Erfolgreiche Schlossfestspielsaison/8. Kurt-Müller-Graf-Preis ging an Ivy Lissack

„Wir blicken dankbar auf einen von Kultur bereicherten Sommer zurück“, fasste Oberbürgermeister Johannes Arnold seinen Eindruck von der Schlossfestspielsaison 2021 zusammen und sprach damit sicher dem begeisterten Publikum aus dem Herzen. Denn auch im zweiten Jahr unter Pandemiebedingungen haben sich die Schlossfestspiele unter der Leitung von Intendantin Solvejg Bauer nicht klein kriegen lassen, sondern im Gegenteil ein „fulminantes, mitreißendes Programm“ auf die Schlosshofbühne gezaubert, das bezauberte und keine Wünsche offenließ. Über 20.600 Besucher wussten dies zu schätzen, viele Vorstellungen der fünf Eigenproduktionen waren restlos ausverkauft, die Auslastung belief sich auf knapp 88 Prozent und lag somit nur ein Spürchen unter der Rekordsaison 2019. Der Dank des OBs galt daher neben dem Gemeinderat für die Schaffung der Rahmenbedingungen und Bereitstellung der Mittel vor allem dem Team um die Intendantin, das die „Herausforderungen hervorragend gemeistert“ habe. Insgesamt waren es rund 100 Männer und Frauen von der Intendantin über das Ensemble, die Musiker, die Maske, Kostümbildner, Bühnenbildner, Techniker bis zu allen übrigen Helfern, die die Festspiele zu einem prägenden Sommererlebnis für so viele machten.
 
Solvejg Bauer griff den Faden auf: die Crew sei es gewesen, die das Schiff Festspiele auf Fahrt hielt, stand die Saison doch unter dem Motto „Ahoi Neuland“. Neuland, das waren auch die Pandemiebedingungen: so durften nur 50 Prozent der Plätze besetzt sein, Abstände waren einzuhalten, es gab durch Kontaktverfolgungsvorgaben und kontaktlose Ticketkontrolle viele neue Abläufe. „Eine wahre Herausforderung war es, die Sitzpläne zu adaptieren“, unterstrich der technische Direktor und Bühnenbildner Christian Held. Denn während bei Aschenputtel familiengerechte Sitzeinteilung gefordert war, war bei den übrigen Produktionen eher paarweises Sitzen gewünscht.
Erschwerend war auch der gleichfalls coronabedingte späte Start bereits in der Urlaubszeit, dazu kam noch das zeitweise mehr als unfreundliche Wetter, denn alle Aufführungen fanden im Schlosshof statt.
Doch all dies tat der Lust der Menschen, endlich wieder Sommertheater at it‘s best genießen zu dürfen, keinen Abbruch. „Das Publikum hat sich mit Kissen und Decke ausstaffiert und sich von der Kälte nicht abhalten lassen“, lobte Bauer. Unendlich erleichtert sei man auch gewesen, dass es im Ensemble keinerlei Infektionen gab, „alle waren sehr diszipliniert und vorsichtig“.
Fast 6.700 Personen sahen sich die Fledermaus an, mit 23 Aufführungen das am häufigsten gespielte und publikumsstärkste Stück, Regie hatte die gebürtige Ettlingerin Catharina Fillers. Hier wie auch im Familienstück Aschenputtel brillierte der Bürgerchor, „er hat wieder einen qualitativen Sprung gemacht und wird auf jeden Fall beibehalten“, lobte Solvejg Bauer. An 17 Abenden bezauberte die Musicalrevue „A Grand Night for Singing“ die Gäste im Schlosshof, fast 4.900 Personen hörten nicht nur wunderbare Songs und bewunderten hervorragende Tänzer, sondern ließen sich auch von den Projektionen des Karlsruher Videokünstlers Jonas Denzel begeistern. „Es ist unglaublich, wie aufwändig die Technik und Programmierung solcher Projektionen ist“, merkte Bauer an. Diese Kooperation werde sicherlich fortgesetzt, man denke etwa an interaktive Momente.  
Mit dem Schauspiel „Geschlossene Gesellschaft“, Regie Solvejg Bauer, wurden die Festspiele zum Geheimtipp unter Schauspielfans: „Diese Produktion war mit 92 Prozent Auslastung bei einer Zusatzveranstaltung die große Überraschung!“ Die Intendantin freute sich darüber, dass auch ihre Stückeinführungen im Rosengarten, ein Novum, sehr gut besucht waren.
Das Familienstück „Aschenputtel“ erlebte zwölf „randvolle Vorstellungen“, und das, obwohl ja die traditionellen Besuche der Schulklassen nicht stattfinden konnten, weil die Ferienzeit bereits begonnen hatte. „Die Familien haben Vertrauen zu uns gehabt“ und es sei einfach eine Wonne gewesen, die Freude und das Lachen der Kinder zu erleben, so Bauer. Viel Freude brachte den kleinen Krebspatienten der Rehaklinik „Katharinenhöhe“ ein Gastspiel im Park.
 
