Schlossfestspielbilanz: „Magischer Neustart ist gelungen“ mit über 43.000 Besuchern und hohem Zuspruch auch von jungem Publikum

Mit sichtlicher Freude verkündete die neue Intendantin der Schlossfestspiele Ettlingen die Festspielbilanz: denn auch wenn noch nicht alle Abrechnungen getätigt sind und noch viel Arbeit zu tun ist, bis der Summenstrich gezogen werden kann, so steht doch fest, dass die erste Schlossfestspielsaison unter Solvejg Bauers Regie eine erfolgreiche ist, „und wir sind im Budget“.
Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker begrüßte die Presse zum Bilanzpressegespräch im Schloss stellvertretend für Oberbürgermeister Johannes Arnold, der ja im Rahmen der Kurt-Müller-Graf-Preisverleihung bereits von einer begeisternden Saison gesprochen hatte und dies auch mittels Video-Botschaft nochmals kundtat, verbunden mit einem Dank an die Intendantin, ihr Team und das Ensemble.
 
Bürgermeister Dr. Heidecker schloss sich dem Dank an und sprach von „phantastischen Zahlen“ nach einer spannenden 1. Saison und einem Feuerwerk an Ideen, sicher werde die neue Intendanz auch im nächsten Festspieljahr wieder ein Ideenfeuerwerk zünden.
Solvejg Bauer selbst sagte, dass der „magische Neustart“ ganz offensichtlich geglückt sei Sie freute sich vor allem darüber, dass die Zuschauer und die Künstler mit dem Herzen dabei waren, dies sei bei vielen Gesprächen und durch den großen Zuspruch mehr als deutlich geworden. Ein Geniestreich war dabei der Bürgerchor mit seinen 118 Mitgliedern, der für eine große Anziehungskraft gesorgt hatte, ebenso die Einbindung von Kindern. „Die Formalitäten im Vorfeld haben uns an die Grenzen unserer Kräfte geführt“, so die Intendantin, denn pro Kind waren vier Formulare auszufüllen und das mal 75! Doch der Riesenaufwand habe sich gelohnt, denn wenn Kinder für Kinder singen, gehe damit eine viel direktere Identifizierung des jungen Publikums mit den ebenso jungen Darstellern einher.
 
Die Intendanz habe bei der Programmgestaltung nicht nur auf Mainstream gesetzt, beispielsweise mit dem Schauspiel „Endstation Sehnsucht“, das am Ende stets ausverkauft war und eine Auslastung von 89,5 Prozent hatte. Das Kinderstück „Der Geheime Garten“ war mit 94,3 Prozent und fast 8.500 (jungen) Besuchern trotz der heißen Temperaturen nahezu ausverkauft, die Zauberflöte mit 92 Prozent. Insgesamt fast 13.800 Besucher „feierten“ die Mozartoper, die auch durch den Bürgerchor zur „Volksoper“ wurde. Das Musical „Der Mann von La Mancha“ hatte eine Auslastung von 75,5 Prozent, die 19 Vorstellungen sahen über 11.200 Personen.
Auch die kulinarischen Kooperationen mit dem Hotel Restaurant Erbprinz, „Lecker Musical!“ und „Lecker Oper!“ wurden stark nachgefragt. „Wir sind stolz, Partner der Schlossfestspiele zu sein“ sagte Hotelier Bernhard Zepf, der die besondere Atmosphäre der Schlossfestspielabende rings ums Schloss hervorhob. Der Erbprinz sorgte dabei auch für die Bewirtung. Gleichfalls gut nachgefragt wurde mit über 96 Prozent „Scherzo delizioso!“ im Padellino, auch wenn das Comedy-gewohnte Publikum teilweise vielleicht etwas erwartet hatte als Theater mit interaktiven Elementen, „doch man muss auch neue Ideen wagen und etwas riskieren“, so die Intendantin.
Über 43.000 Zuschauer
Insgesamt besuchten über 43.400 Zuschauerinnen und Zuschauer die verschiedenen Vorstellungen, zu denen noch die Mozart-Kinderoper zählte, die in Kooperation mit den Schulen auch in den Stadtteilen aufgeführt wurde, oder das Interaktive Schauspiel „Weisses Kaninchen, rotes Kaninchen“, das 225 Menschen sehr unmittelbar berührte   und zu bewegenden Szenen führte. Intensiv war die Kooperation mit dem Heisenberg-Gymnasium in Sachen Endstation Sehnsucht, mit der Grundschule Oberweier und dem Augustinusheim. Hinzu kamen noch das Theaterfest und „Das Geisterschloss“ in den markgräflichen Räumen des Schlosses. Die Gesamtauslastung lag bei 87,7 Prozent. Die 40.000er Hürde war zuletzt 1999 ‚übersprungen‘ worden.
Zum Finanziellen sagte die Intendantin, dass die Festspiele mit Einnahmen in Höhe von rund 825.000 Euro über dem Ansatz von 674.000 Euro liegen, auch habe man neue Sponsoren interessieren können, insgesamt flossen 100.000 Euro an Sponsorengeldern. Das Gesamtbudget der Festspiele beträgt 1,9 Mio. Euro, darin enthalten ist ein Landeszuschuss in Höhe von 130.000 Euro. Sie erinnerte daran, dass alles selbst produziert wurde, „wir haben nichts eingekauft“, dafür habe man die Werbung intensiviert und sei mit Ständen bei verschiedenen Events präsent gewesen, beispielsweise beim Verfassungsfest in Karlsruhe.
 
