Erster Spatenstich für Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft: Ersatz für ‚Schwedenhäuser‘ entsteht in serieller Bauweise

Erster Spatenstich für das Bauprojekt: Sieben Personen schaufeln vor der Infotafel den Sand, es sind Vertreter des Aufsichtsrates, der Geschäftsführer der Stadtbau und ein Vertreter der Baufirma.

Beim symbolischen ersten Spatenstich am 15. Dezember zeigte sich der Abendhimmel in wunderbaren Farben: dort, wo in der Pforzheimer Straße die alten Schwedenhäuser standen, soll in sportlich kurzer Zeit ein neues Haus entstehen. Es wird, wie es der Aufsichtsratsvorsitzende der Bauherrin Stadtbau Ettlingen GmbH, Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker formulierte, „viele Dinge ordnen“.

Zunächst hatte der Geschäftsführer der Stadtbau Ettlingen GmbH, Steffen Neumeister, Aufsichtsrätinnen, Beteiligte und Firmenvertreter zum Auftakt des Bauvorhabens begrüßt. Er wertete die späten Sonnenstrahlen als gutes Omen für den Bau, anmerkend, dass es sich dabei um ein Projekt von großer Bedeutung für die Stadt handle, denn es bestehe großer Bedarf.

Dr. Heidecker verwies ausdrücklich darauf, dass die Unterbringung von Obdachlosen sowie von Flüchtlingen eine kommunale Pflichtaufgabe sei und gesetzlich verankert. „Wir haben keine normverwerfende Kompetenz, das heißt, wir müssen uns dieser Aufgabe stellen“, betonte der Jurist, dies sei vielfach nicht klar. Aktuell sind in Ettlingen 632 Personen in 79 Unterkünften, die dezentrale Unterbringung ist ein Grundsatz der Stadtverwaltung. Auch auf dem Grundstück in der Pforzheimer Straße wohnten zurückliegend schon Personen in den sogenannten Schwedenhäusern. Nach einem Brand waren allerdings Erdgeschossbereiche nicht mehr nutzbar, eine Sanierung erwies sich als wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Mit der Stadtbau als Bauherrin habe man den besten Partner gefunden, um das 7,2 Mio. Euro kostende Gebäude zu realisieren, in dem nach der Fertigstellung etwa ein Viertel der Räume durch Obdachlose, der Rest durch Flüchtlinge belegt sein werde.
Zu dem Kosten merkte der Aufsichtsratsvorsitzende an, dass eine Containerlösung rund zweieinhalbmal so viel kosten würde, „der Neubau ist wirtschaftlicher“, nicht zuletzt dank der besonderen Bauweise der Firma Züblin.

Zudem ermögliche der Bau der Unterkunft die Weiterentwicklung im Bereich des Hotels Holder in Ettlingen-West, wo betreutes Wohnen entstehen soll, und den Abbau von Containern, beispielsweise am Bahnhof Erbprinz.
„Der Zeitplan ist ambitioniert“, so der Bürgermeister weiter; Ende 2026 soll der Bau stehen, Bezug wäre dann Anfang 2027.

Bauleiter Frank Mahlau von Züblin erläuterte dann die serielle Hybridbauweise, anmerkend, dass die Zusammenarbeit mit der Baurechtsbehörde sehr unkompliziert gewesen sei. Das Gebäude entstehe aus wenig Beton, viel Holz, dies spare rund 30 Prozent CO² ein. Lediglich das Erdgeschoss werde wegen der Hochwassersituation in Stahlbeton ausgeführt. Auf der flachen Gründung wegen des besonderen Untergrunds werden sich vier Stockwerke erheben, die Dämmung wird aus Mineralwolle bestehen. Die Badzellen sind Fertigbauteile, so gehe der Innenausbau sehr schnell voran, so Mahlau. Auch im Sinne zirkulären Bauens biete das System Vorteile; wenn das Gebäude dereinst wieder abgerissen werden sollte, kann es überwiegend recycelt werden.

Die Raumgrößen im Inneren variieren, es wird auch Platz für Familien geben, zudem werden zwei bis drei Wohnungen barrierefrei. Die Wärmeversorgung werde durch eine Luft-Wasser-Wärme-Pumpe geregelt, zudem werde es eine PV-Anlage auf dem Dach geben. „Wir erreichen so den KfW-55-Standard.“ Für die bis zu 100 Bewohner wird es einen großen Radabstellplatz geben.