Artenschutz und Zoo - ein Duo, das sich ergänzt

Dr. Roller demonstriert mit einem Tigermodell wie groß das Maul dieser Großkatze ist.

Spätestens seit Mika, dem putzigen kleinen Eisbär kennt sie jeder: die Ärzte des Karlsruher Zoos. Einer von ihnen kam zur EKSA. Dr. Marcus Roller, er zog wie ein Magnet die Ministudenten in den Vorlesesaal der Volkshochschule. Sie wollten ihn hautnah erleben, vor allen Dingen seine tierischen Geschichten aus dem Zoo hören. Der Titel seines Vortrags klang sehr vielversprechend „Ein Tag als Zootierarzt – Wenn Eisbär, Elefant und Co zum Tierarzt müssen“. Nicht nur mit Bildern und zwei Schädelnachbildungen wusste Roller die Kinder in den Bann zu ziehen, sondern viel mehr mit seiner Art des Erzählens, seiner Leidenschaft für den Beruf des Tierarztes, besonders in einem Zoo.

Professor Klemens Gintner freute sich zusammen mit Iamse Wipfler vom Amt für Bildung, Jugend, Familie und Senioren über das volle Haus. Dr. Roller könnte sicher ein ganzes Jahr lang Geschichten erzählen aus dem Zoo. Prall war schon der Ausschnitt eines Tages und die Kinder bewiesen wieder einmal mehr, dass sie schon ein gerütteltes Maß an tierischem Wissen haben.

350 verschiedene Tierarten leben im Karlsruher Zoo, um die sich Roller mit seinem Kollegen Reese kümmert nebst den Tierpflegern und Biologen. Nur im Team geht diese Arbeit, denn „wir alle wollen, dass die Tiere erst gar nicht krank werden“. Deshalb gilt es, sie auf Parasiten zu untersuchen, sich um eine artgerechte Ernährung zu kümmern, so bekommt ein Ameisenbär geschredderte Termiten, denn Termitenhügel können wir keine anlegen, oder der Mähnenwolf braucht nicht nur Fleisch, sondern auch Früchte. Das hat man früher nicht erkannt. Gorillas bekamen zu Alfred Brehms-Zeiten schon mal ein Butterbrot oder Weißbier. „Wir müssen zudem schnell reagieren, wenn ein Tier doch mal krank werden sollte“. Die großen Wohngemeinschaften von unterschiedlichen Tieren aus der Savanne hat auf alle mehr als positive Auswirkungen.

Ein Tier hat es Roller ganz besonders angetan, der Luchs. Mit ihm durfte er auch den schönsten und tollsten Momenten erleben. Sein Augenmerk gilt auch und gerade dem Artenschutz, den der Karlsruher Zoo schon lange verfolgt. Im Oberwald gibt es ein eigenes Auswilderungsgehege, wo die Tiere behutsam auf die Freiheit vorbereitet werden. Magisch ist der Moment, als man im Film sieht, wie der Luchs in den tiefverschneiten Schwarzwald springt. Seinen Stolz über diesen Erfolg verhehlte er nicht, Der Luchs hat zudem schon den ersten Nachwuchs. Vor 30 Jahren glaubte niemand, dass die Auswilderung dieses Tiers klappen könnte. Wir haben in der Zusammenarbeit mit dem KIT dafür gesorgt, dass es für dieses Tier eine Zukunft gibt. Das verfolgen ganz viele Zoos mit ihren Artenschutzprogrammen.

Doch man kann die Tiere nur wieder in die Natur entlassen, wenn sie intakt ist und man auch ein entsprechendes Management verfolgt. Eisbären zu züchten, um sie in die Arktis zu entlassen, wo das Eis unter den Pranken und das Nahrungsangebot schmilzt, wäre eine Farce. Keine hingegen ist es bei den Moorfröschen. Wenn der Mensch wieder Moore anlegt, haben sie eine Zukunft. Dennoch ist es wichtig, dass wir Eisbären haben.

Natürlich gab es auch Bilder von Mika, der mittlerweile 230 Kilo wiegt und immer noch bei seiner Mamma trinkt. Doch eine Trennung der beiden ist unausweichlich. In der Natur würde das Muttertier ihr Junges allein lassen, wenn es "alt"  genug. Mika wird in einen anderen Zoo gebracht werden, natürlich in einer ausbruchsicheren Kiste, das wollten die Ministudenten schon ganz genau wissen, die noch eine ganz Reihe von Fragen hatten, die Roller nicht müde wurde zu beantworten.

Am Ende gab es denn auch für den sympathischen Tierarzt begeisternden Applaus, in der Hoffnung, dass er vielleicht nächstes Jahr wieder nach Ettlingen kommt. Darüber würde sich auch Iamse Wipfler freuen, bei ihr laufen die Fäden für die EKSA zusammen. Ach, und die beiden Schädelmodelle, die auf dem Tisch lagen, waren jene von einem Gangesgavial und einem sibirischen Tiger.

Die EKSA geht weiter

Am Dienstag, 1. September, um 10 Uhr mit „Nala - vom Welpen zum Rettungshund“. Anke und René Asché schildern, wie ein Hund zum Lebensretter ausgebildet wird mit praktischer Vorführung. Obacht: der Termin findet beim Ettlinger Frauen- und Familienzentrum statt, Middelkerker Str. 11.

Ausgebucht ist der Biologie- und Chemieworkshop bei Dr. Ines Lind am Donnerstag, 10. September, es gibt aber eine Warteliste.

Schlussakkord der EKSA ist am Freitag, 11. September, „Was ihr wollt“ mit Professor Dieter Fehler, VHS, 10 bis 11.30 Uhr.
 

Das vollständige Programm nebst Informationen zur Anmeldung gibt es unter www.ettlingen.ferienprogramm-online.de oder unter www. vhsettlingen.de