Dohletreppler

Figur des Dohletreppler in der Werkstatt von Rudi Bannwarth, Quelle: Harald Fehrer

Der Dohletreppler, auch teilweise bekannt unter der Bezeichnung Dohlenaze, ist ein Neckname der Ettlinger und entstammt einer örtlichen Sage. Inspiriert von dieser Erzählung hatte Harald Fehrer, bekannter Filmemacher und Mitglied der Geschichtswerkstatt Ettlingen, die Idee einen Dohletreppler "zum Anfassen" erstellen zu lassen. Der Dohletreppler soll dabei zur Vermittlung der örtlichen Heimatgeschichte und des Brauchtums aus Ettlingen dienen. 

Die Aufgabe zur Erstellung der Figur erhielt der bekannte Ettlinger Holzschnitzkünstler Rudi Bannwarth. Die Erstellung der Figur wurde durch die Förderung von Dieter Stöcklin und Josef Jilg unterstützt. Ein besonderer Dank gilt auch dem ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Erwin Vetter, der sich durch seine moralische und ideelle Unterstützung hervorgetan hat. Die Figur ist ab dem 10. Juli 2026 im Foyer des Verwaltungsgebäudes des Quartiers Alte Feuerwehr zu sehen.

Die Sage um den Dohletreppler

Die Sage über den Ettlinger Dohletreppler entstand in den Zeiten als die städtischen Abwässer noch in muldenförmigen Gräben (in Ettlingen auch Gräwe oder Gräwele genannt) durch die Straßen flossen. Diese Gräben waren an vielen Stellen mit Stein- und Eisenplatten, sogenannten Dohlen abgedeckt.

Ludwig Bopp, der Anfang des 20. Jahrhunderts Sagen und Geschichten aus Ettlingen gesammelt und herausgegeben hat, erzählt dazu 1931 folgendes: Auf den Dohlen spazierten Jung und Alt mit besonderer Vorliebe herum. Hauptsächlich waren es auch die männlichen Kirchgänger, die sonntags vor und nach dem Gottesdienst gerne auf den überdeckten Dohlen herumtrippelten. Besonders den Ettlinger Buben machte es einen Heidenspaß, wenn sie mit ihren Holzschuhen auf den Platten einen gewaltigen Lärm vollführen konnten. So kam es, dass man die Ettlinger bald die „Dohletreppler“ nannte. Dieser liebenswürdige Spitzname ist den Ettlingern bis heute geblieben.

Wann genau die Sage über den Dohletreppler entstand, ist nicht ganz nachgewiesen. Auch gibt es verschiedene Erzählweisen und Überlieferungen, in denen auch von dem Begriff der „Dohlenaze“ die Rede ist. Dieser Name soll sich von dem Brauch ableiten, dass viele Ettlinger Jungen, nach dem Hl. Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, auf den Namen Ignaz getauft wurden. Es existierte zwar in der Zeit von 1663-1773 ein Jesuitenkloster in Ettlingen, jedoch lässt sich keine Häufung des Namens Ignaz in Ettlingen nachweisen. Der „Dohlenaze“ gehört dann wohl in das Reich der Sagen.

Die Figur von Rudi Bannwarth

Figur des Dohletreppler während ihrer Entstehung in der Werkstatt von Rudi Bannwarth, Quelle: Harald Fehrer

Der Dohletreppler, 2026 aus Lindenholz geschnitzt, spricht die typische Formensprache des Ettlinger Holzbildhauers Rudi Bannwarth. Traditionelle Schnitzhandwerkskunst trifft hier auf eine aktuelle künstlerische Formensprache, die Figuren und Geschichten mit einem humorvollen aber durchaus auch zeitkritischen Augenzwinkern darzustellen wissen. Die Sage über den Ettlinger Dohletreppler stand bei dieser Figur Pate: Die Skulptur stellt einen sympathischen, jungen Mann dar mit Schülermütze, blauer Jacke und Schulranzen, der freundlich versunken ist in sein Tun. Er ist gerade im Begriff sein linkes holzbeschuhtes Bein mit Schwung auf den Dohlen niederkrachen zu lassen. Wie wir aus der Sage erfahren, ist Lärm zu machen sein Ziel. Rudi Bannwarth setzt diese Geschichte in eine Figur um, die mitten in der dynamischen Bewegung festgehalten ist. Der Betrachter kann die Geschichte für sich weiterdenken und weitererzählen.