Eine große Frau ist verstorben - Widerstandkämpferin Yvette Lundy

Dass ein neues Kapitel der Freundschaft zwischen Ettlingen und Epernay geschrieben werden konnte, das ist Yvette Lundy zu verdanken gewesen. Diese kleine und dennoch so große Frau, die bis ins hohe Alter vital, wach und humorvoll war, hat die schlimmste Pein und furchtbarsten Grausamkeiten durch die Nationalsozialisten und während des Zweiten Weltkrieges erlebt.

Und dennoch hat sie ihre Arme geöffnet für junge Ettlingerinnen und Ettlinger. Ihnen hat die ehemalige Widerstandskämpferin erzählt, was ihr, aber nicht nur ihr widerfahren ist durch Deutsche. Der berühmte Aufruf von General de Gaulle auf BBC London während der Besatzung Nordfrankreichs durch die Deutschen löst auch bei ihr aus, dass sie mit ihren Geschwistern einen Beitrag zum Widerstand leisten.

In den Interviews mit Ettlinger Jugendlichen, die aufgezeichnet und dann in einem zweisprachigen Buch gedruckt wurden, damit dieser Teil der Vergangenheit nicht verloren geht, damit er für die nachfolgenden Generationen präsent bleibt, durchlebte die damals schon 98-jährige Dame die furchtbare Vergangenheit. Für alle war dieses Projekt eine sehr emotionale, tief berührende Zeit. Denn die Überlebende der Konzentrationslager Ravensbrück und Buchenwald erzählte mit großer Wahrhaftigkeit ihre Geschichte. Sie gab dieser Zeit der Grausamkeit und Unmenschlichkeit ein Gesicht, Geschichte wurde „begreifbar“, sie war ganz nah und blieb nicht einfach ein Zeitabschnitt in den Geschichtsbüchern.

Den 8. Mai, den Tag der Befreiung beging Madame Lundy immer zusammen mit weiteren Überlebenden in Epernay. Vor sechs Jahren gedacht auch erstmals eine Ettlinger Verwaltungsdelegation der zahlreichen Toten durch den Zweiten Weltkrieg und durch die Nationalsozialisten. Bei diesem Treffen entstand die Idee, den Austausch der Generationen im Rahmen einer Geschichtswerkstatt zu fördern.
Den Willen, zu dieser Geschichte und den daraus resultierenden Lehren zu stehen, hatte Epernays Bürgermeister Franck Leroy bei der Präsentation des Buches herausgehoben. Und Ettlingens OB Johannes Arnold hatte betont, „mit diesem Buchprojekt ist es gelungen, die Last der Vergangenheit zu verdeutlichen und dennoch daraus Kraft für die Zukunft zu schöpfen“.

Welche Größe Madame Lundy besitzt, spiegelt sich in ihrer Antwort wider, dass „sie erst sehr spät verstanden habe, dass die Städtepartnerschaft ein sehr, sehr wichtige Sache“ sei. Und den Jugendlichen schrieb sie ins Stammbuch, „Ihr jungen Deutschen seid im Geist einer unfänglichen Versöhnung gekommen. Das ist eine Hilfe. Eine Hilfe, seit dem Tag, an dem die Menschen die geniale Idee gehabt haben, Epernay und Ettlingen zu vereinen“.

Im Alter von 103 Jahren ist Yvette Lundy gestorben.