In der kommenden Spielzeit werde man die Premieren nicht mehr in eine Woche packen und mit dem Kinderstück früher beginnen, um noch die Schulzeit mitzunehmen. „Wir dehnen die Festspiele voraussichtlich auf acht bis achteinhalb Wochen aus“, kündigte die Intendantin an. Das vielfach gelobte künstlerische Niveau soll bestehen bleiben, auch an einem Bürgerchor will Solvejg Bauer festhalten, „dann aber im Musical und mit neuer Ausschreibung. “ Auch außerhalb der Saison werde man Präsenz zeigen, aber nicht in Konkurrenz zum Kulturamtprogramm. Erste Überlegungen gebe es schon, auch der neue Spielplan stehe fest, müsse jedoch vor der Bekanntgabe noch durch die städtischen Gremien.
 
Viel Ausstrahlung hatten die jungen Talente, die in allen Sparten auch junges Publikum in den Schlosshof zogen. Kein Darsteller, keine Darstellerin war über 30, „drei von ihnen haben nun ein festes Engagement an einem namhaften Haus“, die Talentschmiede Schlossfestspiele habe sich bewährt, so die Intendantin weiter.
Bewährt hat sich die Neukonzeption mit dem 14 Meter hohen Dach, das sowohl vom Ästhetischen als auch von der Akustik her viel zur positiven Resonanz beigetragen habe, man werde diese Konstruktion auch im kommenden Jahr wieder nutzen. Der Klang des Schlosshofes sei wunderbar und durch das Zeltdach noch hervorgehoben worden, die Micro Ports zur stimmlichen Verstärkung seien nur bei starkem Regen aktiviert worden.
Überhaupt, das Wetter: drei Mal musste abgebrochen werden, zuletzt wegen des schrecklichen Unwetters am 6. August. Bei leichtem Regen sei das Dach völlig ausreichend und beschirme die Tribüne sehr gut. Lob galt auch dem Publikum, das „bei Wind und Wetter kam“. „Man darf Kultur nicht nur in Zahlen messen sondern an dem, was man bei den Menschen bewegt“, sagte die Intendantin zusammenfassend, und Bürgermeister Dr. Heidecker merkte an: „Sie haben die Ettlingerinnen und Ettlinger zu ‚ihren‘ Festspielen zurückgeholt!“