Eine weitere Premiere fand in de letzten Festspielwoche mit „Killerqueen“ statt, „Ich hatte einfach das Gefühl, wir schaffen das auch noch, und so war es!“ berichtete die Intendantin: alle blieben bei der Stange, „das ist nicht selbstverständlich für Rockmusiker, sich in einer solchen theatralen Atmosphäre zu engagieren!“ Der ‚Schlussknaller‘ gelang auch dankt der bereits im Vorjahr gestarteten Kooperation mit der Popakademie Mannheim mit ihrer „tollen Fundgrube an Talenten“ und mit der Urban Dance School Ettlingen und deren supermotivierten Tänzerinnen und Tänzern. Erfolgreich war auch wieder die Kooperation mit dem Hotel Restaurant Erbprinz in Form der Festspiellounge und drei Captain’s Dinners. Ideen für die Fortsetzung dieser Kooperation gibt es auch schon.
 
Zum Finanziellen: die vom Gemeinderat anvisierten 500.000 Euro an Einnahmen werden inklusive der Sponsorengelder, „alle blieben uns treu und haben auch weitere Unterstützung signalisiert“, erreicht, auch hier schippern die Festspiele in sicherem Gewässer. Unterstützung bekommen die Festspiele auch in Form des Sonderfonds des Bundes und aus dem Fördertopf Neustart Kultur.   
 
8. Kurt-Müller-Graf-Preis ging an Ivy Lissack
Nach dem Bilanzpressegespräch folgte die Verleihung des 8. Kurt-Müller-Graf-Publikumpreises. Solvejg Bauer erinnerte in diesem Zusammenhang an die Ehefrau des Namensgebers, Heidrun Müller-Graf, die im Oktober letzten Jahres verstarb. „Ich wollte sie, die ja auch selbst Schauspielerin war, für ein Stück besetzen, dies ist leider nicht mehr gelungen“, so Bauer. Heidrun Müller-Graf hatte auch nach dem Tod ihres Mannes, der 100-jährig im Jahr 2013 starb, enge Beziehungen zu den Schlossfestspielen gepflegt und nahm stets und gerne bei den Preisverleihungen zugegen.
 
„Die Preisverleihung ist immer ein kleiner Abschied, denn sie markiert das Ende der Festspielsaison“, merkte OB Arnold an. Er erinnerte kurz an die legendären Anfänge der Festspiele, ‚ausgeheckt‘ von den beiden Vätern, Kurt Müller-Graf und Dr. Erwin Vetter. In der wirklich engen Auswahl für den mittlerweile 8. Publikumspreis waren Cassandra Schlenker für die „Alyson“ in „A Grand Night for Singing“, Mae Ann Jorolan für die „Vicki“ in „A Grand Night for Singing“. Eine Nasenlänge vorn war letztlich Ivy Lißacks Darstellung der Postangestellten „Inès“ in „Geschlossene Gesellschaft“. Die gebürtige Landshuterin hat vor ihrer Schauspielkarriere in München Theaterwissenschaften studiert und war u.a. in dem Kinofilm „…und morgen die ganze Welt“ zu sehen. Sie dankte für die Auszeichnung, das I-Tüpfelchen für eine „wunderbare Zeit“.