Der Ettlinger Weg aus dem Lockdown

Mehrstufige Teststrategie hat begonnen

Oberbürgermeister Johannes Arnold spricht sicherlich vielen aus der Seele, wenn er sagt: „Die politischen Diskussionen rund um die Vorgehensweise zur Pandemiebekämpfung, über das Für und Wider der Schulöffnung und die Vorschläge zur Testung drehen sich im Kreis.“ In einem achtseitigen Entwurf mit dem Titel „Der Ettlinger Weg zur Umsetzung der Breitentestung als Weg aus dem Lockdown“ hat er daher eine Strategie entworfen, die einerseits die Schule „zu einem Ort macht, der zugleich die Schulbildung sichert und die Pandemie bekämpft – sogar über die Schule hinaus“. Er befürwortet andererseits die breite Testung der am Schulleben Beteiligten, eine Initiative des Landes, ebenso wie den Vorschlag des Bundes, die Massentests der Bevölkerung ab März. Nur über solche Masseninitiativen kommen wir aus der Sackgasse der Inzidenz und des Lockdowns schrittweise heraus“, so der OB. Doch diese Schritte bedürfen einer ganzen Reihe an strategischen Überlegungen und logistischen Vorbereitungen.
 
Die Teststrategie
Der erste Baustein der Teststrategie wurde bereits am vergangenen Wochenende gesetzt, kurzfristig wurden kostenlose Schnelltests für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kitas, Horte und Schulen organisiert. Dafür konnte OB Arnold die Firma Bechtec gewinnen, sie führte die Tests in einer Halle durch. Auf diese Weise konnten Erzieherinnen und Erzieher, Betreuer und Lehrershaft aus 20 Kitas, acht Horten und 13 Schulen getestet werden, „das ist äußert sinnvoll für die vielen Lehr- und Betreuungskräfte, die jetzt aus einer wochenlangen Pause in die Einrichtungen zurückkehren“, so der OB. Die Kosten, maximal 2.500 Euro pro Tag, übernimmt zunächst die Stadt, „Wir werden aber eine Kostenerstattung durch Land und Bund anstreben.“ Die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden über die Schulrektoren informiert und erhielten eine Zugangsberechtigung nebst Informationen für ihr weiteres Handeln im Falle einer positiven Testung.
Arnold möchte aus diesen ersten Testungen und deren Ergebnissen zudem Erfahrungen gewinnen, die die nächsten Schritte hin zu einer Öffnung in den Bereichen Handel, Gewerbe, Gastronomie, Kultur und Vereinsleben beschleunigen könnten. „Die Städte werden am ehesten brauchbare Grundlagen für die gebeutelten Betriebe in den Innenstädten schaffen“, unterstrich der OB. Sicher spiele die Frage nach den Kosten eine Rolle, doch „im Vergleich zu einer bildungsvernachlässigten Schülergeneration und verödeten Innenstädten dürfe die Frage ‚wer bezahlt das alles‘ kein Gegenargument sein, so der OB.
 
Und so soll es weitergehen: mittelfristig möchte das Land die Mitarbeiterschaft von Kitas, Horten und Schulen zweimal wöchentlich testen lassen, Bund und Land bieten hier den Kommunen jedoch keinerlei Handhabe an, verweisen lediglich auf die Testangebote in Apotheken und Arztpraxen. „Ärzte und Apotheker werden einen Ansturm von mehreren hundert Personen neben dem Tagesgeschäft nicht stemmen können, hier sind ergänzende Angebote notwendig“, kündigte der OB an. Ettlingen bildet dafür zum einen eigene Mitarbeiter zu Schnelltestern aus, nach einem verwaltungsinternen Aufruf hatten sich bereits 21 Personen gemeldet, die in der Regel medizinische Vorbildung haben. Sie werden durch Notarzt Dr. Lutz Zöller geschult. „Auf diese Weise können wir Erzieherinnen und Erzieher, Schulhausmeister, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereichs Schulsozialarbeit und Schulsekretariat testen“, die rund 5.000 Testkits, die derzeit auf Lager sind, reichen für acht bis zehn Wochen. Die Kosten für das eigene Personal übernimmt vorläufig die Stadt.
Weitere Gespräche mit der Firma Bechtec werden klären, welche Rolle sie für die dauerhaften Tests übernehmen kann. Auch dabei werde irgendwann die Kostenfrage zu klären sein, so der OB weiter.
 
