 23. März sein Stelldichein in der Buhlschen Mühlen, am nächsten Tag kommt Axel Hacke in die Stadthalle, ihn vorzustellen, hieße Eulen nach Athen tragen. Bei Freya Leonhardt werden Tanz, Stimme, Wort und Bild verschmelzen – am 25. März.
 
Um Asta Nieseln, die berühmteste Stummfilmdarstellerin, dreht sich Barbara Beuys Werk, welcher Ort wäre für die Vorstellung  passender als die Kulisse. Poesie darf selbstredend nicht fehlen, es werden Gedichte von preisgekrönten, aber auch unbekannten Poeten zu hören sein, die Moderation liegt in den Händen von Matthias Kehle. Die Jahresstipendiaten des Landes Baden-Württemberg lesen am 26. März.
 
Der Etat für dieses Fest der Buchstaben liegt bei 70 000 Euro, davon kommen 20 000 Euro vom Land, dem der OB ebenso dankte wie allen weiteren Förderern und Sponsoren. „Den Eintritt haben wir vorsichtig kalkuliert“, so Angelika Schroth im Hinblick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie.
Ende Januar im kommenden Jahr wird es ein ausführliches Programmheft geben. Karten kann man jetzt schon bei der Stadtinformation im Schloss 07243 101 333, bei Reservix sowie unter literaturtage.ettlingen.de erwerben. Unter dieser Homepage stehen auch weitere Informationen.
 
Seit 38 Jahren verbinden die Literaturtage Baden-Württemberg Städte und Menschen. Das Land setzt damit jährlich ein Zeichen für das aktuelle gesprochene und geschriebene Wort und schafft Literaturhauptstädte auf Zeit.