Volkstrauertag: „Achtet, dass niemand Euch irreführt
„Ich kenne keinen Krieg, ich musste nie schießen, weil es mir befohlen wurde. Ich wünsche, jeder würde ihn wie ich nur vom Hören-Sagen kennen“. Mit diesen Zeilen aus einem Antikriegsgedicht sprach der Jugendgemeinderat Paul Todoran wohl allen aus der Seele, die am Sonntag am Volkstrauertag bei der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Kernstadtfriedhof zu gegen waren. Mit ihren Gedichtvorträgen wollten die Jugendgemeinderäte Paul und Merza Polat die Bedeutsamkeit dieses Tages auch für junge Menschen unterstrichen. Doch leider ist der Wunsch ein frommer, der Krieg wütet auch wieder in Europa. Gerade vor diesem Hintergrund unterstrich Oberbürgermeiste Johannes Arnold in seiner Ansprache, es dürfe „kein nostalgischer Rückblick sein. Wir haben gesehen bei der Ukraine, wie schnell alles anders sein kann“. Zugleich betonte er, „wir sollen jenen zuhören, die den Krieg erlebt haben. Sonst bleibt die Erinnerung eine abstrakte und der Volkstrauertag würde an seiner Bedeutsamkeit verlieren“.
Gerade deshalb werde er es dieses Mal nicht dulden, dass eine Partei dieses Gedenken für ihre Zwecke instrumentalisiert. Nur an deutsche Opfer zu erinnern, sei eine Verhöhnung aller Kriegstoten. Der Volkstrauertag ist überdies eine Veranstaltung der Stadt und des VdK, er kenne keine Grenzen und keine Staatsangehörigkeiten. Es sei wichtiger denn je, „wachsam zu bleiben und deutlich aus- und anzusprechen, wenn Grenzen überschritten werden.
„Wir verbeugen uns vor jenen, die für ihren Glauben, für ihre Wert und im Widerstand gestorben sind, so VdK-Vorsitzender Manfred Lovric. Wir gedenken aber auch der 122 Millionen Menschen auf der Flucht, davon fast die Hälfte Kinder. Bis heute stehe der VdK hinter den Schwachen.
„Verunsichert blicken wir in die Zukunft, verbunden mit der Frage, ob wir dauerhaft lernen können“, so Silke Nofer-Steigert für die christlichen Kirchen in Ettlingen. Sie zitierte aus dem Lukas-Evangelium „jetzt achtet, dass niemand Euch irreführt“. Jesu gibt Orientierung und auch die richtigen Antworten. Er warnt vor falschen Propheten, lenkt den Blick hinter die Gesten, um den Geist und die Werte zu erkennen.
Für einen würdigen Rahmen sorgten die Liedertafel und der Musikverein Ettlingen. Anschließend wurde auf dem Ehrenhain der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft und gedacht und an den Kreuzen kleine Blumengebinde niedergelegt.
