Das Sterntalermädchen

Vor langer Zeit lebte einmal ein Mädchen mit Haaren, leuchtend wie goldener Weizen. Luzia war ihr Name. Ihre liebe Großmutter sorgte für sie, auch wenn sie selbst kaum etwas besaß. Eines Morgens fand Luzia die Großmutter zitternd im Bett. In der zugigen Dachkammer war kein einziges Stück Kohle mehr zum Heizen da und so hatte sich die Großmutter erkältet. Außer einem Stück trockenem Brot und einem schrumpeligen Apfel war nichts mehr da. 

„Was hast du denn, Großmutter?“ „Mir ist so kalt, und ich habe keine Kraft, um aufzustehen.“ Da machte sich Luzia auf den Weg, um etwas zu Essen und Holz für den Ofen zu finden. ln einem Tordurchgang bettelte ein armer alter Mann. Die Menschen liefen achtlos an ihm vorüber. „Dem geht es ja noch schlechter als uns“, dachte sie. Voller Mitleid gab sie dem frierenden Mann ihre schöne rote Mütze. Ein Strahlen ging über sein trauriges Gesicht, und er schenkte ihr zum Dank einen selbstgeschnitzten Stern. In der Gasse wäre sie fast über eine Katze gestolpert, die gerade Junge bekommen hatte. Die kalte Luft tat den winzigen Kätzchen gar nicht gut. Das konnte Luzia nicht mit ansehen. Eilig zog sie ihren Mantel aus und baute damit ein wärmendes Nest für die kleine Katzenfamilie. Die Katze schnurrte freundlich zum Dank. 

Auf ihrem weiteren Weg traf sie einen kleinen Jungen, der weinte, weil seine Schuhe so viele Löcher hatten. Seine Füße waren eisig kalt. Die Eltern hatten aber kein Geld für neue Schuhe. Das konnte Luzia nicht mit ansehen. So kam es, dass sie dem Jungen ihre Schuhe
schenkte. Der Junge konnte sein Glück nicht fassen. „Tausend Dank, ich wünsche dir alles Glück der Welt!“, jubelte er. Die etwas zu großen, trockenen Schuhe waren für ihn das tollste Geschenk. Nun besaß Luzia nur noch ihr weißes Kleid und sie fror bitterlich. Es war dunkel geworden. Wenigstens Holz wollte sie noch im Wald holen. Da öffnete sich der funkelnde Sternenhimmel über ihr. Ein Brausen erfüllte den Himmel. Und plötzlich fielen mit einem hellen Klingeln goldene Sterne vom Himmel, die sich wie durch ein Wunder in Goldtaler verwandelten. Luzia konnte kaum glauben, was ihr geschah. 

„Dem Himmel sei Dank!“, rief Luzia überglücklich und sammelte das funkelnde Gold ein. Von nun an konnten sie und ihre Großmutter ein sorgenfreies Leben führen und die Goldtaler reichten auch noch für viele andere Menschen und Tiere, die Hilfe brauchten. Den einfachen hölzernen Stern behielt Luzia für immer bei sich, denn er hatte ihr Glück gebracht.

Text: Antje Bienefeld