Champion Tree auf Ettlinger Friedhof entdeckt: Rotblättrige Rotbuche ist die größte ihrer Art

Gesamtansicht der Rotbuche an ihrem Standort auf dem Friedhof

Ein Rekordbaum der Art Fagus sylvatica „Rohanii“ wurde auf dem Friedhof in Ettlingen entdeckt. Dabei handelt es sich um die rotblättrige Rotbuche, deren besondere Blattform an Eichen erinnert. Ihr Zusatzname „Rohanii“ geht den Recherchen nach vermutlich auf einen tschechischen Adligen zurück.

Ein Champion Tree ist der stärkste Baum innerhalb seiner Art je Bundesland. Die rotblättrige Rotbuche auf dem Ettlinger Friedhof ist sogar deutschlandweit die größte ihrer Art.

Dr. Tobias Bauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Naturkundemuseum Karlsruhe, hat die besondere Rotbuche zufällig bei einem Friedhofsbesuch entdeckt und auch die Aufnahme in das Verzeichnis der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft veranlasst. Über deren Webseite ddg-web.de können Funde gemeldet und das Verzeichnis eingesehen werden.

Nahaufnahme der Blätter der Rotbuche, die an Eichenblätter erinnern

Doch was macht diese Rotbuche nun so besonders? Sie habe einen sehr breiten Wuchs, so Dr. Bauer. Ihre Krone hat einen Umfang von 16 Metern, der Stamm ist zweigeteilt und hat einen Umfang von 3,3 Metern. Damit ist sie in Deutschland die größte kartierte rotblättrige Rotbuche.

Die Buche steht im hinteren Teil des Friedhofs, einer Erweiterung von 1910. Ein Hinweis auf das Alter der Buche gibt eine Einbuchtung am Stamm. Hier lassen sich die Umrisse eines inzwischen entfernten Grabsteins erkennen. Die Buche muss 1969 auf ein frisches Grab gepflanzt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt war sie etwa fünf Jahre alt und hat somit inzwischen ein Alter von 62 Jahren erreicht. Sie ist in gutem Zustand, denn an ihrem Standort profitiere sie von der Bewässerung des Friedhofs, merkte Bauer an.

„Der Schutz und die Pflege solcher alten Arten ist wichtig“, so Ingrid Lotterer, Abteilungsleiterin der Garten und Friedhofsabteilung. Das sei jedoch eine Generationenaufgabe, die alle etwas angehe. Den Erfolg können man also nicht dieses oder nächstes Jahr sehen, ergänzte Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker; mit Blick in die Runde merkte er an: „Auch wenn es ein Ort der Trauer und des Gedenkens ist, kann man hier auch Kraft tanken.“

Wie wichtig der Baumbestand auch im Hinblick auf Hitzeperioden ist, wurde in den letzten Wochen deutlich. „Auf dem Friedhof gibt es nur wenig Fläche, die sich direkt in der prallen Sonne befindet“, merkte Marco Gremmelmaier von der Garten- und Friedhofsabteilung an. Über Luftbilder könne das gut nachvollzogen werden. Durch einen Schaderreger gingen in den letzten Jahren allerdings einige Zedern und somit auch Schattenplätze verloren.

„Die Biodiversität in Ettlingen ist einzigartig“, stellte Bauer fest. Die Vielfalt an Bäumen mache es aus und sorge dadurch für ein gewisses Nektarangebot für Bienen. Im Ettlinger Stadtgebiet gibt es etwa 22.000 Bäume, den Forst nicht miteingerechnet. In den Ettlinger Parks finden sich somit auch noch weitere markante Bäume, beispielsweise die Mammutbäume im Watthaldenpark. Würden alle Bäume einmal überprüft, könnten sich noch weitere Rekordbäume darunter hervortun, so Stadtbauamtsleiter Daniel Schwab. „Sie dürfen auf jeden Fall weiter aufmerksam durch Ettlingen laufen“, meinte er deshalb lachend zu Dr. Bauer.