Mehr Sicherheit im Alter: ehrenamtliche Seniorensicherheitsberater helfen
Das Telefon klingelt, eine nette Stimme fragt „Rate mal, wer dich hier anruft?“ Wer da einen Namen nennt, hat dem Betrüger schon den ersten Vorteil verschafft. Straftaten zum Nachteil älterer Menschen sind weit verbreitet. Enkeltricks, Schockanrufe, falsche Polizisten, falsche Handwerker, Taschendiebstahl, Telefon- und Internetbetrug: viele Kriminelle haben sich auf ältere Menschen ‚spezialisiert‘.
Mehr Sicherheit im Alter, dazu wollen die ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberaterinnen und -berater im Landkreis beitragen. Mittlerweile gibt es über 30 Freiwillige in den Landkreisstädten und -gemeinden, allein in Ettlingen haben sich sieben Personen gemeldet, die sich aktiv für die Sicherheit älterer Menschen in der Stadt einsetzen wollen. Am Freitag vergangener Woche überreichte die Seniorenbeauftragte Luisa Adamzseski die Ausweise an Helmuth Kettenbach und Jürgen Rösler, die übrigen erhalten ihre Ausweise per Post.
Oberbürgermeister Johannes Arnold und der Leiter des Amts für Bildung, Jugend, Familie und Senioren, Sebastian Becker, dankten den Freiwilligen für ihr Engagement und die der Aufgabe gewidmete Zeit. „Dies ist wichtiger denn je, denn die Betrugsmaschen sind vielfältig“, betonte OB Arnold. Nicht nur Ältere seien gefährdet, jeder sei dazu aufgerufen, äußerst aufmerksam und vorsichtig zu sein, „das sind die Schattenseiten der KI, selbst Stimmen ist nicht zu trauen.“
Das gemeinsame Präventionsprojekt für die Sicherheit Älterer des Landkreises Karlsruhe und des Kreisseniorenrats wurde im vergangenen Jahr initiiert. Das Projekt ist einer Reaktion auf die zunehmende Bedrohungslage älterer Menschen durch spezielle Betrugsmaschen. Auch Alltagsgefahren im Straßenverkehr oder im häuslichen Umfeld stehen im Fokus. Ziel ist es, Seniorinnen und Senioren durch Aufklärung und praktische Tipps zu stärken, Ängste abzubauen und Selbstvertrauen zu fördern. Es geht für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger in erster Linie darum, Gefahren und kriminelle Fallen richtig einzuschätzen und sich so zu schützen.
Die Sicherheitsberaterinnen und -berater fungieren als Bindeglied zwischen Bürgern, Gemeinde und Polizei. „Wir übernehmen nicht die Arbeit der Polizei“, betonte Helmuth Kettenbach. Den Impuls gab der Kreisseniorenrat; so kam auch der ehemalige Seniorenbeiratsvorsitzende zu seiner Tätigkeit, Kettenbach ist stellvertretender Kreisseniorenbeirat. Jürgen Rösler war sechs Jahre in Ettlingen Seniorenbeirat und suchte danach eine neue sinnvolle Betätigung. Er versteht es als Berufung, ältere Mitmenschen zu unterstützen. „Das Thema interessiert mich und ich berate gerne“, so Rösler.
Keine Beratungstätigkeit ohne Schulung: im vergangenen Herbst gab es für die Freiwilligen eine zweitägige Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Referat Kriminalprävention des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden dabei praxisnah auf ihre künftigen Einsätze vorbereitet. Fachleute des Polizeipräsidiums Karlsruhe, der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, des Weißen Rings und der Verkehrswacht Karlsruhe vermittelten Wissen zur Prävention und zum richtigen Verhalten in Verdachtsfällen. Regelmäßige Fortbildungen halten die Ehrenamtlichen auch künftig auf dem aktuellen Stand in Sachen Kriminalität und Enkeltricks.
Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks, das regelmäßig über Gefährdungslagen und Kriminalitätsentwicklungen informiert und wohnortnahe Präventionsarbeit ermöglicht. Ein erstes Netzwerktreffen mit Erfahrungsaustausch ist für den Frühsommer vorgesehen.
Fragen oder Beratungsbedarf? Aktuell sind die ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberater und -beraterinnen über die Seniorenbeauftragte Frau Adamzseski zu erreichen (Tel. 07243 101 146), sie stellt gerne Kontakte her.
Ob, wo und wann künftig Sprechstunden angeboten werden, ist noch in Klärung.
An der Beratertätigkeit Interessierte können sich beim Landratsamt Karlsruhe melden, Georg Spranz, E-Mail an or@landratsamt-karlsruhe.de oder per Tel. 0721 936-84580.
