Seit 75 Jahren mehr als eine Badeanstalt

Das Hauptgebäude des Albgaufreibades ist illuminiert

Sonnencreme, Pommes und Arschbombe, bis heute sind sie die Dinge, die ein Badebesuch ausmachen. Mag sich in den zurückliegenden 75 Jahren beim Albgaufreibad einiges verändert haben, aber das oben genannte Trio ist und bleibt eine feste Größe, eine feste Konstante.
Nicht in Stein, oder besser in Beton gemeißelt blieb die Struktur des Bades in den zurückliegenden Jahrzehnten. Neuen Trends wurde von den Verantwortlichen, am Anfang die Stadt, dann die Stadtwerke, nicht hinterhergejagt. Es war und ist stets ein klassisches Freibad, das alle Generationen im Becken, auf der Liegewiese und am Kiosk vereint.

OB und Stadtwerkechef überreichen die neuen Logo an Bäderchef Daul

Diese 75 Jahre wurden denn auch gebührend gefeiert. Am Anfang seiner Begrüßung stellte Stadtwerkegeschäftsführer Steffen Neumeister die Mitarbeiter der Bäder, die einen spontanen Applaus erhielten. Sie sind das Gesicht. Aber ohne die mutigen und großen Entscheidungen des Aufsichtsrates der Stadtwerke sehe das Albgaufreibad nicht so aus, wie es sich heute den Badegästen präsentiert. Der rote Faden in den zurückliegenden Dezennien war, „wir stehen zu den Bädern“, unterstrich Oberbürgermeister Johannes Arnold, der dem Aufsichtsrat und dem Gemeinderat dankte, dass sie die Entscheidungen stets mitgetragen haben. Arnold erinnerte an das Jahr 1951 als die Kassen nicht voller waren als heute. Als es Diskussionen gab, ob man sich ein neues Bad leisten könne. Der Neubau auf der Jahnwiese wurde als Luxusprojekt kritisiert.

Film während der Jubiläumsfeier

Schnell entwickelte es sich zum Sommertreff. 35 Jahre später war nicht mehr die Stadt, sondern die Stadtwerke Herrin der Bäder. 2007/08 sanierte das Energieunternehmen das Bad für rund 5,6 Millionen Euro. Rund 100 000 Wasserratten stimmen jedes Jahr mit den „Flossen“ ab, das Ettlinger Freibad ist ein mehr als lebendiger Ort. Er wird auch von Vereinen stark frequentiert, ob von der DLRG oder den Sportvereinen, nicht zu vergessen von den Schulen.

Beim Umbau in den Jahren 2007/08 wurden rund sechs Millionen Euro in die Hand genommen, 61 Tonnen Edelstahl verbaut. „Eine langfristige Investition“, so Arnold. Er hatte auch eine rührende Geschichte zu erzählen, von einer Begegnung unter Wasser, die bis heute hält. Das künftige Ehepaar sah sich beim Tauchen und es ward um sie geschehen, so der OB, der dem Paar erst kürzlich zu ihrer Goldenen Hochzeit gratulieren konnte.

Die Drachenfigur ist grün angestrahlt und Sterne umtanzen sie

2026 ist ein Rekordjahr, ließ Neumeister wissen. 500 000 Badebegeisterte besuchten unsere Einrichtungen und am Buchtzig ist in diesem Jahr die 100 000 Marke geknackt worden.

Als Geburtstagspräsent gab es für den Chef der Bäder Daniel Daul die neue Logofamilie. Alle vereint eine Wellenlänge. In den farbigen Wasserspritzern der Dachmarke „Ettlinger Bäder“ spiegeln sich die unterschiedlichen Farbwelten der einzelnen Bäder wider. Das Hallenbad mit seinem Sprungturm in Dunkelblau, über das Freibad mit dem Wasservulkan in hellem Blau und dem Waldbad Schöllbronn mit seinem Zeltdach in Orange bis hin zum Badesee Buchtzig mit Sonnenschirm in Grün. Nicht zu vergessen, die Sauna mit Holzkübel und -kelle in dunkelrot. In diesem Jahr wird es zum Saisonabschluss ein größeres Fest für die Mitarbeiter der Bäder geben, unterstrich Neumeister.   

Und dann hieß es Film ab von Harald Fehrer. Der Ettlinger Filmemacher u.a. bekannt durch sein Werk „Unser Erwin“ hat mit Herzblut einen Blick durch die Linse auf das Freibad geworfen, nach umfangreicher Recherchearbeit und zahlreichen Interviews. Er selbst ist seit 66 Jahren mit Freibad verbunden, er habe dort schwimmen gelernt. Er nahm die Zuschauer zunächst mit auf eine Reise in die Ettlinger Badekultur von den Römern über die mittelalterliche Badestube bis hin zum ersten Freibad, wo Männlein und Weiblein durch eine drei Meter hohe Wand getrennt waren.

Manche Sequenzen sorgten für ein Schmunzeln, besonders bei den Bildern aus den 50er Jahren. Mehr als spannend war der Blick hinter die Kulissen, auf die Technik, die dafür sorgt, dass man entspannt ins Wasser hopfen kann, das von der Brudergartenquelle stammt und sehr weich ist. Ein großer Vorteil, ließ Daniel Daul wissen. Rund 130 Liter pro Tag und Badegast sind es im Übrigen. Nicht nur Wasser floss an diesem Abend, dem Petrus sehr hold war. Ein doppeltes Glück, wie es Arnold bei seiner Begrüßung betont hatte. Die Illumination der Gebäude, Rutschen und Sprungtürme gab dem Bad ein besonderes Gesicht. Für die richtige Musik auf der Geburtstagsfeier sorgte Amy Sue & Friends.

Und am Ende der Jubiläumsfeier glaubte man, den Duft von Sonnencreme und Pommes in der Nase zu haben und das Platschen einer Arschbombe zu hören.

Noch bis zum 20. September ist das Albgaufreibad geöffnet, das seinen Namen durch einen öffentlichen Wettbewerb im Jahr 1988 erhalten hat.