Das Leben kehrt ins VHS-Gebäude zurück

Ab 17. August neues VHS-Programm für 2. Semester 2020

Seinen Start hatte sich der neue Leiter der Volkshochschule Attila Horvat anders vorgestellt. Nur wenige Tage im Amt machte die Corona-Pandemie einen Strich durch das 1. Semester 2020. Das Haus in der Pforzheimer Straße, sonst einem Bienenstock gleichend, wenn die vielen Kursteilnehmer im Gebäude sind, war auf einmal gespenstisch still, so Horvat. Doch wir haben die Zeit gut genutzt, um unsere Einrichtung zu zertifizieren. Hintergrund für dieses Qualitätsmanagement ist, dass der Volkshochschulverband Baden-Württemberg die Landesregierung aufgefordert hat, die Zuschüsse für diese Bildungseinrichtungen zu erhöhen, wie in anderen Bundesländern. Dieser Bitte folgte Stuttgart, doch verbunden mit der Vorgabe, ein einheitlicher Qualitätsstandard zu erfüllen.
Die Forderung ist nachvollziehbar, so Horvat, der im April und Mai die Stärken und Schwächen der Einrichtung analysierte und einen Fahrplan für die Zukunft entwarf.
Das EFQM - European Foundation for Quality Management wird auch von der Industrie sowie von den Kirchen und sozialen Einrichtungen verwendet.
In die Analyse fließt die Kundenzufriedenheit ebenso mit ein wie die Befragung der Mitarbeiter und der Dozenten.
Eine große Stärke unserer Einrichtung sind die Stammkunden, sie machen gut 90 Prozent der Kursteilnehmenden aus. Zugleich birgt es aber auch die Gefahr, dass gut 80 Prozent unserer Kundschaft älter als 60 Jahre sind. Wir wollen die Frauen und Männer 40plus wieder für uns gewinnen.
Ein weiteres Plus ist, dass wir ein eigenes Haus haben mit 16 Räumen, darunter auch Bewegungsräume, gerade der Sektor wird künftig noch mehr wachsen. Hätten wir kein eigenes Gebäude, dann könnten wir wegen der Corona-Auflagen so gut wie kein Semesterprogramm anbieten.
Weiter ausbauen möchte Horvat das Angebot in den Stadtteilen, hier möchte ich mehr mit den Vereinen kooperieren. Die wohnortnahe Versorgung ist wichtig auch und gerade für die Stadtteile.
Ausruhen auf der Zertifizierung kann sich das Team um Horvat mit Alice Reichert, Monika Humbsch und Sergej Schakimov nicht. Denn in drei Jahren erfolgt die Rezertifierzung, dann wird beleuchtet, was wir erreicht haben, was wir von unserem Fahrplan umsetzt haben. Durch das Zertifikat erhalten wir 85 000 Euro statt 70 000 Euro. Der Haushalt der VHS beläuft sich auf 800 000 Euro, 350 000 Euro sind Kursgebühren, auf gleichfalls 350 000 Euro beläuft sich der städtische Zuschuss. Mit Blick auf das nicht stattgefundene 1. Semester 2020 merkte Horvath an, dass es hier ebenso eine Delle geben wird wie für das 2. Semester, weil keine respektive weniger Kurse stattfinden. Um wenigstens einen Teil der Kosten zu decken, haben wir in Absprache mit der Verwaltungsspitze die Gebühren erhöht teilweise um bis zu 18 Prozent.
 
Blickt man auf das neue Programm sieht man, dass auch hier Corona mitgeschrieben hat. Denn 100 Kurse musste wir ganz streichen, jene bei der es zu große Nähe gibt, beispielsweise beim Bridge, da müssten die Karten nach jedem Spiel desinfiziert werden, aber auch bei den Kursen, in den Smartphones und Tablets erklärt werden. Schwimmkurse, Aquajogging oder Wasser Gewöhnung wird man im 2. Semester ebenso vergeblich suchen, da sind die Auflagen so hoch, das wollten wir unseren Kunden nicht zumuten. Doch wir haben 30 neue Kurse. So wird es bei den Sprachen wieder Einsteiger-Kurse ohne Vorkenntnisse in Englisch, Italienisch, Spanisch und auch Deutsch geben.
Bei den Bewegungs- und Gesundheitskursen wartet die VHS in den Ortsteilen mit BODYART-Ganzkörpertraining auf, eine Mischung aus Yoga und Pilates. Für Einsteiger ohne Vorkenntnisse gibt es Line Dance oder auch Autogenes Training. Yogaunterricht auf Englisch, für Muttersprachler ebenso geeignet wie für all jene, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen, beweglich mit Körper und im Kopf bleiben. Etwas für einen gesunden, starken Rücken kann bei einem Kompaktkurs tun oder Der Weg in die Stille bei einem Meditationskurs. Für alle Wanderfreunde, aber nicht nur für sie bietet die VHS einen Workshop für Orientierung mit Karte und Kompass. Bei der Jungen VHS weist Horvat auf den Workshop „Lernstrategien für Jugendliche“ hin und im Bereich Arbeit & Beruf besonders auf den Kurs „Rhetorische Qualifizierung für Frauen“.
„Wir freuen uns alle, dass es ab dem 17. August wieder losgeht. Ein Stück Normalität kehrt zurück“.
 
Dynamisch habe Herr Horvat mit seinem Team auf die Bedürfnisse reagiert, hob die Leiterin des Amtes für Bildung, Jugend, Familie und Senioren heraus, zu deren Bereich die VHS gehört. Sehr souverän ist mit den großen Veränderungen umgegegangen worden, nun hoffe sie, dass das neue Programm gut angenommen wird. Ein ausgeklügeltes Hygiene- und Abstandskonzept haben wir für das Haus erarbeitet, damit sich die Teilnehmer nicht begegnen. Auch in den Kursräumen war der Zollstock der Dirigent, um die Abstände einzuhalten. Dort wo sonst gut 20 Frauen und Männer sitzen, dürfen es nur noch 12 sein. Das hat aber für die Teilnehmer auch den Vorteil, dass sich der Dozent noch intensiver um seine „Schüler“ kümmern kann.
 
Anmeldung bei der Geschäftsstelle in der Pforzheimer Straße 14a, geöffnet montags, dienstags, und donnerstags während der Ferienzeit von 8.30 bis 12 Uhr, Telefon 07243 101 484, vhs@ettlingen.de. www.vhsettlingen.de  
 

Der neue VHS-Leiter Attila Horvath und Bildungsamtsleiterin Barbara Baron-Cipold mit der Zertifizierungsurkunde und dem Titelbild des neuen VHS-Programm für das 2. Semester 2020