Neue Sterne am Pianistenhimmel
Die Ströme zwischen dem Schloss und der Musikschule fielen in den vergangenen Tagen jedem in Ettlingen auf. Jugendliche mit Musiknoten unter dem Arm mit dem Kopf noch im Asamsaal, wo sie vor der Jury ihr Können, ihre Interpretation zu Gehör brachten. Zwischendurch werfen sie dann doch einen Blick in die Alb und auf die Rathausfassade und erfreuen sich am Glockenspiel, und posieren mit ihren Begleitern für Fotos.
Gespanntes Warten nun am Sonntagvormittag, da erfuhren die knapp 100 jungen Klaviervirtuosen, wer von ihnen einen Preis errungen hatte auf dem Jubiläums-Wettbewerb für junge Pianisten. Schön zu beobachten, dass sie mit den anderen zusammen noch Kinder sein können, Quatsch machen, kichern, sich knuffen, um sich dann am Flügel in einen anderen Menschen zu verwandeln, der eine Ernsthaftigkeit zeigt, die bei so jungen Menschen sonst nicht zu sehen ist.
Und dann durfte sich das Publikum in der Stadthalle auf die Preisträger bis 15 Jahre freuen. Die Belgierin Mahault Claire J Ska, 5. Preis spielte Ravels Jeux d´ eau, die 4. platzierte Olivia Tianqing Ye, USA Mozarts Sonate B-Dur KV 333, die 3. platzierte Zong You Alexander Han aus Hong Kong brachte Prokofjews Sonate Nr. 3 a- Moll op. 28 zu Gehör, die zweitplatzierte Shengkai Wang aus China Schuberts Sonate Es-Dur D 568 und die erstplatzierte zwölfjährige Chung-Ning Chen aus Taiwan begeisterte mit Medtners Primavera op.39 Nr. 3, Chopins Etüde a-Moll op. 10 Nr. und Liszts Feux Follets. Bevor die Teilnehmer bis 22 Jahre die Zuschauer verwöhnten, hob Oberbürgermeister Johannes Arnold in seiner Ansprache heraus, es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Ettlingen solch einen Wettbewerb ausruft. „Er ist unser Bekenntnis zur Kunst und Kultur“. Darauf wollen wir nicht verzichten. Denn eine Stadt könne nicht nur Pflichtaufgaben erfüllen, dann verliere sie ihren Charakter. Angesichts knapper Kasse ist solch eine Veranstaltung gleichfalls keine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe und baue wie die anderen Rathauschefs auf die Einsicht des Landes, dass wir die notwendigen Gelder erhalten, wir sind die Stabilitätsanker der Demokratie. Er erinnerte an das Jubiläumskonzert des ehemaligen Preisträgers Boris Giltburg im Asamsaal vor wenigen Tagen. Es unterstreicht die Bedeutung Ettlingens als Sprungbrett.
Gleichfalls keine Selbstverständlichkeit sei, dass der Gemeinderat die Gelder für den Wettbewerb bewillige, die Arbeit der Jury, der Einsatz der vielen freiwilligen Helfer, die Gastfamilien, die dafür sorgen, dass sich die jungen Menschen in Ettlingen willkommen fühlen, und ein ganz besonderer Dank richtete Arnold an den Geschäftsführer des Porsche Zentrums Karlsruhe Dimitrios Th. Varvitsiotis und das Vorstandsmitglied der Sparkasse Karlsruhe Thomas Schroff, ohne sie wäre der Wettbewerb nicht möglich wie auch dank des Unternehmerpaares LaBianca und Herr Hellermann von Steinway. Dann wurde es emotional. Nein nicht die älteren Preisträger konzertierten, sondern die Institution in der Institution wurde verabschiedet Frank Reich, er war einer der prägenden Köpfe des Wettbewerbs. Von Anfang an dabei, sprich 37 Jahre. Zusammen mit Hans Dieter Mohr von der Musikschule bildete er ein kongeniales Duo. Mohr sorgte für die essenziellen Dinge im Hintergrund. Den Kopf der Jury Professor Robert Benz verabschiedete der OB gleichfalls, er sprang nochmals als Vorsitzender ein, dafür dankte er dem Scheidenden von Herzen. Die Jury: Professor Susumu Aoyagi Japan, Professoren Reinhard Becker, Roland Krüger sowie Professorin Kristin Merscher Deutschland, Professor Yong Kyu Lee Republik Korea, Professorin Eliane Reyes Belgien, Professorin Catherine Vickers Kanada und Professor Mikhail Voskresenskii Russland.
Nach den Ehrungen erklang wieder virtuoses, perlendes und in den Bann ziehendes Klavierspiel. Der 5.platzierte Petr Akulov, Russland spielte Rachmaninows Lilacs op. 21 Nr. 5, der 4. Platzierte und EMCY-Preisträger Oliver Hak aus Polen brachte Ligetis `escalier du diable zu Gehör, der 3.platzierte Yuto Hasegawa Mozarts Sonate C-Dur KV 330, der 2. Platzierte Toby Kai Rong Tan aus Singapur Prokofjews Etüden op. 2 Nr. 3 und Nr. 4 und für Begeisterung sorgte der erstplatzierte Jaeyong Lee mit Brahms Sonate D-Dur op. 1 Allegro.
Auf dem anschließenden Empfang machte sowohl Varvitsiotis und Schroff deutlich, dass sie auch weiterhin den Wettbewerb unterstützen werden, wenn auch nicht mehr in dem Umfang, so Porsche-Geschäftsführer und Sparkassen-Vorstandsmitglied. Beide dankten Frank Reich, der hochkarätig besetzten Jury, dem Team des Kulturamtes und der Musikschule.