Schwerpunkt der mittelfristigen Strategie des Ettlinger Wegs aus dem Lockdown ist jedoch die Einrichtung eines Schnelltestzentrums in der Albgauhalle. In der Halle, die groß genug ist und auch über ausreichend Parkmöglichkeiten verfügt, können zwei Schnelltests pro Woche für das nichtstädtische Personal der Kitas, Horte, Schulen und für die Lehrerschaft angeboten werden. Damit Ärzte und Apotheker die Tests nicht in den eigenen Räumlichkeiten durchführen müssen, können sie sich in bestimmten Zeitfenstern in der Halle ‚einmieten‘, erläuterte der OB. Zwölf Apotheken und 30 Hausarztpraxen wurde dieser Vorschlag bereits schriftlich unterbreitet, „ich hoffe, er stößt auf positive Resonanz“. Die Notfallpraxis am Stadtgarten, Dr. Peter Huber, habe bereits Unterstützung signalisiert, ebenso der Vorstand der Landesapothekerkammer Robert Schieber.
 
Die größte Herausforderung sieht OB Johannes Arnold in dem Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums, ab März der gesamten Bevölkerung kostenlose Schnelltests zu ermöglichen. „In Ettlingen haben sich vor Weihnachten täglich rund 300 Personen testen lassen für 20 Euro pro Test, bei einem kostenlosen Angebot wird der Ansturm kaum zu bewältigen sein“ prognostiziert der Rathauschef.
 
Wird das Angebot tatsächlich kommen, kann Ettlingen bereits auf Erfahrungen mit dem Testzentrum Albgauhalle zurückgreifen können, ebenso die Ärzte und Apotheker, die bis dahin die Räumlichkeiten bereits genutzt haben. Zudem habe sich die Stadt über den Städtetag für ein Projekt beworben, in dem durch ein Schweizer Unternehmen eine Studie für einen neu entwickelten Riechtest als Breitentest durchgeführt werden soll. Noch sei offen, ob Ettlingens Bewerbung Erfolg habe, die Chancen dafür stünden jedoch gut. „Die Strategie soll eine Ergänzung zu Mund-Nasen-Schutz, AHA-Regeln, laborgestützten PCR-Tests und Impfungen sein.“ Der Riechtest in Kombination mit einer Tracing App (Erklärung: Smartphone-Programm zur Nachverfolgung von Kontakten) werde auch für die Wiederaufnahme des Betriebs in Handel, Gastronomie und Kultur eine verlässliche Grundlage schaffen können, „Städte mit solchen Konzepten werden hoffentlich zu den Gewinnern der Krise gehören“, merkte Johannes Arnold an.
 
Sein Fazit: „Nur durch eine gut koordinierte und baldige Testung, möglichst breit aufgestellt, werden wir den großen Schritt aus der Corona-Lethargie in Richtung Normalität machen können. Weiterhin erreichen wir so mehr Sicherheit für die Menschen, die trotz Lockdown dem Kontakt mit anderen nicht ausweichen können. Auch erzielt man durch eine solche umfassende Teststrategie eine einfache und schnell nachvollziehbare Kontakthistorie, die eine wirksame Unterstützung der Gesundheitsämter darstellt. Durch das frühe und anwendungssichere Testen können so Infektionsketten schneller durchbrochen werden. Schließlich ergibt sich eine gangbare und einfache EXIT-Strategie aus dem Lockdown und damit ein Schutz der Wirtschaft und gute Grundlagen für den Wiederaufbau, damit Ettlingen wieder wird, was wir so daran schätzen: lebendig und aktiv durch seine Menschen!“