Dank Digitechnik geht’s weiter

Still ist es, kein snare drum, keine Trompete, keine Geige, einfach nur still ist das Gebäude in der Pforzheimer Straße, das sonst ein einziger Klangkörper ist.
Trotz der Ruhe geht es hinter der verschlossenen Tür der Musikschule weiter oder besser im heimischen Wohnzimmer. „Es fühlt sich falsch an“, so der Kommentar von Stefan Moehrke, Leiter der Musikschule, über die Stille im Haus. Doch alle, von den Schülern, über das Kollegium bis hin zu den Eltern ziehen an einem Strang, um weiter musizieren zu können. Klar, das technische Equipment ist nicht immer am Puls der Zeit. Doch ob professionelle Ausstattung oder Unterricht über das Telefon, Hauptsache es geht weiter.
 
Mancher Kollege habe sich als IT-Crack „geoutet“, so Moehrke, und man hat sich gegenseitig für den digitalen Unterricht fit gemacht. Die Information- und Kommunikationsabteilung der Stadt (kurz IUK genannt) hatte auch immer eine Lösung, wenn wir vor Problemen standen. Von Seiten des Fördervereins hat man uns auch unter die Arme gegriffen. „Wir haben aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns viel gelernt, so konnten wir sehr schnell beim zweiten in den online Unterricht umswitchen, so dass die 1 200 Online-Schüler/-innen von 84 Lehrer/-innen von zu Hause unterrichtet werden.
Für die ganz kleinen Schüler drehen wir Videos, damit sie ihre Lieder hören können, oder wir nehmen kleinere Konzerte auf, so dass die Schüler einerseits die Bühnensituation trainieren und wir andererseits dadurch den Eltern eine Rückmeldung geben können, wo ihre Kinder stehen. „Sogar ein Instrumententag haben wir veranstaltet“. Alles was an Instrumenten im Haus verfügbar war, wurde eingesammelt, Termine vergeben, so war es beispielsweise möglich, eine Klarinette zu testen, die hernach für eine Woche in Quarantäne kam. „Wir haben uns zuvor beim Robert-Koch-Institut informiert über das anschließende Procedere.
Derzeit arbeitet der Chef der Musikschule an Online-Workshops als Ergänzung zum Unterricht. Gerade im Bläserbereich könne man da einiges machen, das reicht vom warm up vor dem eigentlichen Üben über die Instrumentenpflege bis hin zur Harmonielehrer. Kurz und knackig, einmal in der Woche, vielleicht so zwischen 15 und 30 Minuten wäre Moehrkes Vorstellung.
 
Kein Fragezeichen gibt es hinter Jugend musiziert, das fällt nicht aus. Der Bundeswettbewerb Jugend musiziert ist für all jene hilfreich und wichtig, die planen professionell in die Musik einzusteigen. Und dann gibt es auch für uns unglaubliche Momente, wie bei der Orchesterarbeit eines Oktetts, das ohne Dirigenten sein Konzertstück präsentierte. Alle mußten aufeinander hören, Pausen einhalten, jeder war für das Gelingen verantwortlich und die acht jungen Musiker haben die Herausforderung mehr als gut gemeistert, hob Moehrke heraus.
 
Für alle jene, die sich überlegen, überhaupt in die Musik einzusteigen, wird es einen digitalen Tag der offenen Tür geben. Wir werden Filme auf unsere Homepage stellen, die den Interessierten durch unser Haus führen, er kann in Proben hineinhören oder in die Orchesterarbeit. Das wird sicher auch nach Corona Bestand haben, weil solche Videos wie Präludien sind.
 
Auf Moehrkes Agenda steht auch eine Fortbildung des Kollegiums für Videoproduktionen, um zu zeigen, welche Fehler man vermeiden sollte, was optimal wäre.
 
Auch wenn wir uns mittlerweile alle ganz gut im online-Unterricht bewegen, dennoch ist der Präsenzunterricht durch nichts zu ersetzen, auch weil er der Kontaktpflege innerhalb des Hauses dient. Er erinnere sich an das Strahlen in den Augen der Schüler, als sie nach dem ersten Lockdown wieder in die Musikschule zum Unterricht kommen durften.
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