Auszeichnung für neue Wege der Mobilität

SMAVARD 3. Platz für Ettlingen

Im Ranking der großen internationalen Städte spielt Ettlingen sicher keine große Rolle, doch in Sachen Mobilität hat die „kleine“ Stadt an der Alb weit die Nase vorn. Denn hier wird nicht nur diskutiert, philosophiert und debattiert, was denn nun die beste Lösung für Ettlingens Mobilität wäre, sondern man hat Konzepte peu à peu in die Tat umgesetzt. Die Projekte, wie man den Individualverkehr reduzieren kann und dafür attraktive Angebote aufbaut besonders auf der letzten Meile, hat die Jury des Smart City Implementation Award 2019 (kurz SMAVARD) überzeugt. Die Wahl fiel im Rahmen der Smart-City-Konferenz Nordic Edge Expo im norwegischen Stavanger. Die Expo ist eine internationale Konferenz rund um den Themenkomplex Smart City. International ist auch die Jury besetzt u.a. mit dem Smart-Citybeauftragten der Stadt London sowie Vertretern von international tätigen Firmen.
 
Am Mittwoch vergangener Woche nun konnte Oberbürgermeister Johannes Arnold im Beisein des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Städtetages Baden-Württemberg Gudrun Heute-Bluhm, von Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker sowie Hauptamtsleiter und Digitalisierungsbeauftragter der Stadt Ettlingen Andreas Kraut und Ordnungsamtsleiter Kristian Sitzler die kleine aber gewichtige Urkunde von Alexander Schmidt Geschäftsführer von Bable Smartcities übernehmen. Bable ist ein junges Spin-off Unternehmen von Fraunhofer, das gemeinsam mit der Expo den SMAVARD organisiert hat. Neben dem app-gestützten Bedarfsangebot MyShuttle in Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Radverleihsystem nextbike überzeugte das Verkehrsleitsystem via Wärmebildkameras, die den schnellsten Weg durch die Stadt berechnen und dies am Stadteingang anzeigen, sowie der Einsatz von 20 Elektroautos im Sharing-System. Kein Thema bewegt die Bürger mehr als die Mobilität. Es stellt uns vor große Herausforderungen. „Wir müssen attraktive und gute Angebote schaffen, um mit den Mengenproblemen auf der Straße klar zu kommen“, so Arnold. Der Preis ist uns Motivation, hier weiter zu machen.

Bable-Geschäftsführer Schmidt unterstrich denn auch, dass bislang nur Ideen prämiert wurden, doch „wir wollten Lösungen auszeichnen, die für den Bürger schon Vorteile bringen“. Die in Ettlingen schon existierenden Möglichkeiten können für andere Städte eine Orientierungshilfe sein. Darüber hinaus hat die Integration von unterschiedlichen Systemen begeistert. Normalerweise redet man bei Smart-Cities von Barcelona, München oder Leipzig, so Schmidt, um so erstaunter, dass eben eine 40 000 Einwohner zählende Stadt sich erfolgreich nicht nur im Bereich Mobilität, sondern auch bei der Digitalisierung auf den Weg gemacht hat.
 
Der Städtetag verstehe sich als Schaufenster, um zu zeigen, was alles möglich sei, so Gudrun Heute-Bluhm. Hier bedarf es der Initialzündung, denn wir stehen am Anfang einer Transformation von einer klassischen Autogesellschaft hin zu einer Mobilitätsgesellschaft. Deshalb ist es für Heute-Bluhm wichtig, dass der Klimaschutz nicht nur auf der Straße stehen bleibt, sondern fortschreitet und hierbei sei der Städtetag u.a. auch eine wichtige Schnittstelle von unterschiedlichen Informationen.
Dieser Informationsaustausch ist das A und O. Es gebe bereits freie Plattformen, die von Ländern und Kommunen genutzt werden für den Austausch auch im Bereich der Mobilität. Sprich, gibt es eine Hürde bei der Entwicklung eines Projektes, kann man sich hier Rat holen.
Alle Städte stehen vor den gleichen Problemen, wohin mit dem Individualverkehr, deshalb heißt es besonders bei diesem Thema zusammenarbeiten für die jeweils beste Lösung für die jeweilige Stadt.
 
Ettlingen wird nicht stehen bleiben, „wir strengen Überlegungen im Bereich der Paketlieferdienste an, wie hier die Bedienung anders erfolgen“ könne, merkte der Rathauschef an. Darüber hinaus ist ein regio move port im Bereich Stadtbahnhof geplant, ein Ort des gebündelten Wissens. Eine App zeigt, wie ich am besten von Spessart nach Karlsruhe komme, sprich mit MyShuttle nach Ettlingen, von dort weiter mit der Bahn und in Karlsruhe steigt man dann aufs Leihrad. Apropos Rad „hier haben wir den Ausbau der Nord-Süd-Achse im Blick“. Sein Baugrimmen verhehlte Arnold nicht, als vor dem „Roten Rathaus“ die Parkplätze für den Radstreifen wegfielen. Doch das Ergebnis zählt. Der Nutzen ist groß. Doch die letzten 300 Meter Richtung Kreuzung Rastatter-/Goethestraße sind nicht einfach. „Wir können nicht eine Fahrbahn gerade im Bereich des Bahnübergangs wegnehmen, sie dient hier als Aufstaufläche“. Wir haben ein Gutachten erarbeiten lassen, das uns auch Lösungen für diesen Bereich macht. Die Ost-West-Richtung wird durch den Radschnellweg bedient werden, der im Land die Priorität 2 hat.

Deutlich machten Heute-Bluhm wie auch Arnold, „wir können nicht Technologien verbieten, wir müssen positive Anreize setzen und bieten“. Weitere positive Zahlen wird MyShuttle schreiben, das sukzessive in den Stadtteilen ausgebaut wird. Dort hat es einen echten Mehrwert, hob der OB heraus. Auch die Radverleihstationen werden auf elf anwachsen.